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Samstag, den 8. Mai 1897

24. Jahrgang

mit Unterchaltrmgs-Zettage „Sterne und Klumen"

(Hur teilt) Ijiiliigt ZkiiW

ist für Jedermann bei den jetzigen wichtigen Ereig­nissen im In- und Auslande durchaus nöthig.

Die ,Fuldaer Zeitung", welche, wie von unseren Lesern freundlichst anerkannt wird, sich stets erfolgreich 'bemüht hat, ihren Inhalt stetig zu verbessern und zu erweitern, wird auch ferner nach Kräften bestrebt sein, ihren Lesern ein getreues Spiegelbild der Weltbegeben- h eiten zu bieten.

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± Camsius-Jubelfeier.

Die Wogen zur feierlichen Begehung des Canisius- Jubiläums gehen immer höher. Alle Länder, in welchen der fel. Canisius gewirkt hat, sowie alle Stände, deren Patron er durch sein Apostolat ge­worden ist, rüsten sich, um dem Seligen den Tribut der Dankbarkeit darzubringen. Keine Stadt, keine Provinz, kein Land, wo er für die Erhaltung des Glaubens thätig war, wird zurückbleiben.

Auf ein Schreiben, welches Kanonikus Kleiser in Freiburg an Seine Eminenzen die Kardinale Ram- polla und Steinhuber richtete, um Se. Heiligkeit den Papst Leo XIII. über die Vorbereitungen zum Canisius- Jubiläum auf dem Laufenden zu erhalten, langten folgende Schreiben ein.

Se. Eminenz Kardinal Rampolla erwiderte: Hochwürdiger Herr Kanonikus!

Ihren Brief habe ich erhalten und dem hl. Vater davon Bericht erstattet. Se. Heiligkeit hat die Nachrichten über die Vorbereitungen zum Centenarium des sel. P. Canisius, welcher sich um die Erhaltung des katholischen Glaubens in den deutschen Ländern so verdient gemacht hat, mit größter Freude entgegen genommen. Se. Heiligkeit hofft mit großer Zuversicht, daß diese Feste mächtig dazu beitragen werden, den religiösen Eiter und die Gluth der Frömmigkeit in jenen Ländern immer mehr zu beleben.

M. Kardinal Rampolla.

Se. Eminenz Kardinal Stein Hub er schreibt: Hochwürdiger Herr Kanonikus!

Ahrem Wunsche gemäß habe ich vor einigen Tagen dem bl. Pater über die beabsichtigte Centenarfeier des sel. Petrus Canisius Mittheilung gemacht und denselben gebeten, durch ein Apostolisches Schreiben der Feierlichkeit die Krone aufzu- setzes. Der hl. Vater ging mit der grüßen Bereitwilligkeit aus die Ide ein und hat alsbald die entsprechenden Anord­nungen getroffen, um zur rechten Zeit bereit zu sein. Sie können darauf rechnen, daß Leo XIII. den deutschen Ver­ehrern des Seligen seine Stimme wird vernehmen lassen. Ich benutze diese Gelegenheit, verehrter Herr Kaonnikus, Ihnen meinen Glückwunsch zu der eifrigen und erfolgreichen Thätig- feit auszusprechen, mit welcher Sie nicht,blos die Ehre des Seligen, sondern auch die Forderung aller jener Interessen zu mehren bestrebt sind, denen Canisius alle seine Kraft und sein Leben selbst, geweiht hat.

A. Kardinal St ein Hub er.

Se. Majestät Franz Joseph, Kaiser von Oester­reich, hat durch Se. Ercellenz Grafen von Kuefstein, Gesandten Oesterreich-Ungarns in Bern, dem lwchw. Kanonikus Kleiser eine schöne Summe zur Herstellung eines gemalten Kirchenfensters in der Liebfrauenkirche zu Freiburg zum Andenken an das Cente­narium des sel. Petrus Canisius, welchem das Habsburgische Haus so Vieles zu verdanken hat, überreichen lassen.

Das Jubiläum des Centenariums wird am 1. Juli 1897 durch einen feierlichen Studenten - Gottesdienst in der restaurirteu Canisiuskirche eröffnet und am 1. November 1898 geschlossen werden. — Während des Monats Juli wird eine Kinderwallfahrt aus dem ganzen Kanton Freiburg zum Grab des großen Kate­cheten und Pädagogen veranstaltet. Vom 12.—15. Aug. wird ein feierliches Tedeum in der ganzen Diözese abgehalten werden. Vom 16.—21. Aug. ist in Frei­burg der katholische internationale wissenschaftliche Kongreß, auf welchem auch des sel. Canisius, des größten Förderers der Wissenschaft im 16. Jahr­hundert, besonders gedacht werden wird. Vom 22.-25. August findet der schweizerische Katholikentag । mit der allgemeinen Schweizerwallfahrt statt. Die Wall­fahrt Deutschlands ist in die erste Septemberwoche gelegt. Dann folgt die Wallfahrt aus Holland u.s.w

In Bayern wird an einem Canisius-Ora- torium mit lebenden Bildern eifrig gearbeitet. In Belgien erscheint ein prachtvolles Leben des seligen Canisius mit 64; Illustrationen. Die Literatur zu Ehren des Apostels Deutschlands wächst mit jedem Monat, deren Anzeige den ganzen Umschlags von Nr. 3 der „Canisiusstimmen" enthält. In den „Send­boten des göttlichen Herzens" für den Monat März wurde das Lob des Seligen in 17 Sprachen be­sungen und heiße Gebete steigen nach dem Wunsche des hl. Vaters während dieses Monats für den glück­lichen Erfolg des Jubiläums zum Himmel empor. — So verspricht also das Centenarium des Apostels Deutschlands ein recht segensreiches, in der deutschen Kirchengeschichte epochemachendes Ereigniß zu werden und die Wünsche unseres hl. Vaters Leo XIII. in dieser Beziehung in Erfüllung zu gehen. Jeder deutsche Katholik sollte sich für das Centenarium des Erhalters seines Glaubens mterefsiren.

Der Vorstand des deutschen Canisiusvereins ladet alle Katholiken Deutschlands zur Betheiligung an der Jubelfeier ein durch folgenden

Aufruf.

Am 21. Dezember 1897 werden drei^ Jahr­hunderte verflossen sein, seitdem der selige Petrus Canisius aus diesem Leben geschieden ist. Groß und hehr steht Canisius in der Erinnerung aller Katholiken deutscher Zunge da. Auf den Versamm­lungen von Dortmund, Salzburg und Sursee wurde darum der Vorschlag einer besonders glanzvollen Feier dieses Centenariums und einer großen Wall­fahrt zum Grabe des Seligen zu Freiburg in der Schweiz mit hoher Begeisterung aufgenommen und einstimmig zum Beschluß erhoben. Der Vorstand des Vereins, der den Namen des Seligen trägt, hat nicht ermangelt, diesen Vorschlag den Hochwür­digsten Bischöfen Deutschlands zu unterbreiten, worauf Hochderen einmüthige und freudige Gutheißung erfolgte.

lind was ist es denn, das der Erinnermig an Petrus Canisius so hohe Bedeutung verleiht?

Warum steht dieser Manu dem Herzen der deutschen Katholiken so nahe?

Canisius war ein H e l d, der sich selbst zu opfern verstand im Dienste einer großen Idee. Er war ein christlicher Held in des Wortes höchster, schönster Bedeutung: die Kirche, für die der Welterlöser am Kreuze verblutete, erfüllte seinen Geist, beherrschte sein Herz, war der Gegenstand all' seines Sehnens, all' seiner Liebe, gab seinem ganzen, reichen Wirken Anregung, Richtung und Ziel. Erfüllt von dieser Liebe wurde Petrus Canisius in rastloser Thatigkeit zum „Apostel von Deutschland, soweit dieses noch den katholischen Glauben bewahrt hat," — wie ein deutscher Fürst zuerst ibn nannte, — zum Apostel von Deutschland in jener tief traurigen Zeit, als die Gefahr drohte, daß dem deutschen Volke der Glaube seiner Väter verloren gehe und es von der Kirche losgerissen werde, der es seine ganze Kultur und Civilisation verdankt.

Auf Canisius blickt darum beute das katholische Deutschland mit freudiger Begeisterung hin! _ Jörn verdanken wir zu nicht geringem Theile, daß^der Glaube, der unsere Väter im Leben und im Tode getröstet, uns erhalten blieb, daß wir heute noch Glieder der einen, heiligen, katholischen und aposto­

lischen Kirche sind, daß von unseren Altären das Opfer des neuen Bundes nicht verschwand und in unseren Kirchen die ganze, ungetheilte Lehre des Christenthums rein und lauter verkündet wird, heute genau so, wie in jenen Tagen, in denen der erste Apostel Deutschlands, der hl. Bonifatius, die deutschen Wälder durchzog und auf deutschem Boden zum ersten Male das Zeichen der Erlösung aufpflanzte. Hätte Canisius auch nichts Anderes gethan, als daß er dem deutschen katholischen Volke außer zahl­reichen anderen Schriften zur Vertheidigung des katholischen Glaubens den Katechismus geschenkt hat, der 300 Jahre lang das Lehrbuch des Glau­bens blieb und heute noch die Grundlage des reli­giösen Unterrichtes in Schule und Christenlehre bildet — dies allein müßte ihm den Anspruch auf unver­gängliche Dankbarkeit sichern.

Zum Grabe des seligen Canisius, des zweiten Apostels von Deutschland/wollen wir pilgern, dort, wo sein hl. Leichnam ruht, unsere Hände satten und unsere Gebete emporsenden zu Gott, auf daß der Allmächtige den hl. katholischen Glauben uns allen bewahre, der religiösen Zerrissenheit unseres theueren Vaterlandes ein Ziel setze und ganz besonders der deutschen Jugend sich erbarme, die Canisius so sehr geliebt, für deren Unterweisung durch Wort und Schrift er ohne Unterlaß thätig gewesen.

Die Wallfahrt findet statt Sonntag den 5. September in AreiSurg in der Schweiz und geht ab Landshut in Bayern nach Schluß der 44. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands und ab Freiburg i. B. am 4. September d. I.

Das nähere Programm wird demnächst ver­öffentlicht werden.

M a i n z, am Feste des sel. Canisius, 27.April 1897.

Der Vorstand des Eanifms-Uereins.

Iranz Iryr.v. WamSoktzn Umgabt, Vorsitzender.

Uermrschtes.

* (Sbt novkes Cremeindeoverhaupt. Seit zwei Jahren sind, rote das ,Ostpreuß. Tagebl." schreibt, von den Bürgern des Dorfes Prökuls int Kreise Memel weder Abgaben ge­fordert, noch gezahlt worden. Gemeindevermögen, aus dem etwa die Abgaben bestritten werden könnten, besitzt Prökuls nicht: auch dürfen Bier-, Hunde- und Lustbarkeitssteuern nicht eingesührt werden, weil das geg mroärtige Gemeindeoberhaupt in uneigennützigster und liebenswürdigster Weise sämmtliche bisherigen Gemeindeabgaben (etwa 3000 Mk.) aus eigener Tasche bezahlt hat. Möge dieser wackere Mann der Ge­meinde noch lange erhalten bleiben und möge er recht viele Nachfolger finden.

3 (Sitte nette Gemeinde. Der Kirchenlamitzer Anz." berichtet Folgendes: Als die diesjährige Pferdemusterung be- vvrstaud, erhielt der Bürgermeister einer nahen Dorfgemeinde den Auftrag, sofort Bericht darüber zu erstatten, wie viele zu Kriegsdiensten taugliche Pferde in seiner Gemeinde vorhanden sein. Da der Gemeindeschreiber zu weit entfernt war, hat der Herr Bürgermeister die dringliche Angelegenhett persön­lich erledigt, wie folgt: „Ergebenst zurttckgeleitet mit dem Bei­fügen, daß sich bei uns gar keine Pferde befinden, i n d e in die ganze Gemeinde aus lauter Ochsen besteht. Gehorsamst N. N., Bürgermeister."

* In der „GeirSgek-ASrse", Wochenblatt für Geflügel- nsw. Zucht, Leipzig, Nr. 33 vom 23. April, prangt etn Feuilleton: Mitteldeutsches Vogelleben im Wechsel des Jahres, in welchem Professor Dr. William Marshall in Leipzig folgende Ungezogenheiten verbricht: „Daß das vogelmördertsche italienische Gesindel die Wiedehöpfe frißt, ist bekannt, und ine Pfaffen bis zu den obersten Bonzen hinauf sollen tm Fange dieses Bogels oft genug mit illustrem Beispiele voran­gehen. Man sagt, der Papst selbst vogelstellere, aber das ist ganz gewiß eine böswillige Verleumdung, dazu ist er cm viel zu gebildeter und vornehmer Herr, der sicher kein blut­dürstiges Fäserchen in seinem ehrwurdig en, allerchrist- lichsten, unfehlbaren Leibe hat." Maß wettz nicht, wen man mehr bewundern soll, den Herrn, der solche Dmge schreibt, oder den Redakteur, der sie drucken läßt. Ein Prote­stant, der uns auf diese Leistung der .Geflügelbörse' aufmerk­sam macht, theilt uns mit, daß er das Blatt wegen dieser Gehässigkeit sofort abbestellt habe. Die katholtschen Be­zieher der ,Geflügelbörse' wtrden wohl ebenso ein deutsches Wörtlein mit den Herren reden.

* Die neueste MoSetfforhett ist ein Diamant aus dem Fingernagel. Jeder, der einen solchen Schmuck tragen will, muß seine Fingerspitzen in die besondere Be­handlung eines Juweliers geben. Nachdem der Nagel erst genügend gehärtet ist, wird eine feine Goldklammer fest um den äußeren Rand desselben gelegt. Die Klammer läuft m -wei schmalere Goldstreifen aus, die, vollkommen der Biegung ves Nagels angepaht, auf der Mitte desselben zusammenstoßen, und an dieser" Stelle ist der Diamant eingesetzt. Es werden nur ganz flach geschliffene Steine angewendet, damit da» Juwel beim An- und Ausziehen der Handschuhe nicht beschädigt wird. Die Träger dieser diamantenen Fingernägel behaupten, daß dieser Schmuck wirkungsvoller sei als ein Rmg und mchl so leicht verloren gehen könne als dieser.