Dienstag, den 27. April 1897.
24. Jahrgang
mit Wntechttltungs-Keilage „Sterne und KLumen".
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Kulturkampf im Lexikon.
An Wörterbüchern, großen und kleinen, ist heute kein Mangel. In ununterbrochener Reihenfolge jagt eins das andere und jedes tritt mit der Meinung auf den Plan, etwas 9leue§ dem Publikum zu bieten. So hat auch der bekannte Sprachforscher Daniel Sanders, von dem wir ja schon mehrere derartige Bücher haben, abermals ein Werkchen erscheinen lassen, das soeben in den Buchhändlerläden zum Kaufe einladet. Da der Name des Verfasfers in weiten Kreisen einen guten Klang hat, so dürften sich daraufhin so manche verleiten lassen, sich dieses neueste Opus von Sanders anzuschaffen, zumal es nur drei Mark kostet. Auch uns erging es so. Wir haben sogleich das Buch einer eingehenden Durchsicht unterzogen und müssen nun gestehen, von dem Inhalte desselben keineswegs befriedigt worden zu sein. Und zwar nach Zwei Seiten: Was es sachlich bietet, ist mehr als dürftig; der Tendenz nach fodann ist es absolut verwerflich; es steht auf durchaus liberalem, katholikenfeindlichem Standpunkte und zeigt wiederum die geradezu haarsträubende Unwissenheit von Männern, die sonst als Leuchten der Wissenschaft gelten, inbeZug auf katholische Dinge. Und dennoch thun solche „Leuchten" nichts lieber, als über Katholizismus und Religion verächtlich und anmaßend zugleich den Stab zu brechen. Schämen sollten sie sich lieber, daß sie so verkehrtes, dummes Zeug über Sachen sprechen, von denen sie nichts verstehen, und wo sie es nicht j einmal der Mühe werth gehalten haben, sie auch nur ganz oberflächlich zu studiren. Aber wo es sich um Katholisches handelt, hört bei ihnen alle Vernunft und Ueberlegnng auf und einzig das Gefühl der Gehässigkeit, eine versteckte Verleumdungs- und Schmähsucht tritt an deren Stelle.
Bringen wir zum Beweise unserer Aussagen einige Proben! Unter „Beicht" spricht der Verfasser von dem „Beichtgeld", der „Gabe des Beichtenden an den Beichtvater". Was denkt sich hierbei ein Nichtkatholik? Wahrscheinlich Aehnliches, als wenn er unter „Tetzel" liest: „Ablaßkrämer". Unter „Messe" steht: „Inder katholischen Kirche das Gebet vor dem Altäre, bei der Abendmahlsfeier, wie die priesterliche Handlung, |
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Serini schtes.
* lieber allerhand Alode-Marrheiteu plaudert jemand im .Neuen Wiener Tgbl.' Pa heißt esu. a.: Wenn vom Erhabenen bis zum Lächerlichen nur ein Schritt ist, daun liegt zwischen weiblichem Chie und weiblicher Geschmacklosigkeit nur eine kaum bemerkbare Linie, an der Konflikte schwerer zu vermeiden sind, als heutzutage an der griechisch-türkischen Grenze. Rothe und lila Taschentücher? Gut, müssen aber die Taschentücher achteckig fein? Und ist es geschmackvoll, mittels einer winzigen goldenen Sicherheitsnadel ein Riechkissen („Sachet") daran zu hängen oder gar dieses Anhängsel in ein winziges, am Taschen- tuch angebrachtes Täschchen zu stecken? Eine Tasche am Taschentuch! Wer hat da noch ein nachsichtiges Lächeln? Es wäre gar nicht zu verwundern, wenn ein solches Tüchlein — größenwahnsinnig würde. Daß es nicht mehr in der Tasche, sondern im Unken Aermel getragen wird, sieht beinahe vernünftig aus. Das Taschentuch ist auch der „saisongemäße" Platz für Autogramme oder für Zeichnungen bekannter Maler. Wer weißvielleicht kommen unsere Rafaels und Rubens in solchen Taschentücher-Meisterwerken auf die Nachwelt und man liest m den Galerie-Katalogen der Zukunft bei solchen Bildern den ungewohnten Vermerk: „In der Wäsche stark mitgenommen" ... Auf diesem zum mindesten strittigen Grenzgebiete zwischen Chie und Geschmacklosigkeit seien noch erwähnt: Radieschen als Hut-Aufputz. Veilchen sind aus diesem Platze nichts neues mehr und verlangen eben Ersatz. Weiter: Ein Derbyschirm, zu dem 1000, sage und schreibe: tausend Meter Bändchen verwendet worden sind. Der Schirm verdankt sein Entstehen einer in unfern Mauern weilenden fremdländischen Modedame. Außen von ganz bescheidenem Ansehen, läßt dieser mrt einem kostbaren Emailknops aus der Zeit Maria Antoinette's gezierte Schirm beim Ausspannen viele tausende kleiner, dicht aneinandergereihter Schlupfen aus vielfarbigen Nullerhänd- chen erblicken; man stelle sich die mühsame Herstellung dieses Sonnenschützers vor, da die Schlupfen mit mathematischer Genauigkeit bemessen sind nnd ferner regelrecht abgestumpfte Cascaden bilden. Die „Gigerlkönigin" trug im Schuh ihr Monogramm; die Modedame von heute bringt die Wäschemarke an ihren — Ohren an. Die Mode schreibt nämlich Heuer für jedes Ohr einen anderen Ohrring vor, und am allermodernsten sind zu diesem Zwecke aus Gold-Draht gewundene, womöglich im japanischen Stile gehaltene Anfangsbuchstaben des Namens: man wählt für das linke Ohr denjenigen des Taufnamens, für das rechte den des Familiennamens. In diese verkehrte Welt gehört auch die Thatsache, daß die Damen jetzt kurze Socken und die Herren lange Strümpfe tragen. Kein Scherz; die etwa um 10 Zentimeter den Stiefelrand überragenden Damensocken werden mit runden, die über's Knie reichenden Herrenstrümpfe mit langen Gummihaltern befestigt! . . .
Literarisches.
Dekkamatiousvuch. Eine Sammlung von Gedichten ernsten und heiteren Inhalts für Gesellen- und andere Vereine, herausgegeben von Johann Peter Prostttlich, kgl. Seminar- Oberlehrer. 4. Auflage. Preis gebunden in Leinwand Mk. 1. Paulinus-Druckerei, Trier.
Dieses handliche Büchlein enthält eine Anzahl recht passender und zum Vortrag geeigneter Gedichte ernsten und launigen Inhalts, unter denen auch verschiedene Mundarten vertreten sind. Die vierte Auflage ist noch durch einen Anhang vaterländischer Gedichte vermehrt worden. Besonders den katholischen Gesellenvereinen und deren Mitgliedern können wir das wohlfeile Werkchen auf's Wärmste empfehlen und bemerken wir noch, daß dasselbe dem Herrn Generalpräses Schäffer vom Verfasser gewidmet ist, und dieser einige wohlwollende Worte als Empfehlung zugefügt hat.
wodurch Brod und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt wird." Nach Form und Inhalt in der That klassische Erklärung! Unter „firmen" ist zu lesen: „Bei den Katholiken unter Handauflegung mit dem Chrisam salbend einsegnen, wobei der Firmling unter Beistand eines Firmpathen einen Firmnamen empfängt". Wirklich einzig! Unter „Jesus" schreibt Sanders: „Stifter des Christenthums"; fertig. Dagegen bei Confutse: „Ausgezeichneter (!) chin. Religionsstifter und Sittenlehrer."
Die katholischen Größen werden in möglichst nichtssagender und beleidigender Weise (meist durch Prädikat „ultramontan") abgesertigt. „Ketteler" zum Beispiel: „Ultramontaner Geistlicher, 50. Bischof von Mainz, 71 bis 73 im Reichstag, Seele des Widerstandes gegen die Maigesetze." Diese erklärt er als „Kampf um dis-Herrschaft zwischen Staat und Kirche (Ultramontanismus) in Preußen 1872 — 87." Benedikt MV.: „Freund der Wissenschaft und Kunst; duldsam." Die anderen Päpste demnach das Gegentbeil! Weil Gfrörer dem Eroberer Gustav Adolph die Maske vom Gesichte gerissen, wird er charakterisirt: „dem Ultramontanismus zuneigender Geschichtsschreiber". Weiter „Der dreißigjährige Krieg von 1618—48 in Deutschland zwischen Protestanten und Katholiken". Daraufhin könnte man von Sanders selbst sagen: „In der alten Schule stehender Geschichtsschreiber."
Weit besser geht es den Nichtkatholiken. Freimaurer: „Bund zu Humanitären Zwecken". Warum wird hier nicht von einem „Treiben" geredet, wie bei den Jesuiten? Goethe: „Der größte deutsche Dichter, Freund Schillers; auch als Staatsmann, Naturwissenschaften 2C." Statt „Freund" sollte doch als^ historisch erhärtet mindestens UtvAle stehen; an Stelle des „Staatsmannes": Mehr'ein Freund der Weiber als der Männer^ ^„Naturwissenschaften": Optische und sonstige Spielereien.
Das Buch enthält äußerdem viele sächliche Unrichtigkeiten (Geographie rc.). Es ist eben schwer für einen Mann, in allen Spalten des Wissens unterrichtet zu sein.
Ceterum censeo: Katholiken, haltet den Geldbeutel zu!
* Knöpfe ttttb Aiffardliugekn ans Kartoffeln soll das Neueste fein, was der Industrie mit Hilft der Zauberin Chemie herzustellen gelungen ist. Durch Behandlung mit bestimmten Sauren erhalten die Kartoffeln eine solche Härte daß ste rote Horn, Knochen oder Elfenbein behandelt werden können und sich vorzüglich zur Knopf- und Billiardkugel- ftbrtkation eignen. Da sie auch das täuschende Aussehen von Elfenbein bekommen, tm übrigen ihnen mit Leichtigkeit jeder beliebige Farbenton beigebracht werden kann, so daß selbst Kenner dieses künstliche Elfenbein vom echten fast gar nicht zu unterscheiden vermögen, so dürfte diese neueste Ber- wendung der Kartoffel bald große Verbreitung finden, zumal der Billigkeit des Materials wegen. - Hoffentlich handelt es sich bei dieser Notiz nicht um einen verspäteten Aprilscherz. Im Interesse der armen Elephanten in Afrika wäre die Erfindung des Kartoffel-Elfenbeins zu wünschen.
, ,, * Die Gutdeckuug des „Liebes Aaziffus". Ein scherzhafter Berichterstatter, dem der Frühling die Phantasie er- erroärmt hat, meldet folgende „Entdeckung von weittragender Bedeutung" — natürlich aus Amerika: Einem Arzte in Chicago ist es gelungen, den Liebesbazillus zu entdecken, und er hat bereits einer Anzahl Personen denselben eingeimpft. Die Impfung war in allen Fällen von außerordentlichem Erfolge begleitet. Ein fünfzigjähriger Junggeselle ließ sich noch am selben Tage ein neues Gebiß machen, bestellte sich emen Hellen Anzug und kaufte sich eine Guitarre. Ein alt' liches Mädchen von 39 Jahren öffnete ihre Sparbüchse mit einem Stemmeisen, nahm 100 Dollars heraus und legte sie in „E&u di LysJ, einer neuen Garnitur goldblonder Stirnhaare und in einem jungen Gesanglehrer an, den sie auf ein Jahr engagirte. Etwas anders gestaltete sich die Wirkung bei pingen Leuten. Ein 17 jähriger Kaufmannslehrling füllte em Pfund Syrup statt in die Blechkanne in eine) Papierdüte und fetzte sich felbst in einen Korb frisch gelegter Eier statt aus den nebenstehenden Stuhl. Ein junger Photograph küßte nach der Aufnahme eines jungen Mädchens das unter dem Ersten Aufguß feiner Chemikalien eben hervortretende Bild desselben, wobei er sich beinahe vergiftet hätte. Die Polizeibehörde von Chicago wurde aus die Sache aufmerksam und /wollte weitere Impfungen untersagen; indeß der Doktor hatte bereits am Abend vorher Chicago bei Nacht und Nebel verlassen.
* Kam frei. Ein wider Willen zum Geschworenendienst etnberufener Mann kam athemlos in's Gerichtszimmer gestürzt und rief: „O, Herr Richter, entschuldigen Sie mich. Ich weiß nicht, wer zuerst stirbt, meine Frau oder meine Tochter!" — »Ja", sagte der Richter, „das ist ja traurig; Sie sind natürlich vom Geschworenendienst entschuldigt." Der Mann bedankte sich und ging. Am nächsten Tag begegnete ihm ein Bekannter, der ihn theilnehmend fragt: „Wie geht es Ihrer Frau?" — „Gut! danke!" - „Und Ihrer Tochter?" —„Ihr geht's auch gut. Warum fragen Sie denn?" - „Aber Sie sagten doch gestern, daß Sie nicht wüßten, wer von den Beiden zuerst stirbt." — „Das weiß ich auch jetzt noch nicht. Die Entscheidung dieser Frage ruht in der Zukunft Schooß."
* Richt seine Schuld. Er war Kirchenältester, und so glaubte er ein Recht zum Kritistren zu haben. So wandte er sich an den Prediger mit den Worten: „Sie werden mir es nicht übel nehmen, wenn ich Ihnen sage, daß Ihre Predigten zu — —" — „Zu prosaisch sind, meinen Sie?" unterbrach ihn der Prediger. — „Das nicht, nein! Aber sie sind zu lang " — „Dafür bin ich nicht zu tadeln," erwiderte lächelnd der Prediger. „Wenn die Gemeindemitglieder nicht so unwissend wären, so brauchte ich ihnen nicht so viel zu sagen."
,;Kiuaus itt’s Dreie!" so ruft und jubelt jetzt die Welt der Kleinen und die vielen herrlichen Spiele geben den Zeichnern des entzückenden Spezialblattes „Kindergarderobe" willkommene Gelegenheit, ihre Kunst an Genrebildern aus dem Kinderleben zu erproben, in welchen vorzüglich auch die neuften Kindermoden auf's Beste zur Geltung kommen Uederaus zahlreiche Illustrationen mit ausführlicher Beschreibung füllen die Seiten des Hauptblattes, während die Beilagen „Für die Jugend" und „Im Reiche der Kinder" lllustrirte Märchen, eine Laubsägearbeit, Räthselecke mit Preis-Räthsel u. a. zu Herzblättchens Zeitvertreib liefern. Zu allen Modenbildern giebt der Verlag für nur 35 Pfg. (Porti etc.) in Briefmarken genau passende Schnitte nach Körpermaß ab, wohl die schnellste und billigste Herstellung aller Arten von Kindermoden! Der große,doppelseitigeSchnitt- bogen (zu jeder Nummer) hilft zur Selbstanfertigung derselben, elbst aus den abgelegten Sachen der Erwachsenen. Gratis- Probenummern der „Kindergarderobe" liefert der Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35, und alle Buchhändler. Abonnements (zu 60 Pf. vierteljährlich) bei beiden und bei der Post,