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Samstag, den 22. Mai 1897
24. Jahrgang
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mit Unterchaltungs-Kettage „Sterne uns Klnmen".
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Aus dem Aachbargebiet.
Geisa, 21. Mai. Am 18. ds. Mts. wurde dahier im Rathhaussaale eine Versammlung des Unterverbands der Raiffeisen'schen Darlehnskassen- vereine für den Amtsbezirk Geisa abgehalten. Erschienen waren zu derselben außer den an den Vereinen betheiligten geistlichen Herren, den Vereinsvorstehern und etwa 60 andern Mitgliedern folgende Herren: Verbandsanwalt Pfarrer Sell von Stephanshausen, Bezirkskommissar Heinemann von Dermbach, Land- tagsabgeordntter Frühmesser Hagemann von Geisa, Bürgermeister Kiel von Geisa, Mühlen-Besitzer Dr. Kiel von da und die Revisoren Oberinspektor Bauer von Weimar und Inspektor Luther. Nachdem der Vorsitzende, Pfarrer Malkmus von Borsch, um 3 Uhr nachmittags die Versammlung eröffnet hatte, ergriff zunächst Herr Pfarrer Sell das Wort und legte in fesselndein Vortrage die Ziele und die Organisation der Raiffeisen'schen Institutionen dar. Redner empfahl unter anderm den Anschluß an die landwirthschaftliche Central-Darlehnskasse für Deutschland. Von mehreren Seiten war beantragt worden, bei eintretendem Geldvorrath oder Geldmangel in den Kassen den Geldausgleich innerhalb des Unterverbands zu regeln. Das könne man ja einmal versuchen, aber nach den Erfahrungen bei andern Unterverbänden werde man sicher Fiasko machen. Die Centralkaffe hat festen Stützpunkt in der deutschen Reichsbank und in der preußischen Provinzial-Genoffen- -schaftskasse. Diese beiden großen, soliden Bankinstitute Deutschlands arbeiten gern mit der Centralkasse. Die Kreditgewährung beider an die Centralkasse ist eine äußerst hohe und der Verkehr vollzieht sich in der koulantesten Weise. Die Hauptstütze muß jedoch die Centralkasse in den Raiffeisen'schen Genossenschaften finden, für welche sie gegründet ist und segensreich wirkt, deswegen ist es den noch nicht angeschlossenen Vereinen dringend anzurathen, den Anschluß baldigst zu bewerkstelligen. In demselben Sinne sprachen sich nachher auch Oberinspektor Bauer und Pfarrer M a l k m u s aus. Gleiche Anerkennung wie die Central- Darlehnskaffe verdient auch die Firma Raiffeisen u. Co., welche für die Vereine die kaufmännischen Geschäfte besorgt. Sie beschafft den Vereinen billig und gut die landwirthschaftlichen Betriebsmittel: Dungstoffe, Futterstoffe, Saatgut, Maschinen, und schützt den der^Handelspraktiken unkundigen Landmann vor der Ausbeutung unreeller Zwischenhändler. Daher auch der große Zorn mancher Leute gegen die Raiff- eisenmänner. Bezüglich des Versicherungswesens empfahl Redner den Landwirthen angelegentlich die Stuttgarter Lebensversicherung. DieRaiff- eisen'sche Centrale hat von Anfang ihres Bestehens an Beziehungen zur Stuttgarter Lebensversicherungs- und Ersparnißbank gepflegt und erhält noch gegenwärtig von ihr namhafte Unterstützung und Förderung. Diese Versicherung kommt den Landwirthen in der koulantesten Weise entgegen und berücksichtigt sehr die ländlichen Verhältnisse. Der Landwirth kann schon eine Police im Betrage von 800 bis 1000 Mark mit einer geringen Prämienzahlung erwerben. Welchen Werth die prompte Auszahlung einer solchen Summe bei der Versorgung von Kindern, bei Erb- schaftsregulirungen hat, weiß jeder. Auch die Gründung von Orts - Viehversicherungen muß energisch in Angriff genommen werden,' da diese überaus segensreich wirken und bei den immer vorkommenden Unglückssällen schon manchem aus der Noch geholfen haben. Es kam dann die Gründung eines Getreidelagerhauses zur Sprache. Pfarrer Malkmus legte dar, bei den gegenwärtigen ungünstigen Wirthschaftsverhältnissen sei es unbedingt vothwendig, daß für die Landwirthe der Getreideverkauf wieder gangbar gemacht werde. Das früher so gesegnete Geisaer Land verarme immer mehr, weil die Landwirthe keinen Absatz mehr für ihre Produkte finden. Mühlenbesitzer Dr. Kiel empfahl den Anbau guter Getreidesorten, namentlich möge man wieder den alten Landweizen (brauner Kolbenweizen) bauen.
welcher ziemlich klebereich sei. Die Errichtung von Silo's beurtheilte derselbe in beifälliger Weife und forderte die Anwesenden auf, die Gründung eines solchen in Geisa ernstlich anzustreben. Dementsprechend b floß die Versammlung, hierzu die nöthigen vorbe- <li : enden Schritte zu thun und ernannte ein Komitee, welches zunächst nach dem Vorschläge des Herrn Dr. Kiel nach Sjährigem Durchschnitt das Getreidequantum feststellen soll, welches im hiesigen Bezirke zum Verkauf gebracht werden kann. In Verbindung mit der Silofrage wurde dann die Eisenbahnfrage für das Geisaer Land erörtert, wobei Herr Verbandsanwalt Pfr. Sell, Pfr. Lomb von Spahl und der Herr Bezirkskommiffar das Wort ergriffen. Man war allgemein der Ansicht, daß dasGeisaer Amt dem wirthschaftlichen Ruin entgegengehe, wenn ihm nicht durch Herstellung einer normalspurigen Bahn möglich gemacht werde, seine Landesprodukte preiswürdig auf den Markt zu bringen. Zur vortheilhaften Beförderung der Eisenbahnfrage hielt man es für angezeigt, der Großherzoglichen Staatsregierung die Sache nochmals vorzustellen und dringend zu bitten, das Nöthige zur Lösung die hochwichtigen Lebensfrage veranlassen zn wollen.
* Kanau, 21. Mai. Es ist nunmehr gelungen, den Urheber der seit längerer Zeit in der hiesigen S.'schen Platinaschmelze wahrgenommenen Platina- Ab fall-Die bst äh le in der Person des Arbeiters Holly von hier zu ermitteln. Letzterer übergab die gestohlene Waare jedesmal seinem Schwager, Arbeiter K. Türk von hier, der dieselbe einem Frankfurter Rückkaufshändler überließ. Dieser wiederum veräußerte das Metall an eine Frankfurter Firma, von welcher Stelle aus der hiesigen Schmelze ihr eigenes Material wiederum zum Ankauf angeboten wurde. Die beiden Arbeiter sind verhaftet. Gegen den Rückkaufhändler ist Anzeige wegen Hehlerei erstattet.
H Arankfurl, 21. Mai. Die dritte internationale H und e-A usstel lung zu Frankfurt a.'M. in der landwirthschaftlichen Halle verspricht den glänzendsten Verlauf. Dieselbe wird am Himmelfahrtstage den 27. Mai, Morgens 10l/8 Uhr eröffnet und dauert bis Sonntag den 30. Mai von Morgens 6 Uhr bis Abends 8 Uhr. Aus allen Gauen werden die schönsten Hunderassen vertreten sein, deren Vielartigkeiten den Beschauer sicher überraschen und interessiren werden. Das große Komitee des Vereins zur Züchtung reiner Hunderassen ist bemüht, während dieser Ausstellung allen Kynologen- Sport vorzuführen; so wird am Donnerstag den 27. Mai Nachmittags aus der großen Rennbahn am Forsthaus ein „C .Hie-Fieid-Trial“, d. h. ein Preishüten stattfinden, zu dem aus England 8 mit den ersten Preisen für Hüten prämiirte Collie nebst 2 schottischen Schäfern verschrieben worden sind. Die Hunde müssen nicht nur ihre Schafheerde im Ziehen fehlerlos zusammen halten, sondern müssen fie auch über Hindernisse bringen können. Unseres Wissens ist dies das erste Mal, daß ein derartiges Preishüten in Deutschland abgehalten wird. Neben diesen Veranstaltungen findet u. A. am Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag den 30. Mai auf dem Hofe der landwirthschaftlichen Halle ein Hunde-Wettrennen statt, zu dem alle Hunderassen — auch nicht ausgestellte Hunde — zugelassen werden. Hierzu eignen sich nicht nur die schnellsten Läufer, sondern gewinnen zumeist diejenigen Hunde in einem solchen Wettlauf, die ihrem Herrn am besten Folge leisten. Alle an den verschiedenen Rennen theilnehmenden Hunde werden nach ihrer Größe geordnet. Weiteres darüber ist in der in drei Nummern erscheinenden Ausstellungszeitung ersichtlich. Die Einsätze finden, nach Abzug des üblichen Platzgeldes als „Gewinn" Verwendung, und so darf nach allem, auch für die Neueinrichtung der größte Zuspruch erwartet werden. Das Komitee war ferner bemüht, in diese Ausstellung den eßbaren chinesischen Hausspitz „Whang" zur Schaustellung zu bringen, dessen Transport durch Seereise und Klimawechsel ein so außerordentlich schwerer ist — den neuesten Nachrichten zufolge ist „Whang" denn auch maladif —; sollte es aber gelingen, so ist der Hund zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. Einer unserer ersten Kynologen meint, daß „Whang" mit den in England schon wiederholt ausgestellten „Chow-Chow" identisch sei; ob diese
Meinung zutrifft, muß das Kommende zeigen. Annehmen darf man, daß bei den Chinesen — denen der Hund als bedeutendes Nahrungsmittel gilt —, die Rasse wenig Rolle spielt. Ein großer Prunkwagen mit einem überlebensgroßen Bernhardiner, von Herrn Bildhauer Ernst Rittweger hergestellt, dient als Reklame, und dieses Kunstwerk wird bei allen Freunden der Sache gewiß großen Beifall finden.
* Spiekershausen, 21. Mai. Die Frau des Fischers B. fuhr am gestrigen Morgen von hier mit einem Korb voll Fische allein per Kahn nach der „Grauen Katze" über. Die beim Uebersetzen benutzte Stange entglitt den Händen der Frau B. und kippte der Kahn in der Mitte der Fulda um. Noch ehe man der Frau zur Hilfe eilen konnte, war dieselbe von den Wellen verschlungen. Der Vater der Frau B. ist vor Jahren ebenfalls ertrunken, der Bruder derselben fand seinen Tod in einem Steinbruch.
* Wirkungen, 21. Mai. Es wird jetzt viel über die neu erlassene Polizeiverordnung betr. das Schließen der Fenster beim Musizieren, Singen rc. sowohl in Privat- wie in Gasthäusern gesprochen. Im Interesse der allgemeinen Ruhe dürfte diese Bestimmung wohl recht angebracht, die Ausführung aber immerhin etwas schwierig fein. „Wo man singt, da laß dich fröhlich nieder/' sagt ein bekanntes wahres Wort. Aber die Zeiten ändern sich! Das sieht man auch hier wieder einmal. Wenn jetzt ein junges, lebensfrohes Menschenkind in seinen vier Wänden einmal ein lustiges Lied von Lebenslust und -Freude erschallen läßt und vergißt unglücklicherweise der erquickenden Maienluft den Zugang zum Zimmer durch Schließen der Fenster zu hindern — o weh — ein Strafbefehl, dem im Unvermögensfalle auch noch Haft folgen kann, ist und wird die Folge sein. Aber nicht nur das Singen, auch das Musizieren bei offenem Fenster ist für den ganzen Gemeindebezirk N.-Wildungen jetzt strengstens verboten und „wer Personen, die unter seiner Gewalt stehen, oder seiner Aufsicht untergeben sind, oder zu seiner Hausgenoffenschaft gehören, von dem Zuwiderhandeln hiergegen abzuhalten unterläßt, wird mit der gleichen Strafe belegt," so heißt es wörtlich. Alles, was da „geschlagen", „gestrichen" oder „geblasen" wird, vom Klavier bis zur Zither, vom Tenorhorn bis zur Flöte, nur dumpf werden die Töne in Zukunft zu hören fein, zur Freude aller griesgrämigen Philister, zum Leidwesen aller lebensfrohen Menschen.
rKrfurt, 21. Mai. Es steht nun auch die Zeit"fest, in welcher der 10. Kongreß des Verbandes kathol. Kaufmänn. Vereinigungen Deutschlands zu Erfurt tagen wird, denn dieser Kongreß muß entsprechend vor der großen Katholiken- Versammlung abgehalten werden. Es sind nun von der Verbandsleitung in Essen die Tage vom 2 0. bis 23. Aug. d. I. hierfür bestimmt worden und der Erfurter Verein Unitas bereitet mit vieler Mühe und Sorgfalt den Delegirten, Freunden und Gästen hier Tage vor, in welchen nach Stunden ernster Arbeit auch angenehme Erholungspausen den Geist wieder zu neuer Thätigkeit stärken werden. — Daß auch der Verband nach außen hin Erfolge erringt, beweist jetzt die in der ,Fuld. Ztg/ schon mitgetheilte Ueberweisung seiner Petition an den Reichstag um Berufung kaufrn. Schiedsgerichte durch die Petitions-Kommission an den Reichskanzler als Material für die Aenderung der Gesetzgebung. Der Verband wird und muß noch viel mehr auf diesem Gebiete erreichen, wenn alle diejenigen kathol. Berufsgenossen, die sich noch vornehm reservirt halten, den Bestrebungen dieser großen Sache ihre Sympathie entgegen bringen. Für alle wirth- schaftlich Schwachen ist der Anschluß schon im eigenen Interesse geboten, denn Kranken- und Sterbekasse, Sparkasse, Unterstützungs-, Witwen- und Waisenkaffe sowie die Stellenvermittelung sind Einrichtungen von so enormer Bedeutung für den einzelnen, daß, wenn er nicht schon aus idealen Gründen sich angezogen fühlt, er aus Gründen der Klugheit sich anschließen sollte. Viel höher aber als diese materiellen Vorthcile steht das Ideelle, und da giebt es ein Feld segensreichster Arbeit namentlich für die Bessergestellten unter den kathol. Kaufleuten in der Heranbildung von Lehrlingen und - der weiteren Ausbildung unserer jugendlichen Gehilfen auf der Grundlage unserer