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Montag, den 5, April 1897

24. Jahrgang

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mit Unterhaitungs-Keilage „Sterne und Klumen".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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Deutsches Keich.

Berlin, 3. April.

* Der Kaiser hatte, wie die Merl. Pol. Nachr/ berichten, am 22. März die Generaladjutanten Kaiser Wilhelms I. in dem Sterbezimmer des Palais Unter den Linden versammelt, ihnen mit einer Rede das Recht verliehen, auf den Achselfchnüren zur Erinnerung an den ersten Kaiser dessen Namenszeichen zu führen, und dabei mitgetheilt, er habe Anordnung getroffen, daß er selbst und der jeweilige erste Erbe der Krone Preußens zum ewigen Angedenken und zur lebendigen, aneifernden Erinnerung an die Regierungszeit Kaiser Wilhelms I. dessen Namenszug mit den Schnüren der Generaladjutanten zu tragen haben.

*Zu der am 22. Aprilstattfindenden österreichischen ArnHjaHrs-Gruppenparade trifft der deutsche Kaiser infolge spezieller Einladung des Kaisers Franz Joseph am 21. April in Wien ein. Er steigt in der Hofburg ab. Am 22. April Abends reist er ab.

st. Der dem Reichstage zugegangene Wachtrags- etat wirst auch 600,000 M. aus zur Erhöhung des Fonds für Beihilfen au hilfsbedürftige Kriegstheil- nehmer. Die Budgetkommission hatte bekanntlich auf Antrag des Abgeordneten Müller (Fulda) die Er­höhung des Fonds um 960,000 M. beschlossen und durch diese höchste Ziffer großen Zorn bei Herrn v. Miquel erregt. Der Nachtragsetat will nicht die volle vom Reichstage gewünschte Summe hergeben, um den seit 1894 dem Kapitalüberschuß des Jn- validensonds zugewachsenen Betrag von 4,536,000 M. rntakt zu erhalten. Mit anderen Worten: das Geld ist wohl da, aber man will es nicht angreifen. Ob­schon der Kapitalüberschuß des Jnvalidenfonds 88 Millionen beträgt und wächst, will man doch nur die Zinsen dieses Ueberschusses hergeben. Die Verwaltung des Fonds glaubte sogar nur 400,000 hergeben zu dürfen, so daß 3333 weitere Personen jährlich 120 M. erhalten können. Im Reichsschatzamte hat man aber gemeint, man könne auch 600,000 M. wagen, damit 5000 Personen unterstützt werden können. Die Budgetkommission hatte 8000 Bedürftige an­genommen. Die Vertheilung des Fonds erfolgte bisher nach der Bevölkerungszahl der Einzelstaaten. Fortan soll die Vertheilung nach dem Verhältniß

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

28] —-— (Nachdruck verboten.)

Ohne besondere Anstrengung wurde das User er­reicht. Hier hatte sich indessen bei Laternen- uno Fackel­schein eine große Menschenmenge gesammelt und mit wechselnden Gefühlen die Arbeit der Männer verfolgt, von der die Rettung des Lebens zweier Menschen ab­hing. Ein Freudenruf mischte sich in das Toben des Sturmes, als das Werk endlich gelungen war und die Mannschaft mit den Verunglückten auf dem sichern Boden erschien. Die Genugthuung der Leute verwandelte sich jedoch sofort in das Gegentheil, als sie das Unheil erfuhren und gewahrten, wie Schirmer mit schmerzverzerrtem Antlitze in tiefer Bewußtlosig­keit dalag. Einen Augenblick herrschte vollständige Rathlosigkeit, Jammer und Wehklagen tönten aus der wachsenden Menge heraus.

Ta wurde die Menge mit kräftigen Armen zer- theilt, und eine hochgewachsene Mädchengestalt kam zum Vorschein: Antonie Sa llust. Der Ausdruck eines tiefen Mitgefühls lag auf ihrem Gesichte.

„Tragt den Wiesmüller in unser Hans," wandte sie sich an die Männer, „und einer eile zum Arzt. Der arme Mann stirbt Euch ja unter den Händen, wenn nichts geschieht!"

der in den Einzelstaaten amtlich festgestellten Kopfzahl hilfsbedürftiger Krieqstheilnehmer erfolgen, was jeden­falls das Richtigere ist.

Nach dem Nachtragsetat sollen die Kosten der Errichtung eines Denkmals für Kaiser Wilhelm I. an der Einmündung des Kaiser Wilhelm-Kanals in den Kieler Hafen aus dem Fonds des ersten Nachtragsetats für 1895/96 „zur Eröffnung des Nordostseekanals" bestritten werden. Durch jenen Nachtragsetat war für die Eröffnung des Nordost­seekanals ein Betrag von 1,700,000 Mk. bereitgestellt. Hiervon sind 1,561,262,27 Mk. zur Verwendung ge­langt, so daß ein Restbetrag von 138,737,73 Mark verfügbar bleibt. Es besteht der Wunsch, die ersparte Summe zur Errichtung des Denkmals für Kaiser Wilhelm 1. zu verwenden, zu welchem bei der feier­lichen Eröffnung des Kanals auf dem Festplatze bei Holtenau der Grundstein gelegt wurde. Warum nicht? Wir haben ja Geld genug!

* lieber geradezu entsetzliche Fortschritte des Katholizismus in — Thüringen weiß eine Korrespondenz zu berichten, welche sich in einer größern Anzahl mitteldeutscher Zeitungen, auch aus unserer Gegend, befindet. Diese Korrespondenz lautet wie folgt: „Langsam, aber sicher erobert der Katholi­zismus in Thüringen ein Gebiet nach dem anderen. Nachdem er es in Gera dahin gebracht, daß er ein eigenes werthvolles Grundstück, worin Betsaal, Pfarr­wohnung usw. sich befinden, sein eigen nennen kann, geht er gleichermaßen jetzt in Greiz vor. Die Kapi­talien zum Bau einer Kirche si d bereits vorhanden, lagern aber noch in Dresden. Behufs Ueberbringung an den Ort ihrer Bestimmung hat sich die katholische Gemeinde neuerdings die Rechte einer juristischen Person verschafft. Für die neue Kirche in Greiz ist der Platz bereits neben dem Krankenhause gesichert. Eine selbständige Pfarrei wird am 1. April errichtet." Soweit diese katholikenfeindliche Notiz. Wer die außerordentlich ungünstigen Verhältnisse kennt, unter denen die Katholiken in Thüringen und in der Provinz Sachsen leben — man denke nur daran, daß allein im Regierungsbezirk Merseburg 15 große ka­tholische Diaspora-Schulen existiren, welche noch heute Privatschulen sind und die der Staat sich noch immer weigert, zu übernehmen — der muß hell auflachen, wenn er von diesen „Eroberungen des Katholizismus" liest. In Rheinland, Westsalen, Posen usw. werden schon für 6, 7 und 8 protestantische Kinder öffentliche Schulen errichtet, obschon deren Eltern sich oft höchstens ein oder zwei Jahre am Orte befinden. In Thü­ringen und Sachsen bestehen katholische Privatschulen seit dreißig und noch mehr Jahren, zählen 100—150 Kinder und erhalten nicht den Charakter als öffent­liche Schulen. Wenn jetzt nun die Katholiken in Gera, Greiz usw. sich einen Betsaal ober ein Kirchlein bauen wollen, so sind das gleich „kathol. Eroberungen" usw. In Halle a. Saale leben über 5000 Katholiken. Bis

Der letztem Aufgabe unterzog sich Severin, der, durch die furchtbare Erschöpfung selbst für eine Zeit lang aller Fassung beraubt, sich wieder einigermaßen erholt hatte.

Gleichzeitig trug man den immer noch bewußt­losen Müller nach dem Hause des Doktors Sallust, wo Antonie für denselben im Erdgeschosse ein Zimmer anwies. Vielleicht wäre sie in ihrem Liebeswerke durch den Onkel gehindert worden. Dieser befand sich jedoch nicht zu Haufe. Im Bewußtsein der für die Cementfabrik bestehenden großen Gefahr war er mit Morbor und einer Anzahl in der Eile zusammen­gerufener Arbeiter auf der hoch gelegenen Landstraße zu den bedrohten Werken geeilt.

Severin brachte den Arzt. Dieser untersuchte den Kranken. Sein Mienenspiel verrieth nichts Gutes.

„Da wird meine Kunst nicht mehr viel helfen," erklärte er unverhohlen. „Es ist am besten, wenn man ohne Verzug den Geistlichen holt. Der Müller erlitt in Folge des Balkenstoßes eine schwere innere Verletzung, der er bei seiner schon vorher bestehenden Hinfälligkeit vielleicht schon in den nächsten Sekunden erliegt. Der arme Mann ist verloren. Es will schon viel heißen, wenn es mir gelingt, die nahezu erstorbenen Lebensgeister noch einmal zu wecken."

Er schrieb ein Rezept, mit dem der vor Schrecken und Angst laut schluchzende Severin, ohne die naffen

voriges Jahr konnten dieselben ihre Gottesdienste nur in einem ganz baufälligen Saale abhalten. Jetzt haben sie Gott sei Dank eine eigene Kirche; aber welch' schwere Opfer haben sie bringen müssen, um sich dieses Gotteshaus bauen zu können!

* Das Fußleiden des Staatssekretärs Dr. von Stephan hat einen weiteren operativen Eingriff nöthig gemacht, der heute Morgen von Professor Dr. von Bergmann schnell und glücklich bewirkt worden ist. Nachdem ihm schon früher eine Zehe abgenommen wurde, mußte jetzt der ganze rechte Unterschenkel am- putirt werden.

* Wie der .Hamb. Korr.' mittheilt, hat die deutsche Negierung wegen der Verträge, die französische Expeditionen in Gurina im Nigergebiet abgeschlossen, in Paris an die schon vor zwei Jahren dorthin mit- getheilten Verträge deutscher Reisender über dieselben Gegenden erinnert und Wrotest gegen die Protektorats­erklärung eingelegt. Es wird also jetzt zu einer Prü­fung der beiderseitig vorliegenden Verträge kommen.

< Die Most' widmet den Bemühungen des Centrums und anderer Parteien um die Aufsteste- ruttß der preußische» Weamten einen geheimräth- lichen Artikel, worin ausgeführt wird, es fei mit den Anträgen auf weitere Gehaltserhöhungen und Auf- befferungen der Unterbeamten gar nicht ernst ge­meint gewesen. Man habe nur große Worte ge­habt, ohne dem Willen die That folgen zu lasten; man habe sich den Beamten nur äußerlich gefällig er­zeigen wollen und sie am Narrenseile herumgeführt, man habe int Wahliittereffe ein unwürdiges Spiel mit ihnen getrieben re. Wir misten nicht, was die natio- naltib eraten Freunde der Most' sich bei ihren Anträgen gedacht haben; da sie von vornherein ent­schlossen waren und dies öffentlich erklärten, sich den Wünschen des Herrn v. Miquel ganz zu unterwer- sen, so mögen sie es nicht allzu ernst gemeint habe». Daß ein Theil des Centrums bei der Abstimmung fehlte, vorzugsweise wegen anberroeiter Beschäftigung int Reichstage, beweist aber nichts gegen den Ernst seiner Absichten. Wußte man doch, daß man einer festen Mehrheit gegenüberstehe. Aber sind alle An­träge nicht ernst gemeint, die man in sicherer Voraus­sicht der Ablehnung stellt? Dann erinnert die Most' ganz gelegen an das Verhalten des Centrums zu den Marine - Forderungen. Haben sich etwa die Reichs­parteiler und sonstigen Flotten-Kartellisten nut deshalb so „patriotisch" und „opferwillig" geberbet, weil sie bie Gewißheit hatten, baß eine feste Mehrheit für bie Kommissions-Beschlüsse vorhanden sei? Dann hätten sie ihrerseits ein „unwürdiges Spiel" mit der Marine- Verwaltung gespielt und diese „am Narrenseile von Hoffnungen herumgesührt", an deren Erfüllung sie nicht dachten.

* Dem Reichstage ist heute der Entwurf eines Gesetzes wegen anderweiter Bemessung der Wiitmen- nnd Waisengekder nebst Begründung zugegangen.

Kleidet gewechselt zu haben, davon eilte und bald wieder kam. Er blieb auch jetzt bei dem Kranken. Die Ermahnungen Antoniens, an seine eigene Ge­sundheit zu denken, beachtete et nicht.

Nach der zweiten Arzneieingabe bemerkte man endlich, wie mit dem bewegungslosen Müllet eine Veränderung votging. Die Lippen und Gesichts­muskeln zuckten, er wurde unruhiger und kam all- mählig zu sich. Befremdet schaute er sich in dem Raume um. Antonie hatte sich auf die Seite gestellt. Et gewahrte sie nicht. Dagegen fiel sein Blick auf Severin. Auf einmal wurde sein Gesichtsansdruck ein ganz anderer. Die gewöhnliche Härte wich dem Wiederschein einer ungemeinen Weichheit, und aus den Augen traten Thränen hervor. Innig drückte er des treuen Knechtes Hand, die dieser ihm gereicht hatte, an feine Brust. Sprechen konnte er immer noch nicht.

Da ertönten im Hausflur verworrene Stimmen. Antonie erkannte sie. Sie schrak zusammen und eilte hinaus.

Mit verstörtem Antlitz trat ihr der Onkel ent­gegen. Seine Kleider trieften von Master, und das Haar war in wirren Strähnen auf die Stirne ge­klebt. Er warf dem Mädchen einen wüthenden Blick zu, das sofort begriff, daß Sallust bereits in bas Geschehene eingeweiht war. „Wie kannst Du Dich