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106 Dienstag, den 11. Mai 1897.

mit UnterhaLtrmgs-KrUagr „Sterne und Klrrmrn".

24. Jahrgang

Trscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Nennia Inserate kosten die einsgalttge Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsvrechender Rabatt.

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Deutsches Deich.

Berlin, 10. Mai.

* Der Vortragende Rath im Kultusministerium Geh. Oberreg. Rath Water ist Sonntag Morgen plötzlich am Herzschlag gestorben. Er war ausge­gangen, um eine Konferenz mit den Lehrern der Turnlehrer-BildungZanstalt abzuhalten, kehrte aber, da er auf dem Wege sich unwohl fühlte, nach Hause zurück; eben dort angekommen verschied er.

* Das Kerreutzans tritt am 21. Mai wieder zusammen. Auf der Tagesordnung steht u. A. die Berathung des Anlrages des Abg. Dr. Grafen zu Stolberg-Wernigerode über die Aufhebung von Zoll­krediten bei der Getreideeinfuhr.

* Im Avgesrdnctenhause hat der Abg. Euler ((Str.), unterstützt von Mitgliedern fast aller Parteien, folgenden Antrag eingebracht: „Das Haus der Abge­ordneten wolle beschließen: Die kgl. Staatsregierung aufzufordern, Maßnahmen zu treffen und vom nächsten Etalsjahr ab Mittel bereit zu stellen, wodurch auch das Fachschulwesen der Innungen mehr ge­fördert, insbesondere solche Anstalten errichtet und unterhalten werden, in denen praktisch vorgebildete Handwerker als Fachlehrer sich ausbilden.

Zur Kandrverkervorkage hat der Allge­meine Badische Handwerkertag, welcher sich am Sonn­tag in Karlsruhe versammelte, einstimmig eine Er­klärung angenommen, in welcher derselbe besagt, daß er auf dem Standpunkt stehe, daß eine durchgreifende einheitliche Organisation des deutschen Handwerks einschließlich des handwerksmäßigen Fabrikbetriebs auf gesetzlichem Wege angestrebt werden müsse und zwar nut der Gliederung in Meister, Gesellen und Lehrlinge. Den bereits bestehenden Innungen und Handwerkervereinigungen müßten ihre Rechte unver­kürzt erhalten bleiben. Meister soll nur derjenige sich nennen dürfen, der sein Handwerk ordnungs­mäßig gelernt habe; es solle auch nur solchen Meistern das Recht zustehen, Lehrlinge heranzubilden, lieber diese Befähigung hätten die Handwerkerkammern zu entscheiden. Trotzdem ein Theil der süddeutschen Handwerker dem Entwurf einer Zwangsorganisation vor der Hand noch unbestimmt gegenübersteht, so sei dennoch die Errichtung obligatorischer Handwerker­kammern freudig zu begrüßen. Für diese Kammern sind nur ausübende Handwerksmeister wahlberechtigt und wählbar. Eine Neuorganisation des Handwerks müsse unabhängig sein von den bestehenden Gewerbe­vereinen, da dieselben wegen ihrer vielseitigen Inter­essen niemals eine reine Handwerkervertretung sein könnten.

* Die verstärkte Gemeindekommission des Herrenhauses hat am Sonnabend die Berathung der Städteordrrrrug für Aeffen-Aassau nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses zu Ende geführt. Sodann ist sie in die BerathungderLandgemeinde- vrdnung für Hessen-Nassau eingetreten und hat im § 457 (Verwaltung der Landgemeinden) eine von den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses ab­weichende Abänderung beschlossen. Nach der Re- rfierungsvorlage kann in Landgemeinden mit mehr als 1200 Einwohnern durch Ortsstatut ein kollegialischer Gemeindevorstand (Gemeinderath) eingeführt werden, welcher mit dem Bürgermeister, mit einem Beige­ordneten als dessen Stellvertreter und in Gemeinden von nicht mehr als 1500 Einwohnern mit drei Schöffen, von mehr als 2500 Einwohnern aus 5 Schöffen ge­bildet wird. Das Abgeordnetenhaus dagegen hatte beschlossen, daß in Landgemeinden mit mehr als 500 Einwohnern ein kollegialischer Gemeindevorstand (Ge­meinderath) gebildet wird. Wenn jedoch die Ge­meindevertretung mit zweimaliger, mit einem Zwischen­raum von mindestens acht Tagen vorgenommenen Berathung darauf anträgt, kann mit Genehmigung des Kreisausschusses von der Bildung eines kollegia- lischen Gemeindevorstandes abgesehen werden. In den kleineren Landgemeinden kann durch Ortsstatut ein kollegialischer Gemeindevorstand, welcher aus dem Bürgermeister, aus einem Beigeordneten als dessen

Stellvertreter und zwei Schöffen besteht, eingeführt werden. Die Kommission stellte hier die Regierungs- vorlage wieder her und ließ bei dieser Fassung nur noch die Beschränkung auf die Landgemeinden mit mehr als 1200 Einwohnern fallen. Somit will die Kommission, daß in allen Landgemeinden ein kollegialischer Gemeindevorstand eingeführt werden soll. Im übrigen stimmte die Kommission den Be­schlüssen des Abgeordnetenhauses zu. Die Kommission wird am 12. ds. Mts. zur Feststellung der Berichte zusammentreten.

* Die Mediziriakrefornr wird, wie die Berliner Aerztekorrespondenz erfährt, anscheinend wieder auf unbestimmte Zeit verschoben werden müssen, da die gerade in den wesentlichsten Punkten zutagegetretene Verschiedenheit der Anschauungen das Zustandekommen der Reform auf der Basis des Regierungsentwurfes zweifelhaft erscheinen lassen.

h. Ein Landesverraths -Wrozeß wurde heute in Leipzig vor dem Staatsgerichtshof verhandelt. An­geklagter war der frühere Viezefeldwebel Meinecke. Demselben wurde zur Last gelegt, den französischen Polizeikommissar Jsmert als Spion gekannt und ihn mehrfach in die Forts und die Schuppen von Mon- ligny geführt zu haben, wo die kleinen Geschosse und die schweren Geschütze lagen; ferner soll er dem Jsmert militärische Geheimnisse verrathen haben. Die Beweis- ausnahme ergab die Schuld des Angeklagten. Er wurde zu 6 Jahren 3 Monaten Zuchthaus wegen Landesverraths und Diebstahls in 2 Fällen, zu lOJahren Ehrverlust und Tragung der Kosten verurtheilt.

ft lieber die Bedeutung des Kammzuglermiu- tjarrdeks hat der Handelsminister eine neue Enquete veranstaltet, welche sich auch auf das Ausland er­streckt. Wie die ,Postt hört, hängt diese Enquete damit zusammen, daß der Bundesrath, dem die Ent­scheidung über das Verbot des Terminhandels in Kaminzug übertragen worden ist, sich nunmehr hier­über schlüssig zu machen hat. Die Handelskammern Aachen und Hannover haben sich in ihrem Gutachten bereits für das Verbot ausgesprochen.

* lieber das »reue Feldgeschütz berichtet der Hamb. Korr.: Im Schnellfeuer giebt eine Ba terie dieser Geschütze 60 Schuß in der Minute ab. Da­bei werden die neuen Shrapnels mit Ausschlagzünder bis auf 8000 Meter, also auf eine Entfernung von mehr als einer deutschen Meile, verschossen. Der Brennzünder ist bis auf 5000 Meter stellbar. Die neue Hemmspornvorrichtung — ein sehr breiter, starker Spaten am Lafettenschwanz, der sich beim ersten Schuß festgräbt und den Rücklauf völlig aufhebt — trägt auch wesentlich zur Beschleunigung der Bedienung bei, da die Mannschaft jetzt ruhig am Geschütz stehen bleiben und der Mann 9tr. 2 sofort nach dem Schüsse wieder richten kann, und zwar allein, ohne Hilfe des anderen Richtkanoniers, da jetzt auch die seitliche Ver­schiebung des Rohres durch eine Kurbel leicht vor sich geht. Es ist kein Geheimniß mehr, daß das neue Geschütz in aller Stille eingeführt worden ist und daß, wenn der Reichstag die Mittel bewilligt haben wird, sämmtliche Artillerieregimenter sofort im Besitz des neuen Geschützes sein werden.

Ausland.

* Warrs, 10. Mai. Das Komitee des Wohl- lhätigkeitsbazars in der Rue Jean Goujon er­hielt von der Baronin Hirsch den Betrag von 937438 Frs., welcher mit der am ersten Verkaufs­tage vereinnahmten Summe von 45000 Frs. genau den Betrag ausmacht, welcher im vorigen Jahre von dem Wohlthätigkeitsbazar erzielt wurde. Die vom ,Figaro' zu demselben Zwecke eingeleitete Sammlung ist mit 582 000 Frs. abgeschlossen. Die noch ein­laufenden Gelder werden den Theilnehmern an dem Rettungswerk zugewendet. — Im Cirkus Moliore, woselbst eine Wohlthätigkeitsvorstellnng unter Vorsitz Casimir Periers stattfinden sollte, brach Feuer aus, durch welches ein Feuerwehrmann und ein Polizist ziemlich erheblich verletzt wurden.

* Sotia, 10. Mai. Fürst Ferd inand und Ge­mahlin werden sich zu den Leichenfeierlichkeilen für den Herzog von Aumale nach Paris begeben und zwar über Turin, wo sie mit der Prinzessin Klemen­tine zusammentreffen, die mittelst eines Sonderzuges

den Leichnam des Herzogs von Aumale nach Paris begleitet.

* Wetersvnrg, 10. Mai. Ein Besuch des Kaisers von Rußland beim König von Italien wird für den Monat September in Monza geplant. Auf der Reise dorthin ist ein neuerlicher Aufenthalt in Wien wahrscheinlich.

* Lima, 10. Mai. Die Republik Peru stellt mit dem heutigen Tage die Prägung von Silber­münzen ein. Die Einfuhr von Silbermünzen ist nicht gestattet.__________________________________

Her MW-Mdilchr Krieg.

Endlich hat die griechische Regierung, welche noch am Sonnabend in unbegreiflicher Kurzsichtigkeit und Verkennung der politischen Lage die Erklärung ab­geben hatte, daß sie, falls die Mächte auf der Zurück­ziehung der griechischen Truppen von der Insel Kreta als einer Bedingung für die Vermittelung zwischen der Türkei und Griechenland bestehen foUten, den Krieg bis zur Vernichtung vorziehen würde, Vernunft angenommen. Sie hat sich offiziell dazu bereit erklärt, ihre Truppen von Kreta abzuberufen, und dadurch für die Intervention der Mächte die noth- wendige Voraussetzung geschaffen. Der Minister des Auswärtigen Skoulidis überreichte den Vertretern der Mächte eine Note, in welcher der Wunsch nach einer Vermittelung ausgedrückt ist. Das Kabinet erklärte in dieser Note, daß es bereit sei, die griechischen Truppen allmählig aus Kreta abzuberufen. Als Ant­wort übersandten die Vertreter der Mächte dem Minister des Auswärtigen eine identische Note, worin sie ihre Bereitwilligkeit aussprachen, die Vermittelung zu übernehmen, und gleichzeitig verlangen, daß Griechen­land die Wahrnehmung seiner Interessen ohne Vor­behalt in die Hände Europas lege. Seitdem schweben die Unterhandlungen, welche, wie es heißt, schon das eine Resultat gezeitigt haben, daß Griechenland von der Türkei ein 15tägiger Waffenstillstand zugestanden worden ist.

Im Einzelnen liegen folgende Meldungen vor:

Athen, 10. Mai. Die griechische Regierung hat die Mächte ersucht, ihre Geschwader-Chefs anzuweisen, daß sie den griechischen Kriegsschiffen gestatten, die von Kreta abberufenen Truppen an Bord zu nehmen. Die Abberufung wird damit erklärt, daß die Truppen zur Vertheidigung Thessaliens sofort nöthig seien.

Konstantinopel, 10. Mai. Eme amtliche Kundmachung theill eine Depesche Edhem Paschas an den Kriegsminister mit, wonach Oberst Enver in Volo einzog und im Regierungsgebäude kundmachte, daß die Stadt unter türkische Verwaltung gestellt fei. Die Sicherheit der Bevölkerung sei gewährleistet, aber Feindseligkeiten gegen türkische Truppen würden streng bestraft werden. — Das griechische Geschwader ist von Volo ausgelaufen. Erbeutet wurden 2250 Kisten Infanterie-Munition, 22 Munitionswagen, 6 leere Festungsgeschütz-Lafetten, 7 Trainwagen, 1 Mörser, 445 Klsten Geschützmunition, 70 Kisten Geschützgeschosse und 1465 Hartgeschosse. Edhem Pascha ersucht, un­verzüglich Zollbeamte nach Volo zu schicken, um den Handelsverkehr aufrecht zu erhalten.

Konstantinopel, 10. Mai. Offizielle Depesche. Ein griechisches aus Regulären und Freiwilligen be­stehendes Detachement, das sich auf den Höhen nächst Kamaria (Epirus), einem Dorfe 25 Kilometer nördlich von Prevesa festgesetzt hatte, wurde von 3 Bataillonen türkischer Truppen mit Geschützen angegriffen. Nach einigen Kanonenschüssen wurde Kamarina von den Türken erstürmt. Die Griechen zogen sich in die dahinterliegende Kirche zurück, welche gleichfalls von den Türken erstürmt wurde. Die Griechen, welche große Verluste erlitten, zogen sich nunmehr über Clara Tepe in das Thal bis zur Brücke des hl. Georgius zurück, wo sie einen verzweifelten Angriff unternahmen, der jedoch von den türkischen Truppen zurückgewiefen wurde. Die Griechen sind in wilder Flucht davon geeilt.____________________________________________________________

Aus dem Landtage.

Abgeordnetenhaus. — 80. Sitzung vom 10. Mai.

Das Abgeordnetenhaus trat heute in die dritte Be­rn th u ng d es S ta atshausha lts etats ein. Die General­debatte war nur kurz und berührte hauptsächlich die B e- sold un gsv orla g e.