113 Mittwoch, den 19. Mai 1897 24. Jahrgang
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mit Unterhalturrgs-Kettage „Sterne und Klnmen".
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Deutsche» Deich.
Berlin, 18. Mai.
* Die Kesko» des Aeichslages wird voraus- sichllich am Samstag geschlossen Der Präsident des Reichstages wie der Reichstag selbst lehnten heute wegen wiederholter Beschlußunfähigkeit Urlaubs- Gesuche, welche nicht durch Krankheit begründet sind, ab. Dasselbe Verfahren werde auch für die weiteren Urlaubs-Gesuche bis zur Beendigung der Tagung eintreten. — Dem Reichstage ging der dritte Nachtragsetat zu, worin der Remunerationsfonds des Auswärtigen Amtes um 60,000 Mk. erhöht wird.
* Zur cheschäflskage im AvgeordrrelenHause wird mit Rückficht auf die Vereinsgesetznovelle dem ,Hann. Cour/ aus Abgeordnetenkreisen geschrieben: „Die erste Lesung der Vereinsgesetznovlle wird voraussichtlich zwei Tage dauern. Es wird der Versuch gemacht werden, die Vorlage zu verbessern und sie wird deshalb einer Kommission zu Vorberathung überwiesen werden. (Ist bereits geschehen. D. Red.) Es wird nicht angenommen, daß die Art. I und III in irgend einer Form zur Annahme geeignet gemacht werden können. Dagegen findet der Art. II, betreffend Ausschluß der Minderjährigen, ziemlich allgemeine Zustimmung, wobei der Artikel IV einer Verbesserung bedarf. Wird die Regierung nach Ablehnung der Art. I und III auf die übrigen Bestimmungen des Gesetzes noch Gewicht legen, dann wird ein Schluß der Session vor Pfingsten nicht eintreten können, andernfalls ist der Schluß vor Pfingsten höchst wahrscheinlich.
* Ein «och schärferer Dereiusgefetzentwurf als der jetzt dem Abgeordnetenbause vorliegende soll, wie der ,Hann. Kour/ berichtet, von der Regierung ausgearbeitet gewesen sein und neben dem jetzigen bei den zwischen dem Minister des Innern und den Führern der beiden konservativen Parteien und der nationalliberalen Partei stattgefundenen vertraulichen Besprechungen vorgelegen haben. Der ,Hann. Kour/ schreibt: „Wie man hört, ist die dem Abgeordnetenhaus zugegangene Vorlage der jüngere von zwei Entwürfen, über welche die mehrfach erwähnten vertraulichen Besprechungen zwischen dem Minister des Innern einerseits, den Führern der beiden konservativen Fraktionen und der nationalliberalen Partei andererseits stattgefunden haben. Es ist dies der Entwurf, den die nationalliberalen Vertrauensmänner ablehnten, nachdem ein noch schärferer Entwurf, der neben Repressiv-, auch noch die von der deutsch-konservativen Partei lebhaft befürworteten Präventivmaßnahmen verlangte, fchon am Widerspruch der Freikonservativen gescheitert war." Wie mag denn der erste ausgesehen haben!
* Heber katholische Höerpräkdente» in Preußen bringt die ,Schles. Volksztg/ eine Zusammenstellung, die für die „Parität" in Preußen auch
«2 Hit Zimmern von Mdenüein.
Eine Erzählung aus dem Donaulhal von Antonie Jüngst 12 ------ (Nachdruck verboten.)
6.
Es hatte geherbstet und gewintert, seit man den alten Werner von Zimmern in die Gruft gesenkt. Noch war der Lenz nicht gekommen mit voller Allgewalt, aber er hatte seine Boten voraufgesendet. Neues, süßes Hoffen schwellte die Adern der Natur; neues, ahnungsvolles Leben hauchte in jedem Odemzuge der linden Luft, lachte aus jedem Strahl des goldenen Sonnenlichts.
Friede, Freude Alles — nur ob dem Wildenstein schien trotz dem herrlich blauenden Aprilhimmel eine düstere Wolke zu schweben. Schlaff hing die Fahne mit dem glimmenden Löwen vom hohen Maste nieder, schlaff und mißmuthig ließen auch die Insassen der Veste die Köpfe hängen. Es war, als ob mit dem alten Herrn Werner der gute Geist die Burg verlassen habe.
Seit die kraftvolle Rechte, die trotz den lähmenden Jahren mit ehernem Griffe Söhne, Gesinde und Lehnsleute zusammengehalten, im Tode erstarrt, war das einigende Band zerrissen, hatten Zwietracht und Zwist Bruder gegen Bruder, Zimmern gegen Zimmern aufgestachelt.
auf diesem Gebiete sehr bezeichnend ist. Posen erhielt bald nach 1815 in der Person des Fürsten Radziwill, einen katholischen Oberpräsidenten, der zugleich den Titel eines Statthalters von Posen führte. Für die Wahl dieses Oberpräsidenten mag wohl das verwandtschaftliche Verhältniß des Hauses Radziwill zur königlichen Familie bestimmend gewesen sein, wie ja auch in der Zeit der „neuen Aera" der katholische Fürst von Hohenzollern das Ministerpräsidium in Preußen kurze Zeit führte. Außer diesem Fürsten Radziwill hat Preußen bis jetzt nur drei katholische Oberpräsidenten gehabt, von welchen zwei auf die Provinz Westfalen entfallen, nämlich der frühere Justizminister v. Duesberg und der Kulturkämpser v. Kühlwetter. Außer Posen und Westfalen hat nur noch Schlesien einen katholischen Oberpräsidenten aufzuweisen, nämlich den jetzigen Oberpräsidenten, Fürsten o. Hatzfeld-Trachenberg. Die zu drei Vierteln katholische Rheinprovinz hat noch nie einen katholischen Oberpräsidenten gehabt, und die katholischen Regierungs-Präsidenten in derselben lassen sich rasch an den Fingern abzählen. Eine der Seelenzahl nach überwiegend protestantische Provinz hat bis jetzt noch nie einen katholischen Oberpräsidenten gehabt.
* Aünf Kisenvatz« - Projekte für Deutsch- Afrika sind nach dem ,Hamb. Korresp/ in der Ausarbeitung begriffen. Es handelt sich um eine ostafrikanische Centralbahn, die Fortsetzung der verkrachten Ujambara-Linie, um zwei Eisenbahnen im Norden und Süden von Südwest-Afrika und endlich um eine Eisenbahn im Togogebiete.
Ausland.
* Wie«. 18. Mai. Im Abgeordnetenhause brachten Hofmann und Genossen einen Dringlichkeitsantrag ein, in welchem sie Aufklärungen der Regierung verlangen über die letzten Ereiguisfe im Orient, über die Begegnung der Monarchen in Petersburg und die dadurch etwa herbeigeführte Veränderung der Politik Oesterreich-Ungarns und seiner Stellung zum Dreibunde.
* ^aris, 18. Mai. Hiesige Blätter melden, daß in Kabplien sowie in der Umgebung von Algier sich seit kurzem eine Erregung unter den Ein - geborenen bemerkbar mache, welche als eine Rückwirkung der türkischen Siege in Thessalien aufgefaßt werde. Es seien seitens der Behörden Durchsuchungen der Wohnungen veranstaltet und Waffen und Munition beschlagnahmt worden.
* Madrid, 18. Mai. Die Königin bestätigte gestern dem Ministerpräsidenten Canovas ihr Vertrauen. Derselbe hatte angesichts der Gerüchte, die Königin seit mit dem jetzigen Kabinet unzufrieden, die Vertrauensfrage gestellt. Die Lage scheint somit geklart und die Stellung der Regierung gefestigt.
Zwar hielt Herr Wilhelm, dessen Seele nach dem jähen Abscheiden des Vaters mehr denn je nur himmlischen Dingen nachstrebte, allem Hader sich fern, aber Johann und Gottfried lagen in stetem Streite mit einander. Es fehlte oft nicht viel, daß sie schon im ersten Jahre mit bewaffneter Hand den Zank um die Oberherrschaft auf dem Wildenstein ausgefochten hätten. Selbst die weise Ruhe des Schloßhauptmanns vermochte nicht, die erregten Gemüther zu besänftigen, und nach einem ärgerlichen Vorfälle im Spätherbste blieb dem wackern Johann Schilling nichts anderes übrig, als seinen Abschied zu nehmen. Ihm folgte der größte Theil der Söldner, die es vordem sich zur Ehre gerechnet hatten, unter dem gelben Löwen im blauen Felde zu dienen. Seitdem wurde es von Tag zu Tag schlimmer. Scharfe Worte, heftige Drohungen fielen, als dem Hebereinkommen gemäß im neu anhebenden Lenze Gottfried mit seinen Leuten die Veste räumen mußte und Johann mit den ©einigen einzog.
Mit dem Gemahl und dem Büblein des Schloßherrn war auch Barbara wieder eingezogen in die Burg ihrer Väter. Aber das Antlitz des lieblichen Mägdlein war bleich, ihr Auge trübe wie von vielem Weinen, ihre Haltung müde und kraftlos. Sie folgte auch nicht Frau Katharina in die Kemenate, in das heimelige Gemach, von dessen weit ausschauendem Erker ihr junges, sehnsüchtiges Herz so manches Mal
Gutem Vernehmen nach wird die Regierung in ihrer Ansprache an die Cortes folgende Punkte berühren: Feldzug auf Kuba, Erweiterung und Inkraftsetzung der Reformen auf den Antillen, Feldzug auf den Philippinen, Anleihe, internationale Beziehungen, besonders mit Nordamerika, Hoffnungen der Regierung und finanzielle Pläne.
* Madrid, 18. Mai. „Der westliche Theil Kubas ist beruhigt, es gibt jetzt dort weniger Räuberbanden, als vor Beginn des Aufstandes." So verkündet General Wepler. Darum stehen im Osten der Insel 28 Bataillone, 9 Schwadronen und 3'/4 Batterien, im Westen 83 Bataillone, 50 Schwadronen und 9l/g Batterien. Mehr als dreimal so viel Truppen in den Gegenden, wo Frieden herrschen soll, als da, wo der Krieg wüthet. Und dazu kommen jetzt offiziöse Berichte aus Kuba, in denen zugestanden wird, daß von den 150—180000 Mann, die dort stehen, nur 40000 kriegstüchtig sind! Besteht nicht, wie selbst der Ministerpräsident Canovas del Castillo eines Tages in einer unbewachten Stunde äußerte, ein großer Unterschied zwischen den Worten Weplers und den Thatsachen? Aber der Ministerpräsident ist, wie der ,JmpareiaL meint, ein „hilfloser Greis".
* ^etersöttrg, 18. Mai. Die Verhandlungen mit dem heiligen Stuhle in Betreff der Neubesetzung einiger vakanter katholischer Bischofssitze haben schneller, wie man erwartet hatte, zu einem befriedigenden Ergebnisse geführt. Zum Nachfolger des verstorbenen Bischofs Nowodworski in Plock wurde der bisherige Rektor der Petersburger geistlichen Akademie und Suffraganbischof von Mohilew Albin Symon ernannt. Derselbe wurde am 13. März 1841 zu Doborzec bei Zitomir geboren. Ferner wurden der bisherige Verweser der Diözese Wilna Stefan Zwierowicz zum Bischof von Wilna, der bisherige Rektor des geistlichen Seminars zu Zitomir Karl Riedzialkowski zum Rektor der geistlichen Akademie in Petersburg und zum Suffraganbischof von Mohilew, der Domherr Klopotowski aus Petersburg zum Suffraganbischof von Luck-Zitomir, der bisherige Suffraganbischof von Luck-Zitomir zum Bischof von Luck-Zitomir, der Domherr Cprtwie aus Petersburg zum Suffraganbischof von Samogitien mit der Residenz Kowno, und der Suffraganbischof der Diözese Samogitien zum Bischof der Diözese Sejny ernannt. Die Präeonisation der neuen Kirchenfürsten wird im nächsten Konsistorium erfolgen.
Der grieM-MW Krieg.
Berlin, 18. Mai. Hier ist nun die amtliche Meldung eingetroffen, daß der Sultan denBefehl zur Einstellung der Feindseligkeiten auf dem griechisch-türkischen Kriegsschauplätze gegeben hat.
London, 18. Mai. ,Dailp News' führt aus, daß die Ereiguisfe den Blokadevorschlag des —i—
mit den am Himmel hinziehenden Wolkenflocken über Berg und Thal geflogen, wo es in dem geisterhaften Zwielichte der Mitsommernächte so manchen seligen Traum geträumt hatte. Ein Kämmerlein im Neben- bau, das ehedem der alte Velten inne gehabt hatte, war ihr von dem herschsüchtigen Bruder zur Wohnung angewiesen. Barbara kannte es gar wohl, und doch stockte ihr Fuß auf der Schwelle, als die Thür vor ihr sich öffnete.
Roh getünchte Wände, eine grob geschnitzte Bett- sponde und eben solche Truhe, ein Spind in der Ecke und zwei niedere Schemel: das war alles. In dem schmucklosen Kamine brannte ein spärliches Feuer, das schwelend und rauchend den traurigen Raum noch trauriger machte. Die Vorboten des Lenzes, welche unten int Thale und an der geneigten Berghalde schon tausendfältiges Leben geweckt, hatten noch keinen Einlaß gefunden in die Veste. Hier war noch alles kalt und dunkel, und um die vorspringenden Felsenklippen wehte der Wind scharf und schneidend. Ein kühler Luftzug strömte durch die Ritzen des schlecht schließenden Fensters in die Stube.
„Freue Dich, entartete Tochter der Zimmern, daß ich nicht nach strenger Gerechtigkeit mit Dir verfahre," höhnte Herr Johann, als er das Zurückweichen der Schwester gewahrte. „Wenn Dir zu Recht geschehen sollte, müßtest Du das Gefängniß der unbotmäßigen