24. Jahrgang
Kamstag den 24. April 1897
Ausland.
Die Re-
Stadt und Land) und des 22. (Zwickau), die U Sinne ihrer Auftraggeber unter Führung Schonlank s aeqen eine Wahlbetheiligung waren, enthielten sich der Abstimmung. Ihr Verhalten wurde rn der langen, stellenweise recht lebhaften Debatte als Bruch der Parteidisziplin bezeichnet, ein Tadelsvotum jedoch zurückgezogen. Ein Kompromiß mit dem Freisinn wurde ausdrücklich abgelehnt.
* Der Handelsminister hat die Handelskammern und sonstigen wirthschaftlichen Korporationen zur Abgabe von Gutachten über das Iärven von Wurst- waaren aufgefordert.
Lage gewesen, Stellung zu nehmen: die ,Berl. Pol. Nachr/ hätten höchstens schreiben können, ein Geheimrath glaube, daß die Regierung sich gegen den Beschluß erklärt! werde. Vielleicht behält aber dieser Geheunrath recht. Die Deutsche Tagesztg.' steht auf dem Standpunkt: Alles oder nichts; aber die Mehrheit des Reichstags ist anderer Meinung und glaubt, die Vorlage nicht scheitern lassen zu dürfen. .
* Der Reichstag hat bei Berathung des Borsen-
Deutsches
Berlin, 23. April.
* Der Lraiser ist am Donnerstag Abend von Wien nach Dresden abgereist, wo er am Freitag Vormittag 10 Uhr eintraf. Zu ferner Begrüßung war der König von Sachsen auf bent Bahnhof erschienen. Gegen Mittag traf, von Berlin kommend, auch die Kaiserin ein. .
* her gemeldeten Derkoöimg des Kerzog.» Ernst' Günther zu Schleswig-Holstein, Bruders der Kaiserin, mit der Prinzessin Maria Dorothea von Koburq-Kohary bemerkt die Magdeburger Zeitung: Durch Heirathen mit katholischen Prinzessinnen sind in den letzten Jahrzehnten mehrfach katholische Zweige in evangelische Fürstenfamilien gekommen Wir erinnern an den Herzog Paul von Mecklenburg- Schwerin, der selbst zum Katholizismus übertrat, an den Erbgroßherzog von Luxemburg, der feine Kinder katholisch erziehen läßt an den Pnnzen Waldemar von Dänemark, dessen sachter wenigstens katholisch werden, an die jüngste Lime des württembergischen Hauses, die langst katholisch ist und nach dem Tode des jetzigen Königs voraussichtlich auf den Thron gelangen wird Rach diesen 11 1 •......X AM Snfc nitrh
* Ä»aris, 23. April. Vor der griechischen Gesandtschaft herrschte heute eine gewisse Erre- aunq. Etwa 50 Personen hatten sich vor derselben einaefunden und verlangten nach Griechenland abzu- aehen. Da der Gesandte indessen keinen bezüglichen Befehl erhalten hatte, so konnte er auch keine Freiwilligen nach Griechenland senden. In einer dem Gesandten aus Athen zugegangenen Depesche wird erklärt, daß kein türkischer Unterthan aus Griechenland ausgewiesen werden würde, solange sein Verhalten keinen Anlaß zu Klagen gebe.
* London, 23. April. In politischen Kreisen herrscht allgemein die Ansicht, daß Griechenland, auch wenn es von der Türkei besiegt werden sollte eine Grenzerweiterung erfahren dürfte. In der Preße tritt die Befürchtung zu Tage, daß em eventueller Sieg der Griechen einen Zusammenbruch des turtt= sch en Reiches zur Folge haben und möglicherweise zu einem europäischen Kriege führen konnte.
* London, 23. April. Rach kurzer Unterbrechung hat man die Arbeiten am Bau der neuen katholischen Erz-Kathedrale von Westminster (London) wieder ausgenommen. Nicht weniger als zweiundvierzig an- /gesehene Katholiken haben je 1000 Pfund Sterl. (= 20 000 Mark) gespendet. Die Hauptkosten verursachte der höchst theure Baugrund. Mit der Fun- damentirung ist man bereits fertig, und das gewaltige Gebäude steigt schon aus dem Boden auf. — Zur bevorstehenden tausendjährigen Jubelfeier der Ankunft St. Augustins in England erließ der Bischof zu Leeds ein Ausschreiben mit einem interessanten Vergleich zwischen dem England von damals und heute. „Bei seiner Landung tras St. Augustrn ein in der Nacht des Jrrthums befangenes, aber nach Wahrheit dürstendes Volk an; heutzutage trifft der katholische Glaubensbote ein Volk an, das dem GAde seine Verehrung zollt und bei tausend protestantischen Sekten sich Raths erholt." Seit 30 Jahren hat Eng- chnd einen weiten Weg zurückgelegt. Im Jahre 1850 wurde die katholische Hierarchie wieder hergestellt. Damals gab es nur 813 Priester und 11 Klöster. Heute zählt man 2686 Priester und 200 Kloster. Dazu kommen noch die Schulen, Bewahranstalten, Gymnasien und Erziehungsanstalten
* 7»rom, 23. April. Heber das schon telegraphisch gemeldete Attentat liegt folgender amtliche Bericht vor: Als der König sich mit seinem Adjutanten zwei Kilometer vor dem Thore San Grovanm befand, sprang der 24jährige, seit zwei Tagen arbeitslose Schmiedearbeiter Acciarito auf den Wagen des Königs zu und führte einen Dolchstoß nach dem König. Der König vermied den Stoß, indem er sich bewundernswürdig kaltblütig aufrichtete, und fuhr nach dem Rennplätze weiter. Der Verbrecher warf nach dem Stoße den Dolch fort. Zwei Carabinieri und ein Polizeiinspektor nahmen den Verbrecher fest und verbrachten ihn in das Hauptpolizeibureau wo ihn der Quästor verhörte. Der Verbrecher ist aus Artena und erscheint als ein exaltirter Men ch. Er erklärte, keine Mitschuldigen zu haben Auf dem Rennplätze wurde alsbald die Attentatskunde verbreitet. Die Menge brachte eine imposante Freudenkundgebung dar. Die Diplomaten und Notabeln beglückwünschten an der Tribüne den König. Das Königspaar verweilte bis zum Schlüsse des Derbyrennens und traf um 6’/< Uhr auf dem Quirmalplatze em, gefolgt von einer endlosen Wagenreihe. Eine ungeheure Menge strömte zusammen und brachte ihre Huldigung dar. Die Schloßgarde mußte mehrmals die Konlgshymne spielen ’ Das Königspaar war tiefbewegt und erschien
Bundesraths ist eine nochmalige Erörterung der Angelegenheit durch beteiligte Handelskorperschaften beabsichtigt. Der Handelsmimster hat infolgedessen die in Frage kommenden Handelskammern zur Meinungsäußerung aufgefordert.
s. Auf der am Donnerstag in Chemnitz abgehaltenen Landesversammlung der sächsischen Sozialdemokraten wurde bezüglich der Wahlen zur zweiten sächsischen Kammer mit großer Mehrheit (aeaen 5 Stimmen) beschlossen, . eigene Wahl mann er und Abgeordnetenkandidaten aufzustellen. Die Vele- girten des 12. und 13. sächsischen Wahlkreises (Leipzig
mit Unterhaltrrngs-Kettage „Sterne und KLurrren".
- 77 7 «»ftpfiaflb in Hulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
eintreten und hierdurch für Diele bas tiefere Interesse an ber Sache verloren gehen würde, steht außer Zweifel. Das aber wäre schlimm. Ein abgeschwächter Besuch würde einen Rückgang bedeuten, oder doch vielfach al» solcher aufgefaßt werden und rückwirkend auf künftige Versammlungen bleiben. Entweder hat sich der Katholikentag auf der Höhe der bisherigen Versammlungen zu halten oder aber er schadet mehr, als in Zähren gut zu machen ist. Wir wollen damit keineswegs von einem Wallfahrtszuge nach Freiburg abhalten; allem die Klugheit legt die Verpflichtung auf, ihn nicht neben, d. h. in der Zeit der Katholikenversammlung, sondern als Ausfluß derselben zu veranstalten. Wir empfehlen daher im Interesse der Sache drlngendst, diesen Zug nach beendetem Katholikentage m Landshut selbst zu veranstalten." . -
* Der Aolonialrath, welcher m der zweiten Hälfte des Mai einberufen werden soll, wird, rote die Post' hört, den Zolltarif für ©übroeftafrita einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen haben. Außerdem werden auf der Tagesordnung auch Steuerfragen für Ostafrika stehen, unter denen vor Allem eine geplante Gewerbesteuer in Betracht kommen dürste.,
* ..Anständige Menschen schreiben ja nicht für mich," war eine Klage des Fürsten Bismarck. Nun lesen wir nachstehende Bekanntmachung des Präsidenten des Leipziger Landgerichtes:
Der Rechtsanwalt Tr. Johann Georg MannnÜan Bum in Leipzig Hal die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft aufge- neben unb ist in Folge dessen in der Anwaltliste des unter. ftchtlKt) aut oen —, ------- zeichneten Landgerichtes gelöscht worden. Leipzig, 13. April
Erfahrungen nimmt man hier an, daß auch Herzog 18'.''qibt^de^Frecherr v. Fechenbach-Lauden-
Günther von Schleswig-Holstein sich bet feiner $er- v 8 Mainzer Journal' folgenden Kommentar: lobung zu Zugeständnissen^ herbeigelasein wei- habe, die den Hebergang feiner Familie m die Reihe bekannt durch seine „Geschichtswerke"
der katholischen zur Folge haben wurden. Nun is ter unb fein großes Interview von Barber Herzog ja kem,souveräner Fürst, aber er ist der über ~ « eines „Bismarck-Schwär-
Sruber ber deutschen Kaiserin »nd dies gibt würbe am 27. Oktober
der Verlobung allerdings eine größere Bedeutung ' Ehrengerichte der sächsischen Anwaltskantf
Die Braut wird wissen was sw als Katholikin ihrer vorn Chrengench^^ ^bahrens bei Abrech- Kirche schuldig ist, und was sie zu thnn bat, um gen egen Gebühren-Heberhebungen
Katholikin zu bleiben; Ausnahmen gibt ev da mchsi Rechtsamvalisstande ausgeschlossen. Herr
* Fürst Ferdinand von Ankgarren hat sich aus dem ^ecyisanw^^, gegen dieses Hrtheil
gestern Nachmittag von Bersin nach Lunchen begeben Ehrengerichtshof des Reichsgerichtes Berufung
Bocher hatte Staatssekretär Frhr. v. Marschall nut beim QY«ngmcy Berufung.haben wir
ihm eine längere Unterredung. DK-örleu- weiter nichts vernommen, und muß man sich mit der
tr Kcrzog Johan« Albrecht »0« §Xnutmad)ung des Leipziger Landgerichtes begnügen.
Vnrg-Schwerin hat sich,;« emer Abordnung S D0(je Muße, sich seinen weiteren
deutschen Kolonialgesellschaft bereit et Har, ß« 1 )- Geschichtsstudien" zu widmen und wird viel-
bent er bie Regentschaft imMecklen- n ® demnächsl untz mit einem wetteren „großen Werke"
burg-Schwerin angetreten hat, das Prasiblum der leiaß v unb Freund beglücken."
beuischen Kolonialgesellschaft weiterzufuhren . 4^ Die Bert. Pol. N a ch r.'wendeten sich aber-
* Der , Reichsanze 1 ger' veroflentsicht zwei * geaen den Beschluß ber Reichstagskommission königliche Verordnungen, wodurfb Mimsterial' zur L^andwerkervortage und versichern, daß schon DirektorberStaatsarchlveberRangderMinlsterml z iten Lesung in der Kommission namens
räche dritter Klasse und den Staatsarchlvaren (er Regierung entschieden Stellung gegen bett Beschluß
Beamten) in ben Provinzen, sowie den am gehe m n d» Die,D eutsch e Tagesztg.'
Staatsarchiv zu Bersin etalsmaßig angestellten geheime g 0 ba§ Blatt in diesem
Staatsarchivaren der Rang der Rathe vwrter Klaste halt ^stt^eine^ ^/'„Regierung" rede. Die Re-
beigelegt unb zugleich bestimmt wirb baß außerhalb <3 in ber Lage gewesen,
der genannten Kategorien einzelnen alteren verdienten s gieruug , , «>„.
Archivaren (Archivrächen) bis zu einem Sechstel ber als Archivare etatsmäßig angestellten Beamten ber Rang ber Räche vierter Klasse als persönliche Auszeichnung verliehen werben kann.. — Den Abtheilungs- direktoren ber königlichen Bibliothek zu Bersin unb den Direktoren ber Universitätsbibliotheken wird der Rang der Räche vierter Klaffe ber höheren Provinzialbeamten verliehen unb zugleich tr u tu» ^»»>mstaa yai oet toeraunum ut»
Minister ermächtigt, für bie Hälfte ber jeweilig auf bi?äXabme eine” Verbots des Termin-
Grund des Erlasses vom 14. Februar 1894 ernannten gesetzes dieAtstnahnw emes^^v ^^lehnt Oberbibliothekare gleichfalls die Verleihung diese» ^"^Entscheidung hierüber dem Bundesrach über-
durch b-q-Azl- Handelskörperschaften
darf den früheren in keiner Weise nachstehen. Um aber das zu erreichen, müffen die Kräfte konzen- trirt und das Ziel fest im Auge behalten und verfolgt werden. Vor Allem ist vor jedwelchem Kon- kurrenz-Unternehmen in entschiedenster Weise abzurathen. Wie wir zu unserem Bedauern vernehmen, besteht die Absicht während des Katholikentages eine Wallfahrt zrun Grabe des sel. P. Canisius in Freiburg tn ber Sckweiz zu veranstalten. Daß bamtt eine Zersplitterung, sowie eilte Abschwächung des Katholikentages
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