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104 Samstag, den 8. Mai 1897.' " ' * 24. Jahrgang,

FiildaerMZeitung

mit Nutrrhaltimgs-Krilage „Sterne und Klnmen". _________________

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neigende Sonne hatte die Westseite der Burg erreicht und spielte nun mit goldenem Widerschein auf dem gesenkten Haupte der fleißigen Stickerin.

Barbara von Zimmern hob das Antlitz empor, ein zartes, rosiges Antlitz, aus dem ein paar strahlende, blaue Augen mit ahnungsvoller Erwartung in den Frühlings-Sonnenschein hineinblickten. Der schwellende, rothe Mund, dessen Lippen die feinen, weißen Zähne durchschimmern ließen, war wie zu einer Frage ge­öffnet. Das gebogene Näschen, die Grübchen im Kinn und Wangen, das den Maschen des Netzes entschlüpfte Haargeringel auf der Stirn erhöhten noch den Reiz des holdseligen Gesichtchens.

Wohl mochte der Lenz das schöne Mägdlein an­lächeln und mit warmem Kusse es begrüßen, sah er doch hier sein Bild in lieblichster Gestalt.

.Wieder Frühling!" flüsterte Barbara, und ein unbewußter Seufzer hob ihre Brust. „Ob Heuer der Vater sein Versprechen halten und ■ mich mit den Brüdern hinausziehen lassen wird in die Welt, an den Hof des Herzogs oder an den Kaiserhof nach Wien? Meine Mutter war ein Fräulein der schönen Maria von Burgund und hat am Hofe des ritterlichen Erzherzogs, unseres glorreichen Kaisers Max, herrliche Tage verlebt. Sie hat glänzende Turniere und fest­liche Reihentänze, heldenmüthige Herren und minnig- liche Frauen in prächtigem Aufzuge gesehen, während ich nichts anderes kenne, als Wildenstein und Möß- kirch, Mößkirch und Wildenstein, nichts anderes be­schicke, als immer nur spinnen oder sticken, sticken oder spinnen "

Die zarte Hand hatte die Nadel sinken lassen, das Auge schweifte sehnsüchtig hinaus über das grüne Thal, durch welches die Donau brausend dahinschoß. Drüben reihten die Berge in unendlicher Folge sich aneinander, bis die dustumhüllten, verschwrmmenden Linien mit dem Blau des Himmels sich vermählten. Unermeßliche Wälder, düstere Tannen und eben erst sprossende Buchen deckten ihre Flanken, indeß die keck aufragenden Stirnen die weiße Felsenkrone trugen, deren vielzackiges Geklipp ernst und dräuend nieder­blickte. Hier und da hob sich ein hoher Thurm, eine feste Burg auf dem Kamme des Gebirges.

Barbara's Blick flog von dem Felsenneste der Wilden von Wildenstein über Jrendors und Spaichingen I nach dem Dreifaltigkeitsberge, bis er langsam zurück­kehrte und an dem Belfried des gegenüber liegenden Werenwag hangen blieb. .

„Immer langsam, immer allein!" klagte sie. „Aus keiner der benachbarten Burgen ein Mägdlein, das mir Freundin und Gefährtin sein könnte. Wenn

I wenigstens drüben ein kundiger Sänger weilte,

| wie der edle Hug von Werenwag, der mich die

I Laute schlagen und seine köstlichen Lieder nach dem

rechten Tone singen lehrte! So ost habe ich's schon versucht, aber ich sinde es nimmer. Wie war's doch, was der ritterliche Wilhelm von Meitingen an dem einzigen Abende, da ich meines jungen Lebens mich freuen durfte, so beweglich zur Laute sang:

Der Sommer kommt mit wonniglicher Wonne, Gott färbet Farbe wahrlich viel der Welt, D'rum strahlt so hell die güldne Maiensonne, Füllt blauer Veiel mit süßem Duft das Feld.

Ob der edle Ritter jener Sauhatz in Mößkirch noch gedenkt, ob--"

Die Thür des stillen Frauengemaches öffnete sich, die Zofe des Fräuleins erschien auf der Schwelle. Hebet der mittelgroßen, ernsthaft in dunkles Linnen gekleideten Gestalt wiegte sich auf schlankem Halse ein zierliches Köpfchen. Ein paar lustige, goldbraune Augen lachten übermüthig aus dem frischen Gesichte, ein keckes Stumpfnäschen hob sich witternd m die Luft.

„O, Richmodis, schon zurück von der Bittfahrt nach Maria Hilf am Welschenberg?" rief Barbara, aus ihrem süßen Selbstgespräche unsanft aufschreckend.

(Fortsetzung folgt.)

Aus Kirche und Schule.

* Iiom, 7. Mai. Kardinal Jakobini hat an den Gesammt-Episkopat der katholischen Welt ein Rundschreiben gerichtet, in dem es heißt: „Hoch- würdigster Herr Bischof! Wie Ew. Bischöflichen Gnaden wohl schon vernommen haben, hatten unlängst einige Männer von bewährter Frömmigkeit den Ge-

,0Z Dir Immeln von Wdenstein.

Eine Erzählung aus dem Donauthal von Antonie Jüngst.

3 ------ (Nachdruck verboten.)

Als Bruder Johannes von Preußen aus dem Felsen- arabe wieder herauskam, das hagere bleiche Ant­litz strahlend in Verklärung, die eingesunkenen Augen in überirdischem Lichte glänzend, dünkte er uns wie einer der Engel, die am Ostermorgen das Grab des Auferstandenen bewacht. Mit lauter Stimme unsere Namen nennend, daß es dröhnend an der Wölbung wiederhallte, rief er die Pilger zu sich, und schlug einen nach dem anderen mit seinem makellosen Schwerte zum Ritter. Auch mir hat seine Hand, die Hand eines Heiligen, in der Grust vor dem Grabe, bann der Leib des Herrn gelegen, den Ritterschlag gegeben. Es waren außer uns schwäbischen Junkern noch etliche andere Edle aus Franken und dem Elsaß, welche mit uns die gleiche Weihe empfingen. Bekleidet mit der neuen Würde, stieg ich tags darauf gen Golgatha, und wie ich dort Schritt um Schritt dem Weg folgte, den unser Herr, mit dem schweren Kreuzesbalken be­laden, hinangewankt ist, da gelobte ich: wenn er mich glücklich wieder heimführe zu Weib und Kind nach dem Wildensteine, wolle ich täglich dem Gottesdienste bei den Augustinern in Beuron beiwohnen, und m Erinnerung an die schmerzliche Kreuztragung Christi irgend eine Last, ein Stück Holz oder einen Stern, so schwer mein Arm sie zu heben vermöge den Berg binanschleppen. Kaum wieder daheim auf der Veste, hat meine Hand statt des Stabes das Schwert er­greifen und den Muschelhut mit dem Helm vertauschen müssen, bis mein Leben unter steten Kämpfen ver­strichen ist. Alle machten gemeinsame Sache gegen mich, und Wildenstein war stets der Preis. Aber das Gelöbniß, das ich auf Kalvana gethan, hab ich treu gehalten. Seit wie lange schon, Velten?"

Seit dreißig Jahren, Euer Gestrengen, begleite meinen Herrn Winters wie Sommers, durch Sonnen­schein und Regen, durch Eis und Schnee und allerlei Fährde. Haben doch sogar die Werdenberger mehr als einmal versucht, aus dem Hinterhalte ihm aufzu­lauern und als willkommene Beute ihn fortzufuhren in ihr Felsennest."

Ha ha!" lachte der Zimmerer und schlug wieder wuchtig auf fein Schwert, „sie meinten die Klinge, welche so manchem ihrer Knechte den Schädel gespalten, , sei bei dem Psallieren in der Scheide verrostet. Aber sie haben's erfahren, daß der Arm, der Holz und Steine trägt, trotzdem noch den Degen zu schwingen weiß, daß der Löwe in alter Kraft sich noch erhebt, wenn man ihn reizt. So listig sie's auch immer an- aestellt, sie haben jedesmal die Rechnung mit blutigen Köpfen bezahlen müssen. Und doch, bei Gottes Thron, Velten es war ein anderes Leben dazumal, em frisches, fröhliches Schlagen, bei dem auch dem greifenden Manne das Blut wieder jugendlich durch die Adern floß. Eigentlich ist's ein Jammer, daß fett dem Landfrieden Kaiser Maximilians der Weiden­berger zahm geworden. Und da nun vollends Johann eine Tochter seines Hauses heimgeführt, ist die alte Feindschaft begraben. Aber nun voran, Alter! Die Sonne steht schon hoch, wir dürfen nicht langer fänmen."

2.

In der Kemenate der Veste Wildenfiein saß Bar­bara von Zimmern, das liebliche Röslein, welches dem streitbaren Burgherrn noch in späten Tagen er­blüht war, am Stickrahmen. Ein schweres, mattblaues Gewand mit enganliegendem Mieder umhüllte die schlanke, biegsame Gestalt; ein Netz aus schimmernden Goldperlen hielt die üppig wogende Lockenfülle um­faßt. Das feine Köpfchen war tief über die Arbeit geneigt, die weißen Finger glitten emsig hin und her und woben mit den bunten Seidenfäden gar zierliches Blumenqerank in das eingespannte Tuch.

Da fiel ein heller Strahl durch das schmale Fenster und ließ plötzlich die Tiefen des Gemaches aufleuchten in lichtem Glanze. Die sich gen Abend

danken angeregt, es möchten alle über den Erdkreis zerstreuten Gläubigen am Ende des gegenwärtigen Jahrhunders ihrer Liebe und Dankbarkeit gegen den unüberwindlichen Erlöser des Meuschenge- chlechts in einer allgemeinen und feierlichen Kund­gebung Ausdruck verleihen. Da jener Vorschlag den ungeteilten Beifall Seiner Heiligkeit gefunden, so traten hier in Rom, um denselben zur Ausführung zu dringen, sofort Männer aus allen Nationen zu einem Konnte zusammen, und der hl. Vater geruhte, mich zum Ehrenpräsidenten des Komite's zu ernennen. Ich gestehe gern, daß ich dieses ehrenvolle Amt mit Freude und Eifer übernehme. Was könnte mir auch ür den Rest meiner wenigen Tage angenehmer, was heuerer sein, als an der Verherrlichung unseres Er­lösers nach Kräften mitzuarbeiten, zumal am Schluffe dieses Jahrhunders? Ich sage am Schluffe dieses Jahrhunderts, in welchem hochfahrende Männer, auf alfche Wiffenschast pochend, in fieberhafter Auflegung ich nicht scheuten, die Grundlagen des Christenthums elbst anzutasten und die göttliche Person unseres Herrn als erfundene Fabel in frevelhafter Verwegenheit hin­zustellen. Solche Schmach wieder gut zu machen, den Zorn Gottes durch Gebete wieder zu beschwichtigen, und den Namen Jesu Christi, der doch der Abglanz der Glorie und das Ebenbild der Majestät Gottes ist, am Anfänge eines neuen Säkulums durch Lob und Preis zu verherrlichen, das soll unsere Sorge, das unsere angelegentliches Bemühen sein. So kann es nicht fehlen, daß bei geeinten Kräften Aller eine Festes- feiet zu Stande kommt, an welcher alle Nationen in einmüthigem Jubel Theil nehmen: die einen durch namhafte Werke der Frömmigkeit und der Sühne, die Gelehrten durch wissenschaftliche Abhandlungen, die Zeitschriften und Tagesblätter durch belehrende und begeisternde Artikel, und das ganze Volk durch offene Bezeugung der Siebe und Anhänglichkeit gegen den hl. Vater. Ich hege die frohe Hoffnung, daß Ew. Bischöflichen Gnaden wie alle übrigen Hochwürdigsten Herren mir und dem Komite zu Rom ihren that- kräftigen Beistand gütigst gewähren, und vor allem der baldigsten Errichtung eines Diözesan-Komite's Hochdero aufrichtige Sorge widmen wollen."

Aus dem Reichstage.

-^> 217. Sitzung vom 7. Mai.

Der Reichstag hat heute, nachdem er in dritter Lesung den Antrag Colbus betreffs der elsaß - lothringischen Landesausschußwahlen angenommen hatte, in zw iter Lesung glücklich auch das Margarinegesetz durchberathen, denn das Haus zeigte sich beschlußfähig.

Die wiederholte namentliche Abstimmung über den An­trag Grand-Rn (Ctr.) - Trennung der Verkaufsräume - ergab nämlich die Annahme desselben mit 142 gegen 100 Stimmen. Bei den Mehrheitsparteien (Rechte, Centrum) gab es auch einige Dissidenten; vom Centrum stimmten 5 Abgeordnete mit Nein. Sechs enthielten sich der Stimm- abaabe Von den Nationalliberalen sttmmten nur drei für den Antrag. Der Rest des Gesetzes blieb in der Kommisstons- ^Morgen 12 Uhr: Dritte Lesungen des Auswande- rungs- und des Margarinegesetzes. _____

Aus dem Landtage.

Abgeordnetenhaus. — 77. Sitzung vom 6. Mai.

Abendsitzung.

Abg. Dasbach (Ctr.) bringt zur Sprache, daß in Bretz, Kreis Meseritz, in der Schule 50 katholische Schuler, aber kein katholischer Lehrer sei; ein Lehrer aus einem Nachbar­dorf ertheile den Religionsunterricht; alle Petitionen um An­stellung eines katholischen Religionslehrers seien bis letzt.von der Regierung nicht berücksichtigt worden. Redner fuhrt mehrere derartige Beispiele an und kündigt an, daß seme Parteifreunde in dieser Session einen Gesetzentwurf ver­legen würden, welcher geeignet sein werde, in dieser Be­ziehung Abhilfe zu schaffen. (Beifall im Centrum.)

Reg.-Kom. Geh. Rath a. Bremen sucht ui einer Reihe von Einzelfällen die Beschwerden des Vorredners als unbe­gründet darzustellen.

Abg Brandenburg (Ctr.) befürwortet die Errichtung einer katholischen Schule in Wilhelmshaven. .

Minister Dr. Bolle erklärt, er habe die Regierung in Aurich angewiesen, mit aller Energie für eine solche Schule einzutreten. (Beifall im Centrum.)

Abg. Schmidt-Warburg (Ctr.) bringt die intolerante Behandlung der Katholiken in Schöneberg zu« Sprache. ^n Schöneberg gibt es nicht weniger als 480 katholische Schuler, und gleichwohl hat sich die Schöneberger Gemeindever­waltung erst nach längerem Drängen dazu bewegen lassen, Anfang dieses Jahres eine Klaffe, und zwar die sechste, für katholische Schüler einzurichten. Und habet habe man die katholischen Schülern nicht etwa einfach dieser Klaffe zuge-