M 103 Freitag, den 7. Mai 1897 24. Jahrgang
mit Unterhattnngs-Keitage „Strrire und tilunirn“.
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Deutsche» Reich.
Berlin, 6. Mai.
* Der Kaiser hat an den Präsidenten Faure telegraphirt:
"Wollen Sie mir gestatten, an der Trauer tl,eilzunehmen, die Paris und ganz Frankreich in diesem Augenblicke empfinden in Folge des furchtbaren Unglücks in der Rue Jean Goujon. Möge Gott denjenigen helfen, die jetzt ein theueres Leben beweinen!
Präsident Faure erwiderte:
Ich bin sehr ergriffen durch die in dem Telegramm zum Ausdruck gebrachten Empfindungen, womit Ew. Kaiserliche und Königliche Majestät an der Trauer theilnehmen, in die das Unglück von gestern Paris und ganz Frankreich gestürzt hat. Ich danke für die Wünsche, daß Gott die durch die schreckliche Katastrophe niedergeschlagenen Unglücklichen, die wir tief lieben, aufrecht erhalten und trösten möge.
* Im Avgeordrreteutzause verlautete heute, daß die Session mit Ablauf dieses Monats beendet werden solle, auch wenn einige kleinere Sachen unerledigt blieben.
* lieber das neue deutsche Isettgeschütz weiß der militärische Mitarbeiter des ,Berliner Tagebl/ Näheres mitzutheilen. Er behauptet, daß schon im November 1896 der Entschluß zur Annahme des Geschützes M 96 erfolgt sei; es verlautet sogar, die erforderlichen Versuchs-Batterien seien schon sämmlich fertig gewesen, und man gab uns die Zahl auf rund hundert an. „Seit dem 1. April ist das neue Geschütz zur probeweisen Verwendung ausgegeben worden. Man darf wohl annehmen, daß die Probe ein Jahr beanspruchen wird. Ob alsdann Abänderungen nöthig werden, läßt sich natürlich nicht übersehen. Ein neues Geschütz mit einer vollständigen Spstemänderung kann aber nicht zur probeweisen Einführung gelangen, ohne daß es vorher nach allen Richtungen Versuchen unterworfen worden wäre, welche die Erfahrung an die Hand gibt. Daß diese Versuche in diesem Falle besonders umfangreich waren und bereits ziemlich weit in die Vergangenheit zurückreichen, glauben wir sagen zu können. Seit die Materialfrage gelöst und die Entscheidung zu Gunsten Krupps gefallen war, konnte das Werk wesentliche Verzögerungen nicht mehr erfahren; denn über die Konstruktions- Bedingungen bestanden an den leitenden Stellen längst keine Zweifel mehr. Wie übrigens verlautet, sollen die Erprobungsbatterien einer viel größeren Anzahl von Regimentern zugetheilt werden als den drei genannten, nämlich einem bayerischen, einem Garde- und dem 6. Feldartillerieregiment. Der Preß- rummel, welcher am Schlüsse des vergangenen Jahres von Frankreich ausging, und wonach Frankreich uns überholt haben sollte, ist auf die ganze Angelegenheit ohne Einfluß gewesen. Damals war das deutsche Geschütz fertig und eingehend erprobt.".
«K Vie Zimmern von Mildenliein.
Eine Erzählung aus dem Donauthal von Antonie Jüngst- 2 ------ (Nachdruck verboten.)
Mächtig strebte sie auswärts mit ihren gewaltigen Mauern, ihrem unbezwinglichen Belfried, den sturm- rechten Dächern und Zinnen, von deren Höhe das Banner der Herren von Zimmern, ein grimmenber Löwe im blauen Felde, im Morgenwinde flatterte.
Das Auge des greifen Burgherrn ruhte mit fast zärtlichem Ausdruck auf dem Thal und Fluß beherrschenden Bau, der durch seine Hand so machtvoll aus den Ruinen der durch ein Erdbeben zerstörten Veste der Wilden von Wildenstein erstanden war.
„So sprich!" wandte er sich plötzlich an den Diener, als ob der Faden des Gespräches gar nicht abgeriflen gewesen wäre. „Ich bin neugierig zu erfahren, ob Dein Gedächtniß Dich nicht trügt. Hocke Dich dorthin auf den Stein, ich werde hier auf dem Wurzelknorren Platz nehmen! Ein abgemorschter Stumpf zum anderen, wie recht und billig."
„Als meines Herrn Gnaden die Pilgerfahrt nach dem gelobten Lande — —"
„Nicht da fange an, Alter," unterbrach der Ritter unmuthig. „Wenn Du erzählen willst, so beginne.
* Die Reich stagskom Mission für die Kand- tvcrftervortage nahm heute § 100 s mit einem Anträge Gamp an, der die Aufhebung oder Schließung einer Innung erschwert. § 100 t wurde unverändert angenommen. Damit ist der I. Theil über die Innungen erledigt. Theil II: Jnnungsausschüsse, Theil III: Handwerkskammern und Theil IV wurden mit unwesentlichen Aenderungen angenommen. Darauf trat die Kommission in die Berathung des Abschnittes über die Lehrlingsverhältnisie ein und erledigte denselben bis §127 b. Morgen Fortsetzung.
* Landshut, 6. Mai. Die Vorbereitungen zur Katholikenversammlung sind in vollem Gange. Eine größere Anzahl junger Männer und aufgeweckte Knaben werden zu Fremdenführern ausgebildet. Wenn es irgend möglich ist, soll auch die Trambahn Bahn- Hof-Altstadt noch fertig gestellt werden. Letzteres ist sehr zu wünschen, da der Weg vom Bahnhofe in die Altstadt immerhin ziemlich weit ist. Sollte das aber nicht zu ermöglichen fein, so wird eine gute Omnibusverbindung hergestellt und der Drofchkenverkehr vermehrt. Aehnlich wie bei anderen Gelegenheiten werden auch 200,000 Briesverfchlußmarken hergestellt. Die Vororte Achdorf und Berg werden Festfchmuck anlegen. Bezüglich der Festausiührung sind eine Anzahl von Vorschlägen und Anregungen eingereicht.
Ausland
* London, 6. Mai. Das Unterhaus verwarf gestern mit 227 gegen 186 Stimmen die Bill, betreffend die Einführung des Achtstundentages für die Bergwerksarbeiter. Die Regierung hatte sich an dcr Debatte nicht betheiligt.
* Washington, 6. Mai. Der fünfte Welt- post ko ngr eß ist gestern hier eröffnet worden. Der Kongreß hat sich u. A. mit folgenden Fragen zu be- faffen: Erhöhung des einfachen Gewichtes eines Briefes von 15 auf 20 Gramm; im Verkehr mit Postanweisungen Erhöhung des Höchstbetrages der Sendung von 500 auf 1000 Franks und Herabsetzung der Gebühr von 25 Cents für 25 Franks auf 25 Cents für 50 Franks; im Postpacketverkehr soll das Höchstgewicht auf 5 Kilogramm festgesetzt werden; für die Muster ohne Werth soll das Höchstgewicht von 250 auf 350 Gramm erhöht werden. Sodann kommt die vielumstrittene Frage der Schaffung internationaler Postwerthzeichen zur Berathung; die Werthzeichen sollen von einem Lande nach dem anderen als Zahlung für kleine Beträge gegeben und in allen Vereinsstaaten als gütig gebraucht werden können. Ein weiterer Vorschlag geht dahin, Jubiläums-, Aus- stellungs- und dergleichen Gelegenheitswerthzeichen nicht mehr im internationalen Verkehr zuzulassen.
Brr gricW-Milchk Krieg.
Wie jetzt erst bekannt wird, hat sich auch Rußland in hervorragender Weise an den Jnterventions- bemühungen der Mächte betheiligt. Bereits am wie sich's gebührt, mit den ersten Geschehnissen. Ich liebe es, nun, da der Tag sich neigt und der Abend hereingebrochen ist, rückwärts zu blättern in dem Buche meines Lebens und wieder und wieder zu lesen, was eine schwere Zeit mit Eisen und Blut ihm eingegraben. Nun laß hören, Selten.“
„Es war zur Zeit der großen Fehde mit den Herren von Werdenberg — —"
„Werdenberg, alleweg Werdenberg, wenn es sich um einen Schurkenstreich handelt," murmelte der Ritter. „Werdenberg ober Meitingen!"
zur Zeit ber großen Fehde," fuhr der Diener fort, „als die verbündeten Feinde meines ritterlichen Herrn aufs Neue sich zusammen schaarten, um den Wildenstein, koste es, was es wolle, in ihre Gewalt zu bringen. Vergebens hatten sie all ihre Mannen aufgeboten, vergebens die Burg herannt. Die ans den eifernen Stücken geschleuderten Kugeln hatten kaum einen Stein der äußeren Hauern zu verrücken vermocht."
„Aus Fels und Granit gekittet," nickte der alte Zimmern, „was wollte sie erschüttern?"
„Vergebens hatten sie bann wochenlang vor dem Steine gelegen und ihn durch Hunger zu nehmen gedacht. Aber die Kornvorräthe in der Mühle waren
Dienstag ist dem Wiener Auswärtigen Amte die offizielle russische Mittheilung zugegangen, baß bas Petersburger Kabinet seinen Gesandten in Athen angewiesen habe, der dortigen Regierung zu eröffnen, Rußland sei ausBesorgniß wegen der schwierigen Lage der griechischen Dynastie gern bereit, in Gemeinschaft mit den anderen Mächten die Friedensverhandlungen zwischen Griechenland und ber Türkei einzuleiten, wenn Griechenlanb dazu eine Anregung geben wolle. Nach der ,Pol. Korrespondenz' sind russischerseits die gleichen Mittheilungen an die Kabinette der Großmächte gerichtet worden, und die meisten hätten sofort ihre Zustimmung zu erkennen gegeben. In diplomatischen Kreisen neigte man allgemein der Annahme zu, Griechenland werde die ihm also bargebotene Hand gern ergreifen. Dabei fiel die Aeußerung, baß seitens mehrerer Großmächte ber königlichen Familie von Griechenland eventuell bewaffneter Schutz zu Theil werden würde, wenn geroiffe Ereignisse in Athen diesen nothwendig machen sollten, und man glaubt nun einem recht baldigen Ende des Krieges entgegensehen zu dürfen. In diplomatifchen Kreisen verlautet mit Bestimmtheit, daß Griechenland sich zunächst noch nicht für geschlagen erachtet und dankend ablehnen werde. Die Demüthigung Griechenlands muß erst vollständig werden, ehe es eine Intervention der Mächte anruft. Und doch wäre Griechenland jetzt noch die Möglichkeit geboten, sich in Ehren zurückzuziehen, da bezüglich der Stellung ber Türkei zur Frage des Friedens gemeldet wirb, der Sultan fei jederzeit bereit, mit Griechenland in Verbindung zu treten trotz der Frivolität des vom Zaum gebrochenen Krieges. Sie werde keine übertriebenen schweren Bedingungen stellen. Voraussetzung jeder Verhandlung aber fei die gänzliche Zurückziehung der griechischen Truppen aus Kreta. Erst wenn diese Vorbedingung erfüllt fei, werde man über Weiteres reden.
Bei Pharfala ist es zu einem harten Kampfe gekommen, der mit dem Rückzüge der Griechen endete. Es liegen darüber folgende sich zum Theil widersprechende Meldungen vor:
Athen, 6. Mai. Die griechischen Vorposten bei Pharsala zogen sich nach lebhaftem Gewehrfeuer gegen das Centrum zurück. Der erbitterte Kamps dauerte mehrere Stunden. Kronprinz Konstantin begab sich wieder zur Armee bei Pharsala und kämpfte in erster Reihe. Die Soldaten begrüßten ihn lebhaft. Mehrere Geschoffe erreichten Pharfala. Die Artillerie hat eine gute Stellung inne. Die Türken sind endgiltig zurückgefchlagen. (?)
Sobald der Ministerrath die Nachricht des Sieges bei Pharsala erhielt, richtete derselbe, wie die ,Agence Havas' meldet, an den Kronprinzen ein Glückwunsch-Telegramm, worin er seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, daß der Kronprinz den "Namenstag des Königs so würdig gefeiert habe. Der Kronprinz gab diese Glückwünsche seinen Truppen bekannt, denen er seine Genugthuung darüber aus-
schier unerschöpflich, und das Wasser in dem neuen Brunnen--"
Ein stolzes Lächeln überflog das Antlitz des Hörenden. Das Helle Auge blitzte mit höherem Glanze.
„Wie ber Stab Moyses dem Felsen Wasser entlockte, hat meine Hand das widerspenstige Gestein gezwungen, zu köstlichem Brunnen uns zu werden in den Tagen der Roth. Ha, ha, sie hatten geglaubt, uns verdursten lassen zu können auf unserer Höhe, nachdem sie den geheimen Ausgang zur Donau mit ihren Knechten verlegt hatten; aber da gab der Fels das rothe Gold zurück, das er verschlungen. Es hat uns nie an einem kühlen Trünke gemangelt, so lange auch die Feinde vor unseren Manern lagen."
„Weiter, Velten!"
„Als Hans von Werdenberg sah, daß er die Burg mit GeAalt nicht nehmen könne, sann er auf List. Besitzen wollte er den Wildenstein um jeden Preis. Thomas Tuchel. — —"
„Fluch ihm, dem tückischen Thorwart, der um schnöden Mammons willen seinen Herrn verrieth!" grollte Werner von Zimmern, und schlug mit der Faust auf fein Schwert, daß es in der Scheide klirrte.
„Thomas Tuchel, der zur Strafe für ein Ver-