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Jts. 89

Mittwoch, dm 21. April 1897. 24, Jahrgang,

iildlicrWZeitunft

mit UnterhaUmrgs-Keitage „Sterne und ginnten“

leitete und der von Anfang an als dessen Neffe ge>

lasses' als der rechtmäßige Sohn des Grafen ent-

Betheiligung griechischer Truppen an diesem neuen Einfalle hinweist, indem es zugleich die Hoff­nung ausspricht, die Mächte würden in ihrem Ge­rechtigkeitssinn zugestehen, daß die ganze Ver - antwortlichkeit für denKrieg aufGriechen- land zurückfalle. Schließlich erklärt die Cirkular- Note, daß die Türkei keinerlei Eroberungspläne ver­folge und bereit sei, um einen neuen Beweis ihrer friedlichen Gesinnung zu geben, ihre Truppen zurückzuziehen, wenn Griechenland die seimgen von der Grenze und aus Kreta zurückzöge.

In Athen erklärte Ministerpräsident Delpannis in der Deputirtenkammer, die türkische Regierung habe den Abbruch der diplomatischen Beziehungen notifizrrt, unter dem Vorgeben der aggressiven Haltung Griechen­lands. Delpannis zählt alsdann die jüngsten That- sachen auf, welche das Gegentheil beweisen. Die Türkei sei der angreifende Theil gewesen, ihre Truppen hätten die griechischen angegriffen, hätten die neutralen Positionen besetzen wollen und hätten endlich den Dampfer „Makedonien" an der Einfahrt des Busens von Arta in den Grund gebohrt. Die Türkei, so fährt der Ministerpräsident fort, hat uns den Krieg erklärt, wir haben ihn angenommen. iWiederholter Beifall.) Die Kammer genehmigte die Maßnahmen der Regierung und vertagte sich sodann auf unbestimmte Zeit.

Die Mächte werden zunächst die genauen Nach- richten über diese Vorgänge abwarten müssen, ehe ste die Frage entscheiden, wer der Angreifer war. Rach den vorliegenden Depeschen scheint Griechen- I land der schuldige Theil zu sein.

Der Krieg ist sofort am Ostersonntag Morgen an der türkisch - griechischen Grenze in aller Form und Hestiqkeit entbrannt. Zunächst fand am Sonntag bei Karpa ein sehr heftiger Kampf statt. Die Streit­macht der regulären griechischen Truppen überschritt mit sizilianischen Freiwilligen die Grenze, wurde aber von vier türkischen Bataillonen zurückgeschlagen. Beide Parteien unterhielten von den Bergen, wo sie Stellung genommen hatten, ein lebhaftes Feuer. Auf Seiten der Türken sind fünf Offiziere gefallen.

Eine entscheidende Schlacht wurde an dem Elas- sona beherrschenden Meluna-Passe auf der Straße nach Elassona geschlagen. Die Türken, deren Haupt­macht in und um Elassona vereinigt ist, wollen sich in den Besitz der von dort in die Ebene von Larissa führenden Gebirgspässe setzen, während die Griechen sich bemühen, diese Zugänge zu halten und zu sperren. Die hauptsächlichsten-Uebergänge, um die es sich hier bandelt, sind von Osten nach Westen: der Paß von Analipsis oder Nezero, der Paß von Gö­tz amon und der Paß von Meluna. Dieser letztere

ist der Wichtigste, da er i zwischen Elassona und Larissa herstellt. Um diesen entbrannte denn auch der mörderische, Sonnabend beginnende und Sonntag und Montag sortdauernde Kampf. Die Schlacht entwickelte sich den ganzen Paß entlang. Mehr als 20000 Mann waren engagirt.

einberufen wurde und gleich zum Fahrwesen kam, stieß unterwegs zu uns und hat mir alles erzählt. Er wußte außer diesen Trauerbotschaften noch mehr.

Edgar war durch die erste Mittheilung des Freundes so sehr aller Fassung beraubt worden, daß er anfangs die Fortsetzung des Berichtes ganz außer Acht ließ. Als er jedoch den Namen Seeburgs hörte wandte er ihm wieder volle Aufmerksamkeit zu.

„Als Sohn entpuppt?" war der Oberst dem Sprechenden in die Rede gesallen. „Als recht­mäßiger Sohn des Grafen Salmi?"

„Man hat, wie mir der Kamerad versichert," berichtete Julius weiter, „in dem Nachlasse des Grafen unter Siegelverschluß Papiere und Urkunden gefunden, aus denen sich ein unzweifelhaftes Recht des Baumeisters ergab. Dasselbe ist auch von Nie­mand angefochten worden, und nur der Vater Ed­gars suchte sich dagegen aufzulehnen, wurde aber wegen Verleumdung mit Gefängniß bestraft."

„Das ist ja ein höllischer Betrug," rief der Oberst

Hände an. , c

Mit wehmüthigem Lächeln winkte der Oberst ihm ab. „Lassen Sie das hier", mahnte er. „Wir sind ja unter uns und, wie ich bereits bemerkt habe, lauter Freunde, für die es keiner Aeußerlichkeiten bedarf. Ist es denn wahr, was Sie vorhin er= zählten, Graf Salmi ist plötzlich gestorben? Ich fasse es nicht!"

,Ein Kamerad", begann ^ulms wieder, „der mit uns "das Loos zog, aber erst vor ein paar Wochen

ungsvollenTode den Frieden des Grabes gefunden, obgleich der Onkel selbst angesichts der letzten Stunde * s Ä WÄtiM I «ÄÄt

Julius Sallust in die Fensternische zurückgezogen und leitete und der von Anfang an a ff ff 9 dem der jun^e I * 5? f*

Aeußern kaum eine Beachtung geschenkt hatte, trat in augenscheinlicher Aufregung hervor.

„Was sagten Sie?" rief er. „Graf Ferdinand

von Salmi ist todt?"

Die vorher zusammen gehaltenen Mantelfluget waren in der Hast auseinandergegangen. Nicht wenig betroffen erkannte Julius, daß er^ sich einem hohen Vorgesetzten gegenüber befand. In begreif­licher Verwirrung stellte er sich gerade und legte die

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

40] ------ (Nachdruck verboten.)

„So weißt Du denn gar nichts?" rief Julius.

'„Nicht das Geringste", versicherte Edgar. ,,.Ueb- rigens kam mir seit August aus der Heimath keine>lei Nachricht mehr zu."

„Großer Gott", klagte Julius, ..das ist ia ganz unbegreistich, und ich muß also der Unglücksbote sein, durch den Du die schweren Schicksalsschläge erfährst' Wappne Dich mit Deiner ganzen Selbstbeherrschung und mit dem gläubigen Vertrauen auf denjenigen, der auch über den Verlassenen wacht: Dein väter­licher Wohlthüter Graf Salmi ist todt. Durch einen Herzschlag wurde seinem edlen Dasein ein plötzliches Ende gemacht. Eine durch den Bruch des Seedamms bewirkte Ueberschwemmung hat die Wiesmühle in Trümmer gerissen. Sie ist nicht mehr gebaut worden. Der brave Severin trug Deinen kranken Vater aus dem Rücken durch die Fluchen und brachte ihn auch ans Ufer, aber Dein Vater wurde schwer durch einen angeschwemmten Balken verletzt. Im Hause meines Onkels ist noch in derselben Nacht Dein Vater aus diekem Leben geschieden und hat nach einem erbau-

Der Krieg zwischen der Türkei und Griechenland.

Am Samstag Abend wurde in Konstantinopel ein Ministerrath zusammenberufen, der die ganze Nachr währte. Das Ergedniß war, wie schon telegraphisch gemeldet, die Liriegserkkäruirg. Dieselbe wurde von der türkischen Regierung m folgender oorni DCWIetoet@t$ceaen8 der Marschall Edhem Pascha der Generalissimus der Armee, in Elassona, meldet uns telegra­phisch, daß beträchtliche reguläre griechische Truppen unsere Grenze an verschiedenen Punkten überschrttten und den Kamps begonnen haben. Dieser .Kampf dauert fort, moder dre Griechen sich vornehmlich der Artillerie bedienen. In Betracht ziehend, daß die Kaiserliche Regierung nicht aufgehört hat, dre zur Erhaltung des Friedens nothwendigen Maßregeln zu ergreifen, und daß trotzdem die hellenische Regierung entgegen dem Völkerrecht Truppen nach Kreta expedirt, sich rn Kriegszustand gesetzt und die Feindseligkeiten an der Grenze begonnen hat, sehen wir uns gezwungen, um die Integrität unseres Kaiser­reiches zu wahren, die Kriegsoperationen beginnen zu lassen. Alle Verantwortung fällt auf Griechenland. Wir vertrauen der Hilfe Gottes. „

Der Hauptkommandant der türkischen Armee Edhem Pascha wurde unverzüglich beauftragt, nach dem bereits früher durch die militärische Kommission festgestellten, vom Ministerrath approbirten und durch Kaiserliches Jrade sanctionirten Plan vorzugehen. Sofort wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei ab­gebrochen, gleichzeitig wurden von den griechischen Gesandtschafts- und Konsulatsgebäuden in Konstan­tinopel die Wappen und Flaggenstangen herabge­nommen. Eine an den Moscheen angeschlagene Kund­machung machte der Bevölkerung den Beginn des Krieges bekannt. Es heißt darin:

Der Krieg mit Griechenland hat heute Nacht begonnen, die Osmanlis mögen jedoch die Ruhe bewahren, insbesondere sich nicht zu Zornesausbrüchen gegen die hier wohnenden Griechen hinreißen lassen, dieselben sind nicht Feinde, sondern Freunde des Sultans und des türkischen Volkes.

Oster-Sonntag Vormittag überreichte der türkische Gesandte Assirn Bep folgende Note an den griechischen Minister des Auswärtigen Amtes, Skuzes:

Herr Minister, ich thelle Ihnen ergebenst mit daß, da in Folge der von Griechenland eröffneten Feindseligkeiten qegen bie Kaiserlich ottomanische Regierung die diplo­matischen Beziehungen beider Länder abge­brochen sind, die Gesandtschaft Sr. Majestät des Königs Georg in Konstantinopel, sowie die griechischen Konsulate im Reiche aufgefordert worden sind, in die H«math zuruckzu- kehren. Ebenso sind die Kaiserlich ottomanische Gesandtschaft in Athen und die ottomanischen Konsuln in Griechenland er­mächtigt worden, nach Konstantinopel zuruckzukehren. Da in Gemäßheit obiger Entscheidung alle Kaufleute und hellenischen Unterthan en, welche m der Türkei wohnen, das ottomanische Gebiet innerhalb 14 Tagen ver­lassen müssen, so sind die ottomanpchen Nnterthanen, die in Griechenland wohnen, ebenfalls ermächtigt worden, das Gebiet des Königreichs in der gleichen Frist zu verlaffen.

Weiter richtete die Pforte an die türkischen Vertreter im Auslande ein Rundschreiben, welches an den über Krania in der letzten Woche erfolgten Ein­fall in türkisches Gebiet erinnert und dabei auf die

Der Kampf drehte sich um das von den Griechen zähe vertheidigte Blockhaus. Die Türken griffen mehrmals heftig an, ohne Erfolg. Endlich um 9 Uhr früh nahmen die Türken mit einem glänzenden Bajonett-Angriff das Blockhaus, die Griechen ver- theidigten die Position auf der Bergspitze. Schließlich nahmen die Türken beinahe den ganzen Paß ein. Die Griechen aber hielten ihre Stellungen auf den Höhen. Nach 28stündigem Kampfe wurden Meluna und zwei griechische Befestigungen genommen. Eine Bri­gade der 5. Division nahm nach einem glänzenden Angriffe die befestigten Höhen von Pernar und Papa- Livada. Die Griechen ergriffen die Flucht und wurden von türkischen Truppen verfolgt. Nach offizieller türkischer Mittheilung endigte der Kamps auf der Haupt-Operationslinie mit der Erstürmung aller griechischen Positionen und Häuser von Meluna bis in die Nähe von Turnavo. Der Widerstand war zähe, der Verlust der Griechen groß, jener der Türken geringer. Einige türkische Offiziere sind ge­fallen. Marschall Edhem Pascha zog die türkischen Truppen zusammen, um in jedem Falle heute, Dienstag, mit 6000 Mann den Vormarsch über Turnavo nach Larissa anzutreten. — Nach Informationen aus dem Yildiz-Kiosk befinden sich bereits 3 türkische Dwffwnen auf griechischem Gebiet. ,

Auch beim Passe Reveni fand em heftiger Kampf statt. Die Türken machten zwei griechische Geschütze gefechtsnnsähig, die Griechen nahmen eine

I ganze türkische Batterie. Drei höhere griechische Offiziere sind gefallen.

Gleichzeitig fanden im Golf von Arta (Am- brgkia) heftige Kämpfe statt. Das Feuer wurde Sonntag früh 5l,8 Uhr von türkischer Seite von den Forts bei Prevesa auf das von den Griechen besetzte Städtchen Action auf der anderen Seite des Meer­busens eröffnet. Dabei wurde der passirende griechische Küstendampfer „Mazedonia" in den Grund gebohrt, jedoch die ganze Bemannung gerettet. Die griechischen Kanonenboote im Prevesagolse wurden alsbald beauf­tragt, die Prevesaforts zu beschießen. Das Kriegs­schiff „Spetsai" wurde von Korfu dorthin beordert. Um 2 Uhr Nachmittags begann der Kreuzer „Miau- lis" und das Panzerschiff „Georgios" das Bom­bardement der türkischen Forts. Chamidie und Pando- kratoros erwiderten, ohne Wirkung zu erzielen. Um 3 Uhr 25 Minuten fiel eine Bombe des „Miaulis" in das Fort Chamidie und wirkte dort sehr ver­heerend. Weiter wurde das türkische Fort Skafi- daki zerstört. Der Panzer „Spetsai" ist Abends spät vor Prevesa eingetroffen. Die Beschießung von Prevesa hat Montag früh 5 Uhr wieder begonnen. wlull, Ans Kreta hat der Ausbruch des Krieges auch

die kürzeste Verbindung seine Nachwirkung geübt Die am Eingänge der - L - i Suda-Bai belegene Suda-Insel und das Fort Jzz edin

sind durch Hifsung der Flaggen der 6 Großmächte unter deren Schutz gestellt worden, um dem Angriff des Obersten Vasfos zu begegnen. Ebenso ist der türkische Posten auf Akrotiri von europäischen Trup-