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24. Jahrgan«

Freitag, den 9. April 1897

mit Unterhaitnngs-Kritagr „gttrnt »nd Ktnmeu

hindern. Das Wort ist niemand abgeschnitten worden, und wenn jemand meint, er könne noch einen neuen Gedanken zu der „nicht genügend vorbereiteten" Vor­lage beibringen, warum hat er sich nicht gemeldet. Herr v. Plötz u. Genossen haben an eifrigsten ge­schwiegen oder durch Abwesenheit geglänzt. Und hinterher schimpft man dann.

Was man auch gegen den Reichstag sagen möge, er hat vor allem vor dem preußischen Abgeordneten­hause das voraus, daß er eine wirkliche Volks­vertretung ist. Nicht allein, daß er nicht einem plutokratischen Wahlrecht entsprungen ist, er tritt auch der Regierung selbstständig gegenüber und sagt Nein," wo etwas allen Interessen des Volkes widersprechendes gefordert wird. Die Kartellbrüder aber, die das Abgeordnetenhaus beherrschen oder vielmehr darin von Herrn v. Miquel und seine Kollegen beherrscht werden, sagen zu allen Sachen Ja.

Der falsche Graf. Kriminalroman von Max Benno.

32] ------- (Nachdruck verboten.)

Der Graf hatte sich, trotz seines anfänglichen Grauens vor dem Manne, der ihm über das Ge­schehene bis zu den geheimsten Einzelheiten einen so ivahrheitsgetreuen Spiegel vorhielt, aümählig von seiner furchlbaren Erschütterung erholt. Er begann zu ahnen, welche Absicht sich hinter dem Vorgehen Malang's verbarg. Eine Anklage brauchte er osten­bar nicht zu fürchten; sonst wäre der Sekretär nicht zuerst zu ihm gekommen. Dagegen handelte es sich um ein Opfer, zu deffen Umgehung es für ihn kerne Möglichkeit gab. Er beugte sich vor der Macht des verwachsenen Mannes, der sich zum Mitwisser des gefährlichen Geheimnisses zu machen und ihn mit den Maschen eines Netzes zu umgarnen gewußt hatte, aus dem nur ein einziger Ausweg noch Rettung ver­sprach. Leugnen half nichts, das begriff er. Ebenso wenig Surfte er es darauf ankommen lassen, daß der Sekretär Veranlassung zu einer feindseligen Haltung gegen ihn oder Morbor bekam.

" Malang mochte seine Gedanken errathen. Wieder zuckte ein "überlegenes Grinsen um seinen Mund. Sie scheinen mit einem Entschlüsse zu kämpfen".

bemerkte er, „der Ihnen, ich glaube es gerne nicht so aar leicht werden mag. Ich will Ihnen helfen. Es "fällt mir begreiflicher Weife nicht ein. Sie und den Herrn Fabrikanten Morbor in Verlegenheiten zu bringen, denn ich hätte wahrscheinlich keinen erkleck­lichen Nutzen davon. Der Nützlichkeitsgesichtspunkt aber kommt bei meiner Handlungsweise allein in Betracht. Wenn Sie sich also in angemessener Weise mit mir für mein Schweigen abftnden, dann bm ich über den ganzen Handel so stumm rote ein Fisch."

Was' verlangen Sie?" fragte Adolf, den diefe Wendung endlich zur Entscheidung gedrängt hatte. „Ich bin gerne zur Zahlung einer entsprechenden Summe bereit."

Malang schmunzelte. „Wir wollen die Sache möglichst einfach behandeln", hielt er, nut den Augen zwinkernd, entgegen. „Wozu viele Worte machen wo der kürzeste Weg auch der zweckmäßigste- tjt ? Horen Sie meinen Vorschlag: An Stelle des von Morbor verlangten „Halbpart" trete ich als Dritter rn Euren Bund "ein. Das schöne Erbe reicht für .^eben von uns zu einem angenehmen Leben, und durch die Gleichmäßigkeit der Interessen wird aus diffe Weise jeder schädliche Hintergedanke aus dem Wege ge- E'Adolf erhob sich. Sein Mienenspiel drückte eine

•b Der Reichstag

hat am Mittwoch die Osterferien angetreten Von dem ihm vorgelegten ungeheueren Arbettsstoff hat er bereits einen ansehnlichen Theü erledigt lstbensallv steht er in seinen Leistungen dem preußischen Abge­ordnetenhause nicht nach. Daß er sich 9l*obIuOn denjenigen, die ihm nun einmal übel wollen schwer radeln 9unb gegen das kartellbeherrschte Dreillaffeu- haus herabsetzen lassen muß, versteht sich von selbst. De- Landtag, der am Donnerstag seine Ferien

W, ist tas °°ch d.m Reichst-«, einberufen worden. Der Reichstag hat seinen Etat rechtzeitig fertig gestellt, das Abgeordneten­haus steckt noch immer mitten in der zweiten Berath- Ung unb wird Mühe haben, bis Pfingsten (!) den Etat zu erledigen. Eine derartige Verschleppung ist noch chch, dagewesen. Di- W «KW « damit, daß der Etat dem Reichstage zwei Monate früher vorgelegt worden sei als dem Landtage, --.lese Entschuldigung ist aber nicht stichhaltig. Denn der Reichstag hat wegen der Berathung der ^ustiznovelle die erste Berathung des Etats erst Anfangs Dezember vornchmen können; bann traten bald die Weihnach.s- ferien ein; der wirkliche Vorsprung betrug also kaum 14 Tage und entspricht nicht entfernt^ der landtag- üchen Verschleppung bis Pfingsten, sodann meint die Post", das Abgeordnetenhaus habe die Beamten- aufbefferung im Etat selbst zu erledigen gehabt, während das beim Reichstage anders sei. Dafür bot aber auch der preußische Etat so gut rote gar feine Streitfragen und nichts Neues, wahrend der Reichsetat die unerwarteten Marineforderungen ent­hielt, die mindestens so viel Arbeit machten, wie die Beso'ldungsausbesserung in Preußen. Dazu kam eine Reihe anderer fälligen Forderungen, l.eocrdies ist die Berathung der Reichsbeaintenaufbesserung in der Kommission schon bedeutend vorgeschritten; daß man noch nicht weiter ist, liegt zum großen Theü daran, daß das ersorderliche Material von der pregierung nicht eher geliefert wurde.

Den preußischen Vorlagen wegen der Konver- tirunq der Konsuls und wegen der Schul­dentilgung stehen eine Reihe entsprechende Gesetze als fertig gegenüber. Daß die ,Post' das preußische Schuldentilgungsgesetz für besser halt als das Reichs- schuldentilguiigsgesetz, ist schon deshalb klar weil Herr v. Miquel sein Gesetz ja mit der Absicht geschlossen hat, einen Druck aus den Reichstag zu Gunsten seiner „Finanzreform" auszuüben, der Reichs­tag eben unerbittlich bleibt. Sehr wenig angebracht ist es, bas Reichsgesetz herabzusetzen, weil es die Schuldentilgung mittels gekürzten Ueberroetfungen aus­führe, und das preußische zu loben weil Preußen aus eigenen Kräften Schulden tilge und nicht aus die Dotationen der Provinzen und Kreise zurückgreise. Die Ueberweisungen sind doch in Wirklichkeit eigene Mittel des Reiches, und man kann mit Recht sagen.

das Reich habe früher den Einzelstaaten Mittel zur Schuldentilgung geschenkt und thue dies zum Theü noch; nicht aber verhält es sich umgekehrt.

Das Lehrerbesoldungsgesetz, das in der Hauptsache schon im vorigen Jahre geschlossen war, das Richterbesoldungsgesetz, die Rellkten- versorgung sind Kleinigkeiten, die tm Reichstage durch eine Anzahl kleine Gesetze, Verträge u. s. w. voll aufgeroogen werden. Dann kommt das preußische Hauptstück, die Stadt- und Landgemeinde­ordnung für Hessen-Nassau, die aber rote auch anderes, noch nicht endgiltig erledigt ist. Dafür hat der Reichstag eine Anzahl umfangreicher fertiger Gesetze aufzuweisen: die Grundbuchordnung, das Gesetz über die Zwangsvollstreckung und Jwanqsverroaltung, endlich das Handels­gesetzbuch. Darin steckt weit mehr Arbeit als m der Städte- und Landgemeindeordnung. Von den zahlreichen Initiativanträgen find Interpel­lationen im Reichstage wollen wir nicht erst reden. Und alles, wir wiederholen es, ist geleistet roorben neben dem Etat, während bas Kartellhaus ben Etat nicht entfernt fertig zu bringen vermochte.

Aber noch mehr. Der Reichstag hat in der ersten Lesung noch eine Anzahl wichtiger, meist auch sehr umfangreicher und schwieriger Gesetzentwürfe er­ledigt, die jetzt in den Kommissionen sind und dort zum Theü schon bedeutend vorgearbeitet wurden, rote Novelle zu den Unfallversicherungsvorlagen, Auswanderungsgesetz, P"stk>ampfervor- lage, Handwerkervorlage. Das Abgeordneten­haus hat neben seinen ständigen Kommissionen keine von Bedeutung gehabt, außer der zur Vorberathung des Hessen-Nassauischen Gesetzes. Der Reichstag da­gegen hat der wichtigsten besonderen Komnnf fronen so viele, daß er manchmal nicht wußte, wie er sie be­setzen sollte. Diese haben fleißig getagt, ohne daß die Plenarberathungen unterbrochen wurden, wahrend das Abgeordnetenhaus seine Plenarsitzungen wiederholt wegen der Kommissionen ausgesetzt hat. Patz bte Geschäftsförderung im Plenum leiden muß, wenn allzuviel in der Kommission gearbeitet werden muß, liegt auf der Hand, darnach ist der Reichstag tm

Wer durchaus tadeln will, findet leicht einen Grund." So muß sich denn der Reichstag von der büiidlerischen .Deutschen Tageszeitung" schwere Vor­würfe machen lassen, weil er das Handelsgesetzbuch bei schwacher Besetzung „durchgehetzt habe. Es ist bemerkenswerth, daß fast immer, wenn auf die schwache Besetzung des Reichstags geschimpft wird, die Parteien am schwächsten vertreten find, von denen aus geschimpst wird. Beim Handelsgesetz­buch waren gerade die Bänke in der Gegend, wo Herr v. Plötz sitzt, am leersten, wie gewöhnlich. War die Durchhetzung" den Freunden der ,Deuts eben -Tages­zeitung" nicht recht, so hatten sie es ja in der Hand, sie durch Anzweiflung der Beschlußfähigkeit M^ver-

Derrtsches Deich.

Berlin, 8. April.

Mrg Wismarck hat vom Kaiser kein Glückwunschtelegramm zu seinem Geburtstag erhalten. Das W olff'sche Telegraphenbüreauwiderruft seine Nachricht über das Glückwunschtelegramm jetzt selbst und theilt mit, daß ihm die Meldung von Hofrath Otto de Grahl mit dem Bemerken schrift- lich übermittelt worden sei, er habe die Nachricht nicht für den Hofbericht erhalten, sie sei aber durchaus zu­treffend. Auf wiederholte Anfrage hat Herr de Grahl dem Büreau noch am Abend des 3. April brieflich die Richtigkeit der Nachricht bestätigt. Erst am Sonntag früh hat das Büreau erfahren, daß es getauscht war Herr de Grahl war es bekanntlich auch, welcher die falsch» Lesart über den Zarentoast m Breslau dem Büreau übermittelt hat.

v? Der.Reichsanzeiger" widmet dem Derftorbenen Staatssekretär des Reichspostamtes, Dr. o. Stephan, einen längeren Nachruf, in dem es heißt: „Heinrich v Stephan hat länger als em Vierteljahrhundert an der Spitze der Reichs-Verkehrsanstalten gestanden. Dem Bundesrath seit 1870, dem preußischen Herren­hause seit 1872, dein preußischen Staalsrath fett 1884 angehörig, hat er in diesen hohen Körperschaften nber die Grenzen seines Verwaltungs-Gebietes hinaus lange Jahre hindurch eine fruchtbringende, staatsmamusthe Tätigkeit entfaltet. Der Name des ersten General- Postmeisters des Deutschen Reiches, des Ernchters des Weltpostvereins, wird in der Erinnerung des deut­schen Volkes mit der Wiedererstehung des Deutschen Reiches dauernd verbunden bleiben und ui der Ge­schichte des Verkehrswesens für immer fortleben. — Die erste glänzende Probe fernes Organisationv- Talentes gab er nach Ausbruch des deutsch - fran­zösischen Krieges. Sein Eifer für Reformen iw Post- wesen und seine Verdienste um die Schaffung des Weltpostvereins sind allgemein bekannt. In den letz- augenscheinliche Bestürzung über diese Forderung aus; aber dennoch erhob er keinen Widerspruch Er wußte warum. Selbst wenn Malang noch mehr verlangt hätte wäre er gezwungen gewesen, nachzugeben, da seine ganze Existenz in dessen Hand lag.

Er führte den Sekretär in ein anstoßendes Zimmer. Dort folgte eine längere Verhandlung, wobei eine große Anzahl von Staatspapieren die Hauptrolle spielte, welche Malang sorgfältig unter fernem Rocke verbarg. Dann verabschiedete er sich rn der freund­lichsten Weise von dem Hausherrn und verließ die Villa mit einer Miene, die dem Diener Johann, der Jeuge des stürmischen Empfanges gewesen, als em geradezu unbegreifliches Räthsel erschien

Am folgenden Tage wurde der seitherige Haus­herr des Sekretärs Malang durch die plötzliche Kündigung des letztern in unangenehmes Erstaunen versetzt, das nur dadurch eine Milderung erfuhr, daß der Ver- mietber eine reichliche Entschädigung für feine Einbuße ^'Malang siedelte in den Löwen über und bezog die gleichen Zimmer, die ehemals der Baumeister Seeburg bewohnt hatte. Er gab den Rodenbachern : noch durch weitere Veränderungen tn seinem Auftreten zum Tagesgespräch Veranlassung und Stoff.

Malangs Geschäftsverbindung mit Jßdor schnell