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Donnersta , den 29. April 1897 24. Jahrgang
iiIdacrMZkitung
mit Unter!,attmios-Krilage „Sterne und Klnmen". ,
v. v. in seinem »Paradies"
das folgende treffende Urtheil: „Man rst katholifcher- seits viel und fcharf über diesen Menschenkenner her- ' - ff • f <!. CV1..tit QmtnrntlT^YT
Gefallen, weil er i- r , .
d. i. zu Intelligenzen, die Katholiken aber zu einer Art Simpelhuber stempelte. So ganz unrecht hm aber der Mann nicht. Die Katholiken sind nämlich in mancher Gegend von einer beispiellosen Gutmüthlg- keit. Diese ist aber manchmal gleichbedeutend mit
übe^denCharakter des Grafen und auch seinen Verdacht nur theilweise verwischt.
In dem Hause des Doktors selbst herrschte keine besondere Feststimmung. Sallust ging in sichtbarer Aufregung von einem Zimmer in das andere und er- theilte der Aufwärterin Lina sowie deren Tochter Lisette, einem ungefähr zwanzigjährigen Mädchen, feine Befehle, die das Paar mit unverkennbarem Elser
Schrift zu einer ruhigen und maßvollen und eben darum fruchtbaren Auseinandersetzung in unfern Kreisen führe.
* äur Ausführung des Aehreröesotdungsgesetzes ist, wie die ,Preuß. Lehrerz/ erfährt, eine^ wettere Verfügung des Kultusministers erschienen, Jn dieser werden die Regierungen aufgefordert, alle GehaltS- requlirungsvorschläge aus den betreffenden Bezrrken bis zum 15. Mai er. an den Minister gelangen zu lassen. Die Regierungen werden angewiesen, in ihren Bezirken „Theurungsbezirke" -zusammenzustellen und danach namentlich das Grundgehalt möglichst ernhett- lich zu ordnen. Die Verfügung nimmt Bezug auf die Beschlüsse der Gehaltskonferenz in Magdeburg im Jahre 1891, in der die Gehälter nach folgenden Gesichtspunkten abgestuft wurden: 1. für Landgemeinden, 2. für Orte bis zu 2000 Einwohnern, 3. für Städte bis zu 10000 Einwohnern, 4. für Orte, mit mehr als 10 000 Einwohnern. Besonders Gewicht soll auf die Entscheidung darüber gelegt werden, ob das Grundgehalt von 900 auf 1000 Mk. zu erhöhen und wie der Kirchendienst zu vergüten rst. Der Minister macht nochmals darauf aufmerksam, I daß das Grundgehalt von 900 Mk. nur eine Aus-
Deutsches R^ch.
Berlin, 28. April.
Dee falsche Graf.
Kriminalroman von Max Benno.
47j ------- (Nachdruck verboten.)
Es war nur wenige Stunden später, als Severin aus dem Hofe der Löwenwirthschaft, wo er sich ausgestellt hatte, mit wehmüthigem Lächeln nach oem Hause des Doktors Sallust hinüberschaute, vor dem soeben die reiche Karosse des Grafen Seeburg-Salmr anfuhr. Er wußte, welche Festlichkeit dort bevorstand. Er hatte Antonien Tags zuvor noch bei der Bast gesprochen und war von den Verlegenheiten Sallust s in Kenntniß gesetzt worden sowie von dem Entschlüsse des Mädchens, das Opfer ihres Herzens zu bringen, das ihr unter diesen Verhältnissen als eine Pflicht der Dankbarkeit gegen den Onkel erschien.
Severin, der seit der Nachricht von dem Tode Edqar's diese Heimath mit ganz anderen Augen an- fah hatte nicht widersprochen. Gleichwohl fühlte er nun bei dem Anblicke der Vorbereitungen zu dem bedeutungsvollen Schritte sein Gemüth von schmerzlichen Gefühlen durchwogt. Das Bestreben des Grafen, stch von der besten Seite zu zeigen, war auf ihn nicht ohne Einfluß geblieben; es hatte aber doch feine früheren, durch die Andeutungen des Wiesmullers und eigene Beobachtung hervorgerufenen Anschauungen
Al |VU.
Sallust erbleichte. Er ging dem Agenten nach einem abgelegenen Zimmer voraus.
Isidor holte sein Schreibbuch aus der Tasche, dem er ein ganzes Bündel von Wechseln entnahm, die bereits in Umlauf gewesen waren. Er gab dem Doktor ein Verzeichniß über die Beträge, die Wechsel selbst aber steckte er wieder ein. „Haben Sie Deckung für diesen Ungeheuern Betrag?" fragte er.
Sallust hatte das Papier vor die Augen gehalten. Sein Gesicht wurde aschfahl. Große Schweißtropfen erschienen auf feiner Stirne.
Es ist ja unmöglich, unmöglich, preßte er zwischen den bebenden Lippen hervor. Aus einmal blitzten seine Augen wild auf. „Ha, verdammter Wucherer," schrie er und drang auf ^'wor ein. pou steckst auch unter der Decke; das ist schamloser Betrug.
Kreisstadt hatte machen wollen, aber fein rechtzeitiges Erscheinen bestimmt zugesagt hatte.
Da erschien Lina und rief den Hausherrn hinaus. Im Hausflur fand dieser den Geschäftsmann Isidor Schnell, deffen eigenthümlicher Gesichtsausdruck nichts Gutes versprach. . „
Ich muß Sie sprechen, Herr Doktor," flüsterte Schnell, „aber allein. Das ist eine ganz schlimme Geschichte. Ich weiß nicht mehr, was ich dazu
vollzog. .... • «ex sagen soll."
Die Beiden schienen überhaupt die einzig wirklich Sallust Fröhlichen bei dem Feste zu sein. Sie kicherten und lachten beständig mit einander, und man erkannte deutlich, daß gerade für sie mit der bevorstehenden Verlobung eine angenehme Erwartung verknüpft war.
Antonie trug ein einfaches schwarzes Kleid, keinen Schmuck und überhaupt nichts, das auf die Bedeutung des Abends hinwies. Ihre gerötheten Augen ließen erkennen, daß sie geweint hatte.
Als der Bräutigam erschien, duldete sie schweigend dessen Kuß, aber ohne ihn zu erwidern. Auch das Gesicht Salmi's war auffallend bleich, und die unstate Bewegung in seinen Augen trat noch scharfer als gewöhnlich hervor.
Der Tifch war gedeckt, und man wartete nur noch auf Morbor, der einen kleinen Abstecher nach der
und bekunden dadurch ihre Zufriedenheit mit der Be Handlung, der sie sich erfreuen in ihrem Lande. Ein Strohhälmle durch den Mund gezogen von Setten der Regierung macht sie glücklich und vertrauensselig, und doch haben selbst die Sozialdemokraten - von den Protestanten gar nicht zu reden — in Baden zum Beispiel mehr Freiheit als die katholische Kirche. Ein Sozialdemokrat, der als Reiseprediger amtet, braucht nicht nachzuweisen, woher er ist, wie er heißt und wo er studirt hat. Der katholische Ordenspriester aber, der Mission halten will, muß angemeldet werden unter Angaben seiner Personalien und seiner Studien, wohl weil er als gefährlicher gilt, denn der Sozialdemokrat! Wie die Parität gehandhabt wird auf Universitäten und bei höheren Staatsämtern, das alles nehmen die Rundköpfe hin unter „Hnrrah" und „Hoch" auf die Obrigkeit. Die Protestanten wehren sich ihrer Haut, fo gut sie können, und würden sich unter obwaltenden Umständen, d. i. wenn sie die Majorität hätten, nicht so behandeln lasten wie die „Runden", und sie haben und hätten recht.
Wie der Mann sich wehr:, so wird er geehrt". Wer aber zu den Schlägen, die er bekommt, in Treue erstirbt und die Segnungen der Regierung preist, dem gehört von Rechtswegen der Name — „Rundkopf."
A Aus Bayern, 27. April. Nirgendwo in Deutschland hat der Liberalismus auf bem Gebiete der Schule traurigere Früchte gezeitigt, als hier in Bayern. Leider sind auch viele katholische Lehrer, insbesondere von den jüngeren, derart von liberalen Ideen durchdrungen, daß selbst ihre religiösen Anschauungen oft nicht mehr als katholisch gelten können. Diese bedauerliche Thatsache tritt am schroffsten in dem Verhalten der Lehrer gegen die Geistlichkeit zu Tage! Einem Schulmanne aus der Diözese iintDerniaien zuauenueu uuu uuv^.t Bamberg, der sich gemüßigt gesehen hat, in den öffent-
1 I ein Schreiben gerichtet, in welcher die dringende-Bitte lichen Blättern die. geistige Überlegenheit der Lehrer ausgesprochen wird, die Lehrer und Professoren möchten den Geistlichen gegenüber zu „beweisen antworten i I sJ- Lfnnnt mrrrhw. I nun die katholischen Blätter m recht deutlicher Form.
Es wird u. A. darauf hingewiesen, daß „besonders durch den geradezu unheimlich anwachsenden Hochmuth eines großen Theiles der liberalen Lehrerschaft und ihre gewaltige, in Wirklichkeit durchaus nicht begründete Üeberfchätzung der Lehrerleistungen in der Schule, verbunden mit einer durch nichts gerechtfertigten Herabsetzung der Geistlichkeit hinsichtlich ihrer Unterrichts- und Er- ziehungsleistungen der nicht in Abrede zu stellende höchst bedauerliche Riß zwischen der Geistlichkeit und , üvec ».em«,™«...... , einem meßen Tß-il- der L-Hr»,ch°ft ™ *
Protestanten zu Langköpfen, wird und werden muß. Zugegeben, daß eiMlne - - ' Geistliche weniger Geschick und Amtselfer als Katecheten
entwickeln — in keinem Stande sind ja alle gleicher Befähigung und gleichen Eifers, am allerwenigst en in dem stets kritisirenden und doch nachsichtiger Beurtheilung selbst oftmals nur 'N sehr bedürfend en Lehr er stände. Wer unsere Schulverhältnisse etwas näher und nicht bloß aus
E^ch-M.
* Unter dem Titel: „Der Kalh-rizismus als Brin^ip des Fortschritts" behandelt Professor Dr Schell in Würzburg eine schon oft aufgeworfene und in nuferer modernen Zeit ja unausgesetzt brennende Frage. Die Broschüre des Würzburger Apologettters wird nicht ermangeln, hüben und drüben eine lebhafte Erregung der Geister hervorzurufen. Wir unterschreiben es mit freudiger Ueberzeugung, wenn der hervorragende Würzburger Äpologetiker den Katholizismus geradezu als Prinzip des Fortschritts hinstellt. Die Religion Christi als Weltanschauung und als praktisches Religions-Bekenntniß wollte das von Anfang an Jein und ist es tatsächlich gewesen. Die Schrift Schells vertheidigt denn auch mit vielem Geschick diesen sieg- uux> ------------- m
reichen katholischen Gedanken gegenüber den Einwanden e unb feine Norm fein solle. Im Anschluß
und Vorhalten des Protestantismus und des modernen hieran sollen dann Provinzialkonferenzen nach dem Unglaubens. Ebenfo scharf wendet sich der Verfasser 15 berufen werden, in denen die Vorschläge aber in seiner Kritik gegen katholische Kreise. ber Regierungen erörtert werden sollen. Weiter wird Schell findet in vielen Erscheinungen des modernen ^getbeilt, daß von den Regierungen an alle Magi-
katholischen Lebens auf dem Gebiete der Wissenschaft, ftrQte unb Landräthe die Verfügung ergangen ist, des privaten Religions-Kultus, sowie der sozialen ‘ Vorschläge bis zum 5. Mai an die Regierungen Bethcttigung ein nach seiner Ansicht bedenkliches Zu- fon lassen. Die endgültige Regelung wird rücktreten der frischen lebendigen Fortschntts-^dee. bierna($ DOr bem 1. Oktober wohl nicht m vielen
Zu unserrn großen Bedauern verallgemeinert aber Gemeinden zu erwarten sein. .
hier der Verfasser seine Kritik m emer Weise, die x $er deutscher Irauen-Dereme hat unbedingt einer offenen und entschiedenen Widerlegung an bie g^rer, Professoren und Dozenten an den bedarf. Manche Ausstellungen gegenüber wirklichen UniDer«täten Akademien und andern Lehranstalten Mißständen, einseitigen und ungesunden Richtungen | - • ■- .• -' -
im katholischen Leben unterschreibt man recht gerne au™tuU)CU -------------------- -
Der Verfasser übersieht aber oft tn feiner Kritik, daß b it)re Schüler mit den Gefahren bekannt machen,
auf dem Gebiete der Auseinandersetzung mit dem b-e 4nen bevorstehen und die sie später über ihre
modernen Fortschritt auf katholischer Sette bereits ~au unb Nachkommen bringen, wenn sie sich zur
ganz Eminentes geleistet wurde. Das Uebel, das Trunkenheit, Rohheit und Unkeuschheit verleiten lassen .
Schell auf katholifcher Seite beklagt, sitzt nicht io tief * Pfaden, 28. April, lieber die von der wie er anzunehmen scheint. Eine maßvollere, mehr .^alliberalen ,Bad. Landesztg/ aufgestellten Lehren in's einzelne gehende Kritik wurde wett mehr Nutzen ben Rund- und Langköpsen (die Katholiken stiften. Ueber manche hochinteressante Punkte, wie z. B. o^^ bummg Rundköpfe, die Protestanten aber ge- über das Jnteresfe der gebildeten Laienweltfir solle angköpfe fein) schreibt der bekannte Volks- Religion und Kirche, Über das Verhaltmß von Sern - 1 1 J
narien und Universitäten, der theologischen und we - X -
lichen Fakultäten, über „Konservatismus und Fortschritt", hätten wir mehr positive Vorschläge, mehr neue Mittel für neue Zeiten als die etwas stark negativ gehaltenen Kritiken aus so berufenem Munde vernommen.
Auch hat uns frappirt, daß viele bereits praktisch durchgeführte Versuche und katholische Unternehmungen, namentlich in den deutschen katholischen Gegenden,
stillschweigend übergangen wurden, die Schell geradezu l cL |brer Gulmüthigkeit lassen sie sich
als eine Erfüllung ferner berechtigten Wunschehatte ® J \ J noch bei jeder Gelegenheit „Hoch" betrachten musfen. Hoffen wir, daß die geistreiche |
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