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24. Jahrgana

Freitag, den 30. April 1897

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iilbitr

mit wachsendem Entsetzen den Auftritt verfolgt, der vor seinen Angen sich abspielte.

Nach der Hafterklärung durch den Justizrath er­hob er den Kopf. Seine Augen glüthen wie im Fieber. Er lachte laut auf. Seine Blicke richteten sich nach dem an der Wand stehenden Bett. Es war das gleiche Lager, auf dem der Wiesmüller Schirmer seinen letzten Seufzer ausgehaucht- hatte. Wie zur Abwehr streckte er den Arm aus. „Hinweg, hinweg!" schrie er. „Es ist nicht wahr, es ist Alles nicht wahr! Abrechnung? Vergeltung! Zur Hölle mit ihnen! Lisa, Hanna, Ferdinand, Theodor . . ." Schaum trat ihm vor den Mund, und bewußtlos stürzte er zusammen .... .. .

Noch am gleichen Abende verbreitete sich m Rodenbach die ungeheuerliche Kunde, daß der angeb­liche Graf Adolf Salmi als Betrüger verhaftet und sofort in das Gefängniß der Kreisstadt abgeführt worden sei.

Daran reihten sich noch verschiedene andere Rach­richten und steigerten die Aufregung in dem Städtchen zu einem nie dagewesenen Grade.

Sallust hatte nach seinem Erwachen aus der Be- I täubung untrügliche Spuren des Jrsinnes gezeigt

mit Unterhaltung!! Beilage „Sterne und Htumrn"

unserer Rechte und Freiheiten davon abhängen soll, wieviel die Protestanten uns zukommen lassen wollen. Mehr zu fordern, als ihre Unduldsamkeit gestattet, heißt den Frieden stören! Daß dem Minister Zahlen gegen Centrumsredner zur Verfügung stehen, ist nicht zu verwundern. Er sollte aber den Scherz unterlassen, damit eine Bevorzugung der Katholiken beweisen zu wollen. Es glaubt's ja doch keiner von ihnen. Wenn er behauptet, katholische Schüler erhielten mehr Staats­unterstützung als protestantische, so muß man zur Beurtheilung dieser Behauptung doch auch wissen, auf welche Zeit sich das bezieht, ob nicht viel Ber­äumtes nachzuholen war, ob es nicht eben deshalb geschieht, weil die protestantischen Gemeinden sich weigern, die Schulen auf den Gemeindeetat zu über­nehmen u. s. w. So leicht lassen wir uns durch wohlgruppirte, nicht näher erläuterte Zahlen nicht imponiren, denn wir wissen, wie es an tausend und tausend Fällen mit der „Bevorzugung" der Katholiken in Preußen steht.

Auch dem polnischen Redner Abg. Dr. v. Jazdzewski erwiderte der Minister ebenfalls in althergebrachter Weise. Dann kam die Debatte auf allerhand inter­konfessionelle oder inkonfessionelle Fragen. Es liegt das an der Art, wie im Abgeordnetenhause die Rednerliste gehandhabt wird. Die Redner kommen der Reihe nach zum Wort, wie das Loos sie durch­einander gewürfelt hat. Im Reichstage kann der Präsident das Wort nach Belieben ertheilen und fo die Debatte über einen und denselben Gegenstand zu­sammenhalten. Im Abgeordnetenhause geht das nicht.

Auch am zweiten Tage sprachen verschiedene Redner zur Paritäts- und sonstigen Beschwerdefragen der Katholiken. Der Verlauf der Debatte bürgt nicht dafür, daß es nicht noch heftige Zu­sammenstöße gibt, wiewohl allseitig eine ruhige und sachliche Abwicklung der Etatsberathung gewünscht zu werden scheint.

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qegengesetzt. Er hatte aber keine und trug dafür eine alberne Geschichte aus Kaiserswerth vor, für die er den Abg. Dauzenberg verantwortlich macht. In der Gemeindevertretung soll nur ein Protestant sitzen und eine unerhörte Intoleranz soll es sein, daß die dortigen Protestanten 300 Mark zum Gehalt ihres Lehrers beitragen müssen. Wie viele Gememden könnten genannt werden, wo die Protestanten der großen katholischen Minderheit keinen einzigen Sitz in der Gemeindevertretung überlassen! Für katho­lische Intoleranz auf dem Schulgebiete aber beweist das Epner'sche Beispiel gar nichts, wenn er auch so that, als greife er aus der Menge der ihm zur Ver­fügung stehenden nur das eine aufs Geradewohl heraus. Komisch wirkte es, als der Führer der Kulturkampfspartei dann selbst zum Angriff überging und Beschwerden vorbrachte. Ihn bekümmert es tief, daß in der Rheinprovinz das „Prozessionswesen" zu­nimmt, zum Anstoß für die toleranten Protestanten, und daß hie und da einmal einem unhöflichen Menschen die Mütze vom Kopfe geschlagen wird. Die zahl­reichen Beweise protestantischer Unduldsamkeit gegen­über Prozessionen achtet er nicht; die Protestanten ind ja die Herren und können verlangen, daß die Katholiken ihren Gottesdienst nach dem Gefallen der Protestanten einrichten. Prozessionen stören auch in unerträglicher Weise den Verkehr, was Aufzüge von Krieger-, Schützen-, Turn- re. Vereinen bekanntlich niemals thun. Es lohnt sich nicht auf Beschwerden der Art einzugehen; es wird damit nur bewiesen, daß man keine hat. Herzbeklemmung empfindet Herr v Epnern auch darüber, daß in Ehrenseld eine höhere Schule unter geistlicher Leitung und mit In­ternat besteht. Was kann daraus nicht alles noch werden! Vorläufig liegt, wie der Minister aus Eynerns eigenen Worten folgerte, allerdings gar nichts Bedenkliches vor.

Die Rede des Ministers Dr. Bosse war die alte bekannte. Nur aus Gerechtigkeit will er alles so lassen, wie es ist, denn jetzt ist alles aufs beste ge­ordnet. Die Wiederherstellung der katholischen Ab- theilung würde nur den Katholiken schaden; feine jetzigen Räthe berathen ihn völlig objektiv und pari­tätisch. Den Orden gegenüber ist er an das Gesetz gebunden und das ist ja mit kirchlichen Autoritäten vereinbart und wird äußerst wohlwollend behandelt. Nm über alle Paritätsklagen mit Eleganz hinwegzu- kommen, hat er das Wort von der „mechanischen Parität" erfunden. Die will er nicht, er will die „höhere", „innere" Parität, d. h. die Parität, bei der die Katholiken schlecht wegkommen. Er macht eine Karrikatur aus den Forderungen der Katholiken und bekämpft diese, um ihre wirklichen Forde­rungen bequem bei Seite schieben zu können. Weil der bestehende Zustand, der alles in den Willen der Regierung stellt, ihm behagt, weigert er die Aen- derung unter dem Vorgehen, die Konfessionen möchten Prinzipienfragen unausgefochten lasten und im Frieden einen uwcku« vivendi führen. Nur schade, daß immer wir dabei am schlimmsten wegkommen und das Maß

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

48] ------ (Nachdruck verboten.)

Wäre ein Blitz auf Adolf niedergefahren, er hätte ihn nicht so wie diese Worte erschreckt. Mit über­wältigender Macht stellte sich eine entsetzliche Gewiß­heit vor ihn: es war alles entdeckt! ,Adolf hatte eine Empfindung, als werde ihm die Kehle schon jetzt mit dem Strange zugeschnürt. Er schnappte nach Luft. Dann wandte' er seine Augen, von unwillkürlichem Rettungstriebe angespornt, nach dem Fenster und machte mit jähem Entschlüsse eine Wendung dahin. Er kam zu spät. Drei Männer waren ins Zimmer gedrungen, und ehe Seeburg einen Entschluß fassen konnte, sühlte er sich durch Handschellen jeder Mög­lichkeit zum Entrinnen beraubt.

„Im Namen des Königs," erklärte nunmehr der Justizrath, mit ernster Miene vortretend, „Herr Adolf Seeburg, verhafte ich Sie wegen Betrugs, Fälschung und erschwerten Diebstahls."

Während der Agent Schnell furchtsam in eine Ecke des Zimmers sich zurückgezogen hatte, war Sallust ruhig auf seinem Platze stehen geblieben und hatte

Deutsches R^ch*

Berlin, 29. April.

□ Die ZLudgetkommisfion des Aeichstags hat am Mittwoch wieder ihre Arbeiten ausgenommen und die durch die Osterferien unterbrochene Berathung des dieBesoldungsaufbesferungen umfaffenden Ergänzungsetats fortgesetzt. Wie in den Sitzungen vor Ostern, so wurden auch jetzt im Wesentlichen die von der Regierung gemachten Vorschläge angenommen. Bei einigen Kategorien der Beamten der Reichseisen­bahnverwaltung, wie beiden Betriebssekretären und Lokomotivführern, entspann sich über die im Gesetzentwurf vorgeschlagenen Gehaltssätze eine eingehende Debatte. Die Abgg. Dr. Ham mach er (natl.) und Werner (Antis.) sprachen sich für Er- höbung der vorgesehenen Gehaltssätze und Kürzung der zur Erreichung des Höchstgehalts bestimmten Zeit aus; ersterer wies insbesondere darauf hin, daß viele Beamte aus Süddeutschland und Preußen anfangs der 70er Jahre von patriotischen Motiven geleitet in ünd^war bis auf Weiteres in eine Zelle des Kranken­hauses verbracht worden. Ihm als Pflegerin zu folgen, hatte man der trostlosen Antonie vorerst nicht erlaubt. -

Ferner erfuhr man die Flucht Morbors und besten Selbstentleibung, sowie durch Schnell, daß der Doktor in Folge der falschen Wechselausstellungen seines Ge­nossen ruinirt sei.

Letzteres wurde allerdings zu spät bekannt, um der ohne Zweifel im Besitze Selma's gebliebenen Summen wieder habhaft zu werden. Da die sofort angestellte Untersuchung keine Beweise einer Mitschuld gegen das Mädchen ergeben hatte, war durch den Justizrath die Erlaubniß zu ihrer Freigabe ertheilt worden. Selma war verschwunden, und trotz aller nachträglichen Fahndungen sah und hörte man nichts mehr von ihr.

Der Oberst hatte unter gerichtlicher Beihilfe den noch vorhandenen Gesammtbesitz des Grafen Salim übernommen und ordnete ihn, ohne daß man über seine weiteren Absichten etwas Näheres erfuhr. Und übet die Person des wahren Sohnes und Erben, dessen Dasein nicht in Abrede gezogen wurde, wußte I man noch weniger etwas.

W Die Kultusdebatten haben am Mittwoch im Abgeordnetenhause sehr ruhig eingesetzt Der einzige Centrumsredner, der am ersten Tage zur Sache" das Wort erhielt, der Abgeordnete Roer en, bekam sogar von Herrn v. Epnern und dem Kultusminister das anerkennende Zeugniß, nut Ruhe und Sachlichkeit die Beschwerden der Katho­liken vorgetragen zu haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach war Herrn v. Epnern dadurch fein Konzept etwas verdorben, denn eine so gemäßigte <nebe, rote er sie in Beantwortung einer Centrumsrede hielt, sind wir gar nicht von ihm gewohnt. Der Abg. Roeren erneuerte vor allem die Klagen des Centrums Über die Imparität auf dem Volksschulgebiete, die er damit in Zusammenhang brachte, daß in der Unter« richtsverwaltung, wie überall, die Katholiken nicht gebührend vertreten sind; weiter führte er Beschwerde über das Ordensgesetz und seine polizeilich-bureau- kratische Handhabung, namentlich gegenüber den Krankenpflegeorden. Anderes streifte er nur ganz kurz.

Der Abg. v. Epnern erkannte selbstverständlich die Beschwerden nicht als gerechtfertigt an und hielt sie bereits für widerlegt durch die vorjährigen De­batten, insbesondere durch die Reden des Kultus­ministers. Wie immer, vermied er es möglichst, sach­lich auf das Vorgetragene einzugehen, sondern be­strebte sich, es mit allerlei Mätzchen und Nebensächlich­keiten abzuschwächen. Was beweist es z. B. gegen die Beschwerden über die unwürdige Behandlung der Krankenpflegeorden oder über den Anspruch der Minister, die Bedürfnißfrage in Ordensangelegen­heiten entscheiden zu wollen, wenn er erzählte, die Benediktiner in Maria-Laach hätten in den letzten Jahren viel Wald angekaust? Daß protestantische Kommunen sich regelmäßig gegen die Uebernahme der Schulen der katholischen Minderheit, selbst wenn sie 100 und mehr Kinder zählten, auf den Gemeindeetat sträuben, während katholische Gemeinden schon für ein halbes Dutzend protestantischer Kinder eigene Schulen einrichten müssen, daß ferner, namentlich im Posen'schen, zahlreiche Schulen nur protestantische Lehrer haben, wiewohl die Mehrheit der Kinder katholisch ist, während umgekehrt für eine Handvoll protestantischer Schüler sofort ein protestantischer Lehrer angestellt werden muß, schien aber selbst Herr v. Epnern nicht ganz paritätisch und tolerant zu sinden. Er gab wenigstens zu, daß die Katholi.en Beschwerden nach dieser Richtung hin haben können und erklärte die Bereitwilligkeit seiner Partei, Ab­hilfe zu schaffen. Ernst gemeint war das kaum, denn im konkreten Falle würden die Freunde des Herrn v. Epnern sich wohl drücken und mit Ausreden Helsen. Wie gerne hätte der „Führer" der National- liberalen den Zahlen des Abg. Roeren andere ent-