JV3 121
Samstag, den 29. Mai 1897
24. Jahrganq
mit Wnterha ltnngs-Keiiage „Sterne uns Klrrnrerr"
Y
Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Die beste Gelegenheit,
eine billige, volksthümliche katholische Zeitung kennen zu lernen, bietet ein Abonnement auf unser Blatt für i>en Monat Juni, das nur
S 50 Pfg. s
(ohne Zustellgebühr) für diesen Monat kostet. Unsere Zeitung erscheint täglich, Samstags mit der illustrirten .Gratisbeilage ,Sterne und Mkumerri.
Die ,Fuldaer Zeitung", welche, wie von unseren Lesern freundlichst anerkannt wird, sich stets erfolgreich bemüht hat,, ihren Inhalt stetig zu verbessern und zu erweitern, wird auch ferner nach Kräften bestrebt sein, ihren Lesern ein getreues Spiegelbild der Weltbegeben- heiten zu bieten.
ft Die Kolonial-Ansstellung der Abtheilnng Kassel der deutschen Kolonialgesellschast vom 4. bis 13. Juni d. Js.
Die rührige und äußerst thätige Abtheilung Kassel der deutschen Kolonialgesellschast hat schon seit längerer Zeit sich entschlossen, die Feier ihres zehnjährigen Bestehens und des damit verbundenen kräftigeren Aufblühens durch eine Kolonialausstellung zu verschönern, um auf diese Weise in immer weiteren Kreisen, speziell des Hessenlandes und der mit demselben in regerem Verkehr stehenden Landestheile, die kolonialen Bestrebungen des deutschen Reiches bekannt zu machen, für dieselben ein richtiges Verständniß und lebhaftere -Sympathien zu erwecken.
Zu diesem Zwecke hat die Abtheilung einen Ausschuß erwählt, dieser die bezüglichen Kommissionen ernannt, welche alle mit dem größten Eifer sich den übernommenen Pflichten und Arbeiten unterzogen haben.
Die Königliche Regierung hat der Abtheilung das schöne Orangerieschloß zur Verfügung gestellt, das inmitten des Aueparkes gelegen ist, welcher letztere sich in den Pfingsttagen in seiner vollen Frühlingspracht entfaltet und so für sich allein durch seine Schönheit Bewunderung erregt.
Das Schloß selbst, welches aus zwei Flügeln und ■einem Centralpavillon besteht, wird unter der bewährten Leitung der betreffenden Kommission, durch deren Vorsitzenden, Herrn Maler Lüttebrand, in arabisch-afrikanischem Styl ausgeschmückt werden, und der Centralpavillon wird sich in ein afrikanisches Landschaftsbild verwandeln mit täuschend nachgeahmten Gebäuden und zahlreichen Ausstellungsplätzen, in denen die wichtigsten Kolonialprodukte richt nur zur Ausstellung, sondern auch zum Verkauf wie zum Genuß Platz finden werden. Von den für diesen Theil der Ausstellung angemeldeten Firmen wollen wir nur das deutsche Kolonialhaus des Herrn Bruno Antelmann, das deutsch-ostasrikanische Zucker-Syndikat, die Usambara Kaffeebaugesellschaft und die Neu- Guinea - Kompagnie hervorheben (viele andere der Kürze wegen nicht erwähnend), um auf die Wichtigkeit dieses Theils der Ausstellung hinzuweisen.
Der Flügel des Schlosses, welcher sich vom Centralpavillon in der Richtung nach der Stadt hin ausdehnt, in welchem sich auch der sehr geschmückte Ein- gang zur Ausstellung sich befindet, wird der Ethnographie und Ethnologie gewidmet sein. Für diesen Theil der Ausstellung ist es dem äußerst thätigen Beschaffungsausschusse gelungen, eins ganze Anzahl von privaten und sehr reichen Kasseler Sammlungen von Waffen, Geräthschaften und Jndustriegegen- ständen unserer schwarzen Landsleute zu gewinnen, die allein für sich schon des Sehenswerthen außerordentlich viel bieten.
Außerdem wird durch ihre Bemühungen ein großer Theil der ethnographischen und Wirthschaftsgegen- stände, die auf der Berliner Ausstellung so sehr die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zogen, zur Ausstellung gelangen, ebenso wie Modelle der Neu- Guinea-Kompagnie , ethnologische Sammlungen der Leutsch-ostafiikanischen Gesellschaft, Elephantenzähne
und Elfenbeinfabrikate von Zirkenbach und Oechel- häuser, Perlmuttergegenstände von Paul Hinze, Fellen und Decken aus Südwestafrika von Burmeister in Hamburg und Rohprodukte aus den Kolonien von verschiedenen bedeutenden Firmen in Bremen. Die Besucher der Ausstellung können daher darauf rechnen, ein reichhaltiges Material in diesem Theile der Ausstellung zu finden, welches ihnen ein vielgestaltiges Bild von der Thätigkeit und der Lebensweise der Eingeborenen unserer Kolonie vor die Augen führen wird.
In dem zweiten Flügel des Orangerieschlofses, zwischen dem Centralpavillon und der Fulda gelegen, werden Fabrikate, Gegenstände, Zelte und alles das zur Ausstellung gelangen, dessen ein Afrikareisender und eine nach den Kolonien übersiedelnde Person dort benöthigt, und welche überhaupt nach den Tropen ausgeführt werden.
An diefer Ausstellung werden sich verschiedene Firmen betheiligen, die einen wohlbegründeten Weltruf besitzen, von denen ich vor der Hand nur eine erwähnen will, um diese flüchtigen Zeilen nicht all zu weit auszudehnen, nämlich die von Gottschalk und Co. in Kassel.
Für des Leibes Bedürfnisse werden in dem Restaurationslokale die Herren Pickum von Stücks Hotel und Heike vom Palaisrestaurant in ausgiebigstem und vortrefflichstem Maße Sorgen tragen, doch werden dieselben, was Kaffee, Schokolade, Kakao 2C. angeht, nur rein afrikanische Produkte unserer Kolonien ausschenken, um alle von deren Vortrefflichkeit zu überzeugen.
In den Räumen der Ausstellung werden auch einige Concerte veranstaltet werden, um den Besuchern den Aufenthalt dafelbst so angenehm als möglich zu machen, und so glauben wir, der hochgeschätzten Redaktion der ,Fuldaer Zeitung" wie ihrem hochverehrten und weitverbreiteten Leserkreise versichern zu können, daß sowohl für Damen, wie für Herren, für Schulkinder jeden Alters und Geschlechts, ein Besuch der Ausstellung ein lehrreicher und genußvoller sein und ihnen unvergeßlich bleiben wird durch die vielen und neuen Eindrücke, welche sie dort empfinden werden, und schließlich allen noch die Genug- thuung verschafft, ein edles und verdienstvolles Werk zu unterstützen, da die Ueberschüffe der Einnahme der Ausstellung der Krankenpflege in unseren deutschen Kolonien zugewendet werden.
sjl Die Minern von Mdenstein.
Eine Erzählung aus dem Donauthal von Antonie Jüngst 20 ------ (Nachdruck verboten.)
Nach wenigen Minuten hatte er die Unglücksstätte erreicht. Falada, die noch immer unbeweglich neben ihrem tobten Herrn stand, hob den gesenkten Kopf, als wittere sie die nahenden Freunde. Mit einem Satze war Wilhelm von Meitingen, denn kein anderer war der wackere Reiter, aus dem Sattel und kniete neben dem Erschlagenen nieder. Zitternd vor Erregung suchte er den noch lebenswarmen Körper aus dem blutüberströmten Blüthengerank zu befreien und in eine andere Lage zu bringen. Aber umsonst, daß er die klaffende Wunde, in welcher noch der Dolch des Mörders stak, mit der eiligst abgerissenen Schärpe verband, daß er Stirne und Schläfen mit dem aus dem Flusse geschöpften Waffer badete: das schwere Haupt des Ermordeten sank hilflos zurück, die verglasten Augen starrten leblos in's Leere.
„Zu spät!" stöhnte der junge Ritter. „Kein Puls, kein Herzschlag. Todt, tobt! Andreas von Sonnenberg tobt ’ O, warum mußte mich das Gebot des Herzogs an Stuttgart fesseln, daß Barbara's Bote mich nicht daheim auf meiner Burg fand, daß ich nicht rechtzeitig zur Stelle fein konnte, dies Bubenstück zu verhindern? Aber Felix von Werdenberg und Johann von Zimmern" — der in heiligem Zorn Erglühende riß sein Schwert aus der Scheide — „dieser heimtückische Meuchelmord soll Euch nicht zum Heile gereichen! Die blutige Saat dieses Tages wird Euch blutige Früchte tragen."
„Konrad," gebot er dann dem Knechte, welcher in ehrerbietiger Haltung neben dem Rosse seines Herrn stand, „sitze wieder auf und sprenge, so schnell Dein müder Gaul Dich zu tragen vermag, nach Mengen,
die nöthige Hilfe herbeizuholen, Träger und Bahre. Führe auch Falada am Zügel mit, das arme Thier trauert um seinen Herrn."
Nachdem Konrad das Roß seines Gebieters an einer nahen Weide befestigt, fchwang er sich gehorsam in den Sattel und schlug die Richtung nach dem nahen Städtchen ein, indeß Weitingen sich auf einen Steinblock zu Häupten der Leiche niederließ. Das Kreuz des Schwertgriffs zwischen den gefallenen Händen haltend, betete er mit halblauter Stimme ein Vater unser nach dem andern für die gerechten Urstände des so plötzlich vor Gottes Gericht Berufenen.
Die Sonne, deren verheißungsvoller, goldiger Schimmer noch vor Kurzem dem unglücklichen Andreas mit fo süßer Hoffnung gelacht, senkte sich mehr und mehr gen Westen. Die schrägen Strahlen streiften das Thal und spiegelten sich mit schaurigem Glanze in den rothen Tropfen, welche den weißen Blüthen- strauch über und über sprenkelten. Und schaurig klangen auch zu dem einförmigen Gemurmel des Betenden die Töne der Wellen, die, am Fuße des Felsstückes aufrauschend und schäumend, eine der andern zu erzählen schienen, welche Unthat hier soeben geschehen sei.
Ein ängstliches Schreien und Flattern ließ endlich Wilhelm von Weitingen aus seinem trüben Sinnen auffahren. Lauschend hob er das gesenkte Haupt und gewahrte ein Rothkehlchenpaar, das mit hastigem Flügelschlage den Weißdorn umkreiste. Ein Blick auf den Strauch belehrte den Ritter, was die Vöglein so angstvoll hier suchten. In dem dichtesten Rankenwerk des Gestrüppes hing das zierliche Nestchen; .vier gefleckte Eier lagen darin, aber die großen dunkelrothen Tropfen, welche an dem einen wie an den anderen klebten, bekundeten, wie grausam das erwachende Leben der Natur hier gestört worden.
„Arme Thierlein," sagte der junge Ritter mitleidig, „hat die Mörderhand auch euch vertrieben? Ihn, den wackeren, den makellosen Edelmann hat sie zu Tode getroffen, euch und eure Brut ein günstiges Ohugefähr erhalten. Kommt nur getrost, von ihm und mir habt ihr nichts zu fürchten."
Und als ob die Vöglein die Menschenrede verstünden, kamen sie zutraulich näher, flogen noch einmal scheu wieder zurück und schlupften dann, die schwarzen Aeuglein immer auf den Ritter gerichtet, behend' unter das blühende Gezweig.
„O Leben, o Tod," flüsterte der Beobachter mit schwermüthigein Lächeln, „wie nabe grenzt ihr an einander auf dieser armen Erde! Wie seltsam seid ihr gemischt! Den kräftigen, lebensstarken Eichbaum hat der Sturm zerschellt, und das schwächlichste, zarteste Ding, das winzige Ei eines Vogels, überdauert ihn."
10.
Der lichte Maientag, der auch über dem Wildenstein in strahlendem Glanze aufgegangen, war in brauendem Nebelflor erstorben. Eine trübe, sternlose Nacht wölbte sich über dem Donauthale. Der matte Schein des Mondes, der umsonst die Wolken zu durchbrechen suchte, ließ das seltsame Zwielicht noch gespenstischer erscheinen. Schattenhaft reckten die Häupter der Berge sich zum Himmel empor, die weißen Klippen in dem unheimlichen Glast aufragend wie blinkendes Todtengebein.
Lange schon waren die Lichter in den Wohnstätten der Menschen erloschen, jeder Laut in der Nähe und Ferne verstummt. Dumpf rauschend schlugen die Wellen des Flusses ans User oder purzelten drohend um einen den Weg versperrenden Felsen. Kein anderer Ton drang aus der Tiefe zu der Veste hinauf, so gespannt auch Herr Johann von der offenen Letze des Thorthurmes hinauslauschte.
Stunde um Stunde verrann; Mitternacht war lange vorüber, und noch immer harrte der ungeduldige Ritter vergebens. Schier unzählige Male hatte er seit Beginn der Dämmerung rastlosen Fußes den engen Raum des ersten Hofes durchmessen, unzählige Male sich in der vorderen Halle vor dem lockenden Weinkrug niedergelassen: immer trieb es ihn wieder hinauf auf den Luginsland, forschenden Blickes hin- auszuspähen in das Dunkel.
Da horch! klang es nicht wie ferner Hufschlag, wie klirrendes Waffengeräusch und gedämpfte Menschenstimmen?