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Samstag den 17. April 1897.

24. Jahrgang

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mit UnterchaLtrmgs-KrUage „Sterne und Klnmen"

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erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 60 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Ostern 1897.

Wiederum jubelt die katholische Welt: „Alleluja! Der Heiland ist erstanden!" Es ist die unbegreiflich bohe Macht der christlichen Feste, daß sie nie veralten, daß sie in jedem Jahre die heilige Kraft ihres gött­lichen Ursprungs bethätigen.

Auferstehung, das ist das große, das so oft ver­kannte einzige Ziel unseres Lebens. Und gerade das .bl. Osterfest ist dasjenige, welches seiner ganzen Be­deutung nach uns auf dieses Ziel hinweist. Die glaubenslose Richtung unserer Zeit ftürmt vergebens gegen die Schönheit, gegen die seelenbezwingende Macht unserer Religion. Die modernen Wahrheitsverkünder leugnen Gott, aber die Erhabenheit, die Göttlichkeit feiner Werke, seiner Kirche können sie nicht leugnen, und den riefen Einfluß der Feste dieser hl. Kirche vermögen sie ebensowenig weg zu disputiren, und un­willkürlich feiern diese „aufgeklärten" Männer die Feste mit, wenn sie auch, um ihre Inkonsequenz zu verhüllen, mit der Erklärung bei der Hand sind: „Es ist nur eine Anlehnung an die alten heidnischen Feste, welche durch den Wechsel in der Natur ent­standen."

Ja, die hohen Kirchenfeste harmoniren zum Theil mitt der Natur, und wenn der Apostel der Deutschen und feine Nachfolger an Stelle der heidnischen Natur­feste die köstlichen Feste der katholischen Kirche fetzten, dann war dies keiner der geringsten Befähigungsnach­weise für ihr Hirtenamt. Die Natur harmon'irt mit den hohen Kirchenfesten, namentlich mit Ostern, mit Lem Feste der Auferstehung. Wohl dem, desfen H>erz sich mit dem oft so spöttisch behandelten Kinder­glauben ganz des Auferstehungstages, des Osterfestes, freuen kann. Kinder dürfen wir in der Welt nicht bleiben, wohl aber kindlich. Wie es um Ostern in der Natur steht, so soll es in unferm Herzen sein. Das Eis, welches der Winter des Lebens um unsere Herzen gelegt, es muß gesprengt werden durch die -Sonnenstrahlen der göttlichen Gnade. Und dieser Gnade müssen wir willig unser Herz öffnen, wie die Erde begierig den belebenden Strahl der Frühlings- fonne aufnimmt in ihren Schooß und ihn dort wirken läßt zu frischem, blühenden Leben.

Wie am Feste der Auferstehung die zarten Knospen, die unschuldweißen Schneeglöckchen auf ihre Art den Schöpfer preisen, so soll am Ostertage unser Herz den preisen, der den Tod besiegt hat, um der Menschheit und auch um deinetwillen. Und fröhlich, wie der Klang der Osterglocken, wie das Zwitschern und Jubiliren der Vögelein sollen auch die Menschen emporjauchzen zu ihrem Herrn: Alleluja! Alleluja! In Freudigkeit dürfen wir ihm dienen, ihm, dem ein reines Herz über alles geht.

Im klebrigen gibt Ostern 1897 in unferm deut­schen Vaterlande nur mäßig Grund zur Fröhlichkeit. Manch heißen Wunsch, dem wir am Auferstehungs­tage des vorigen Jahres Ausdruck verliehen, er steht vuch an diesem Ostertage noch unerfüllt da. Ungelöste Fragen flattern um uns her: Rückkehr zum lebendigen Ehristenthum gerade im praktischen Leben und die dazu nöthige völlige Freiheit der Kirche: positiv christ­liche Erziehung unserer Jugend in Schule und Haus, auf Universitäten und in Handel und Gewerbe; Ein­dämmung des Umsturzes von unten, aber noch mehr von oben. Tas Alles sind Aufgaben, vor deren Erledigung das diesjährige Osterfest steht. Möge Er, der zu unserer Rettung Tod und Grab überwand, uns gnädig mithelfen.

Es ist Ostern! und trotz der schwierigen Lage dürfen wir fröhlich sein. Das ftöhllche, feste Gott- verlrauen überwindet alle Prüftingen leichter. Mögen uns diese Prüfungen schütteln und rütteln, Einer, der ihnen ihre Bahnen im unendlichen Raume vorschreibt, er wird auch unsere Wege lenken und leiten zum Guten, und es wird sich bewahrheiten, daß das schärfste Äug' ein blindes Gottvertrauen ist. Helfen wir wacker mit, dann thut unser Herrgott schon ein klebriges.

So mögen denn die Frühlingswinde durchs Land eilen und mit warmem Hauche die Natur wachküssen. Die Glocken mögen klingen und in die Menschen­herzen tönen, und wo diese noch schlummern, sie auf­wecken mit dem Ostergruße: „Alleluja, Alleluja, Christ ist erstanden!" Und wenn wir am heiligen Orte unferm Schöpfer demüthig fromm den Zoll unserer kindlichen Dankbarkeit dargebracht, dann wollen wir mitjubeln und singen und uns freuen am Feste der Auferstehung. Die ,Fuldar Zeitung" will als alter Freund des Hauses auch in diesem Jahre nicht zurückbleiben und allen ihren Freunden und Lesern von Herzen wünschen:

Ki» glückliches Gsterfest!

Deutsches Keich.

Berlin, 15. April.

ti. Der Kaiser nahm gestern Nachmittag die Meldung des Prinzen Ludwig von Bayern über den Stapellauf des neuen Kreuzers in Stettin entgegen. — Gestern Abend um 11 Uhr begrüßte der Kaiser in der russischen Botschaft den Großfürsten und die Großfürstin Wladimir von Rußland, die sich auf der Durchreise nach Schwerin zu den Beisetzungsfeierlich­keiten befanden. — Heute früh nahm das Kaiserpaar in der Kapelle des Palais des Kaisers Wilhelm J. das Abendmahl. — Der Rittmeister Frhr. v. Kap- Herr, der am Mittwoch von Cannes hier eintraf, wurde sofort zum Kaiser befohlen, um diesem über die letzten Stunden des Großherzogs Friedrich Franz ausführlichen Vortrag zu halten. Der Verstorbene, der sich bei dem Sturze das Rückgrat schwer verletzt hatte, soll unter den entsetzlichsten Schmerzen ge­storben sein.

* Es bestätigt sich, daß die Kaiserin mit den kaiserlichen Kindern tu diesem Sommer, und zwar vom 15. Juli bis Ende August, am Tegernsee Auf­enthalt nehmen wird. Es sind für sie zwei der schönsten Landhäuser gepachtet worden.

h Der Reichskanzler Sürst KoheuloHe hat sich von Baden-Baden zu kurzem, angeblich privatem Auf­enthalte nach P aris begeben (etwa wieder zum Zahn­arzt?) und wird von dort über Baden-Baden und Schillingsfürst nach den Ostertagen nach Berlin zurückkehren.

* Die Regentschaft in Weckkenvurg Schwerin hat für den minderjährigen Thronerben nicht der älteste Bruder des verstorbenen Großherzogs, Herzog Paul Friedrich (geb. 1852), übernommen, sondern der zweitälteste Bruder, Herzog Johann Albrecht (geb. 1857). Herzog Paul Friedrich hat sich am 5. Mai 1881 mit der katholischen Prinzessin Marie zu Windisch-Grätz, einer Tochter des mit der Prinzessin Mathilde Radziwill verheiratheten Fürsten Hugo zu Windisch-Grätz, vermählt und ließ auch, treu dem gegebenen Versprechen, seine im Jahre 1882, 1884 und 1885 geborenen drei Kinder katholisch erziehen. Die Konflikte, in welche er dieserhalb mit dem streng lutherisch gesinnten Großherzog gerieth, der sich in dieser Frage durch die künstlich erregte Stimmung seiner kknterthanen in weitestgehendem Maße beeinflussen ließ, veranlaßten schließlich Herzog Paul Friedrich, am 24. Februar 1884 für sich und seine Nachkommen auf alle Rechte an der Erbfolge im Großherzogthum Mecklenburg in der Weise „freiwillig" zu verzichten, daß seine nachgeborenen Brüder und deren Nachkommen ihm und seinen Nachkommen in der Erbfolge vorgehen sollten. Sollten aber alle seine Brüder und deren Nachkommen aussterben, so treten die Erbrechte des Herzogs Paul Friedrich und seiner Nachkommen nur unter der Bedingung wieder in Kraft, daß der zur Erbfolge Berechtigte verpflichtet ist, zur prote­stantischen Kirche überzutreten, um sein Erbrecht ausüben zu können. Am 17. November 1885 wurden im mecklenburgischen Landtage die Verzichtleistungs- Akte des Herzogs zur Kenntniß der Stände gebracht. So war der lutherische Charakter des Regiments von Mecklenburg-Schwerin gerettet.

Einer der vielen Dnltkamcr, die Pommern regieren, hat, als der Rickert'sche Bauernbund „Nord­ost" in seinem Gebiete eine Versammlung abhalten wollte, mittels Rundschreiben die Gemeindevorsteher aufgefordert, in der Versammlung zu erscheinen und „dem Rickert", der ein gefährlicher Mensch sei, ent­

gegenzutreten. In der Versammlung waren dann die Getreuen unter Anführung des Landrathes zahl­reich erschienen. Mit Recht ist die liberale Presse ungehalten über den Herrn. Die,Dentsche Tagesztg." findet natürlich, daß der v. Puttkamer-durchaus im Rechte war und seine Amtsbefugnisse nicht im ge­ringsten überschritten habe. Er habe nicht in seiner Eigenschaft als Landrath, sondern als Parteigenosse „die ihm nahestehenden Gemeindevorsteher" eingeladen mit dem Hinweis, daß es nöthig werde, den frei­sinnigen Hetzern kräftig entgegenzutreten. Private Einladungen aber unterzeichnet man doch nicht: „Der Landrath v. Puttkamer."

* Die Anklage gegen den Kriminalkommissar v. Lausch und Schriftsteller v. Lützow umfaßt 133 Seiten. Die Geschworenen werden über zwei an sich selbstständige Strafsachen, die aber mitein­ander verbunden sind, zu entscheiden haben. Die eine betitelt sich v. Tausch und betrifft den diesem vor- geworfenen Meineid, die andere wird von Lützow und Genossen genannt und bezieht sich auf die Ur­kundenfälschung. Ursprünglich war bezüglich dieser That die Untersuchung gegen v. Tausch wegen An­stiftung geführt worden, dieser Gesichtspunkt ist jedoch fallen gelassen und die Anklage wegen Verbrechens im Amte erhoben worden. Oberstaatsanwalt Drescher wird die Anklage vertreten.

* lieber die Deröreilnng der katholischen Arbeitervereine eriftirten bisher noch keine zuver­lässigen Angaben. Diesem Mangel hilft ein Schrift- chen ab, das jüngst im Verlage des katholifchen Arbeiterwochenblattes „Der Arbeiter" in München unter dem Titel: Verzeichniß der katholischen Arbeitervereine Deutschlands, Oester­reichs und der Schweiz erschienen ist. Nach diesem Verzeichnisse existiren in Deutschland 790 Vereine mit 152,969 Mitgliedern, im deutschen Theile von Oesterreich 149 Vereine mit 26,700 Mit­gliedern, im deutschen Theile der Schweiz 76 Vereine mit 7400 Mitgliedern. Rechnet man hierzu noch ca. 800 katholische Gesellenvereine mit ungefähr 75,000 Mitgliedern, fo ergiebt sich ein stattliches Heer orga- nifirter katholischer Arbeiter. Gar mancher, der bis­her über die Arbeiterbewegung im katholischen Lager verächtlich die Achsel gezuckt hat, dürfte durch diese Zahlen belehrt werden, daß er es hier mit einer kräftig aufstrebenden Bewegung zu thun hat, die sich, ohne viel Lärm zu machen, in kurzer Zeit aus kleinen Anfängen zu Achtung gebietender Größe entwickelt hat.

* Eine EentralKeKe zur Bekämpfung des unkautere» Wettbewerbes beabsichtigt der Vor­stand des Centralverbandes deutscher Kaufleute in Leipzig zu gründen.

* Die Dereiusgesetznovelle soll, wie jetzt wieder gemeldet wird, in den nächsten Tagen dem Abge­ordnetenhause zugehen. Dann werden wir ja das Meisterwerk sehen, das sogar das Vaterland mit einer Kanzlerkrisis bedroht zu haben scheint.

* Deutz, 15. April. Ein peinlich berührender Bescheid ist der Genoffenschaft der Schwestern vom armen Kinde Jesu geworden. Dieselbe hatte eine Eingabe an das Ministerium gemacht, um die Erlaubniß zu erhalten, entweder Lehrerinnen aus­bilden ober wenigstens die künf igen Lehrerinnen für das Seminar vorbereiten zu dürfen, wie dies vor dem Kulturkampf hier in Nenß in erfolg­reichster Weife geschehen war. Die Eingabe der Schwestern, unter welchen sich viele befinden, die das höhere Lehrerinnenexamen bestanden haben, ist, laut ,N.-G. Ztg." abschlägig beschieden worden. Es muß uns Katholiken empfindlich berühren, wenn unsere tüchtigen Klosterschwestern, welche früher eine große Menge von Lehrerinnen ausgebildet haben, heute nicht mehr würdig dazu gehalten werden. Die Re­gierung beruft sich dabei auf das noch bestehende Kulturkampfsgesetz über Orden nnb ordens­ähnliche Kongregationen; ein neuer Beweis dafür, daß dasselbe möglichst bald abgeschafft werden muß, damit unsere Schwestern ihre segensreiche Thätigkeit auch nach dieser Seite hin wieder ausüben können.

* Karlsruhe, 15. April. Einen eigenartigen Eindruck hat das Telegramm hervorgerustn, das der Großherzog von Baden kürzlich an den früheren preußischen Kultusminister Dr. Falk zu dessen fünfzigjährigem juristischen Dienstjubiläum ge-