Mittwoch, den 26. Mai 1897
24. Jahrgang
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mit Unteehaltungs-Keilage „Sterne und KLumeu".
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Wegen des Feiertages „Christi Himmelfahrt" wird die nächste Nummer unseres Blattes erst am Freitag ausgegeben.
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Am Feste Christi Himmelfahrt.
Das Fest Christi Himmelfahrt ist ein hohes Freudenfest: Wir feiern den Tag, an dem Jesus Christus nach siegreich vollbrachtem Erlösungswerk aus eigener Macht, durch die Kraft seiner Gottheit gegen Himmel gefahren ist, wie Er im Siegesglanze göttlicher Verklärung, umgeben von den Schaaren der Altväter, die Er aus der Vorhölle befreit hatte, begrüßt von allen Engelchören des Himmels, Seinen Triumph-Einzug in das himmlische Jerusalem hielt und von Seiner Herrlichkeit, die Ihm der Vater bereitet, auf ewig Besitz nahm. Christi Himmelfahrt ist ein freudenreiches Fest, wir freuen uns mit Christus an Seiner Siegesfreude, da Ihm Gott der Vater für die schmachvolle Erhöhung am Kreuze die Erhöhung als König der Ehrei? auf dem Throne der göttlichen Majestät bereitet hat. Für die Dornenkrone gab Er Ihm die Krone der ewigen Herrlichkeit, für die Gesellschaft der Räuber die Chöre der Engel, für die Beschimpfungen nnd Lästerungen der Juden die Lobpreisungen der seligen Geister.
Das Fest Christi Himmelfahrt ist für uns ein trostreiches, hoffnungsvolles Fest. Es zeigt uns, wie auf Erniedrigung, Schmach und Leiden Erhöhung, Ehre und Freuden folgen. Wie wir das an Jesus, dem siegreich gegen Himmel aufgefahrenen Todesüberwinder sehen, so soll es auch an uns einst offenbar werden, wenn wir Ihm treu nachfolgen. Er will uns dazu helfen; denn er ist aufgefahren, um unser Vermittler bei dem Vater zu fein; um uns Wohnungen zu bereiten, ist Er hinaufgefahren. „Im Haufe meines Vaters", sagte er zu den Jüngern, „sind viele Wohnungen ... Ich gehe hin, für euch einen Ort zu bereiten, und wenn ich einen Ort werde bereitet haben, so will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid wo ich bin." Wenn wir ,'am Christi Himmelfahrts - Feste gegen Himmel
«L Die Minern von Wdenstein.
Eine Erzählung aus dem Donauthal von Antonie Jüngst ------- (Nachdruck verboten.)
„Ich?" fragte der Bursche erstaunt. „Richmodis, Du vergißt, daß ich auf Ehre und Eid verpflichtet bin, meines Amtes hier zu warten. Ja wenn der Vater nicht von der Gicht darniederläge und mein jüngerer Bruder nicht vor etlichen Wochen das Bein gebrochen hätte! — O, Richmodis," brach er in plötzlichem Schmerze aus, „es ist ein Haus der Armuth und der Roth, das Du betrittst, und ich habe schon mehr als einmal gedacht, daß ich Dich Deines Wortes entbinden müßte, daß--"
„Halt, Harro", fiel das Mägdlein ein, und ein edles Feuer blitzt aus ihrem Auge, „wenn Du mir gut warst vor Jahresfrist, als das Wohlwollen des alten Herrn Werner's uns auf den Thorwartposten hoffen lies, falls der greife Hartmann einmal die Augen schlöffe, darfst Du mir jetzt nicht zu schlecht fein, da diese Aussicht uns getrogen. Wir sind noch jung und können warten, es wird und muß auch wieder anders werden. Ich stehe treu zu Dir, wie Fräulein Barbara zu dem Ritter von Weitiugen, mag Herr Johann wettern, wie er will und sie sieben Jahre aus dem Wildenstein eingeschloffen halten."
schauen, denken wir hoffnungsselig an diese trostreiche Verheißung. Natürlich müssen wir auch Alles beobachten, was nothwendig ist, damit sich diese Verheißung an uns erfüllt.
Das Fest Christi Himmelfahrt ist ein hohes Ehrenfest für die ganze Menschheit. Jesus Christus ist als Gott und Mensch gegen Himmel gefahren. In ihm ist unsere Menschennatur zur höchsten Ehre und Würde emporgehoben, sie ist auf den Herrscherthron der Ewigkeit gesetzt worden. „Die Natur des Menschengeschlechtes," sagt Papst Leo der Große, „wurde über die Würde aller himmlischen Wesen erhoben . . . . , über die Ordnungen der Engel und den erhabenen Ehrenrang der Erzengel; ja, um gar keine Schranken in der Erhebung mehr zu kennen, bis sie, am Platze neben dem ewigen Vater sich niederlassend, auf dem Himmelsthrone der Herrlichkeit deffen theilhaftig wurde, mit deffen Natur sie im Sohne vermählt gewesen. So ist das Fest Christi Himmelfahrt ein hohes Ehrenfest für uns Menschenkinder alle. Dessen sollen wir uns freuen. Das verpflichtet uns aber auch, mit edlem, heiligem Stolze das königliche Wappenschild unserer Menschenwürde, die Christus so hoch geadelt hat, in Ehren zu halten, nicht von dem hohen Thron herabzusteigen in die Tiefe der Leidenschaften oder gar durch niedrige, schmutzige Werke uns zu entehren. Die hohe Würde, deren unsere Menschennatur durch Christus theilhaftig geworden ist, verpflichtet uns aber auch, in unseren Mitmenschen, auch im Geringsten, diese erhabene Würde zu ehren.
Deutsches Reich.
Berlin, 25. Mai.
ft Der Semorert-Aonverrt des Reichstages ist heute dahin überein gekommen, daß morgen der Reichstag sich bis zum 22. Juni vertagen soll. Nach Pfingsten sollen noch erledigt werden die Handwerkervorlage, die Nachtragsetats, die Servisvorlagen und die Besoldungsaufbesserung. Alles übrige bleibt unerledigt. Man hofft, in 8 Tagen die ganze Arbeit zu erledigen. Vorausgesetzt wird dabei, daß die Militärstrafprozeßordnnng nicht mehr kommt. Nach allgemeiner Meinung ist aber diese Voraussetzung zutreffend. Man hätte nun freilich die nöthigen 8 Tage auch noch vor Pfingsten zur Verfügung, allein am Freitag beginnt im Abgeordnetenhaufe die 2. Lesung des Vereinsgesetzes, die voraussichtlich auch noch den Samstag in Anspruch nimmt. Anfangs nächster Woche dürfte die dritte Lesung fein. An allen diesen Tagen ist auf einen beschlußfähigen Reichstag nicht zu rechnen. Also müßte man auf die Erledigung des Pensums vor Pfingsten verzichten.
* Die Ast-GirmaHme ans bcn Zöllen u. f. w. betrug für den Monat April in Deutschland 59 128 556 Mark (gegen April 1896 — 2792410 Mark.) Die zur Umschreibung gelangte Summe betrug 59 519 799
„Richmodis! meine Richmodis!" jauchzte der junge Mann und wollte die Geliebte an sich ziehen, aber sie wehrte ihm und mahnte nur in steigender Angst:
„Der Brief, Harro! Der Brief muß in des Ritters Hände gelangen, sonst ist Alles verloren."
„Vielleicht könnte die Mutter die von Beuron zurückkehrender Waller übersetzen," überlegte Harro, den Kopf bedächtig hin und her wiegend. „Sie hat die Ruder schon öfters geführt und würde nichts ver- fäumen. Wenn nur nicht gerade der Gestrenge" — Er deutete in die Höhe, wo die Veste in hellem Sonnenschein auf ihrem Felfen thronte — „herabkäme und nachher beim Mißlingen feiner Anschläge Verdacht schöpfte."
„Er würde Dich vernichten," stöhnte Richmodis und rang die Hände. „Sein immer reger Argwohn wittert überall Verrath."
„Gott Dank, da kommt Hilfe in der Noth," rief Harro, dessen Blicke das schmale Wiesenthal auf und ab gestreift. „Drüben am Bergeshang steht Winfried, der Jäger von Werenwag. Er wird Deinen Auftrag ausführen gerade fo gut, wenn nicht beffer und rascher noch, als ich."
„Du glaubst, daß wir uns ihm anvertrauen dürfen?"
„Winfried ist treu wie Gold und verschwiegen
Mark (— 1036 758 Mark.) Von der Summe der Jsteinnahme entfielen auf Zölle 34296 729 Mark (— 120640 Mark), Tabaksteuer 723859 Mark (— 11 525 Mark), Zuckersteuer und Zuschlag zu derselben 6 099 262 Mark (— 2030 068 Mark), Salz- fteuer 3856889 Mark (— 47 313 Mark), Maischbottich- und Branntweinmaterialsteuer 1 221595 Mark (— 67 630 Mark), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag zu derselben 10 075412 Mark (ff- 184 576 Mark), Brausteuer und UebergangSabgabe von Bier 2 610826 Mark (I- 131037 Mark).
O In der weiteren Beratung des KoroniatraIHs wurde bezüglich der Steuer für Ostafrika eine lebhafte Debatte darüber geführt, ob die Steuer in der Form der Kopfsteuer oder in der Form der Häuser- und Hüttensteuer zur Erhebung gelangen solle. Der Verordnungsentwurf wurde schließlich einer Kommission von fünf Mitgliedern überwiesen. Darauf wurde die Zollordnung für Südwestafrika genehmigt. Zu verschiedenen Positionen des Zolltarifs wurden Herabsetzungen der Zollbeträge beantragt, während hinsichtlich der Spirituosen und Weine der Kolonialrath sich für eine Erhöhung der vorgefchlagenen Zollsätze aussprach. Zu einer längeren Erörterung führte besonders die Frage der Ausfuhrzölle auf Guano.
* Bei der letzten Zusammenkunft der Görres- Oesetkschaft in Konstanz war der Wunsch zum Ausdruck gekommen, die Generalversammlung doch thunlichst alljährlich stattfinden zu lassen. Die Vortheile: engere Verbindung der Mitglieder unter einander, weitere Ausbreitung, geistige Anregung in den Sitzungen und int freien Meinungsaustausch, liegen ja auf der Hand, und gewiß würde man im laufenden Jahre nicht daran gedacht haben, die Versammlung ausfallen zu lassen, wenn nicht ein besonderer Grund dazu drängte: vom 16.-21. August findet nämlich zu Freiburg (Schweiz) der internationale katholische wissenschaftliche Kongreß statt. Ohne Zweifel wird derselbe aus die zunächst berufenen Kreise des benachbarten deutschen Reiches eine große Anziehungskraft ausüben und den Besuch einer etwa später stattfindenden Zusammenkunft der Görres-Ge- sellschaft erheblich beeinträchtigen. Speziell die Mitglieder des Vorstandes dürften sich zahlreich in Frei- bürg einfinden und dann zum Theil auch beim besten Willen nicht mehr in der Sage fein, Extra-Ferien für eine Generalversammlung zu machen. Unter diesen Umständen hat, wie die ,Köln. Volksztg/ meldet, der Verwaltungsausschuß beschlossen, für 1897 von einer solchen abzusehen, in der Hoffnung, daß der Freiburger Kongreß eine Menge Mitglieder vereinigen und so einen Ersatz für die Versammlung schaffen werde. Voraussichtlich wird mit dem Kongreß eine Sitzung des Gesammtvorstandes der Gesellschast verbunden werden.
* Ein neues Feld für die Versorgung der Militäranwärter hat der Professor der Rechte an der Universität Berlin, Dr. Konrad Bornhak ge- loie das Grab," versicherte Harro, beide Hände an den Mund legend und einen langgezogenen Juchzer ausstoßend.
Der Jäger, welcher von feiner Höhe das Paar bereits erspäht und erkannt hatte, riß das Horn von der Seite und gab mit fröhlichem Halali Antwort. Als er die Thalfohle erreichte, war Richmodis schon auf dem nach dem Kloster führenden Wege entschwunden; ihr weißes Kopstüchlein tauchte nur von ferne noch wie eine Riesenblüthe aus dem knospenden Gesträuche auf.
„Dein Schatz wieder auf dem Steine und dennoch fo trüb, Harro?" fragte der Jäger verwundert den gedankenvoll neben feinem Prahm Stehenden.
„Ich habe auch geglaubt, die Sonne müsse Heller scheinen, wenn erst Richmodis wieder droben weile, und nun ist mir doch, als ob ein häßlicher, schwarzer Fleck sie verdunkele. Höre, Winftied, Du mußt ein furchtbares Unglück verhüten, der bedrohten Unschuld den Sieg erringen Helsen."
„Oho, Du führst große Worte int Munde, Freundchen. Ist der Türke ins Land gefallen? Hat der Kaiser an den Heerschild geschlagen? oder hat einer von den Mößkircher Bürgern Dein Schätzte bethört?"
„Nichts von alledem, etwas weit Schlimmeres: heimlicher Ueberfall, Mord und Todtschlag!" versetzte