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Jfc 76

24. Jahrgang

Samstag, den 3. April 1897

uldaer

mit Unterhlütrmgs-Krttage „Sterne nnd Kiumen".

Erscheint täglich, Sonn- Jnsera

und Seiertaqe ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Mit irbtm Tage

fann mit dem Abonnement auf unsere Zeitung noch Begonnen werden. Unsere Freunde und Gesinnungs­genossen bitten wir, in ihren Bekanntenkreisen unsere Zeitung empfehlen und zum Abonnement ermuntern zn wollen. Probenummern werden auf Verlangen von der Geschäftsstelle unberechnet und postfrei gerne geliefert.

Die ,Fuldaer Zeitung", welche, wie von unseren Lesern freundlichst anerkannt wird, sich stets erfolgreich bemüht hat, ihren Inhalt stetig zu verbessern und zu -erweitern, wird auch im Laufe dieses Jahres nach Kräften bestrebt sein, ihren Lesern ein getreues Spiegel­bild der Weltbegebenheiten zu bieten.

i4! Zur politischen Lage.

Der „Erholungsurlaub" des Staatssekretärs Holl- inann hat den Krisengerüchten neue Nahrung gegeben und die Freunde, die für die Marine schwärmen, weil sie für Bismarck schwärmen, wieder in lebhafte Arbeit gebracht. In der That muß man gestehen, daß dieser Erholungsurlaub, und was damit zusammenhängt, etwas eigenartig aussteht. Die Nachricht, daß der Kaiser das Urlaubsgesuch Hollmanns endgültig und unter besonderer Bezeugung seines Vertrauens ab ge­lehnt habe, scheint nicht wahr gewesen zu sein. Es ist bekannt, daß der Urlaub eines Ministers oft nur die Vorbereitung seines Rücktritts ist, zumal dann, wenn er zu ungewohnter Zeit gewährt wird. Daß der Staatssekretär des Marineamts durch die parla­mentarischen Verhandlungen überangestrengt worden sei, so daß er sich sofort gründlich erholen muffe, läßt sich doch kaum sagen. Die Verhandlungen in der Kommission und im Plenum haben doch nur wenige Tage gedauert. Andere Minister und Staatssekretäre haben ungleich mehr parlamentarische Arbeiten und Kämpfe mitzumachen, ohne am Schluß gleich eines Urlaubes zu bedürfen.

Noch auffallender ist die Stellvertretung des Herrn Hollmann während seines Urlaubs. Im fernen Ost- afien weilt als Kommandant des dortigen Geschwaders Contre-Admiral Tirpitz. Dieser ist zum Stellver­treter Hollmanns ernannt worden. Bis er in Berlin eintrifft, dauert es mindestens 5 Wochen. Inzwischen übernimmt die Stellvertr'etung Contre-Admiral Bickel. An Stelle von Tirpitz wird Contre-Admiral Diederichs nach Hinterasien geschickt. Würde man einen Stell­vertreter für den Staatssekretär aus Ostasien kommen lassen, wenn es sich in der That nur um einen Er­holungsurlaub handelte, nach dessen Ablauf der Be­urlaubte fein Amt wieder übernähme? Ein gewobn- licher Urlaub wäre ja schon abgelaufen vor Eintreffen des Stellvertreters. Man kann daher nur annehmen, daß demnächst ein Wechsel in der Leitung des Reichs- marineamts eintreten, also Tirpitz Staatssekretär werden soll.

Contre-Admiral Ti,rpitz ist bekanntlich derselbe, von dem im vorigen Herbste berichtet wurde, er habe eine Denkschrift ausgearbeitet über die nothwendige Flottenvergrößerung. Es wird behauptet, diese Denkschrift fei ziemlich identisch mit der „Nieder­schrift" des Herrn Hollmann. Wie dem auch fei, jedenfalls hat der Reichskanzler sich f. Zt. im Reichs­anzeiger gegen diese Denkschrift, wie überhaupt gegen die Einmischung eines Offiziers in unverantwortlicher Stellung in Dinge, die allein dem Reichsmarinefekretär und den Reichskanzler angingen, gewehrt. Er hat sich in Abweisung der Thätigkeit des Contre-Admirals Tirpitz überhaupt gegen unübersehbare Marinepläne ausgesprochen und b.e im vorigen Jahre im Reichs­lage gegebenen Erklärungen gegen die uferlosen Flotten- pläne erneuert. Wenn er nun auch die Niederschrift Hollmanns schließlich über sich hat ergehen lassen, so ist es „doch sehr" zweifelhaft, ob er wird mit einem Manne zusammen arbeiten können und wollen, den er vor einem guten halben Jahre öffentlich „gerüffelt"

hat. Somit kann der „Erholungsurlaub" Hollmanns leicht mit einem Kanzlerwechsel enden.

Ueberhaupt wirft die Herübercitirung des Herrn Tirpitz einiges Licht auf die wahren Urfachen der „Erholungsbedürftigkeit" des Staatssekretärs. Nicht die Ablehnung der Marinesorderungen hat die Krisis herbeigeführt. Herr Hollmann ist seines Amtes schon lange überdrüssig, weil zu Vieles über seinen Kopf hinweg und ohne fein Vorwissen geschah, von dem er von Amtswegen vorher hätte Kenntniß haben müssen. Das Marinekabinet, und was damit in Ver­bindung steht, hätte ihm fein Amt verleidet, nicht der Reichstag. Sollte Herr Tirpitz Staatssekretär werden, so würde das selbstverständlich bedeuten, daß die uferlosen Flottenpläne nun von einer ganz be­sonders „schneidigen" Hand verwirklicht werden sollen. Der Herr möge sich aber nur keinen Illusionen hin- geben; er würde ebenso wenig erreichen wie sein Vorgänger, wahrscheinlich sogar viel weniger, denn er würde von vornherein im Reichstage, der sich be­kanntlich durch „Schneidigkeit" gar wenig imponiren läßt, größerem Mißtrauen begegnen.

Die Bismarck-Frondeure schüren und treiben natürlich mit aller Macht, um die Marine-Enthusiasten zu „thatkräftigem" Vorgehen zu bewegen, denn um so eh:r kommt der ersehnte „Kladderadatsch", der die Unentbehrlichkeit Bismarcks beweisen soll. Dahin rechnen wir die Meldung der,Staatsbürger-Ztg/, es werde nach Ostern eine besondere Marinevorlage an den Reichstag gelangen, in der die jetzt abgelehnten Forderungen'wieder enthalten seien. Offenbar soll damit der „Roon der Marine", wie die Bismarckischen ,Berl. N. Nachr/ Herrn Tirpitz nennen, nur ange­feuert werden. Dieselben N. Nachrichten sagen, Tirpitz sei kein Mann der uferlosen Flottenpläne, „wohl aber ein Seeoffizier von klarem Blick, ruhigem Erwägen und unbedingtem Festhalten des als richtig erkannten Zieles." Es kommt darauf an, was man unter „uferlosen Flottenplänen" versteht. Jedenfalls wünschen wir, daß die nichtamtlichen Marmeschwärmer bald möglichst in eine verantwortliche Stellung kommen. Sie werden darin die beste Gelegenheit haben, zu zeigen, was sie können, und bald abwirthschafteu. Daun würde endlich Ruhe werden. Aber die Ver­antwortung überlassen solche Leute ja meist groß- müthig anderen.

Aus Kirche und Schule.

* Mom, 1. April. Der hl. Vater hat einen Deutschen zum Erzabt des Mutterklosters des Bene- diktiner-Ordens, Monte Cassino erhoben. Der hochw. Herr Bonifatius Krug, bisher Abt von Cesena und (feit 1895) auch General-Präsident der cassinensischen Benediktiner, ist 1838 zu Hünfeld bei Fulda als Sohn eines kurhessischen Beamten geboren. Die Familie war protestantisch; da wurde der kleine Konrad, da eine protestantische Kirche nicht bestand, gleich katholisch getauft. 1844 verließ der Vater Hünfeld, um mit der Familie nach Amerika überzu­siedeln, starb aber auf der Reife in Bremen. Die Mutter kam mit den Kindern allein in die Gegend von Chicago, wo sie und die ganze Familie katholisch wurden. Konrad besuchte später die Schule der Benediktiner-Abtei St. Vincent in Pennsylvanien und trat nach glänzend absolvirten Studien in's dortige Noviciat. 1860 legte er als Fr. Bonifatius die hl. Gelübde ab, mußte aber bald Amerika verlassen, da ihn die Regierung in die gegen den Süden auf- gebotene Miliz einreihen wollte. Er kam nach St. Paul bei Rom und nach Monte Cassino, wo er 1864 die letzten Gelübde ablegte und unter Erzabt d'Orge- mout Prior wurde, eine wichtige Stellung, die er fünfzehn Jahre hindurch bekleidete. Nachdem er während dieser Frist mehrere Mal in Ordens- Angelegenheiten nach Amerika zurückgekehrt war, wurde er Mitte der sechziger Jahre von Leo XIÜ. nach England gesandt als Visitator der _ dortigen Mönchs-Kongregation, in welcher Eigenschaft er sämmtllche Benediktiner-Niederlassungen in England und Schottland besuchte und nachher einen schrift­lichen Bericht über seine Beobachtungen verfaßte, der in Rom viele Anerkennung fand. Diesem Umstände ist es wohl zum Theile mit zu verdanken, daß Papst Leo den Prior im Jahre 1888 zum Abte des auf­

gehobenen Klosters bei Cesena ernannte, in dem feiner Zeit Pius VII. Novize und Mönch gewesen war. 1895 wurde der hervorragende, obwohl äußerst be­scheiden und zurückgezogen lebende Mann Präsident der alten Cassinenser Kongregation, ohne deshalb jedoch seine Stellung in Cesena aufgeben zu ntüffen. Als im vorigen Jahre Abt d'Orgemont starb, sollte Abt Krug alsbald sein Nachfolger werden; doch ge­lang es ihm noch ein Mal, die nach seiner Ansicht allzu schwere Bürde von seinen Schultern abzuwälzen. Nachdem aber Abt Quandel, ebenfalls aus deutschem Stamme, nach kaum achtmonatlicher Regierung im Februar des Jahres gestorben war, verlangte die Kommunität einstimmig und mit einer Art Ungestüm die Erhebung ihres ehemaligen Priors zur Würde eines Erzabtes, welchem Verlangen der Primas des Ordens sich ebenso bestimmt anschloß; in Folge dessen wurde Abt Krug anfangs März vom hl. Vater felbst zum Erzabt der Abtei Monte Cassino und znm Ordinarius der mit derselben verbundenen, nach italienischen Begriffen umfangreichen Diözefe (100,000 Seelen) bestellt. (Auch Abt Osländer von St. Paul ist als solcher Ordinarius einer kleinern Diözese). Am Feste des hl. Benedikt (21. März) hielt er sein erstes Pontifikal-Amt in der Basilika des altehr­würdigen Erzklosters, das unter seiner Leitung sich vielleicht bald schon zu neuer Blüthe erheben wird.

Uermischles.

X Leipzig, 2. April. Eine Ausstellung für Gesundheits- und Krankenpflege veranstaltet dahier der Verein für Gesundheitspflege Leipzig-Plagwitz in der Zeit vom 16. bis 30. Mai d. I. Die Ausstellung soll um­fassen: Gegenstände für die naturgemäße Gesundheits- und Krank»npflege; Samariiermesen; Turnen und Bewegungs­spiele; Sport; Kinderernährung, — Pflege — und Erziehung; Handarbeitsunterricht; Nahrungsmittel u. f. w., sowie die einschlägige Litteratur. Die zugehörige Zeitungslitteratur soll in einer Kollektivausstellung vertreten sein, deren Arrange­ment der Verein selbst übernimmt und für welche keine Platz- miethe erhoben wird. Die Prämirung findet am Eröffnungs­tage den 16. Mai statt. Die mit der Ausstellung verbundene Verloosung, welche bereits ministerielle Genehmigung erhalten hat, findet Montag den 31. Mai statt. Es kommen nur Ausstellungsgegenstände zur Verloosung. Die schon jetzt ein­gegangenen zahlreichen Anmeldungen von Ausstellern lassen ein umfassendes und lückenloses Gesammtbild erwarten. Wir machen alle interessirten Geschäftsleute und Fabrikanten darauf aufmerksam, daß die Anineldung zur Beschickung der Ausstellung bis zum 15. April beim Vorsitzenden Richard Scherling, Lcipzig-Plagwitz, Gleisstr. 5, part. zu erfolgen hat, von welchem auch die bezüglichen Drucksachen, sowie nähere Auskunft zu erhalten sind.

X In der bekannten Testamentsangelegenheit des Simon Mad, der bekanntlich einen großen Theil seines Vermögens der Stadt Berlin vermachte mit der Verpstichtung, ihm ein Denkmal in ganzer Figur zu errichten, soll neuerdings eine überraschende Wendung eingetreten sein. Die übergangenen Erben Blad's haben in einem Jmmediat - Gesuche an den Kaiser gebeten, der Zuwendung die landesherrliche Geneh- mi,ung zu versagen. Diesem Gesuche sind nun, wie jetzt be­kannt wird, zahlreiche eidesstattliche Aussagen beigefügt wor­den, welche es außer allem Zweifel lassen, daß der verstor­bene Millionär in den letzten 6 Jahren seines Lebens an hochgradigem Verfolgungs-Wahnsinn gelitten hat. Auch sein Hausarzt, der ihn während der letzten 6 Lebensjahre be­handelt hat, soll dieser Ansicht sein. Aus diesem Grunde soll er auch die ihm von dem Erblasser testamentarisch vermachte Bibliothek zurückgewiesen haben, indem er erklärte, daß er aus dem Testamente eines Geisteskranken keinerlei Bortheile ziehen wolle.

* Aeverralchcudr Auslegung. Im Gasthofe eines schlesischen Gebirgsdorfes hängt eine Tafel aus, auf der sämmtliche Trunkenbolde, an die Getränke nicht verabfolgt werden dürfen, namentlich aufgeführt sind. Der Landralh des Kreises kehrt eines Tages dort ein, um sich zu überzeu­gen, ob die Verordnung auch befolgt werde. Nach längerem Aufenthalt in der Wirthsstube verspürt er Durst und bestellt ein Glas Bier, erhält aber von dem Wirth zur Antwort: Daraus wird freilich nischt! S' tutt wer leid, Herr Land- r'ath, aber ich darf Ihnen kein Bier nich einschenken." Warum denn?" „Warum? Weil Sie halt auf der Seiferliste stehn!" erwidert der Wirth, indem er auf die an der Wand hängende Tafel zeigt.__________________________

Amtliche Bekanntmachung.

Den nachstehend Benannten dürfen Getränke nicht verabreicht werden:

Schneider Joseph Ruppig, Börtiger Karl Süffel, Schmiedegeselle Emil Pichler, Fräulein Paula Timpel, Knecht Friedrich Glucket.

Aer Königk. Laudrath.