mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Hlumen".
24. Jahrgang
Montag, den 10. Mai 1897
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Bald so, bald so.
Von der Novelle zum Vereinsgesetze heißt es heule wieder, es sei zweifelhaft geworden, ob sie dem Landtage in dieser Session noch zugehen werde. Finanzminister Dr. Miquel beantwortete im Abgeordnetenhaus« eine direkte Anfrage des Abg. Rickert hierüber ausweichend. Die scherzende Form läßt allerdings ebenso gut die Möglichkeit offen, daß die Vorlage käme, wie die, daß sie ausbleibe; aber man sollte meinen, wenn nun alles in Ordnung wäre, so hätte der Minister gar keinen Grund gehabt, klare Antwort zu verweigern. Und warum ist die Novelle dem Abgeordnetenhaus« nicht bereits zugegangen, wenn der Entschluß feststeht, sie vvrzulegen? Die Session ist doch weit genug vorgerückt, daß man sich etwas beeilen dürfte.
Jetzt ist der Kaiser wieder nach Urville abgereist. Es ist also doch anzunehmen, daß vorher die Entscheidung getroffen worden ist; denn wenn wieder bis zu seiner Rückkehr gewartet werden soll, so wird immer mehr kostbare Zeit unnütz verloren. Ist die Entscheidung getroffen gewesen, warum kommt denn die Vorlage nicht, wenn die Entscheidung für sie ausgefallen ist? Der ,Hannover'sche Kurier" will von Gerüchten gehört haben, wonach der Kaiser am Montag Nachmittag in einer Unterredung mit mehreren Ministern, an der aber Fürst Hohenlohe nicht theil- nahm, und die dann in der Presse als Kronrath bezeichnet wurde, sich geäußert habe, er könne dem Entwürfe, der außer der Aufhebung des § 8 des Vereinsgesetzes nur das Verbot der Theilnahme Minderjähriger an politischen Vereinen und Versammlungen ausspricht, nicht zuslimmen.
Unwahrscheinlich ist diese Meldung nicht; ist doch auch früher schon gemeldet worden, der Kaiser verlange „scharfe Maßregeln", also ein kleines Umsturzgesetz, wie es Minister v. d. Recke entworfen zu haben scheint. Auf die Kenntnis, dieser Stimmung des Kaisers ist dann wohl auch die scharfe Stellungnahme der Konservativen und ihres Hauptorgans gegenüber dem harmlosen Entwürfe zurückzuführen. Wie es scheint, hat der Reichskanzler den Kaiser später doch noch für diesen Entwurf, oder wenigstens für seine Einbringung gewonnen. Das gab der ,Kreuzztg." Anlaß, die Konservativen als die Hüter alter preußischer Traditionen und als Vorkämpfer der Rechte der Krone zu empfehlen, dagegen die Regierung bezw. den Reichskanzler wegen schwächlichen Zurückweichens vor der Parlamcntsmehrheit zu denunziren und mit der Vereitelung der Vorlage zu drohen. Das hat nun wieder, wie die ,Post" mittheilt, die
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Mine Erzählung aus dem Donauthal von Antonie Jüngst- 4 ------ (Nachdruck verboten.)
Die Zofe bejahte mit leichtem Kopfnicken und meinte dann, auf die Frage ihrer Gebieterin, ob viele andächtige Waller an dem Gnadenorte Unserer Lieben Frau versammelt gewesen:
„Ach ja, Fräulein Barbara, Pilger von nah und fern, aus dem Hegau und vom Bodenfee, schlichte Bauersleute und fromme Landsknechte, auch manch edler Ritter im Wappenrock und Brustkrebs. Sie sagen ja — —“
„Was?" drängte Barbara, als Richmodis verstummte.
Das lachende Antlitz des Zöschens hatte einen ernsten Ausdruck angenommen; das schelmische Auge blickte trübe. Bevor sie jedoch dem Gebote des Fräuleins nachkam, schlich sie an die Thür und lauschte hinaus. Erst als sie sich überzeugt, daß kein Horcher in der Nähe, erwiderte sie mit gedämpftem Tone:
„Sie sagen ja, der schwarze Tod sei wieder im Lande."
„Der schwarze Tod!" wiederholte Barbara er- dlaffend. „Unmöglich, Richmodis! Das hätten wir doch längst gehört."
Regierung stutzig gemacht, und in „letzter Stunde" ist die unglückselige Novelle „auf Schwierigkeiten gestoßen". Weil doch wahrfcheinlich kein positives Er- gebniß zu erzielen ist, die Vorlage aber zweifellos zu fchweren parlamentarischen Kämpfen fuhren würde, wobei die Freundschaft zwischen der Rechten und den Nationalliberalen Schaden nehmen könnte, so scheint man auf die Einbringung verzichten zu wollen. „Auch mögen Rücksichten der Reichspolitik mitwirken", sagt die ,Post" etwas dunkel. Das kann sich auf die künftigen Wahlen beziehen, aber auch auf anderes.
Die,Post" wünscht, daß der Entschluß der Regierung „im Interesse ihrer Autorität und des Vertrauens auf die Stetigkeit, Festigkeit und Entschlossenheit des Regiments positiv ausfällt". Aber wir sind an die Unstetigkeit doch schon so gewöhnt, daß es wirklich auf etwas mehr oder weniger nicht ankommt. Bald so, bald so, das ist ja seit Jahren das einzig „Stetige" in unserer Politik. Die Konservativen halten offenbar den Zeitpunkt für günstig, um durchzusetzen, daß es einmal so ganz nach ihrem Herzen „trefft". Der plumpe Angriff, den heute wieder dieAbgg. v. Kröcker und Graf Limdurg-Stirum int Äbgeordnetenhause gegen die Reichsregierung richteten, zeugt ebenso wie der Artikel der,Kreuzztg." von krampfhaften Anstrengurtgen, den Fürsten Hohenlohe und mit ihm die verhaßtesten Minister und Staatssekretäre zu stürzen. Ob sie so bald schon einen Erfolg erleben, ist eine andere Frage, aber ein erbauliches Schauspiel ist es auch nicht, wenn sich die Regierung nur mit Ach und Krach durch diplomatische Künste und Kompromisse von einem Tage zum anderen fortzuhelfen vermag.
Deutsches Aerch.
Berlin, 8. Mai.
* Der Kaiser und die Kaiserin haben heute Nachmittag 5 Uhr 30 Min. von Wildparkstation aus sich nach Schloß Urville im Elsaß begeben. Morgen früh 93/« Uhr findet die Ankunft in Kürzel statt, wo die Majestäten dem Gottesdienste beizuwohnen gedenken. Von dort erfolgt dann die Fahrt zu Wagen nach Urville.
■Sfc Die beide» neue« Haruisoukirchen in der Hasenheide wurden am Sonnabend eingeweiht. Das Kaiserpaar wohnte mit zahlreichen Prinzen und vielen hohen Beamten und Militärpersonen der Feierlichkeit bei. Zuerst erfolgte die Einweihung der evangelischen Garnisvukirche. Nach Beendigung derselben wurden die Fahnen und Standarten nach der katholischen Garnisonkirche übergeführt. Um 11 Vs Uhr erschien das Kaiserpaar vor derselben, woselbst der Feldpropst der Armee Dr. Aßmann dasselbe empfing. Der Baurath Vetter überreichte dem Kaiser die Schlüssel, der die Kirche durch den Propst Dr. Aßmann öffnen ließ. Sodann erfolgte der feierliche Einzug in die Kirche;
„Als ob wir hier auf dem verwunschenen Steine überhaupt etwas hörten!" meinte die Zofe und rümpfte verächtlich das Näschen. „Wenn auch die ganze Welt unterginge in Blut und Feuer und nur der Schloßfelsen hier stehen bliebe, wir würden's nicht gewahr. Ach, Fräulein Barbara, und die Welt ist doch so groß, so schön!"
„Aber der schwarze Tod?"
„Es hat ihn ja noch keiner gesehen," eiferte die Magd, deren Frohmuth nach Ueberbringung der schlimmen Post schnell wieder die Oberhand gewonnen. „Nur einer der Pilger aus Konstanz wollt's von seinem Bruder in Mailand gehört haben. Selbst der Siedler an der Annenkapelle — —
„Wie? Du warst auch in Friedingen?"
Die Zofe nickte.
„Wer könnte denn zur Kapelle Unserer Sieben Frau auf dem Welschenberg wallen, wer zu Maria Hilf seine Zuflucht nehmen, ohne auch bei Sankt Anna an der Donau Rast zu halten? Und wißt Ihr, wen ich bei dem frommen Bruder getroffen habe ?"
Barbara lächelte verneinend. Nun das Gespenst, das Richmodis heraufbeschworen, in so weite Ferne sich hatte zurückziehen müffen, war auch ihr der sorglose Jugendmuth wiedergekehrt.
„Wie sollte ich? Etwa Deine Base vom Steig, oder unfern Vogt von Moßkirch?"
die eigentliche Konfekration derselben hatte Bischof Dr. Aßmann schon morgens um 7 Uhr vollzogen. Unter Orgelspiel mit Posaunenbegleitung geleitete Dr. Aßmann das Kaiserpaar zur Kaiserloge. Sodann hielt er eine längere Rede, in welcher er den Segen Gottes für die Kirche, das Kaiserpaar und das deutsche Vaterland herabflehte. Hierauf celebrirte er das feierliche Pontifikalamt. Ein aus Soldaten gebildeter Chor sang eine lateinische Messe. Nach dem Pontifikalamt wurde das Tedeum gesungen; als dasselbe beendet war, schloß unter dem Geläute der Glocken und unter einem Artillerie-Salut von 21 Schüssen sakramentaler Segen die Feier. Feldpropst Dr. Aßmann und die Geistlichkeit geleiteten hierauf das Kaiserpaar zum Hauptportal zurück, worauf dieses in die Stadt fuhr. Zahlreiche Geistliche aus Berlin und der Umgegend wohnten der Feier bei. Dem Baumeister Menken, dem Erbauer der katholischen Garnisonkirche ist aus Anlaß der Konsekration derselben der Rothe Adlerorden IV. Kl. verliehen worden.
ft Nachdem die Pforte das ursprünglich angenommene Angebot des Centralkomitees der deutsche» Dereine vom Mothe» Kreuz, den türkischen Kriegssanitätsdienst zu unterstützen, mit Rücksicht auf den Erfolg der türkischen Waffen dankend abgelehnt hatte, hat der Sultan jetzt dem Centralkomitee den dringenden Wunsch aussprechen lassen, die Pflege der Verwundeten im Wldiz-Hospital der Abordnung des deutschen Rothen Kreuzes zu übertragen. Die Abordnung wird am Montag unter Leitung des Prof. Dr. Nasse Berlin verlassen. In Wien schließen sich derselben ein Assistenzarzt und 5 vom bayerischen Rothen Kreuz gestellte Schwestern an.
* Der Reichstagsabgeordnete Madwauski gedenkt nach dem ,Kuryer Poznanski" sein Mandat niederzulegen. Der ,Kuryer" bringt diese Absicht in Zusammenhang mit dem Umstande, daß Radwanski vor einigen Tagen von dem Disziplinargericht zu einer Geldstrafe von 3000 Mark verurtheilt worden ist. Radwanski ist Rechtsanwalt.
* Wegen der Maifeier sind in Berlin, wie in einer öffentlichen Versammlung der Maurer berichtct wurde, in 65 Fällen „Maßregelungen" erfolgt. Von einem Vorgehen gegen die betreffenden Arbeitgeber wurde Abstand genommen, „weil die Ausgesperrten bereits anderweitig Arbeit gefunden".
* Die Reichstagskommission für die Anfakkver- stlherungsgesetze hat beute die zweite Lesung der Novelle zum Gewerbeunfallverstcherungsgesetz beendet. Die von den Abgg. Rösicke, Adt, Fischbeck, Dr. Hitze und Trimborn beantragte Fassung der §§ 41 bis 50i betr. die Schiedsgerichte wurde mit unwesentlichen Aenderungen gegen die Stimmen der Konservativen angenommen. Es sollen also die berufsgenossenschaftlichen Schiedsgerichte fortfallen und statt deren Schiedsgerichte nach örtlichen Bezirken errichtet werden. Auf Antrag des Abg. v. Levetzow
„Weit gefehlt, edles Fräulein."
„Ach, Harro, den Schiffer unten an der Donau?" fragte Barbara schnell. „Ich habe schon oft gemerkt, wenn wir einmal ins Thal hinuntersteigen, daß der braune Bursche nur Augen und Ohren für Dich hat."
„Aber ich nicht für ihn, edles Fräulein."
„Harro ist ein braver Mensch," fuhr Barbara eifrig fort, und ihr liebliches Antlitz mühte sich, einen strengen Ausdruck anzunehmen. „Du dürftest leicht schlechter fahren, als mit ihm."
„Weiß ich schon. Euer Gnaden. Und wenn einmal ein stolzer Rittersmann meine geliebte Gebieterin aus dieser Felsenhöhle erlösen sollte, möchte es sich gar wohl ereignen, daß--. Ihr habt aber
immer noch nicht errathen, wen ich meine, Fräulein Barbara."
„Wahrscheinlich meinen Bruder Wilhelm. Der Fromme fährt ja stets Land auf, Land ab zu allen Heiligthümern in deutschen Landen."
Richmodis schüttelte verneinend den Kopfi
„Nun, dann meinen Bruder Gottfried oder gar Johannes.
Das hübsche Gesicht der Magd strahlte im Bewußtsein der wichtigen und willkommenen Botschaft, die sie noch zu überbringen hatte, schon zum Voraus. Sie lächelte überlegen.
„Warum nicht gar? Die beiden edlen Herren