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24. Jahrgang

Samstap, den 10. Avril 1807

mit Unlerhaltrmgs-Krttage „Sterne und Klumen".

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G Die Einschränkung der Beweglichkeit des Osterfestes.

Der Direktor der Berliner Sternwarte, Professor W. Förster, veröffentlichte im August v. I. in der ,Nat.-Ztg/ einen Artikel, worin er in Anknüpfung an die Begründung der Vatikanischen Stern­warte auf die bedeutsame Aufgabe hinwies, die dem Papstthum am Schluffe des 19.Jahrhunderts zu­fallen könnte, wenn es die Angelegenheit einer Ein­schränkung der übermäßigen Beweglichkeit des Oster­festes in die Hand nähme. Professor Förster hat seit ^roei Jahren im Stillen gemeinsam mit dem Barna- biten und Mitgliede der Akademie der Wissenschaften P. di Tondini und mit lebhafter Theilnahme seitens der Astronomen der vatikanischen Sternwarte -auf die Einschränkung hinzuwirken gesucht. Er hoffte dabei zilgleich, daß die Reform des Festkalenders es den griechischen Katholiken erleichtern würde, vom Jahre 1900 Mb den alten Kalender aufzugeben, dessen Datumsunterschied gegen den gregorianischen Kalender im Jahre 1900 von zwölf auf dreizehn wächst. Der gemeinsame Vorschlag ging dahin, unter gänzlicher Aufhebung der Beziehungen des Osterfestes zum Monde, das Osterfest von 1900 ab aus den 3. Sonn­tag nach der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche anzu­setzen. Das Datum des Festes würde dann nur zwischen dem 4. und 11. April schwanken, während es jetzt zwischen dem 22. März und 23. April be­weglich ist.

P. Tondini hat inzwischen an den verschiedensten, wesentlich in Betracht kommenden Orten, zuletzt auf der Balkanhalbinsel, eifrigst für eine Vereinheit­lichung der Kalendereinrichtungen gearbeitet und setzt aus Philippopel einen Brief an Prof. Förster geschrieben, den dieser auf seinen Wunsch veröffent­lichte. Der Pater führt zunächst aus, daß der Artikel Försters zwar in der katholischen Welt Dank ge­funden, aber auch in weiteren Kreisen, die von den vorbereitenden Verhandlungen nichts wüßten, Be­denken hervorgerufen habe. Man habe irriger Weise vielfach angenommen, daß es sich darum • handele, das Osterfest auf ein bestimmtes Datum zu firiren. Auch habe man sofort daran erinnert, daß diese Frage schon gleich nach dem Konzil von tziicaea aufgeworfen worden war, und daß der hl. Augustinus die Praxis der Kirche vertheidigen zu müssen geglaubt habe. Das habe ihn veranlaßt, die ganze Frage näher zu untersuchen. Seine Arbeit werde voraus-’ sichtlich in einer ftavischen Revue erscheinen. Einst­weilen berichte er, daß die ganze von Förster aus­gegangene Bewegung einen großen Fürsprecher in dem hl. Augustinus selber habe, der sich nur gegen die absolute Fixirung des Osterfestes aussprechr, . wie es z. B. mit Weihnachten der Fall sei. Nach­dem Tondini dies näher dargethan und ausgeführt hat, daß die Anschauungen des hl. Augustinus mit dem neuen Projekt vollkommen verträglich seien, be­merkt er weiter, er werde in seiner Arbeit auch dar- rhun, daß die Besorgniß, der „Umsturz" der jetzigen -Einrichtung werde auch einen großen Kostenaufwand durch die voraussichtliche Nothwendigkeit einer neuen Ausgabe aller liturgischen Bücher verursachen, irrig -sei und nicht ein einziges liturgisches Buch dieserhalb neu gedruckt zu werden brauche. „Uebrigens hat Papst Leo X II. in seinem hohen Geiste schon vor zwei Jahren die von Ihnen angeregte Frage im Prinzip entschieden, und zwar dergestalt, daß alle Bedenken sich beruhigen können."

Im Jahre 1894, so erzählt Tondini, habe er zusammen mit dem Kardinal-Erzbischof Langönieux von Rheims eine Audienz beim hl. Vater gehabt, bei der auch die Frage einer Verständigung zwischen den christlichen Kirchen über die Einschränkung der Beweglichkeit des Ostersestes zur Sprache gekommen sei. Wenige Tage darauf habe der Papst den da­maligen Direktor der vatikanischen Sternwarte, P. Denza, rufen lassen und ihm gesagt: „Ich wünsche nicht nur, daß Sie sich mit dieser Frage beschäftigen.

sondern befehle es Ihnen." Der Pater habe hoch­erfreut alsbald ein für den Papst bestimmtes Memoire ausgearbeitet. Es werde sich zeigen, schließt Tondini, „daß die Schwierigkeiten, welche sich der Einschränkung der Beweglichkeit des Osterfestes und der Verwirk­lichung des wahren und einzigen Zweckes des Dekretes des Konzils von Nicäa, nämlich der Uebereinstimmung der ganzen Christenheit bei der Osterfeier. entgegen­stehen, keineswegs vom hl. Stuhle ausgehen."

Uansrn's Iagdabenteuer.

Aus: Nansen, In Nacht und Eis.

(Leipzig, F. A. Brockhaus, 2 Bände, gebunden 20 Mk.)

Kaum hatte ich den Fuß ans Land gesetzt, als ich eine kleine Strecke an der Küste hinauf einen Bären sah. Wir zogen deshalb die Kajaks herauf, um den Bären zu schießen. Inzwischen kam er längs der Küste auf uns zugetrottet, weshalb wir uns ruhig hinter die Kajaks legten und warteten. Als er uns ganz nahe war, erblickte er unsere Fußspuren im Schnee, und während er sie noch beschnüffelte, sandte ihm Johansen eine Kugel hinter die Schulterblätter. Der Bär brüllte und versuchte zu laufen, jedoch war die Kugel durchras Rückgrat gedtimgcn, das^Hinter- theil seines Körpers war gelähmt und rooQteJetffiT Funktionen nicht mehr verrichten. Ganz verwirrt setzte sich der Bär nieder und biß und schlug seine Hinter­pfoten, daß sie bluteten; es war, als ob er sie durch Prügel veranlassen wollte, ihre Pflicht zu thun. Dann versuchte er wieder, sich fortzubewegen, allein mit dem­selben Resultate; der Hintere Theil seines Körpers leistete keinen Gehorsam mehr und schleppte nach, so daß das Thier, im Kreise herumgehend, sich nur auf den Vorderbeinen weiterschieben konnte. Eine Kugel durch den Schädel machte seinem Leiden ein Ende.

Nachdem wir den Bären abgehäutet hatten, unter­nahmen wir einen Ausflug in's Innere des Landes, um unser neues Reich zu besichtigen, und waren nicht wenig überrascht, als wir in der Nähe der Stelle, wo ich den Bären zuerst erblickt hatte, zwei Walrosse ruhig auf dem Eise liegen sah.*) In der weiter draußen liegenden See erblickten wir ebenfalls ein Walroß, das fortwährend den Kopf aus dem Wasser streckte und so stark Luft holte, daß man es auf weite Entfernung hören konnte. Etwas später sah ich, wie es sich dem Rande des Eises näherte und verschwand, um in der durch die Fluth entstandenen Rinne nahe am Lande eine tüchtige Strecke vom Rande des Eises wieder zu erscheinen.' Es schlug die großen Hauer in's Eis, während es schwer Athem holte, wie ein erschöpfter Schwimmer. Dann hob es sich hoch auf den Hauern empor, blickte über das Eis dahin, wo die anderen lagen und tauchte wieder unter. Bald darauf erschien es mit sehr viel Geräusch weiter land­einwärts, worauf es das Manöver von vorhin wieder­holte.

Ein Walroßkopf ist, wenn er über dem Wasser erscheint, kein hübscher Anblick. Mit den ungeheueren Hauern, den groben Schnauzborsten und der plumpen Form hat er etwas Wildes und Koboldartiges an sich, das in den Zeiten, als noch mehr Aberglauben herrschte, leicht begreifliche Furcht einflößen und zu der Vorstel­lung von fabelhaften Ungethümen Anlaß geben konnte, von denen in alten Zeiten diese Gewässer angeblich schwärmten.

Endlich kam das Walroß in dem Loche, neben welchem die anderen lagen, in die Höhe und hob sich' mit den Hauern ein wenig über den Randtzdes Eises; dadurch erwachte aber das größere der beiden, ein ungeheueres altes Männchen, plötzlich zum Leben. Es grunzte in drohender Weise und bewegte sich ruhelos umher. Der Neuangekommene beugte den Kops achtungs­voll bis zum Eise herab, zog ihn aber bald vorsichtig auf die Scholle hinauf, bis er sich mit der Vorder­finne am Eise festhalten konnte, und warf sich ein kleines Stück hinauf. Nunmehr kam der alte Bulle ganz in Harnisch. Er drehte sich herum, bellte und watschelte an den Neuankömmling heran, um ihm die kolossalen Hauer in den Rücken zu stoßen. Der letz­tere, der dem alten Bullen an Hauern wie an Größe

*) Dies schien mir zu beweisen, wie wenig die Walrosse Bären zu beachten scheinen, die jene nie angreifen, wenn sie es umgehen können. Ich erhielt hiervon später noch über­zeugendere Beweise.

gleich zu sein schien, verbeugte sich demüthig und legte, wie der Sklave vor dem Sultan, den Kopf auf's Eis, worauf der alte Bulle zu seinem Gefährten zurückkehrte und sich wie vorher ruhig niederlegte. Kaum rührte der Neuangekommene sich aber, nachdem er einige Zeit in seiner knechtischen Lage verharrt hatte, als der alte Bulle grunzend nach ihm stieß, und nun zog sich der andere achtungsvoll zurück. Das wiederholte sich meh­rere Male. Endlich, nach vielem Hin- und Her- manövriren gelang es dem Neuankömmling, sich ganz auf die Schölle hinaufzuziehen und schließlich neben die anderen zu kommen. Ich meinte, eine zarte Nei­gung müsse etwas mit diesem Vorgänge zu thun haben, entdeckte jedoch später, daß es sämmtlich Männchen waren. In dieser freundschaftlichen Weise empfangen also die Walrosse ihre Gäste. Das Mitglied der Schaar, das diese gastlichen Pflichten zu erfüllen hat, scheint besonders ausgewählt zu werden, und ich neige zu dem Glauben, daß es der Führer ist, der sich diese Würde aneignet und jedem Neuankömmling anzuzeigen wünscht, daß ihm gehorcht werden muß. Die Thiere müssen außerordentlich gesellig veranlagt fein, wenn sie trotz solcher Behandlung doch beständig die Gesell­schaft der anderen suchen und immer dicht bei einander liegen. Als wir etwas später zurückkamen, um nach Ihnen zu sehen, hatte sich noch ein Thier hinzugesellt, und am nächsten Morgen lagen sechs neben einander. Man sollte fast nicht glauben, daß diese auf dem Eise liegenden Klumpen lebende Thiere sind. Mit einge­zogenem Kopfe und die Hinterbeine glatt unter dem Körper legend, verharren sie stundenlang vollständig bewegungslos und sehen aus wie ungeheuere Würste. Es ist leicht zu verstehen, daß diese Burschen sich sicher und ohne Furcht vor irgend etwas in der Welt fühlen.*)

*) Im Anschluß an diesen Artikel, den wir Nansen's soeben in der gebundenen Ausgabe erscheinendem Werke „In Nacht und Eis" mit Genehmigung des Verlegers F:A. Brockhaus in Leipzig entnehmen, können wir unser Urtheil über das hochbedeutsame Werk kurz fassen. Was Nansen geleistet, ist bewundernswert^ Mit der Schilderung seiner einzig da­stehenden Erlebnisse in den Eiswüsten des Nordpols, seines unablässigen Kampfes mit den finsteren verderbendrohenden Mächten spannt er den Leser und gibt zugleich ein Bild seiner kraftvollen Persönlichkeit, ein Vorbild wahren Mannesmuthes und echten Forschergeistes. Die reiche, elegante Ausstattung, welche die Verlagshandlung dem Werke trotz des billigen Preises zu Theil werden ließ, ist rühmend anzuerkennen; ins­besondere ist die Beigabe der 8 Chromotafeln nach Originalen Nansen's, der 4 Karten und der 207 Abbildungen hervorzu­heben. Text und Ausstattung vereinigen sich, das Werk für Jedermann empjehlenswerth zu machen. Die Lieferungs-Aus­gabe wird vom 21. April ab ebenfalls komplet zu haben sein. MB—W—II»WW, IM I ^MMMWUkWIT«

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

33] —---- (Nachdruck verboten.)

Antonie hatte sich bereits eingefunden, als Severin mit einbrechender Dunkelheit das Häuschen betrat. Er bemerkte sofort, daß das Mädchen in einer un­gewöhnlichen Aufregung war. Er wunderte sich jedoch nicht mehr darüber, als er den Grund seiner Bestellung erfuhr.

„O Severin," schluchzte Toni unter ausbrechenden Thränen, „wie unglücklich nnd elend bin ich! Alles drängt auf mich ein! Ich werde am Ende nach geben, ich werde den entsetzlichen Schritt thun müssen, der mir bitterer vorkommt als der Tod. Wenn ich nicht das Andenken meines Vaters beschimpfen lassen ivill, bleibt mir keine andere Wahl."

Severin erschrack. „Was ist denn geschehen, Fräulein?" forschte er. „Warum verlieren Sie auf einmal den Mukh?"

Toni trocknete ihre Thränen. Dann nahm sie wieder das Wort. „Morbor war heute beim Onkel. Da ich diesen frechen Menschen aber ebenso wenig wie den Grafen ausstehen kann, flüchtete ich mich aus dem Zimmer in das Gartenhaus. Kaum war ich dort, als auch der Onkel mit seinem Gaste heraus­trat. Ich glaubte anfangs, der schöne Herbsttag habe sie in's Freie gelockt, aber ich entdeckte bald nachher, daß etwas ganz anderes die Veranlassung war. Morbor führte den Onkel auf den freien Platz im Rondell und schaute sich vorsichtig um. Dann zog er ein Papier ans der Tasche. Er las etwas vor. Ich verstand einige Worte, den Zusammenhang aber nicht. So viel jedoch bemerkte ich, daß der Onkel in einen grenzenlosen Schrecken gerietst. Nun verhandelten sie