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Freitag, den 14. Mai 1897

24. Jahrgang

»ldaerMZeitiiiig

mit Unterchatturrgs-KeUage „Sterne und Klumen".

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

H.K. Der internationale wissenschaftliche Katholiken-Kongreß.

Der internationale wissenschaftliche Katholiken- Kongreß, welcher sich alle drei Jahre versammelt, wird vom 16. bis 20. August d. I. in Freiburg in der Schweiz tagen. Die zwei ersten fanden zu Paris (1888 und 1891), der dritte zu Brüssel (1894) statt. Für Paris waren 1600 und 2500 Mitglieder subskribirt, für Brüssel die stattliche Zahl von 2700 angemeldet, welche großenteils zur Versammlung selbst erschienen waren. Die in Druck gelegten wissen­schaftlichen Arbeiten der zwei ersten Kongresse um­fassen zwei starke Oktavbände, die des dritten Kon­gresses 160 Abhandlungen in 9 Heften.

Für den in Vorbereitung befindlichen vierten Kon­greß dieses Jahres hat sich eine Mehrung der wissen­schaftlichen Arbeiten ergeben, indem deren bereits 200 angemeldet sind. Hingegen ist die Zahl der bis jetzt beigetretenen Mitglieder, welche 1100 beträgt, hinter den früheren Kongressen zurückgeblieben. Vor­aussichtlich werden die Franzosen und Belgier, deren Zahl für Brüssel 1100 bezw. 600 betrug, in dieser großen Zahl nicht beitreten, einmal wegen der relativ weiten Entfernung, sodann wegen des Nebergangs auf deutsches Sprachgebiet, weil für die Verhand­lungen und wissenschaftlichen Arbeiten nicht mehr ausschließlich die französische, sondern auch die deutsche und lateinische Sprache zu Grunde gelegt rorvben. Um so wünschenswerther ist eine stärkere Be­theiligung der deutschen Katholiken, deren Gefammtsubkription bei den vorausgehenden zwei Kon­gressen nur 15 und 150 betrug, da eine geringe Mitgliederzahl leicht die kostspielige Drucklegung der zahlreichen eingereichten Arbeiten gefährden könnte. Hoffentlich wird die bloße Anregung genügen, für den Kongreß in Freiburg eine grüße Mitgliederzahl auch aus unserer Diözese zu gewinnen, da der Zweck erhaben ist und die Versammlung in Freiburg, am Grabe des vor 300 Jahren verstorbenen sel. Petrus Canisius, des siegreichen Versechters des katholi­schen Glaubens in sturmbewegter Zeit, stattfindet. Der Beitrag ist ohnedies sehr gering und beträgt sür die einzelnen Mitglieder, mögen sie persönlich er­scheinen oder nicht, nur 10 Frks. oder 8 Mk., wofür die gedruckten wissenschaftlichen Abhandlungen aus den verschiedensten Fächern unentgeltlich und portofrei übermittelt werden.

Der Hochwürdigste Herr Bischof von Würz­burg, welchem die Förderung der Wissenschaft Herzenssache ist, gehörte von Anfang an (seit 1888) zu bett Gönnern der Versammlungen. In München war Freiherr von Hertling jederzeit für die Betheiligung am Kongreffe thätig. Für Freiburg haben sich Diözesankomitees gebildet. Wünschenswerth ist, daß sich nicht blos aus dem Klerus der einzelnen Diözesen, sondern auch aus der Laienwelt neue Mit­glieder anmelden. Der Adel und alle wissenschaftlich gebildeten Männer, denen die Bewahrung des von den Voreltern ererbten Glaubens und die Sache der Kirche am Herzen liegt, sollten unter der Zahl der Theilnehmer nicht fehlen.

Da der Ursprung und Zweck des Vereins noch zu wenig bekannt ist, soll hierüber ein kurzer Bericht folgen, indem wir für eine weitere Orientirung über die wissenschaftlichen Katholikenkongresse zu Paris und Brüssel auf die betr. Ausführungen von Prof. Dr. Kihn im Mainzer Katholik", Jahrgang 1891 und 1894, verweisen.

Unser Jahrhundert hat das stolze Gebäude der modernen Wissenschaft aufgebaut, theils in der Mei­nung, theils in der zielbewußten Absicht, den christ­lichen Glaubenslehren die Grundlage zu entziehen. Aber zahlreiche Katholiken, namentlich hervorragende Apologeten, find den Gegnern auf dieses Gebiet ge­folgt,- um die Lebensfähigkeit derselben durch wissen­schaftliche Darlegung in Wort und Schrift zu zeigen. Solche Gelehrte, Theologen und Laien, wollten nicht mehr stumme Zeugen der Bestrebungen der Ungläu­bigen sein, welche das Monopol oder doch die Hege­

monie der Wissenschaft beanspruchten. Allein die Anstrengungen einzelner Männer und ihre Schriften konnten die Konkurrenz nicht ganz und voll bestehen. Eine viel größere Kraft liegt in den Vereinen und Associationen. Von diesem Gedanken aus­gehend, hat eine Gruppe von eifrigen Vertheidigern des Chriftenthums im Frühjahr 1885 zu Rouen die Organisation der wissenschaftlich gebildeten Katholiken in allen Ländern der Welt ins Auge gefaßt. Die Frage, in welcher Form sich diese Vereinigung voll­ziehen sollte, war ungemein schwer und drohte gleich int Anfang zur Uneinigkeit zu führen. Daher ent­schied , man sich für einen Kongreß, der nicht etwa nur Gelehrte (des savants) umfassen sollte, weil sich in diesem Falle viele wissenschaftlich gebildete Männer aus Bescheidenheit zurückgezogen hätten, sondern er sollte, wie Msgr. d'Hülst, Rektor der katholischen Universität zu Paris, ausführte, ein wissenschaft- licher sein und sich als solcher auf alle Zweige der menschlichen Erkenntniß erstrecken; er sollte katho­lisch sein, nicht als ob es eine spezifisch katholische Wissenschaft gäbe, sondern weil nur Katholiken Mit­glieder werden und wissenschaftliche Arbeiten ein­reichen sollten; endlich auch international, eben weil er katholisch wäre, und weil die Vertheidigung des Glaubens nicht die Aufgabe einer christlichen Nation mit Ausschluß der andern ist. Denn in der ganzen Welt gibt es bei aller politischen und sozialen Zerklüftung doch nur zwei große Parteien, nämlich das Chriftenthum als Träger der geistigen und lebenspendenden Ideen auf der einen und den Atheismus mit feinen zerstörenden Folgen im Privat- und öffent­lichen Leben auf der anderen Seite. Auf Grund solcher Erwägungen konstituirte sich der Congres scieniifique international des Catholiques.

Der Kongreß hat sich demgemäß zur Aufgabe ge­fetzt, die Gelehrten der ganzen katholischen Welt zu gemeinschaftlicher wissenschaftlicher Arbeit zu 'ver­einigen, um die für das positive Chriftenthum thätigen Kräfte zu sammeln, durch das Bewußtsein der Zu­sammengehörigkeit zu ermuthigen, die neuen anti- christlichen Hypothesen auf ihren Grund zu prüfen und den Vertheidigern der christlichen Religion ge­eignete Waffen in die Hand zu geben.

Das Unternehmen, welches gleich bei feinem Ent­stehen in der Presse bekämpft wurde, fand die Gut­heißung des Heiligen Vaters durch Breve vom 20. Mai 1887. Der Papst billigte das ganze Programm, namentlich auch den Satz, daß Glaubens­lehren und streng theologische Gegenstände ausge­schlossen sein sollten; denn die göttlichen Dinge seien zu hoch und zu heilig, als daß man sie mit Würde auf einem Kongreß behandeln könne. Auch fehle es manchen Mitgliedern an der nöthigen Autorität, und sollten dieselben sich auf ihrem eigenthümlichen Gebiete bewegen, in der Geschichte und Physik, in der Philo­logie, Mathematik, Kritik rc.

Zum ersten Male wurde demzufolge der Kongreß vom 8. bis 13. April 1888 in Paris unter der Präsidentschaft des Msgr. Perraud, Bischofs von Autun, Mitglied der französischen Akademie, abge­halten; der zweite fand ebenda vom 1. bis 6. April 1891 unter dem Vorsitz des gelehrten Bischofs Freppel von Angers, ehemaligen Professors an der Sorbonne, statt. Der dritte versammelte sich in Brüssel vom 3. bis 8. September 1894 unter dem Vorsitze des Kardinals Goossens von Mecheln. Theo­logen und Laien, Bischöfe und Priester, Männer der verschiedensten Berufszweige, Juristen, Aerzte, Advo­katen, besonders Lehrer an Hochschulen, Gymnasien, Seminarien und wissenschaftlichen Instituten nahmen persönlich Theil; andere hatten als Mitglieder ihre Beiträge oder Abhandlungen eingesandt. Hatten die Deutschen auf dem ersten Kongreß in Paris (1888) ganz gefehlt, so waren auf dem zweiten Kongresse von den 19 subfkribirten Mitgliedern aus dem deutschen Reiche (abgesehen von Elsaß-Lothringen) erschienen: die Universitätsprofessoren Dr. Freiherr von Hertling, Dr. Grauert, Dr Bach von München, Dr. Hüffer von Breslau, Dr. Kihn von Würzburg, Dr. Koschwitz von Greifswald. In Brüssel aber waren von den 150 Mitgliedern anwesend: Dompropst Dr Scheuffgen-Trier,Dompropst und päpstl. Hausprälat Dr. W. Schneider-Paderborn, Reichstagsabgeordneter. Dr. Porsch-Breslau, die Professoren Dr. Grauert- München, Dr. von Funk-Tübingen, Dr. Kihn-Würz-

burg, Dr. Clemens Baumker-Breslau, Pfarrer Dr. Wilhelm Bäumker-Ruhrich. Außer den Generalver- fammlungen fanden Sektionssitzungen statt, in denen ein großer Theil der Abhandlungen vorgetragen und im Ideenaustausch der Besprechung unterzogen wurde. Im Jahre 1891 gab es sieben, im Jahre 1894 acht Sektionen. In Freiburg hat das Organisationskomitee zehn Sektionen gebildet:

1. Religionswissenschaft; 2. Philosophie; 3. Rechts­wissenschaft, Nationalökonomie u. Sozialwissenschaft; 4. Geschichtswissenschaft; 5. Philologie; 6. Mathe­matik, Physik und Naturwissenschaft; 7. Biologie; 8 Medizin; 9. Anthropologie; 10. Christliche Kunst.

Zur Entgegennahme von Anmeldungen sind die Vorsitzenden der Diözesankomitees bereit; für die DiözeseFulda Herr Domdechant Prof. Dr. B r a u n.

Da wohl sämmtliche Bischöfe Deutschlands ihren Beitritt zum Kongreß in Freiburg erklärt und einige selbst das Ehrenpräsidium ihrer Diözesankomitees übernommen haben, läßt sich immerhin noch auf eine recht zahlreiche Betheiligung deutscher Katholiken am IV. Kongreß rechnen.

» Vic Iimmttn non Mdenßti».

Eine Erzählung aus dem Donauthal von Antonie Jüngst 8 ------- (Nachdruck verboten.)

Barbara, deren Wangen plötzlich schneeweiß ge­worden, hob das thränenumdunkelte Auge und blickte traurig auf den Vater.

„Gemach, Herr Werner, gemach!" suchte der Abt zu begütigen. „Welchen Span Ihr auä) immer mit dem Ritter von Weitingen auszufechten gehabt, wer von Euch im Recht oder Unrecht gewesen--"

„Oh, ehrwürdiger Herr, ich im Unrecht?"

„Wir sind allemal sündige Menschen, dem'Jrr- thum unterworfen. Der alte Hans Wilhelm von Weitingen, dessen ich mich gar wohl erinnere--"

„Hielt es mit meinen Feinden, bett Bubenhofern," unterbrach der Greis, vor Zorn glühend. „Ha, die edlen Herren von der Landstraße dachten wohl schon damals — es mögen an die dreißig Jahre sein — die Zähne des Zimmern'schen Löwen seien stumpf geworden, und seine Pranken kraftlos, sie dürften ungestraft ihn höhnen. War es nicht Hans Wilhelm von Weitingen, der den Bubenhofener aufgestachelt hatte, den Lehnsverband mit den Zimmern rundweg abzuleugnen? War nicht er es, der auf mein Er­bieten, dem schon damals bis über die Ohren in Schulden steckenden Junker Falkenstein und Grün- heimstetten abzukaufen, die Antwort brachte, derselbe brauche nicht zu verkaufen; wenn ich von Verkauf spreche, wolle er mir Mößkirch und Wildenstein ab­kaufen und baar bezahlen? Aber der Trotz ist den Schelmen theuer zu stehen gekommen. Hans von Bubenhofen fiel von der Hand seines Falkners, bevor noch die Fehde begonnen, und seine Söhne, die in wenig Jahren das väterliche Erbe bis auf den letzten Platz verpraßt hatten, mußten froh fein, daß ich ihnen die Herrschaft Falkenstein abnahm. Und Hans Wilhelm von Weitingen? Nun, jedes Kind weiß, wie Hans Wilhelm geendet."

„Er war ein unschuldiges Opfer der Fehme," sagte der Abt und heftete den unerschrockenen Blick fest auf den erregten Burgherrn.

„Unschuldig! Herr, Ihr wagt es--"

„Er war dennoch unschuldig," beharcke der Abt. „Gott verzeihe dem die Sünde, welcher den bereits ergrauten Mann des Mordes an dem auf offener Straße todtgefundenen Erich von Stetten angeklagt und vor das heimliche Gericht gefordert hat!"

„Ihr vergeßt, daß der Ritter denen von Stetten abgesagt hatte und — —"

„Es war eine unselige Verkettung von Zufällig­keiten und Mißverständniffen, welche den Verdacht, seinen Gegner erschlagen zu haben, auf das Haupt Weitingen's zog/" fuhr der Abt unbeirrt fort. „Hätte der Freigraf in Sigmaringen nicht solche Eile gehabt, das Urtheil zu vollstrecken, hätte er ihm Zeit ge­lassen, nach den nothwendigen Eideshelfern sich um­zusehen, die Unschuld des Ritters wäre wohl ans Tageslicht gekommen.""

„Mag sein,"" grollte Hans Wemer dumpf und rückte ungeduldig auf seinem Stuhle hin und her. „Aber wenn er auch in diesem Falle ungerecht be­zichtigt worden, den Tod hatte er vollauf verdient.