Samstag, den 22. Mai 1897. 24. JahrgM
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mit Unterhaltnugs-Krilage „Sterne und Ktumru".__
ist nach allgemeinem Urtheil dem kombinirten persönlichen Eingreifen des deutschen Kaisers und des Zars zu verdanken.
Ausland.
* Mom, 20. Mai. Der Papst hielt heute ein vorbereitendes Canonisations-K onsist orium ab, an welchem über 200 Prälaten Theil nahmen, die sich für die Canonisation des seligen Fourier und Zaccaria aussprachen. Das Befinden des Papstes ist vorzüglich.
* Aondon, 21. Mai. Der Athener Korrespondent des ,Standard' telegraphirt, der Minister des Auswärtigen Skuludis habe ihm gegenüber erklärt, die griechische Regierung wäre entschlossen. Alles aufzubieten, um 30 Prozent der den griechischen Staatsgläubigern zustehenden Zinsen zu zahlen; das könnte, wenn auch mit Mühe, geschehen. Aber die Finarz'age des Landes gestatte es in keiner Weise, noch darüber hinaus weitere Lasten zu tragen. Der durch die türkische Okkupation Thessaliens verursachte Verlust belaufe sich bereits auf zwanzig. Mill. Frcs.; zehn weitere Millionen würden zur Unterstützung der Bewohner Thefsaliens nöthig fein, die Verminderung der Staatseinnahmen seit Beginn des Krieges werde gleichfalls auf 30 Millionen geschätzt.
* Madrid, 20. Mai. Die Kammern wurden heute ohne Thronrede eröffnet. Im Senate brachte die Regierung einen Reformentwurf des Militär- Strafgesetzbuches ein sowie eine Vorlage auf Vermehrung der höheren Marineoffiziersstellen nach Maßgabe der Flottenvergrößerung.
* Mastzington, 20. Mai. Der Senat nahm gegen 14 Stimmen eine Resolution Morgan an, in der erklärt wird, daß auf K u b a der Kriegszustand herrsche. Die Vereinigten Staaten würden strenge Neutralität beobachten, indem sie beiden Theilen die Rechte als kriegführende Partei zugeständen.
Der ßmW-tmkische Weg.
Der Krieg darf nunmehr bereits als thatsächlich beendigt angesehen werden. Heute wird aus Athen amtlich gemeldet, daß auf dem thessalischen Kriegsschauplätze ein Waffenstillstand von 17 Tagen abgeschlossen worden ist, und eine weitere amtliche von Konstantinopel datirte Meldung besagt, daß auch zwischen den Führern der türkischen und griechischen Truppen in Epirus nunmehr der Waffenstillstand abgeschlossen sei. Damit hat der Krieg faktisch ein Ende erreicht, denn an eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten nach Ablauf der für den Waffenstillstand festgesetzten Frist von 17 Tagen ist nicht mehr zu denken, nachdem die Mächte die Vermittelung übernommen und sowohl Griechenland wie die Türkei in unzweideutigster Form ihre friedlichen Absichten zu erkennen gegeben haben.
Nachträglich wird bekannt, daß die Kämpfe, welche dem formellen Abschluß des Waffenstillstandes vor- ausqingen, einen sehr erbitterten Charakter trugen. Aus Chalkis den 20. d. M. Abends 9 Uhr wird gcm-ldet: „Am Dienstag Nachmittag 1 Uhr fand im Furka-Pasfe eine Schlacht statt. 15 000 Türken verfolgten die Griechen von Domoko aus und eröffneten das Feuer mit schweren Geschützen. Der Paß war nur von 10 000 Mann griechischer Infanterie bewacht. Die übrigen Truppen der griechischen Armee befanden sich bereits auf dem Rückzüge nach Lamra. Der Kampf endete um 8 Uhr Abends. Die Griechen behaupteten ihre Stellungen und zogen sich dann am Mittwoch früh nach Taratsa zurück, einem Orte zwischen Furka und Samia. Die Türken verfolgten sie. Um 10 Uhr Vormittags kam es zu einem neuen Gefechte. Etwa zwanzig Schwadronen türkifche Kavallerie machten eine Umgehungsbewegung und versuchten den Rückzug der Griechen zu hindern. Es wurde ein lebhaftes Feuer Seitens der Griechen unterhalten, durch welches den Türken größere Ve^ lüfte beigebracht wurden. Der Kampf wurde plötzlich infolge des Abschlusfes des Waffenstillstandes abgebrochen. Die Griechen zogen sich auf Samia zurück. Heute, Donnerstag, gingen die türkischen Truppen hinter den Furkapaß zurück bis jenseits der alten Grenze." Auch die letzten Kämpfe in Epirus scheinen mit großer Erbitterung geführt und bis ju_ fcem Momente fortgesetzt worden zu sein, bis die offizielle Meldung vom Abschluß des Waffenstillstands eintraf. Der schnelle Abschluß des ersehnten Waffenstillstandes
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Deutsches Aetch.
Berlin, 21. Mai.
* In der Wudgelkommisfion des Werchstags wurd? im Gesetz über den neuen Servistarif § 2, tzerauf die Klasseneintheilung hinweist, wieder- hergestellt und sodann nach dem Anträge Sieber- Ha m wacher § 3 angenommen, welcher besagt: „Die nächste Revision der Klasseneintheilung der Orte erfolgt ausnahmsweise und abweichend von der Bestimmung des § 2 des Gesetzes vom 28. Mai 1887 spätestens nach fünf Jahren." — Sodann wurde der dritte Nachtragsetat genehmigt, welcher zur Erhöhung des Remunerationsfonds für das Auswärtige Amt 60 000 M. verlangt.
ft Im Reichstage haben die Abgg. Adt (natl.) und Gen. einen fast von allen Parteien unterzeichneten Antrag eingebracht, welcher die Wiederaufnahme der Verhandlungen über die Auftiznovelle ermöglichen soll. Derselbe lautet: „Der Reichstag wolle beschließen, dem Gerichtsverfassungsgesetz folgenden 8 77a einzufügen: „Die Strafkammern sind m der Hauptverhandlung auch dann mit nur drei Mitgliedern einschließlich des'Vorsitzenden zu besetzen, wenn Vergehen und Uebertretungen, sowie solche strafbare Handlungen, welche nur deshalb als Verbrechen sich darstellen, weil sie im Rückfall begangen sind, den Gegenstand der Untersuchung bilden."
"* In der Reichstagskommission für tue gltt- falkverftcherungsgesetze wurde heute das Haupt- und Einführungsgesetz für die vier Novellen angenommen. Auf Antrag Hitze (C.) gelangte hier ein neuer Artikel Illa zur Annahme, welcher bestimmt, daß die Berufsgenosfenschaffen ferner berechtigt fein follen; nach Maßgabe des Art. III des Haftpflichtgesetzes Einrichtungen zu treffen zur Versicherung ihrer Mitglieder gegen Haftpflicht. Die Versicherung soll eine freiwillige sein. Zweitens: Ginrichtungen zur Organisation des Arbeiternachwelses. Die Arbeiter sollen in entsprechender Weise an der Organisation betheiligt werden. — Die Kommission hat' somit ihre Arbeiten zum Abschluß gebracht.
* Unter dem Stichworte „Das Keyreröesol- -nrrgsgesetz in der Praxis" wird aus Graudeuz der Berl. Volkszeitung' geschrieben: „Emen eigenartigen Verlauf hat die Frage der Besoldung der Volks sch ullehrer in Graudenz genommen. Der Magistrat hatte der Stadtverordnetenversammlung vorgeschlagen, ein Grundgehalt von 1000 Mk., die gesetzmäßigen Alterszulagen in Höhe von 150 Mark und Wohnungsgeld, für Verheirathete 300 Mk. und für Unverheirathete 200 Mk., zu bewilligen. Da den Vätern der Stadt das Grundgehalt etwas zu niedrig erschien, wurde die Vorlage einer Kommission über- wiesen. — Die Lehrer träumten schon von einem auskömmlichen Gehalt. — Die Stadtverordneten, denen die Magistratsvorlage für ausreichend erschien, wurden durch Deputationen der Lehrer überzeugt, daß ein Grundgehalt von 1200 Mark nicht zu viel für einen Lehrer fei. Die Hoffnung der Lehrerschaft wuchs von Tag zu Tag. Da, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, erschien eines Tages ein Vertreter der Regierung zu Marienwerder und erklärte, daß die Magistratsvorlage schon , ein „großes Entgegenkommen" den Lehrern beweise, und daß die Vorlage anstandslos von der Bezirksregierung bestätigt werden würde. Nach diesem Besuche war die Stimmung sowohl der Stadtverordneten als auch der Lehrer eine ganz andere. Das Grundgehalt ist aber doch auf 1050 Mk. festgesetzt worden. Der Regierungsvertreter hat außer Graudenz auch noch Thorn, Könitz und andere Städte besucht und überall die GraudenzerBesoldungsordnung warm empsohlen.
* Aötn, 21. Mai. Bei der gestrigen Reichstags-Ersatzwahl in dem Wahlkreise Bergheim- Euskirchen wurde, wie die Kölnische Volkszeitung' nus Euskirchen meldet, der Kandidat des Centrums Gutsbesitzer Breuer mit großer Mehrheit gewählt.
Aus dem Reichstage.
225. Sitzung vom 21. Mai.
Die heutige Reichstags-Sitzung wurde vollständig mit derBerathung des §100 der Handwerker-Borlage, der von denZwangsinnungen handelt, und drei namentlichen Abstimmungen über diesen Paragraphen ausgefullt.
Nach der Regierungs - Vorlage sollen Zwangsrnnungen auf Antrag Betheiligter durch die höheren Verwaltungs-Behörden gebildet werden können: 1) Wenn die Mehrheit der betheiligten Gewerbetreibenden dem Zwange zustimnit, 2) wenn der Jnnungsbezirk so abgegrenzt ist, daß die Mitglieder an dem Genossenschaftsleben theilnehmen können, 3) wenn die Handwerkerzahl zur Bildung einer lebensfähigen Innung ausreicht Diese Voraussetzung soll gegeben sein, wenn zwanzig Handwerker beitragspflichtig sind. „In besonderen Fallen,- so beantragt ein Zusatz der Kommission, „kann auch ohne Zustimmung der Mehrheit die Zwangsinnung eingerichtet iverdem, Kommissions-Zusatz drehte sich hauptsächlich die Debatte. Bekämpft wurde der Zusatz von dm Abgg. Metrncr (Centr.s, Dr. Firopatlchecü (kons.), Hamp -Rp.) und dem preußischen Handelsminister Mrefekd. Letzterer betonte, daß der Zusatz jedenfalls nicht ausgefuhrt werden wurde.
Abg. ArHr. v. Bertling (Centr.) erklärte, daß er em Freund der korporativen Organisation des Handwerks sei, aber ein Gegner der Zwangsorganisation.
Bekämpft wurde der § 100 besonders von den Rednern der Linken, den Abgg. Dr. Schneider (frf.JBp.), M'-ht-r (frs. Bp.), I>r. ^achnieke (frs. Vg.) und Schundt-Berlin ' "°^Der nationalliberale Abgeordnete Wasserman« empfahl für die Bildung der Zwangsinnungen eine Zweidnttel-Mehr- heit vorzuschreiben. Dieser Antrag wurde gegen die gesammte Linke und die Polen abgelehnt.
Dann wurde in namentlicher Abstimmung der Zusatz der Kommission mit 150 gegen 118 Stimmen wieder gestrichen. Für die Streichung stimmten Sozialdemokraten, Freisinnige, Polen, das Gros der Nationalliberalen, ein Theil des Centrums, darunter die meisten bayerischen Mitglieder und die 'Abgg. Prinz Kohenkohe und Dr. Schultz-Lupitz (Rp.!. Endlich wurde in namentlich er Abstimmung tz 100 ander so abgeänderten Fassung mit 160 gegen 109 stimmen angenommen.
Morgen Fortsetzung und Servlstarif. _____
Erstes
Aus dem Kandtage.
»Ofr Kerrenhans. — 14. Sitzung vom 21. Mai.
Das Herrenhaus hielt heute nach einer langen Pause in seinen Verhandlungen die 14. Sitzung ab.
Das Haus ehrte das Andenken der verstorbenen Mitglieder Staatssekretär Dr. v. Stephan und Graf Rothkirch- Trach in der üblichen Weise. Neu eingetreten ist m das Haus Ernst Christian Fürst zu Stolberg-Wernigerode, der Sohn des verstorbenen Präsidenten des Herrenhauses.
Zu Anfang der Sitzung machte Eisenbahnmimster Thieken bei einem Bericht der Kommission für Eisenbahn- änqelegenheiten Mittheilungen überden Eisenbahnunfall in der Eifel. Die bisherige Untersuchung habe ergeben, daß wahrscheinlich die Luftdruckbremse nicht für den, ganzen Zug eingeschaltet gewesen sei. Als der Zug sich tn zwei Th ei le getrennt habe, hätten die Bahnwärter Rothsignale aeaeben, diese seien aber von den Bremsern, wahrscheinlich wegen des Nebels, nicht gesehen worden. Der erste Theil des Zuges habe wegen des Gefälles einen Vorsprung gewönnen, sei dann zum Stillstand gebracht worden und nun sei der zweite Theil, der wegen des Gefälles eme besondere Fahrgeschwindigkeit gehabt ijabe, auf den ersten gestoßen. Getodtet seien 1 Bremser und 9 Reservisten, verletzt 40 Personen. Falls die Untersuchung einen Mangel der Einrichtungen oder ein Versehen der Beamten ergebe, werde die Verwaltung mit Ernst einschreiten.
Sodann folgte die Berathrmg des Antrags chrak vera, welcher die Regierung ersucht, im Bundesralhe dahm ru wirken, daß dem vom Reichstag angenommene Antrag auf Aufhebung der Zollkredite stattgegeben werde. Für den Antrag sprachen außer dem Antragsteller Gras ^krnckow- ftröm und Rittergutsbesitzer v. Graff. Gegen den Antrag sprachen Oberbürgermeister Aoffmann-Königsberg und Geh. Komm.-Rath Irentzek. .
Landwirthschaftsminister Freiherr v. ^ammerffern er- I klärte, die Regierung habe zu dem Reichstagsantrag noch keine Stellung genommen.
Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen.
Morgen: Reliktengesetz, Stadt- und Landgemeindeordnung für Hessen-Nassau und kleine Sachen.
Die Gefahren des Sektcnwesens.
Arn 12. Februar ds. Js. brachte die ,Fuldaer Zeitung' einen längeren Artikel über eine Schrift des inzwischen verstorbenen Abgeordneten Rudolphi: „Zur Kirchenpolitik Preußens". In diesem Artittl war an der Hand der genannten Schrift der Nach- weis geliefert, daß Preußens Kirchenpolitik kontmmr- [ sich auf eine Propagandirung des Protestantismus