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Donnerstag, den 13. Mai 1897

24. Jahrgang

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mit Unterhaltungs-Keiiage „Sterne und Klumen".

Erscheint täalich Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzcile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Derch.

Berlin, 12. Mai.

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* Gestern Nachmittag zog der Kaiser, von der Truppenübung bei Gravelotte zurückkehrend, an der Spitze der Fahnenkompagnie, welcher die Standarten- Eskadron folgte, durch da? französische Thor in die Stadt Metz ein, von der seit Stunden harrenden, überaus zahlreichen Menschenmenge stürmisch begrüßt, und ritt zum Bezirkspräsidium, wo die Feldzeichen abgebracht wurden. Kurz nach 5 Uhr fuhren die Majestäten nach Urville zurück.

X Das Ktaatsministeriurn hat heute beschlossen, die Novelle zum Vereinsgesetze dem Landtage noch vorzulegen. Der Beschluß dürfte inzwischen bereits ausgeführt worden sein. Warum da aber gestern der Ministerpräsident noch eine Erklärung ab­geben mußte, die die Nichteinbringung der Vorlage ankündigen und begründen zu wollen schien, ist uns nicht recht verständlich. Oder hat man abermals einen Beweis dafür liefern wollen, wie unsicher und schwankend jetzt alles bei uns ist, und daß die Einigkeit im Mini­sterium sehr zu wünschen übrig läßt? Fürst Hohenlohe hat die Einbringung nicht mehr gewünscht; er ist also überstimmt worden. Wie es heißt, soll die Vorlage erst dem Herrenhause zugehen. Auch das gehört zum System. Das Herrenhaus tritt erst am 21. Mai wieder zusammen und ist mit seinen Arbeiten noch stark im Rückstände, während das Abgeordnetenhaus in den nächsten Tagen seinen Arbeitsstoff vorläufig erschöpft haben wird, also Zeit für die Novelle hätte. Es sollte doch für die Regierung auch viel richtiger sein, zu erfahren, wie das Abgeordnetenhaus darüber denkt, als was die ostelbischen Großgrundbesitzer für reaktionäre Pläne haben. Stehen bleiben wird die Vorlage freilich so wie so. „Verbessert" sie das Herrenhaus nach seinem Sinn, so wird das Abge­ordnetenhaus die Zustimmung verweigern, hat das Abgeordnetenhaus zuerst einen Beschluß darüber ge­faßt, so wird das Herrenhaus ihn umstoßen. Der kürzeste Weg, um sestzustellen, daß aus der Sache nichts wird, ist wohl der über's Herrenhaus. Die ,Kreuzztg/ liest aus der Erklärung des Reichskanzlers heraus, daß neuerdings mit dem Entwurf eine „Wen­dung zum Besseren" eingetreten sei, mit andern Worten, daß das Ministerium sich durch ihren Angriff habe einschüchtern lassen und deshalb den Plan, blos § 8 aufzuheben, wieder aufgegeben habe. Wir werden ja bald sehen, wieweit es sich wirklich um eine Ver- demüthigung vor den Konservativen handelt. Daß sie die Stellung des Fürsten Hohenlohe und anderer Minister mit ihrem denunziatorischen Artikel haben erschüttern wollen, leugnet die ,Kreuzztg.' natürlich.

«je Dir Zimmn non Wdeichm.

Eine Erzählung aus dem Donauthal von Antonie Jüngst 7 ------ (Nachdruck verboten.)

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Die am Spieß gebratene Hirschkeule, die Sulzen und die von Fräulein Barbara eigenhändig gebackenen Lebküchlein hatten den hungrigen Männern trefflich gemundet. Die Speisen waren schweigend verzehrt worden; erst als die Schüsseln abgetragen waren und nun die Kanne mit dem goldfunkelnden Falerner die Runde machte, lösten sich die Zungen.

Werner von Zimmern lehnte sich behaglich in den Stuhl mit dem gestickten Rücklaken zurück, hob seinen Becher gegen den Abt und sagte mit freundlichem Nicken: '

„Weiß der Himmel, es thut nicht gut, wenn der Mensch so gar allein ist. Ihr glaubt nicht, ehr­würdiger Herr, was für finstere Gespenster mich heim­gesucht haben in diesen zwei Monden völliger Ab­geschlossenheit."

„Sßie," fragte der Abt verwundert, „Euch, edler Herr? Ihr wolltet noch klagen, da doch der schwarze Tod gnädig an Euch vorübergegangen ist und in Eurem holdseligen Töchterlein ein Engel an Eurer Seite weilte?"

Wieweit sie Glauben findet, ist eine andere Frage. Am Ende lassen sich die Konservativen ja den Fürsten Hohenlohe und sogar den Frhr. v. Marschall auch gefallen; diese brauchen blos nach der ostelbischen Pfeife zu tanzen, dann ist alles in Ordnung. Leute, die noch vor Jahr und Tag ihre rücksichtslosesten Ausfälle gegen die Krone selbst richteten, sollten wenigstens nicht so entrüstet thun, wenn man sie im Verdachte der Ministerstürzerei hat.

* Der nationallib. Abg. Aarkmer, welcher am Montag im Abgeordnetenhause plötzlich erkrankte, ist am Dienstag im Alter von 51 Jahren gestorben. Seit 1890 vertrat er den Wahlkreis Hannover-Linden.

* Freiherr v. Stumm läßt durch sein Neunkirchener Leiborgan erklären, daß er im nächsten Jahre eine Wiederwahl zum Reichstage nicht annehmen werde.

ft Die Reichskommission für die Kand- werkervorkage hat heute, ohne wesentliche Aender- ung vorzunehmen, die 2. Lesung beendet. Die beiden vorgeschlagenen Resolutionen betr. die Gewährung von Geldunterstützungen zur Ausführung der den Innungen- obliegenden Aufgaben und wegen Vorleg­ung eines Gesetzes zur Einführung des Befähigungs nachweises für das Baugewerbe gelangten zur An­nahme. Zu unserem gestrigen Kommissionsbericht haben wir nachzutragen, daß der auf Antrag Gamp in 1. Lesung angenommene § lOOaa in 2. Lesung nicht gestrichen, sondern dem § 100 als Zusatz ange- sügt worden ist.

ft Die MiMarstrafprozeßordnurtg soll morgen aus dem Ausschuß des Bundesrathes an das Plenum gelangen. Es ist beschlossene Sache, sie auch noch dem Reichstage vorzulegen, und zwar hat sich mit dieser Frage das preußische Staatsministerium heute ebenfalls beschäftigt. Der Reichstag wird aber, wie wir schon gestern bemerkten, über die erste Berathung des Entwurfs in dieser Session schwerlich hinaus­kommen.

ft Die Kommission des Reichstags für die Zlnfalkverfichermtgsgesetze hat die Novelle für Land- und Forstwirthschaft angenommen. Abänderungen an der Regierungsvorlage wurden nur insoweit vor­genommen, als es erforderlich war, eine Ueberein- stimmung mit den bei der Gewerbeunfallversicherung gefaßten Beschlüssen herbeizuführen. Nur in § 1 wurde die Grenze der Versicherungspflicht der Vorlage gemäß auf 2000 Mk. festgesetzt, während sie bei der Gewerbeunfallversicherung auf 3000 Mark erhöht worden ist.

* An MechseMempersteuer wurden im Monat April im deutschen Reich eingenommen 819414,50 Mk. (gegen April 1896 -ft 58 587 Mk.). Davon entfallen auf das Reichspostgebiet 719354 Mk., auf Bayern 74269,10 Mk., auf Württemberg 25 791,40 Mark.

* Gneserr, 11. Mai. Gestern erreichten die Jubi­läums-Feierlichkeiten zu Ehren des heil. Adalbert ihr Ende. Nach der feierlichen Vefperandacht, an welcher die beiden Domkapitel, an 100 Geistliche und

„Mir wäre es schon lieber gewesen, wenn einer meiner Söhne bei Beginn der Seuche des alten Vaters auf dem Wildenstein sich erinnert und meine Haft getheilt hätte. Der taube Kaplan war ein verzweifelt schlechter Gesellschafter beim Wein, weiß trotz seiner siebzig Jahr noch keinen ordentlichen Becher auszu­stechen. Aber das junge Volk geht seinem eigenen Vergnügen nach, turnirt und tiostirt, bis der Teufel es am Kragen hat."

„Ihr vergeßt, Vater, fiel Johann gekränkt ein, „daß Wilhelm vor feiner Bittfahrt vergeblich an die Pforte des Wildenstein gepocht hat, daß Gottfried und ich Euch Botschaft sandten. Dem einen ward nicht aufgethan und die andern kehrten unverrichteter Sache wieder heim."

„Daß ich ein Narr gewesen wäre und mir durch Eure Knechte hätte den Tod ins Haus tragen lassen! Klopfte derweilen sogar einmal ein Abgesandter des Herzogs Ulrich von Württemberg an Wildensteins Thore. Hab' Seiner fürstlichen Gnaden meinen unter- thänigsten Gruß vermelden lassen, seinem Boten aber keinen Unterstand gegeben."

„Das wird der Graf von Lichtenstein gewesen sein," meinte Johann nachdenklich. „Auf seiner Fahrt zum Kaiser nach Augsburg hat er auch in Mößkirch eingelegen."

viele hervorragende Laien sich betheiligten, hielt der Erzbischof eine herrliche Schlußrede. Es fand darauf, wie zu Beginn der Feierlichkeiten, eine Prozession um den Dom statt, wobei die Domherren Dziedzinski und Spors die Reliquien des hl. Adalbert trugen. Tau­sende von Gläubigen sangen das schöne, vom heil. Adalbert selbst verfaßte Lied Boga rodzico. Den Schluß der Andacht bildete ein Te Deum.

* München, 12. Mai. Gestern Mittag wurde durch den Prinzregenten der neue Justizpalast feierlich eröffnet. Justizminister v. Leonrod verbreitete sich über die Gerichtsverhältnisse Münchens in diesem Jahrhundert und über die Vorgeschichte des Baues. „Möge der Segen Gottes über diesem Gebäude walten! Möge das Licht der Weisheit und der Wahrheit nie in ihm erlöschen, Unrecht und Lüge keinen Eingang finden!" In seiner Antwort sprach der Prinzregent dem „verdienten Baumeister seine volle Anerkennung aus" und schloß: „Möge stets in diesem Justizgebäude Gerechtigkeit walten!" Prof. Thiersch erhielt das Ritterkreuz des Verdienst-Ordens, mit dem der per­sönliche Adel verknüpft ist, der Leiter des Baubureau's, Architekt Habich, den Michaels-Orden 4. Kl.

Ausland.

* Aaris, 12. Mai. Eine bemerkenswertste Kund­gebung findet sich in dem „Pariser Journal", das mit süßsauerer Miene zugesteht, daß man, so peinlich es manchem Franzosen auch sein möge, dem Verhal­ten Kaiser Wilhelms angesichts der Brandkata­strophe Beifall zollen müsse. Im Hinblick auf die Trauer Frankreichs habe der Kaiser wieder einmal einem hochherzigen Impuls gehorcht und die Gelegen­heit benützt, um sich als vornehmer Feind zu erweisen. Sein Telegramm sei das erste gewesen, und daß er sich durch einen außerordentlichen Abgesandten habe vertreten lassen, der mit den höchsten französischen Familien verschwägert sei, zeuge von besonderem Zart­gefühl. Der Zar dagegen habe in ernsten, amtlichen, gewiß durchaus formgerechten Noten sein Beileid be­kundet, von seiner Person und seinen Gefühlen er­fahre man jedoch nichts, ebensowenig wie von einem Ausdruck des Beileids an die Stadt Paris, die ihn mit so herzlicher Freude empfangen haben. — Der ,Gaulois' schreibt: „Die kaiserliche Drahtung hat uns überrascht und bezaubert, sie war ritterlich, voll Menschenliebe, und Frankreich, das Land der Höflich­keit, konnte sie nur mit Dankbarkeit aufnehmen; das kaiserliche Geschenk überrascht uns gleichfalls, ver­wirrt uns aber einigermaßen. Natürlich kann man sich vor dieser neuen Kundgebung einer unermüdlichen Antheilnahme nur dankbar verneigen, aber man darf auch besorgen, daß die Ueberspannten, die jedes Volk enthält und mit denen unser Volk besonders gesegnet ist, daraus Anlaß nehmen, um Haßgefühle auf­zufrischen, die diese Handlung beschwichtigen sollte. Es ist also gestattet zu denken, daß der Kaiser durch

„Wie, der Kaiser ist noch in Augsburg? Ich dächte, er hätte gegen die Wätschen zu Felde ziehen wollen."

„Wenn Gottes Strafgerichte donnern, müffen auch die irdischen Machthaber sich beugen und die Ausführung ihrer wohl überlegten Pläne einer höheren Hand überlasten," sagte der Abt. „Und wahrlich, Maximilian hat sich einen schöneren Ruhm erworben, in dieser Zeit der schweren Noch, als wenn er auf italienischen Gefilden neue Lorbeeren sich gepflückt hätte."

„Ich verstehe Euch nicht, ehrwürdiger Herr. Er­klärt Euch deutlicher.

„Mir hat's der Herr von Hohenberg, der auf der Heimfahrt von Augsburg im Kloster vorsprach, er­zählt, und ich muß gestehen, daß mir bei seinen Worten zum erstenmale wieder warm und wohl ums Herz geworden ist."

„Netzt Eure Zunge, Mann Gottes, und dann heraus mit der Geschichte!" drängte Werner von Zimmern, als der Abt eine Pause machte. „Alles, was von Maximilians Größe und Herrlichkeit spricht, läßt mich vergessen, daß ich alt bin, versetzt mich zurück in die Zeit, da ich noch in blühender Mannes­kraft in seinem Gefolge ritt und zu seiner Ehre die Lanze schwang. Ha, ich sehe ihn noch, den hochge-