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mit Untrchaltnngs-Krillige „Kterne und tilmuen“.

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K Der neue Abschnitt der Parla- ments-Lession

bat unter keinen sehr günstigen Auspizien begonnen. Sowohl im diätenlosen Reichstage wie im wohlbe- zahlren Abgeordnetenhause war die Besetzung außer­ordentlich schwach. Man konnte also in keinem von beiden Parlamenten sich mit der Ausrede Helsen: „Viele von unsern Leuten sind drüben". Auch der Handwerkertag war nicht schuld, denn die Abgeordneten, die durch ihn serngehalten wurden, hätten es nicht viel voller gemacht.

Im Reichstage wird man für den ganzen Rest der Session mit einem schwachen Besuche rechnen müssen und sroh sein, wenn man einigermaßen bis Pfingsten fortarbeiten kann, ohne durch Beschlußun­fähigkeit allzu oft gestört zu werden. Daß die Session -sich ü b e r P f i n gst e n hinaus ziehen werde, halt niemand sür möglich. Es läßt sich bis dahin indeß das wichtigste Arbeitsmaterial wohl erledigen. Die Reform des Alters- und Jnvaliditätsgesetzes wird natürlich liegen bleiben. Das Einfachste wäre, die Vorlage noch gar nicht an eine Kommission zu ver­weisen, sondern sie mit der ersten Lesung abgethan sein zu lassen. Denn einmal wird sie doch auf sehr starken Widerstand stoßen und zweitens kann keine Kommission sie noch in dieser Session durchberathen.

Schwierig wird der Sessionsschluß vor Pfingsten, wenn wirklich die langerwartete Militärstrafpro­zeßreform noch eintreffen sollte. Ein Berichterstatter will wissen, sie habe nunmehr das Plenum des Sun- -desraths verlassen und werde „aus alle Fälle demnächst" dem Reichstage zugehen. Vor einigen Tagen wußte derselbe Berichterstatter schon zu melden, sie werde im Reichstage sehr glatt erledigt werden, denn sie werde zu erheblichen Beanstandungen keinen Anlaß 'bieten. Das würde man doch erst abwarten müssen. Sehr wahrscheinlich sieht es nicht aus, denn in Bezug auf die Oeffentlichkeit des Verfahrens und überhaupt auf das, was den „modernen Rechtsanschauungen" -entspricht, "dürfte der Reichstag bedeutend anders denken, als die militärischen Väter der Reform. Gibt es aber wichtige streitige Punkte, so zweifeln wir an der Verabschiedung in dieser Session, so rasch auch

B. eine unter dem Vorsitze des Abg. Dr. Spahn tagende Kommission zu arbeiten vermag. Nachtrags- -etat, Beamtenaufbesserung, Handwerkeroorlage und einiges andere bis Pfingsten zu erledigen ist dagegen wohl möglich, vorausgesetzt, daß nicht fortgesetzt durch Anzweiflung der Beschlußfähigkeit die Berathungen des Plenums gestört werden. In den nächsten Wochen

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

46] ------ (Nachdruck verboten.)

Ein hochgewachsener älterer Herr, dem der linke Arm fehlte und dem man an seiner ganzen Haltung, obgleich er Civilkleider trug, den Soldaten ansah, chatte mit einem jüngeren Begleiter den Gepäckraum betreten und eine Zeit lang auf die wüthenden Aus­lassungen Malang's gehört. Der Ausdruck einer un­verkennbaren Ueberraschung erschien auf seinem Ge­sichte. Er warf dem Nachbar einen Blick zu. „Da hat uns ja, Herr Justizrath," — flüsterte der Oberst Salnii, denn diesen haben wir vor uns! — „der Zu­fall, wie es scheint, ganz unvermuthet einen wichtigen Zeugen in die Hände geführt. Aus seinen Reden geht hervor, daß er in den ganzen Schurkenstreich einge- weiht ist. „Ich denke," fügte er mit leisem Vorwurf hinzu, „daß nunmehr Ihre letzten Bedenken verschwin­den und einem energischen Eingreisen kein Hinderniß mehr im Wege steht."

Der Justizrath lächelte. „Bedenken und Vorsicht sind zweierlei, Herr Oberst," entgegnete er. „Eine Ueberstürzung hat sich schon oft bitter gerächt. Gerade meine eingehende Prüfung der Beweismittel, in Folge deren wir den Zug verfehlten, dürfte dazu beitragen, -daß der Prozeß eine wesentliche Kürzung erfährt. Ich

wird ohne Zweifel über diesen Reichstag ganz be­sonders kräftig hergezogen werden, weil er fo schlecht besucht sei. Wie bisher wird man aber den Tadlern entgegenhalten können: „Sorgt nur erst, daß euere eigenen Parteien besser vertreten sind"; auch heute wieder waren die Bänke der Kartellparteien am leersten.

Im Abgeordnetenhause beginnt morgen die zweite Berathung des Knltusetats. Namens des Een- trums wird der Abg. Roeren mit einer längeren Rede beginnen, welche die diesmaligen Hauptbeschwerden und Wünsche darlegt. An Stoff fetjlt. es ja nicht. Die Debatten haben in früheren Jahren regelmäßig 14 Tage, manchmal auch länger gedauert. „Wegen der vorgerückten Zeit" hofft man es diesmal etwas kürzer machen zil können, aber niemand kann im vor­aus berechnen, wie die Debatten lausen. Jedenfalls aber denkt das Centrum nicht daran, aus Rücksicht auf die Zeit irgendwie seine Beschwerden unvorgebracht zu lassen. Seine Schuld ist es doch nicht, wenn die Etatsberathung sich bis dahin verschleppt hat. Die ,Post' möchte ihm wirklich zumuthen, wegen der „zwingenden Geschäftslage" möglichst wenig zu sagen. Wenn sie meint, es spinne die Verhandlungen nur wegen seiner „Partei und Wahlzwecke" aus, so fragen wir, weshalb denn vielleicht die Herren auf der Rechten die Verhandlungen mit allen möglichen, wenig zur Sache, ost gar nicht einmal in das Abgeordnetenhaus gehörenden Dingen hinausgeschleppt haben.

Gegen den von der ,Post' den anderen Parteien ertbeilten Rath, die Debatten dadurch abzukürzen, daß sie sich in der Entgegnung auf die Centrumsreden und sonst auf das knappste fassen,, haben wir nichts einzuwenden. Es liegt das auch im Interesse dieser Parteien, denn zu widerlegen mögen sie die Beschwerden des Centrums doch nicht. Leider ist der Abg. Frhr. v. Heereman durch Krankhett verhindert, sich an den Kultusdebatten zu betheiligen. Im vorigen Jahre mußte er die ganze Zeit über an Stelle des erkrankten Herrn v. Köller das Präsidium führen und konnte so ebenfalls nicht in die Verhandlungen eingreifen.

Wiewohl die Etatsberathung noch so weit zurück ist, wird es doch ganz vorzüglicher Verschleppungskünste bedürfen, die Session bis über Pfingsten zu bringen. Man redet viel von der kommenden Sekundär bah n- vorlage. Derartige Vorlagen aber werden Jahr für Jahr unverändert angenommen; sie wäre also im Handumdrehen zu erledigen, wenn dazu nicht die tausend zwecklosen Reden nebenher gehalten würden, die immer nur von dem handeln, was nicht in der Vorlage steht. Leichter würde die Hinausbugsirung der Session über Pfingsten fein, wenn das Vereins­gesetz noch kommt. Selbst wenn es ziemlich harm­los wäre, würde die Verfassungsänderung mit der nach 21 Tagen zu wiederholenden Abstimmung einen starken Zeitverbrauch garantiren. Aber von diesem Gesetze gilt noch immer: „Nichts Gewisses weiß man nicht."

■■■»■■■■■BamHeqeroHHeeHBMaeHMHeealeeeM«« kenne diesen Mann. Er war früher einmal Schreiber bei mir und ich bin überzeugt, daß er mir das, was er von der Sache weiß, in seinem jetzigen Zustande ohne Widerrede zu Protokoll geben wird."

Er rief seinen Gehilfen herbei, der mit einer Mappe unter dem Arm über den Bahnsteig auf und ab ging. Einige Minuten später saß er neben dem Lager des Sekretärs Malang und diktirte dessen unumwundenes Geständniß dem Protokollführer in die Feder.

Nach fast einstündiger Dauer suchte der Justizrath Hofer den Obersten auf, der indessen mit wachsender Ungeduld die Vorhalle des Bahnhofes durchschritt.

„Es stimmt Alles genau," erklärte er. „Malang hat Ihre Vermuthungen fast wörtlich bestätigt, ob­gleich er nicht weiß, wer der rechtmäßige Sohn ist. Er gestand mir auch, welche Mittel er anwandte, um in den Besitz des Geheimnisses zu kommen. Dieser Sekretär ist ein geriebener Bursche, der aber der Ge­sellschaft schwerlich mehr schaden wird. Es geht zu Ende mit ihm. Nur die Leidenschaft hielt seine Lebens­geister noch wach. 9lun ist der Rückschlag erfolgt und ich bezweifele, daß er morgen noch lebt. Er scheint dies selbst zu fühlen; denn er nahm eine anfangs vorgebrachte Anklage, welche die beiden Fälfcker und Betrüger vielleicht auf's Schaffst gebracht hätte, am Schluffe seiner Angaben als nach seiner eigenen Ueber- zeugung unrichtig zurück. Ich muß sofort den Tele-

D rutsch es Deich.

Berlin, 27. April.

* Der Kaiser ist heute Vormittag in Karlsruhe eingetroffen und am Bahnhof vom Großherzog em­pfangen worden. Die Begrüßung war herzlich, beide Fürsten umarmten sich wiederholt. Sodann wurde die Fahrt nach dem Schlöffe angetreten. Nachmittags fetzte der Kaiser die Fahrt nach Schwetzingen fort.

X „Daterkarrdskos" soll bekanntlich nach einer Meldung^der ,Deutschen Warte' der Kaiser in einer Depesche an den Prinzen Heinrich über die Vertretung Deutschlands beim Regierungsjubiläum der Königin von England die Reichstagsabgeordneten genannt haben, „welche die Anschaffung der nothwendigsten Kriegs­schiffe zu Hintertreiben wissen". Die Sache kam heute auch im Reichstage zur Erwähnung, ohne daß von den Bundesrathsvertretern jemand daraus einging. In den Zeitungen ist ein Dementi gefordert worden, auch die ,Nat.-Ztg,' „erwartet" ein., solches. Nach unserer Ueberzeugung wird man — offen gestanden — vergebens warten. Wenn es etwas zu dementiren gäbe, wäre es schon geschehen. Ueberdies sprechen innere Gründe sür die Echtheit der Meldung. Daß die deutsche Preßfreiheit eine freimüthige Antwort nicht gestattet, bedauern wir keineswegs. Das Wort wird ohnedies seine Wirkung nicht verfehlen. Die,Post' fucht, ohne das scharfe Wort zu erwähnen, seine Be­rechtigung nachzuweisen; weil der Reichstag nicht ge­nug Mittel zur Erneuerung des Flottenmaterials be­willige, müßten wir einen „alten Kasten" wie „Kaiser- Wilhelm" schicken, um das Reich in England zu re- präsentiren. Die „nichtswürdige" Reichstagsmehrheit wird sür die Auseinandersetzungen der,Post' nur ein Lächeln haben. Möge man sich doch vom Volke eine Mehrheit geben lassen, die bewilligungs- lustiger ist.

fx Der Staatsminister Dr. v. Bötticher hat kurz vor Erscheinen des Handwerkerorganisationsent- wurss mit einigen Abgeordneten des Kandwerks eine längere Sitzung abgehalten. Unter Anderen war Landtagsabgeordneter Baumeister Felisch und Reichs­tagsabgeordneter Tischlermeister Euler-Bensburg ge­laden. Außer Dr. v. Bötticher waren von feiten der Regierung der Handelsminister Brefeld, der Geheime Ober-Reg.-Rath Wilhelmi u. A. anwesend, sodaß die Konferenz im Ganzen aus zehn Personen bestand. Neber die Berathuügen selbst wird, da sie streng ver­traulich waren, durchaus Stillschweigen beobachtete

Der deutsche Immngs- und assgememe Kandweriiertag hat heute seine Berathung über die Handwerkervorlage begonnen. Derselben liegt eine von der gestrigen Konferenz der Handwerker-Dele- girten einstimmig gefaßte neue Resolution zu Grunde: s,Der Entwurf eines Gesetzes, betr. die Abänderung der Gewerbeordnung, de Cato 15. März 1897, ist nur annehmbar, wenn 1. eine einheitliche Organi-

graphen spielen lassen, denn einer der sauberen Vögel hat sich vorhin mit dem Schnellzuge in Begleitung seiner Geliebten aus dem Staube gemacht. Er wird nicht weit kommen. Malang hat mir über das Aus­sehen des Pärchens, das er seit gestern Nacht wie ein Bluthund auf Schritt und Tritt verfolgte, genaue Auskunft gegeben. Auf der nächsten Hauptstation wird er dingfest gemacht Ich muß leider Ihre Geduld, Herr Oberst, noch länger in Anspruch nehmen, da ich den Erfolg meiner Depesche abwarten will. Ist Alles in Ordnung, dann brechen wir nach Rodenbach auf, wo wir gerade recht eintreffen werden. Denn, wie Malang mir sagte, die Verlobung des falschen Grafen ist» auf den heutigen Abend anberaumt. So wie die Sachen jetzt liegen, wickelt sich voraussichtlich Alles ohne besondere Weitschweifigkeit ab."

Er stürmte dem innern Bahnbofe zu und überließ es dem Obersten, sich über die Zeit hinwegzuhelfen, während welcher er abermals abwesend war.

Salmi stellte sich unter einen der hohen monumen­tallen Vorhallebogen und schaute in das Getriebe hinein, das vor seinen Augen sich entfaltete. Fuhr- w erke kreuzten sich von allen Seiten und von Zeit zu Z eit ertönte das Warnungssignal eines Straßenbabn- w ogens, der in raschem Laufe über die Schienen hin- glittt

Auch hier wurde man, obgleich von dem Kriegs-