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M 111 Montag, den 17. Mai 1897 24. Jahrgang

FiildacrWZtitung

mit Unterhaltungs-Keilage „Sterne und Klumen".

Erscheint täglich Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Die Gehaltsaufbesserung der Eisenbahnunterbeamten,

MaHnrvLrter,Aremser,2SeichensteKer,Hchaffner.

Bekanntlich hat die vom preußischen Abgeord­nete nhause gegen die Stimmen des Centrums und der Freisinnigen genehmigte Gehaltsaufbesserungs­vorlage nur die mittleren, hohen und höchsten Beamten bedacht und zwar hauptsächlich die, welche seither schon recht hohe Gehälter bezogen haben. Hier­bei wurden Zulagen gewährt, die sich zum Theil auf mehrere Tausend Mark für einen Beamten be­laufen. Besonders gut sind alle Ministerial- und Re­gierungsbeamten und die Landräthe weggekommen; im Ganzen wurden 20 Millionen Mark mehr jähr­lich für die mittleren und hohen Beamten bewilligt. Die unteren Beamten gingen dagegen ganz leer aus, angeblich weil ihr Gehalt erst im Jahre 1890 aufgebessert worden sei.

Die damals erfolgte Aufbesferung war jedoch sehr bescheiden. Während man jetzt den oberen Beamten die außerordentlich hohen Zulagen bewilligt, wurden damals die Bahnwärter mit 90 Mark, die Weichensteller mit 70 Mk., die Bremser mit 160 Mk. und die Schaffner mit 105 Mk. jährlicher Zulage abgefunden und diese kleine Aufbesserung soll die Ursache sein, weshalb man jetzt, wo der Millionen- regen sich auf die hohen Beamten ergießt, den am schlechtcst bezahlten unteren Beamten nichts zukommen lassen will. Das Centrum hatte im Abgeordneten­haus die gleichzeitige, oder doch wenigstens die nächst­jährige Aufbesserung der unteren Beamtenklassen ge­wünscht, seinen Willen aber nicht durchsetzen können, weil Konservative und Liberale dagegen eintraten, deshalb stimmte das Centrum schließlich im Abgeord­netenhause gegen das ganze Gesetz.

Im Reichstage stand dieser Tage gleichfalls die Gehaltsaufbesserung der Beamten zur Berathung; diese Aufbesserung des Gehaltes der Reichsbeamten ist jedoch von keiner so großen Trag­weite wie die oben erwähnte Gehaltsaufbefferung in Preußen und umsaßt nur im Ganzen etwa 21,500 Offiziere und Beamte, für welche rund 9 Millionen Mark bewilligt werden sollten.

Die Budgetkommission des Reichstags hat davon nahezu 2 Millionen ab gestrichen, indem namentlich die hohen und höchsten Gehälter theils gar nicht, theils weit weniger als vorgeschlagen war, aufgebeffert wurden, und zwar erfolgten fast sämmtliche Abstriche aus Antrag der Centrumspartei. Die Abg. Dr. Lieber und Müller-Fulda haben nun den Vorschlag gemacht, von diesen ersparten 2 Millionen

«L Hit Mnmn von VildenKein.

Eine Erzählung aus dem Donauthal von Antonie Jüngst 10 ------ (Nachdruck verboten.)

Alsdann sprengten reitende Boten hinaus, die Söhne des Verblichenen herbeizurufen und die Todes- "botschaft in die Burgen der weitverzweigten Sippe zu tragen. Noch bevor der Tag sich neigte, waren Johann und Gottfried zur Stelle; Wilhelm, der von feiner frommen Fahrt noch nicht heimgekehrt war, traf erst am Abend vor der feierlichen Beisetzung ein. Mit ihm zogen zahlreiche Schaaren des Weges: die Edlen von Waldenburg, von Homberg, die Greifen­steiner wie die Kronecker, die Herren von Hausen und Dieffurt, der Schloßhauptmann vom Hohentwiel, wie die Siebte von' Reichenau und Salem ritten mit statt­lichem Gefolge dem Wildensteine zu. Hans Wilhelm von Meitingen hatte sich dem Grafen von Sonnen­berg angeschloffen, und selbst der feindliche Werden­berger fehlte nicht. Aber nicht allein die ritterbürtigen Geschlechter wollten dem tobten Löwen die letzte Ehre erweisen, auch die Hörigen und zinspflichtigsn Bauern von Falkenstein und Mößkirch, von Gutenstein und sogar von dem fernen Herrenzimmer am Neckar, dem Stammsitze des Alten, batten sich eingefunden und umdrängten in ehrfürchtigem Schweigen die Bahre.

Mark etwa die Hälfte zur Aufbesserung von solchen Subaltern- und Unterbeamten zu verwenden, welche in der Vorlage des Bundesraths überhaupt nicht bedacht worden rbaren und zwar einerseits der Post- und Telegraphenassistenten und Oberassistenten, andererseits der Bahnwärter, Bremser, Schaffner, Weichensteller und Rottenführer.

Das Durchschnittsgehalt dieser Beamten soll um 75, bezw. 100 und 150 Mark jährlich aufgebessert werden. Dadurch würden nahezu 22,500 weitere Beamten in die Gehaltsaufbesserung einbezogen, ohne daß Mehrausgaben gegen die Bundesrathsvorlage entstehen. Diese Anträge der beiden Centrumsabgeord­neten führten zu einer sehr lebhaften Sitzung der Reichstagsbudgetkommission am 14. ds. Mts., welche auch von drei preußischen Ministern, den Herren v. Bötticher, Marschall von Biber­stein und v. Goßler besucht war. Der Herr Staatssekretär des Reichsschatzamts Graf v. Posa- dowsky sprach sich sehr entschieden gegen die jetzige Einbeziehung der Unterbeamten aus. Abg. Müller-Fulda begründete jedoch die Rothwendig- keit seines Antrags, bei der Aufbesserung der oberen Reichsbeamten auch die unteren nicht zu vergessen, zumal Bahnwärter und Schaffner schon jetzt in Baden und Bayern weit besser gestellt seien und diese Staaten doch für den Vergleich mit den Reichs­bahnen in Elsaß-Lothringen maßgebend feien, so nachhaltig, daß er in der Budgetkommission von allen Seiten die wärmste Unterstützung fand. Abg. Dr. Lieber gab die bestimmte Erklärung ab, daß das Centrum die gesummte Gehaltsaufbesserung der hohen Beamten ab lehnen werde, wenn der von ihm ge­meinschaftlich mit dem Abg. Müller-Fulda gestellte Antrag keine Annahme fände. Nachdem auch noch die Äbg. Dr. Hammacher und Singer für den Centrumsantrag eingetreten waren, wurde dieser einstimmig von der Budgetkommission angenommen.

Deutsches Deich.

Berlin, 15. Mai.

Das int Reichstage eingebrachte Vereins- IlotHgcsetz wird ohne viele Umstände mit großer Mehrheit angenommen werden. Will der Bundesrath loyal handeln, so muß er zustimmen, denn nur im Vertrauen auf die Zusage der Regierung ist im vorigen Jahre das bürgerliche Gesetzbuch zu Stande gekommen. Nun höre man aber, was die,Kreuzztg/ sagt: „Der Antrag verfolgt das Ziel, int Bundesrathe die preu­ßische Regierung durch einen Theil der anderen majori- siren zu lassen. Eine preußische Regierung kann sich das niemals gefallen lassen. Sie kann unmöglich einen Weg betreten, der entweder zum proletarischen Regiment oder zur capitis diminutio Preußens innerhalb des deutschen Reiches führt." Auch das gehört zum System von heute: Preußen darf nicht majorisirt werden, mit anderen Worten:

Endlich fchlug die Stunde; die fchwarz behangenen Pferde zogen an, der Zug setzte sich in Bewegung. Vom Kloster Beuron klang die Todtenglocke in schweren dumpfen Schlägen, das feine Glöckchen der Burgkapelle fiel leis wimmernd ein, als die sterblichen Reste des gewaltigen Mannes hinweggeführt wurden, um in der Gruft des Geschlechtes zu Sankt Martin zur letzten Ruhe bestattet zu werden.

Ein grausiges Wetter stand über Mößkirch, die schweren Wolken hingen fast zur Erde. Schon zuckte es hier und da mit fahlem Geleucht darüber hin, schon grollte der Donner in das wehklagende Geläute, welches dem trauernden Städtchen das Nahen seines tobten Herrn verkündete.

„Der alte Löwe hat den rechten Tag und die rechte Stunde sich ausersehen," meinte der greife Herr von Hausen, der Adlermann der Ritter vom Georgenschild, zu dem neben ihm stehenden Meitingen, als der Sarg in die Gruft hinabgelassen wurde und die plötzlich erwachte Windsbraut über den Friedhof schnob. „Das kommt herangebraust gleich der mitter­nächtlichen wilden Jagd, gerade wie einstmals der tolle Zimmern in der überschäumenden Kraft seiner Jugend."

„Weitingen hat die Schwere seiner Faust em­pfunden," seufzte der junge Ritter trübe. „Gott ver-

was Preußen will, hat der Bundesrath zu thun. Die übrigen Staaten haben ja auch ihre Stimmen, aber sie dürfen sie nur abgeben „im Gefolge" Preußens. Dies „kann sich niemals gefallen lassen", daß die „Vasallen" sich weigern, nach der preußischen Pfeife zu tanzen.

* Im Meichstage wird nach Erledigung der Finanzvorlagen und des Vereinsgesetzes in der nächsten Woche das Margarinegesetz und die Hand­werkervorlage auf die Tagesordnung kommen. Bekanntlich wollen die Gegner dieser Gesetze alles zur Vereitelung der Entscheidung thun, was sie können. Es ist daher unbedingte Pflicht aller Centrumsabge­ordneten in Berlin zu erscheinen. Wird dann durch die Abwesenheit anderer Parteien die Annahme dieser wichtigen Gesetze unmöglich gemacht, so mögen diese die Verantwortung tragen. Die Centrumsmitglieder aber müssen ihre Pflicht thun. Ohne Zweifel wird es Namensaufrufe und namentliche Abstimmungen geben. Niemand, der ohne triftigen Grund fehlt, wird sich beklagen dürfen, wenn seine Wähler auf feine Pflichtversäumniß öffentlich aufmerksam gemacht werden.

* Dem KerrenHause ist ein Gesetzentwurf über den Erlaß polizeilicher Strafverfügungen wegen lieber« schreitung ström- und schifffahrtspolizeilich er Vorschriften auf der Elbe und auf dem Rhein zugegangen.

* Dem ÄögeordnekenHause ist ein Gesetzent­wurf betr. den Erwerb von Theilen des Aachen- Mastrichter Eisenbahnunternehmens zuge­gangen.

■sfc In der ,Deutschen Tagesztg/ beklagt sich ein Gntsöefttzer aus der Umgebung Berlins, daß ihm sein auf ein Jahr gemiethetes katholisches Dienst­mädchen, als er es nicht freiwillig ziehen lassen wollte, entlaufen sei und ihm, nothgedrungen zurück- gekehrt, erklärt habe, der Pfarrer habe sie in der Beichte ersucht, den Dienst bei ihm als einer evan­gelischen Herrschaft zu verlassen. Er habe schriftlich den Pfarrer um Auskunft gebeten, aber bis heute keine Antwort erhalten. Er wird auch schwerlich eine erhalten. Daß er eine solche überhaupt erwartete, konnte wunder nehmen, wenn man die gröbliche Un­wissenheit der Protestanten in katholischen Dingen nicht ausreichend tännte. Der Gutsbesitzer hat, wie er selbst sagt, das Mädchen „etwa monatlich ein­mal zur Kirche gehen lassen. Wahrscheinlich hat ihr nun der Pfarrer in der Beichte gesagt, sie möge doch, um regelmäßig die Kirche besuchen zu können, so bald als möglich zu einer andern Herrschaft zu kommen suchen, die ihr die nöthige freie Zeit gebe. Die »Deutsche Tagesztg/ glaube „vorläufig", daß ein Mißverständniß seitens des Mädchens obwalte. Sollte sie etwa auch erwarten, der Pfarrer werde das Miß­verständniß aufklären? Daß der Gutsbesitzer evan­gelisch ist, hat zweifellos nichts mit der Sache zu thun. Wenn ein katholisch getaufter Dienstherr so handelte

zeih' ihm die Sünde, ich trage ihm keinen Groll nach!"

Der alte Hausen spitzte die Lippen und flüsterte:

„Am rauhesten Dorn sprossen oft die lieblichsten Rosen. Habt Ihr Fräulein Barbara gesehen?"

Ein Windstoß, der die Wolken in rasender Eile vor sich hintrieb und die mächtigsten Bäume zer­splitterte, schnitt dem Gefragten das Wort vom Munde ab. Ein blendender Strahl fuhr jählings nieder; es krachte und knatterte, und stoch auf flammte eine der mehr als hundertjährigen Kirchhofslinden.

Wilder, immer wilder tobten die entfesselten Ele­mente, kaum daß das erschreckte Leichengefolge die schützenden Thore der Zimmern'schen Stadtburg er­reichen konnte. Während die ritterbürtigen Herren dem großen Saale sich zuwandten, zerstreuten die Eigenholden sich in den unteren Gewölben, wo ihnen Speise und Trank bereit stand. Aber obwohl manch' Fäßlein goldigen Seeweines den durstigen Kehlen treffliche Letzung versprach, die Zapfer hatten noch gute Zeit, keiner nahm ihre Dienste in Anspruch. Die Leute drängten sich gruppenweise zusammen und starrten mit bleichen Gesichtern in das tosende Wetter. Blitz folgte auf Blitz, Schlag auf Schlag, und prasselnd rauschte der Regen nieder.

„Das ist ein schlimmes Zeichen," meinte ein alter