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Jto 102

Donnerstag, den 6. Mai 1897

24. Jahrgang

mit Unterhaltungs-Beilage »Sterne und Ktnmen".

ulbntr

entsprechender Zuschlag

(Nachdruck verboten.)

1

a) in der Stadt Fulda,

künftig ii Pf- 18 „ 43 „

b) in den Landgemeinden seither künftig 6 Pf- 8 Ps.

seither für Gemeine pro Tag 8 Pf. f. Unteroffiziere p. Tag 15 „

und durch offenen Angriff, wie heimliche List die Burg m ihre Hand zu bringen suchten. Selbst eine Heirath zwischen den feindlichen Geschlechtern vereinigte nur für kurze Zeit die Interessen der beiden Häuser. Die Pilgerfahrt eines der tapferen Kämpen nach dem hl. Lande, seine Wacht m der Grabeskirche und der ihm dort ertheilte Ritterschlag sind geschichtlich beglaubigte Thatsachen, ebenso wie der nut ber größten Erbitterung ausgefochtene Bruderzwist nach dem Tode Werner's von Zimmern und die Ermordung des Gra­fen von Sonnenberg durch Felix von Werdenberg. Das Ge­schlecht der Zimmern, die einen aufrecht schreitenden soge­nannten grimmenden Bären im blauen Felde führten, er­losch schon im 16. Jahrhundert. Ihre Güter kamen durch Erbgang zunächst an die Grafen von Helfenstein und dann an die Fürsten von Fürstenberg, in deren Besitz der Wilden- stein sich noch befindet.

tierenlschädigungssätze für vorübergehende Ein­quartierung, d. h. für solche, die gelegentlich der Märsche, Manöver und Hebungen stattfindet. Es wird für das Quartier (ohne Verpflegung) bezahlt:

Jahres sertiggestellt werden.

* Gegenüber anderen Nachrichten erfährt die ,Possi, daß der Kskoniakraty noch nicht einberufen sei. Man dürfe indessen annehmen, daß der Zusammen­tritt Ende dieses Monats erfolgen werde. Auch die Kommission für Strafrechtspflege, welche noch vor dem Zusammentritt des Kolonialrathes ihre Be- rathungen aufnehmen sollte, ist noch nicht einberufen worden und zwar in Folge der Erkrankung des Vor­sitzenden, Geh. Raths Lukas.

□ Die Nudgetkommisfto« des Reichstags zog in ihrer Sitzung vom Mittwoch den Nachtrags- Etat für das Etatsjahr 1897/98 in Berathung. Dieser Nachtrag balancirt in Einnahme und Ausgabe mit einer Summe von 45 655 538 Mk. Der Löwen- antheil entfällt auf die Schaffung einer Reserve au Artilleriematerial. Sämmtliche Ausgabeposten wurden nach den Anträgen des Referenten Abg. v. Leipziger (kons.) und Korreferenten Abg. Frhrn. v. Hertling (Ctr.) genehmigt; nur der Mehrbedarf an Pensionen aus Anlaß der Besoldungsverbefferungen, sowie die Forderung zu Unterstützungen für Wittwen und Waisen von vor dem 1. April 1897 verstorbenen Offizieren, Aerzten, Beamten und Personen der Unterklassen des Soldatenstandes blieben von näherer Erörterung und

rt Die Militiirstrasprozcßresorm

wird nicht allein dem Reichstage in dieser Session vorenthalten bleiben, sie soll ihm auch gar^urchl einmal versprochen worden sein. So hat Staats­sekretär v. Bötticher am Dienstag die Worte des Reichskanzlers ausgelegt, und damit den parlamen­tarischen Körperschaften abermals dte Lehre gegeben, daß man sich Erklärungen der Regierung sehr genau ansehen soll, denn sie pflegen „wohlüberlegt" und „wohlformulirt" zu sein. Mit der Militärstrafprozeß­ordnung erleben wir es ja nicht zum erstenmale, daß Versicherungen der Regierung gutgläubig hin­genommen wurden, um später eine ganz uner­wartete Auslegung zu erfahren. Wir erinnern nur, um bei einem der „schönsten" Beispiele aus den letzten Jahren zu bleiben, an die Täuschung der Antisemiten durch den Reichskanzler Grafen Caprivi bei der Militärvorlage von 1893. Die Antisemiten verlangten zur Beruhigung ihres Gewissens über ihren Umfall die Zusicherung, daß die Kosten nicht von den kleinen Leuten, namentlich nicht durch eine erhöhte Tabak­steuer aufgebracht werden sollten; Graf Caprivi gab ihnen, wie sie sich gern einredeten, diese Zusicherung, aber in einer so allgemeinen Wendung, daß man sie hinterher beliebig auslegen konnte.

Fürst Hohenlohe hat im Sommer vorigen Jahres im Reichstage erklärt, er habe die bestimmte Hoff­nung, daß eine auf den Grundsätzen der modernen Rechtspflege ausgebaute Militärstrafprozeßordnung d e n gesetzgebenden Faktoren im nächsten Herbste zugehen werde. Diese Zusage ist „voll und ganz" erfiillt worden, sagt jetzt Herr v. Bötticher; die Re­formvorlage istthatsächlich dem Bundesrathe zugegangen, und das ist zweifellos ein „gesetzgebender Faktor"; daß sie dort so lange liegen geblieben ist, ist nicht Schuld des Reichskanzlers; daß sie auch dem Reichs­tage bereits im Herbste zugehen werde, konnte und wollte er schon deshalb nicht versprechen, weil er ja nicht wissen konnte, wie lange der Bundesrats zu ihrer Erledigung brauchen werde. Wenn Herr v. Bötticher einmal deuten wollte, hätte er auch gleich sagen können, der Reichskanzler habe überhaupt nichts versprochen, er habe nur die „bestimmte Hoffnung" geäußert und wenn diese sich nicht erfüllt habe, so könne er nicht dafür, jedenfalls habe er sich zu nichts verpflichtet.

Im Reichstage hat man Vertrauen zu dem Reichskanzler gehabt "und deshalb an seinen Worten nicht herumgetüftelt. Uns scheint auch dre Auf­fassung ganz berechtigt, daß dem Reichstage die Vor­lage zum Herbst versprochen worden ist. Denn die „gesetzgebenden Faktoren" sind.Bundesrath und Reichs­tag; wenn ihnen etwas in Aussicht gestellt wird, so genügt es nicht, wenn es nur einer erhält. Die Vor­lage ist nicht den gesetzgebenden Faktoren, sondern mir dem Bundesrathe zugegangen. Wenn es so ge­meint war, hätte es auch billigerweise gesagt werden

von ihnen, das allzu vorwitzig von Bergeshöhe nieder­geschaut, geschah es, daß es zitternd vor Kälte sich wieder zu Boden neigte und langsam hinsiechte. Noch hatte der Sommer keine Gewalt, noch hielt sich der Winter in seinen zahlreichen Felsverstecken verschanzt mit Schnee und Eis.

Und doch ging ein lenzfrohes Ahnen durch das klippenumstarrte Thal. Die junge Donau, der Sonnentrotzer, die unbeirrt dem Lichte entgegeneilte, hatte ihm im Sturmesbrausen ein Frühlingslied ge­sungen und sang es ihm noch täglich. Der Bergsink, der den Ton ausgefangen, zwitscherte ihn nach von

Deutsches Deich.

Berlin, 5. Mai.

Ar Das neue Serviskarisgeseh wird zur Zeit von'der Budgetkommission des Reichstags berathen und zweifellos angenommen. Die einzige wichtige Aenderung desselben ist die Erhöhung der Quar-

Die Mmm von Wildenßem?

Eine Erzählung aus dem Donauthal von Antonfe Jüngst,

1.

Man schrieb das Jahr des Heils 1510. Nach einem langen und harten Winter war ein später Früh­ling gekommen; kaum, daß er mit dem Maien über die Alpen gestiegen wäre und die zarten Knospen an Baum und Strauch wachgeküßt hätte. ^ Vereinzelt nur wagten die ersten Lenzesblümchen: Windröschen und Himmelsschlüssel sich hervor, und mehr als einem

*) Unter den streitbaren Geschlechtern, welche schon in früher Zeit im Donauthal sich anstedelten ,und von ihren festen Sitzen aus diese Heerstraße der Völker beherrschten, waren im Mittelalter die Herren von Zimmern eines der mächtigsten. Als vollends nach dem Aussterben der Wilden von Wildenstein die für uneinnehmbar geltende Veste, dieser Edlen in ihren Besitz gelangte, waren sie ebenso gefürchtet wie beneidet weit und breit. Jede Generation baute an dem unzugänglichen Felsenschloß; jede verstärkte seine Mauern und vervollkommnete seine Vertheidigungsmittel, so daß der Wildenstein bis in unser Jahrhundert hinein niemals durch Gewalt bezwungen worden. Neid und Mißgunst ließen jedoch die Herren von Zimmern ihres stolzen Besitzes nicht froh werden; sie waren fortwährend in blutige Händel ver­wickelt' Fehde folgte aus Fehde. Namentlich waren es ine in Sigmaringen residirenden Grafen von Werdenberg, welche den Zimmern von Wildenstein den Rang streitig machten

ollen. Daß der Reichskanzler gern die Erwartungen erfüllt hätte, glauben wir ihm ja; daß er aber selbst der Sache nicht traute, beweist die „wohlüberlegte" Wahl eines zweideutigen Ausdrucks. Nun wird wohl auch die Novelle zum Vereinsgesetz von ihm nicht versprochen worden sein, und in der Thal hat er nicht bestimmt gesagt: Die preußische Regierung wird in der nächsten Session eine Vorlage wegen Aushebung des § 8 des Vereinsgesetzes einbringen. Aber eine unbefangene Auslegung seiner Worte konnte nichts anderes ergeben. Ikeberdies ist die Novelle auch in der Thronrede versprochen worden.

Wenn man sich freilich so „diplomatisch" aus der Affaire zieht, dann ist es müssig, die Frage aufzu­werfen, ob der Reichskanzler noch imAmtebletben könne, nachdem er seine Zusagen nicht habe erfüllen können, und ist es selbstverständlich, daß bereits in verschiedenen Blättern erklärt wird, das Ausbleiben der Vorlagen werde weiter keine Folgen von Bedeutung haben. Am Montag soll der ,PosL zufolge ein Kronrath abgehalten worden sein; darin dürften diese Dinge den Berathungsgegenstand abgegeben haben; jedenfalls muß Herr v. Bötticher zu der heutigen Exegese ermächtigt gewesen sein. Die Militärstraf­prozeßreform liegt, wie wir nun endlich authentisch wissen, in den Ausschüssen des Bundesrathes. Dort wird sie aber schwerlich geprüft, sondern sie „rucht" eben. Die Berathungen und Verhandlungen werden außerhalb des Bundesrathes gepflogen, ober, was dasselbe sagen will, die Schwierigkeiten und „An­stände" kommen der Vorlage von außen.

In erster Linie ist es ohne Zweifel Preußen, das die Sache nicht vorwärts kommen läßt. Das sieht allerdings seltsam' aus gegenüber einer Vorlage, die es selbst eingebracht hat; sie wird aber so gewesen sein, daß der Bundesrath oder wichtige Stimmen im Bundesrathe hier nicht zujtimmen konnten, und nun schleppt Preußen die Verständigung hin. Die Ausschüsse werden gar nichts thun, sondern warten, bis von Preußen die Entscheidung kommt. Dann werden sie „unverzüglich" ihren Entschluß fassen-, „unverzüglich" wird die Vorlage dem Plenum zugehen, dies wird „unverzüglich" sein Amen dazu sagen und „unverzüglich" kommt sie bann vor den Reichs­tag. So etwa ein halbes Menschenalter kann dies wohl dauern und dann wird das Meisterwerk ver- muthlich dem Reichstage sehr mißfallen. Für den Reichstag ist es wenigstens ein Trost, daß die Ge­duld der einzelnen Bundesregierungen auf eine nicht minder harte Probe gestellt wird, als seine eigene.

für Feldwebel p. Tag 34 „

Im Winter tritt noch ein , „

für Heizung.ein; für die höheren Chargen bleibt es bei den alten Sätzen. Die Erhöhung der Quartier­vergütung entspricht einer Anregung, welche die Abg. Müller-Fulda und v. Podbielski im Januar ds. Js. in der Budgetkommission des Reichstags gegeben haben und über welche wir seiner Zeit schon berichteten. Wenn die Erhöhung auch nur sehr mäßig ist und die Vergütung auch ferner noch als unzu­reichend angesehen werden muß, so beträgt solche doch schon für dieStadtFulda allein für ein Manöver wie das letzte etwa 1500 Mark, die den Quartier­gebern künftig mehr ausbezahlt werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Reichstag dieser Vorlage zustimmen wird, zumal eine weitere Erhöhung der Sätze zunächst doch nicht zu erreichen fein würde.,

* Zwei Vertreter der chinesischen Marine sind gestern in Deutschland eingetroffen, um die auf deutschen Werften im Bau befindlichen chinesischen Kriegsschiffe zu besichtigen. Es sind dies 3 Panzer­deckkreuzer, welche auf dem Vulkan, und 4 Torpedo­bootsjäger, welche bei F. Schichan in Elbing gebaut werden. Sämmtliche Schiffe sollen im Lause dieses

früh bis spät, obgleich die neidischen grauen Nebel nimmer weichen zu wollen schienen.

Heute zum ersten Male war es der teonne ge­lungen, den dunkeln Wolkenflor zu durchbrechen; gülden und strahlend lachte ihr Antlitz vom blauen Himmel herunter. Voll eifriger Neugier, wie nur eine der Töchter Eva's, durchspähte sie das ganze Thal und ergoß ihre Strahlen über die weiten, flußdurch- glänzten Wiesengründe, wie über das stattliche Kloster auf sanft abgedachtem Hügel.

Der Morgengottesdienst in den dämmerigen Hallen der schönen Kirche war eben beendigt; noch zitterten die letzten Töne des Chorgesanges auf den Schwingungen der Lust, noch schwebte ein leichtes Weihrauchwölkchen ob dem stillen Friedhof. Die wenigen Andächtigen hatten das Gotteshaus verlaßen und zerstreuten sich nun auf den gewundenen Wiesen- ^^Die schmale Steige, welche von Beuron den Fels hinanfführt nach der Veste Wildenstein, keuchte müh­sam ein gebeugter Mann hinan. Seltsam genug war der Alte anzuschauen in dem langen faltigen Talar, über welchen er ein Maschenhemd gezogen, m den eisernen Fausthandschuben und der zerbeulten Eljen- haube. Spärliche weiße Locken umrahmten das ver- hutschelte, narbenreiche Gesicht, ein eisgrauer Bart

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