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Freitaa, den 23. April 1897. 24. Jahrgang,

uldacrAZtitüng

mit Untrrhaltnngs-Heitage „Sterne «nd Klumen".____

Die Zahl der eingetragenen Konten betrug am 31.

* Der Weichskanzker hat sich heute von Parts nach Straßburg begeben; es heißt, daß er von hier direkt nach Berlin zurückkehren werde, ohne vorher, wie zuerst beabsichtigt war, noch m Baden-Baden Aufenthalt zu nehmen.

* lieber den Hob des Großherzogs von ZSeckkenvurg-Schiverin wird der ,Voff. Ztg/ von zuverlässiger Seite mitgetheilt, der Groyherzog habe bei dem Sturz beide Beine, verschiedene Rippen und die Wirbelsäule gebrochen. Das Ende soll so furchtbar gewesen sein, daß btejentgen, die beim Tode anwesend waren, noch heute bei der bloßen Erinnerung in Erregung gerathen. Em Selbst­mord wird allgemein für ausgeschlossen ge­halten, schon aus dem Grunde, weil der Großherzog sicher eine andere Todesart als einen Sturz in tue Tiefe gewählt hätte und auch eine solche sehr leicht hätte finden können, da verschiedene Morphiumflaschen in seiner unmittelbaren Nähe standen.

t, Anläßlich des Ablebens des Staatssekretärs T)r y. Stephan machen die ,Berl. Pol. Nachr/ darauf aufmerksam, daß nach dem Reichsgesetz der Wittwe des Chefs der Reichspostverwaltung em Wittwengeld von im ganzen nur 1600 M. zusteht. Auf diesen Betrag, schreibt das Blatt, sei also dre Wittwe des so hochverdienten Staatssekretärs Dr. v. Stephan angewiesen, sofern nicht die Gnade des Kaisers ihr eine Zulage bewillige. Diese Thatsache beweise auf Neue, wie dringlich die Aend erung d e r Bestimmungen des Reichsbeamtenrechts sei.

△ Das preußische Staatsfchukdeuöuch ist auch im soeben abgelaufenen Geschäftsjahr sertens der Be­sitzer von Schuldverschreibungen der konsolrdirten

zu erhalten sich einbildete. Meine Zurechtwersungen und Belehrungen waren vergeblich. Mit wachsendem Eigensinne führte sie den Kampf gegen meine heiligsten Ueberzeugungen fort. Ich wurde allmählich müde und wich den widerlichen Zwistigkeiten aus, so viel wie es möglich war, in der Hoffnung, daß em freudiges Ereiqniß, das uns bevorstand, von selbst eine Besserung herbeiführen werde. Ich täuschte mich. Du wurdest geboren, aber von der Mutter nicht mrt jenem Ent­zücken begrüßt, wie es sonst der Fall rst und wie es mein Herz geschwellt hat. Die Tauffeierlichkest führte eine häßliche Szene herbei, da ich mich, von meinen Gefühlen überwältigt, zum erstenmal zu ernsten Worten hinreißen ließ. Hanna antwortete durch eine unnatür­liche Theilnahmslosigkeit gegen Dich. Sie bestellte eine Amme der sie alle Sorge für ihr Kmd überlreß?

Sie selbst fuhr häufig nach der Stadt, von wo sie ost erst spät Abends zu Hause eintraf. Ich war tief verstimmt und fragte nach dem Zwecke ihrer Aus­flüge nicht. Eines Abends kam der Kutscher ohne die Frau. Er brachte einen Brief von ihr. Von einer bangen Ahnung erfahr, öffnete ich ihn. „Sw sei zu

(1895- 16 998 über 994816 600 Mk. Kapital); sie ist bis zum 31. März 1897 auf 19 467 über 1158 586 500 Mk gestiegen. Von letztem Konten entfallen 84,a Io auf Kapitalien, bis zu 50000 Mk. und 15,5°,° aus größere Kapitalsanlagen. Für physische Personen waren 12 988 Konten über 532 732500 Mark, für juristische Personen 3093 Konten über 407 769 300 Mark eingetragen. Von den Zinsen ließen sich die Empfangsberechtigten halbjährlich 10789 Posten von der Staatsschulden-Tilgungskasse tn Berlin durch Werthbrief oder Postanweisung direkt zu; end en, 2954 Posten wurden durch Gutschrift auf Reichsbank-Grro- konto berichtigt, und 9482 Posten wurden bet den mit der Auszahlung beauftragten königlichen Kassen abgehoben. Von den Kontoinhabern wohnen 16430 in Preußen, 2778 in andern deutschen Staaten, 19» in den übrigen Staaten Europas, 20 in Asien, 9 m Afrika und 38 in Amerika.

X Im Aögeordnetcnhanse sind nach einer Zusammenstellung des Bureaudirektors noch zu erledigen: 10 Regierungsvorlagen, 7 Anträge und 8Kommisstons- berichte. Zu den ersteren gehört das Handelskamnier- gesetz, der Nachtragsetat zum Normaletat vom 4. JJtat 1892 betr. die Besoldung der Leiter und Lehrer an den höheren Unterrichtsanstalten, der Entwurs betr. die Diäten der Beamten und andere von geringerem Interesse. Von den Anträgen seien erwähnt: Antrag Langerhans betr. Verpflichtung der bürgerlichen Ge­meinden bezüglich der Bauten und Reparamren von Kirchen-, Pfarr- und Küstergebäuden, Antrag Weyer­busch betr. Abänderung des Kommunalabgabengesetzes, | Antrag v. Heydebrand betr. Gehaltsaufbesserung der Geistlichen, Antrag Motty betr. Melioration ödarlehen und Antrag Hoensbroech betr. Aushebung von Zml- krediten bei der Einfuhr von Getreide.

* Die von uns mitgetheilte König!. Verordnung betr. die akademischen Titel hat nach der,Berl. Korr' den Zweck, dem Mißbrauch entgegenzuwirken, der in Preußen mit werthlosen oder minderwerthlgen ausländischen Diplomen getrieben wird, besonders auf medizinischem Gebiete und in verwandten Berufs­zweigen. Eine Beschränkung in der Führung aka­demischer Titel, welche auf Grund anerkennenswerther wissenschaftlicher Leistungen verliehen sind, ist nicht beabsichtigt, vielmehr wird das Tragen dieser Titel ohne Beanstandung genehmigt werden.

st Betreffend die Zlmgekattung der Med> st»ak- vekörden sind die Grundzüge fertig gestellt; der Minister Dr. Bosse beabsichtigt, diese Grundzuge, bevor sie mit den andern betheiligten Ressorts be- rathen werden, in einer freien Kommission von Par­lamentariern, Verwaltungsbeamten und medizinischen Sachverständigen zur Erörterung zu Men. Die Berathungen beginnen am 3. Mai. Den Mitgliedern dieser Kommission sind mit den Grundzügen mehrere

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

42] ------ (Nachdruck verboten.)

„Die Liebe zog ein in mein Herz," hieß es, „ich war " glücklich. Während Georg die stillsinmge Lisa heimführte, hatten die Augen der lebhaften Schwester es mir angethan. lind sie liebte auch mich — da­mals wenigstens. Ich weiß es bestimmt. Freilich war es kein sanft erwärmendes Glühen, keine mit glück­lichem Genügen gepaarte Hingabe, sondern eine flam­mende Leidenschaftlichkeit, durch die ich ost erschreckt worden bin. Es hätte dies eine Warnung für mich sein sollen, aber ich beachtete sie ebenso wenig wie die wohlgemeinten Warnungen, die ich wie Schirmer wegen der Verschiedenheit der Religion erhielt. Die Liebe machte mich blind. Ich brauchte meine Mittel nicht mehr zu sparen und hatte mir fern "von den Menschen in einem prächtig gelegenen Weingute ein hübsches Häuschen gebaut. In diese trauliche Idylle führte ich Hanna als mein geliebtes Weib mit dem Vorsätze, nur für sie zu leben und mit ihr glücklich zu fein. , , , ,

„Anfangs ging Alles gut, aber nur zu bald be­merkte ich, daß das einförmige Leben dem lebhaften Geiste meiner Frau nicht entsprach. Ich gedachte sie

bleiben. . . ,

* Eine deuttiche Ävsage an den Grafen Canitz und seinen bekannten Antrag bringt das Or- aan des rheinischen Bauernvereins, die Rheinische Volksstimme'. Graf Kanitz hatte am 5. März im preußischen Abgeordnetenhause behauptet, auf einer Kölner Versammlung des rhein. Bauern­vereins sei eine Resolution einstimmig angenommen worden, die dahin ging, entweder das Monopol oder die Durchführung des Antrages, der )einen . lamen trage. Dazu schreibt nun die ,Rhein. V.': „Diese Worte bedürfen einer deutlichen Berichtigung. Die Vorschläge des Rhein. Bauernvereins haben nre- nlals ein halbes (Antrag Kanitz) oder ganzes Staats­monopol verlangt, sondern sie haben den Gedanken auf berufsständische Grundlage ohne jedes Schwanken sofort gestellt . . . Graf Kanitz mag sich davon über­zeugt halten, daß er mit feinem Antrag hier am Rhein niemals weiter kommen wird. Der Vor­sitzende des Rhein. Bauernvereins erklärte erst vor einigen Tagen auf einer Versammlung trn Kreise Schleiden, daß die Neußer Beschlüsse (rote die Kölner) aus dem grundsätzlichen Gegensätze zum An- I trage Kanitz herausgewachsen seien. Wir wollen das Monopolrecht für die gesetzlich zu organisirende Landwirthschaft, wie Pros. Hitze den gleichen Vor­schlag für das Handwerk gemacht hat. Unser Vor­schlag erreichte das Ziel der Hebung unserer §rncht- preise ebenso zweifellos wie der des Grafen Kamtz. Während der letztere aber sozialpolitisch höchst bedenk-

Deulsches

Berlin, 22. April.

4t Der Kaiser stattete am Mittwoch in Wien dem Minister des Auswärtigen, Grasen Goluchowski, einen mehr als einstündigen Besuch ab. Abends war in der Hofburg Galatafel, an welcher außer den «■nberroaen und Erzherzoginnen das Gefolge des Kaisers Wilhelm, der deutsche Botschafter Graf zu Eulmburg, die Mitglieder der Botschaft, der Minister des' Neuster», Graf Goluchowski, der Botschafter v Szöqyeny nnd andere Würdenträger theilnahmen. Nack der Tafel verbrachte Kaiser Wilhelm mehrere Stunden in der deutschen Botschaft beim Grafen Eulenburg und dessen Gemahlin. Hente fand auf der Schmelz die Parade statt. Die beiden Monarchen wurden vom Publikum lebhaft begrüßt. Zunächst ritten beide Kaiser die Front der Truppen ab, dann führte Kaiser Franz Joseph seine Truppen dem Kaiser Wilhelm und hierauf dreier das 7 Husaren- Regiment, desfen Chef er ist, dem österreichischen Kaiser vor Die Parade dauerte über eine Stunde; nach Beendigung derselben verließen die Monarchen das Paradefeld unter den begeisterten Kundgebungen des

zu zerstreuen, nahm sie auf meine Ausflüge mit und suchte ihren Sinn für die unvergleichlichen Schönheiten der 9latur und für die herrlichen Gaben des Schöpfers zu wecken. Aber ich erreichte meinen Zweck nicht. Sie wurde von Tag zu Tage verdrießlicher und mit tiefem Schmerze erkannte ich, daß sie für die von nur gebotenen edlen Genüsse nicht das geringste Jntereffe empfand. , ,

„Längere Zeit zerbrach ich nur über die Ursache dieser peinlichen Wahrnehmungen den Kopf. Es ge­lang mir nicht. Dagegen machte ich eine aiidere Ent­deckung, die mich tief verletzte. Ohne ein Frömmler iu fein, habe ich meinem Glauben und der Kirche mein Leben lang die Treue bewahrt. Ich machte auch meiner Frau gegenüber kein Hehl, begegnete aber nur geringschätzigem Achselzucken und Spott. Es tarn aber noch'schlimmer. . _

„Während Hanna für alle meine anderen Be­strebungen eine eisige Gleichgiltigkeit an ben -tag legte schien ihr Interesse für das religiöse Gebiet AMKLZGüs l «

MßS-iff Ätiiten. «Pp-tzl-n nicht 5mmen;

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MlI @eÄ9®‘Ä: IS&Ä Mär'^1896 • 18037 über 1058 733 800 Mk. Kapital Staatsverwaltung zur Selbstverwaltung auf dem ' fieciL ißÖQ« libpr 994816 600 Mk. Kapital); sie | Gebiete des M^nzinalwesens, die Bereitstellung öffent­licher Untersuchungsanstalten für die Zwecke des Gesundheitswesens, die Abtrennung der gerichtsärzt­lichen Thätigkeit von dem Physikate und endlich die Umgestaltung des Physikats.

* Der im Reichstage emgebrachte Gesetzentwurf Rösicke u. Gen. betr. Abänderung des Atters- «nd Anvakiditäts - Derhcherungsgcsetzes vom 29 Juni 1889 ist kein Gegenentwurf zur Regierungs­vorlage, sondern ein Auszug aus dieser, welcher sich auf einige wenige Fragen beschränkt, für diese aber die von den verbündeten Regierungen selbst vorge­schlagene Lösung annimmt. Dieser Gesetzentwurf ist eingebracht worden, weil die Verabschiedung der Re­gierungsvorlage für diese Session als ausgeschlossen erscheint; so repräsentirt sich der Entwurf als em Nothgesetz. Dasselbe enthält n. a. die von der Re­gierung vorgeschlagene Erleichterung des Markenklebens, Begriffsbestimmung der Invalidität und Herabsetzung der Frist für die Rentenansprüche bei vorübergehender Invalidität; fortgelassen dagegen sind die Abstufung der Grundrenten, die Ausdehnung der freiwilligen Versicherung, die Erweiterung des Aufsichtsrechts und die ander-weite Vertheilung der Rentenlast; diese Punkte sollen einer späteren Regelung Vorbehalten

Erscheint täglich^Sonn-^ und QFe^eickagc^au^genommen^^^VwrteMhckicher ^A b^n n^e