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Mittwoch, den 12. Mai 1897.

24. Jahrgang

mit Unterhaltmrgs-Keilagr „Sterne und Ktrrmrrr".

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Deutsches Deich.

Berlin, 11. Mai.

* Der Kaiser hat 10,000 Francs für die von dem Pariser Wohlthätigkeits-Bazar unler- stützten Anstalten gespendet. Die Summe ist bereits durch den Botschafter Grafen Münster dem Komitee zugestellt worden.

* Die Königin von Württemverg hat heute in Danzig im Auftrage des Kaisers die „Taufe" des dort gebauten Erfatzkreuzers vollzogen. 3«. diesem Zwecke war die Königin diesen Morgen früh in Danzig eingetroffen; am Bahnhofe empfingen sie Prinz Heinrich, Kontre-Admiral und stellvertretender Staatssekretär des Reichsmarineamts Büchsel u. a. Die Feier sand um 11 Uhr statt; das Schiff erhielt den Namen: „Freya." Die Ansprache hielt Prinz Heinrich.

* Wie man aus gut unterrichteten militärischen Kreisen hört, ist nunmehr endgiltig festgestellt, daß die Kaifermanöver durch eine große strategische Auf­klärungsübung der Kavallerie eingeleitet werden, wo­zu die 2 ersten Tage, an denen die anderen Truppen Kriegsmärsche ausführen werden, in Aussicht ge­nommen sind. Darauf folgt dann eine Ztägige „Schlacht." Bei dieser strategischen Aufklärungs­übung soll ganz besonders die strategische Bedeutung der Kavallerie in ein helles Licht gestellt und dabei vielfach von neuen Gesichtspunkten ausgegangen werden.

X Der Seuiorenkonvenl des Aeichslags trat heute zu einer Besprechung der Geschäftslage des Hanfes zusammen. Da vorläufig für das Plenum kein Arbeitsstoff mehr vorhanden ist, soll an den drei letzten Tagen dieser Woche die Sitzung ausfallen. Von Montag nächster Woche ab werden dann die Beamtenaufdesserung, die Nachtragsetats und die Servisanträge zur Erledigung gelangen. Endlich soll, falls sie noch kommt, die Militärstrafprozeßordnung in erster Lesung durchberathen werden. Es würde sich nur darum handeln, der Regierung zu zeigen, wie der Reichstag darüber denkt und welche Aussicht sie hätte, damit sie nöthigenfalls bis zur nächsten Session umgearbeitet werden könnte. An eine Er­ledigung in dieser Session ist nicht mehr zu denken. Ob sie kommt oder nicht, darüber gehen heute wieder zwei entgegengesetzte Lesarten um. Bekanntlich stecken das Auswanderungsgesetz und das Margarinegesetz noch gerade im allerletzten Stadium der parlamen­tarischen Behandlung. Sie noch durchzubringen, wird nur möglich sein, wenn der Reichstag beschlußfähig ist. Ob er das noch einmal sein wird, ist zu be­zweifeln. Die Handwerkerkommission wird dieser Tage mit der Berathung der Vorlage fertig werden. Im Plenum kann sie aber schwerlich verabschiedet werden, denn die Gegner sind entschlossen, die Berathung nicht zuzulassen, wenn der Reichstag nicht beschlußfähig ist. Unter diesen Umständen dürfte die Session kaum über Christi Himmelfahrt hinaus dauern.

a Hie Mumu von Uildenllein.

Eine Erzählung aus dem Donauthal von Antonie Jüngst 6 ------ (Nachdruck verboten.)

„Nun, Ihr wißt, daß Felix von Werdenberg in ganz bejonderer Gunst bei Kaiser Maximilian steht—"

„Schlimm genug für des römischen Kaisers Gnaden, daß er keine besseren Freunde hat!"

„ — wißt auch," fuhr Johann, ohne die Unter­brechung zu beachten, fort, „daß Herzog Ulrich von Württemberg um die schöne Sabine von Bayern ge­worben und günstiges Gehör bei der Herzogin ge­funden hat. Wenn nicht die furchtbare Seuche ge­kommen wäre, würde die Vermählung des erlauchten Paares noch heuer mit fürstlichem.Gepränge statt- gefunden haben. Aber in Anbetracy! der schlimmen Zeiten ist die Feier bis zum neuen Jahre aufge­schoben, und da wird mein Schwager als Stellver­treter des Kaisers die fürstliche Braut dem herzog­lichen Bräutigam zuführen!"

„Haha!" lachte Werner von Zimmern, „Kaiser Maximilian weiß sich seine Leute geschickt zu wählen. ®n solcher Knirps wie der Werdenberger als Braut­führer der Herzogin!"

Johann, der gar wohl sah, wie drohend die Wolken auf der Stirne des Alten sich sammelten, wandte sich

* In den deutschen Münzkälten wurden im Monate April geprägt: an Doppelkronen für 2 509 240 Mk., an Kronen für 300 000 Mk., an Zehnpfennig­stücken für 105 931.80 Mk. und an Einpfennigstücken für 4987.51 Mk.

* Bekanntlich hatte der Staatssekretär des Reichs- Postamts die Handelskammern zu einer gutachtlichen Aeußerung über den vom Reichstag angenommenen Antrag des Abgeordneten Lingens betreffend die Einschränkung des Aokpäckereiverkehrs an Sonn- und Ieiertagen mit Ausnahme der Weih­nachtszeit vom 18. bis 30. Dezember, veranlaßt. Diese Gutachten sind von der großen Mehrzahl der Handelskammern erstattet und lauten im Wesentlichen ablehnend gegenüber dem Anträge des Abg. Lingens. In der Hauptsache wird geltend gemacht, daß durch die in Anregung gebrachte Beschränkung des Post- päckerei-Verkehrs für einzelne größere Geschäftszweige, wie z. B. Konfektions-, Modewaaren, Delikatesfen- handel u. s. w., Galanteriewaarenhandel u. s. w. empfindliche Nachtheile entstehen würden, andererseits wird verschiedentlich vorgeschlagen, die Entlastung der Postbeamten durch Aufhebung derNachmittags-Schalter- stunden und Festsetzung der Postdienststunden an Sonntagen auf den Vormittag etwa auf die Zeit von 11 bis 12 Uhr anzustreben. Die Verlegung der Postdienststunden, so wird geltend gemacht, würde den Postbeamten den vollen Genuß der Sonntagsruhe durch Freihaltung des Nachmittags ermöglichen und andererseits auch im Interesse des Handels und Ge­werbes liegen, für welche die gegenwärtigen Post­schalterstunden nahezu werthlos sind, da zu diesen Stunden das Personal zu gewerblichen Arbeiten nicht verwendet werden darf. Nach Besetzung des Staats­sekretariats des Reichspostamts wird in der AngZegen- yeit entschieden werden, da inzwischen auch die ab­schließenden Aeußerungen der Bundesregierung er­gangen sein werden.

Ausland.

* ^eü, 11. Mai. Die Gerüchte von einer De­mission des Ministerpräsidenten Banffy werden von dem Ungarischen Telegraphen-Correspon- denz-Bureau für vollständig erfunden erklärt.

* ^aris, 10. Mai. Der Erzbischof Richard hat ein Schreiben an den Präsidenten Faure gerichtet, in welchem er für die Theilnahme der Negierung an der Ceremonie in der 'Jtotre Dame-Kirche dankt. Die Ceremonie habe hierdurch eine besondere Bedeutung erhalten und sei als Beginn einer segensreichen Epoche der mit der Kirche versöhnten Republik zu bezeichnen. Der Herzenswunsch des Papstes sei damit erfüllt. — Radikale Kreise, welche die Theilnahme der offi­ziellen Welt an der Kirchenfeie» scharf verurtheilen, werden den Brief des Kardinals worin sie eine Be­schlagnahme der Republik für die Kirche erblicken, als Anlaß, zu einer Interpellation nehmen.

wieder zu Barbara und sagte mit leichtem Scherz­wort :

„Du hast meines heidenmäßigen Durstes völlig vergessen, Schwesterchen! Ich bitte Dich, geh', wenn Du nicht willst, daß ich vor Deinen Augen ver­schmachte."

Hurtig griff Barbara nach den Kellerschlüsseln und schickte sich an, das Gemach zu verlassen, als Velten den Abt von Beuron über die Schwelle führte.

„Willkommen, ehrwürdiger Herr, gottwillkommen!" rief der Burgherr, dem Gaste mit jugendlicher Be­hendigkeit entgegeneilend. „Ihr seid mir ein wahrer Bote des Friedens, die ersehnte Taube mit den: Oel- zweige. Saß ich doch hier auf meinem Steine wie weiland Noah in der Arche."

„Sagt lieber, wie der Adler auf seinem Horste, unbezwungen und unnahbar," lächelte der Abt milde. „Bis hierher in Eure felsumstarrte Bergeinsamkeit hat der unholde Gast nicht dringen dürfen, rote, ich höre. Desto ärger hat er unten im Thal, im Kloster, in Städten und Dörfern gehaust. Aber jetzt hat — die Güte des Allmächtigen sei gepriesen! - der Rache­engel sein Schwert in die Scheide gesteckt. Die Pesti­lenz ist erloschen. Ihre Spuren zwar werden nicht so leicht wieder zu verwischen sein; sie hat schlimmer

* H'etersönrg, 11. Mai. Die Paßsteuer ist außer für die Bewohner des Zarthums Polen auf­gehoben und damit eine sehr ungerechte Abgabe abgeschafft worden. Im Jahre 1719 wurden die Pässe und 1724 die Kopfsteuer in Rußland eingeführt. Die Pässe sollten anfangs nur als Legitimation dienen, seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahr­hunderts wurden sie aber zur Vermehrung der Staats­einnahmen benutzt. Ihre größte Höhe erreichte die Paßsteuer zu Anfang dieses Jahrhunderts: für Kleinbürger und Bauern bis zu 6 Rubel, ein Paß auf 3 Jahre bis zu 30 und ein solcher bis auf 5 Jahre bis zu 70 Rubel Banco. Fortan werden nur noch 50 Kopeken für die Herstellung des Paßbüchleins erhoben. Die Steuer für Auslandspässe (10 Rubel für ein halbes Jahr) bleibt bestehen. Die Einnahmen aus der Paßsteuer haben in den letzten 5 Jahren zwischen 2 600000 und 4200 000 Rubel geschwankt.

* Kopenhagen, 11. Mai. Mit dem Conseil­präsidenten Baron Reedtz-Thott hat das gesammte Ministerium seine Demission eingereicht. Der König hat den ehemaligen Minsterpräsidenten Estrup empfangen.

* Washington, 11. Mai. Der Weltpost­kongreß hat beschlossen, das Porto für inter­nationale Postanweisungen auf der Grundlage einer gleitenden Skala herabzufetzen, sobald ein bestimmter Betrag erreicht ist. Anweisungen, die über weniger als 100 Fr. lauten, werden durch diese Bestimmung nicht betroffen.

Der griechisch-MW Krieg.

Nachdem die europäischen Großmächte sich kaum dahin geeinigt hatten, zu Gunsten des Friedens zwischen der Türkei und Griechenland zu vermitteln, wurden sie alsbald wieder uneinig, indem über die Grundlage der Verhandlungen ein Zwiespalt aus­brach. Derselbe ist aber den neuesten Nachrichten zufolge wieder behoben, so daß nunmehr die Aktion der Mächte nach einheitlichen Prinzipien erfolgen und zu einem gedeihlichen Resultate führen dürfte, vor­ausgesetzt, daß Griechenland das erforderliche Ent­gegenkommen zeigt. Die griechische Regierung hatte sich bereit erklärt, die Vermittelung der Mächte an­zurufen und ihre Truppen allmählig von Kreta ab­zuberufen. England, Rußland und Frankreich schienen geneigt, auf dieser Grundlage die Vermittelung zu übernehmen, Deutschland und Oesterreich aber be­standen auf der Forderung, daß Griechenland zuvor noch die Autonomie von Kreta anerkenne und auf die Annexion der Insel definitiv verzichte, und sind mit dieser Forderung auch durchgedrungen. Die volle Ein- müthigkeit, welche den Erfolg verbürgt, ist somit wiederhergestellt worden

Die Erwartung, daß der Sultan nicht ohne Kriegsentschädigung und gewichtige politische Vor­theile sich zum Abschluß des Friedens werde bereit gewüthet als die schlimmsten Kriegsläufte. Selbst der Einfall der Ungarn dazumal hat dem Lande nicht so tiefe Wunden geschlagen. Zehn meiner frommen Väter habe ich mit dem letzten Laienbruder eigenhändig das Grab geschaufelt und auch bereits die Grube aus­geworfen, wo hinein Bruder Lorenz meinen Leichnam senken sollte. Der Herr hat es anders gefügt. Er hat mir gnädig das Leben gelaßen. Aber ob es meiner schwachen Kraft gelingen wird, das Gotteshaus wieder zu besetzen, den Konvent zu neuer Blüthe zu erwecken, das--"

Aufsteigende Thränen erstickten die Stimme des Abtes.

„Grämt Euch nicht, ehrwürdiger Herr," tröstete der greife Ritter, indeß Barbara dem frommen Manne die Hand küßte und felbst Johann mitleidigen Blickes auf ihn fchaute. „Wie oft haben nicht meine Feinde gemeint: Nun liege der Zimmern Muth und Kraft ganz darnieder, nun fei es aus mit dem Löwen, und jeder dürfe dem Sterbenden ungestraft den letzten Efelsfußtritt geben; aber immer wieder hat er in alter Stärke sich erhoben, immer wieder flatterte das blaue Banner siegesfroh ob den Häupter feiner Mannen, und das lichtscheue Gesindel mußte eilends in seine Höhle sich verkriechen.

„Geh', Barbara, unten im Gewölbe — der Keller-