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Samstag, den 3. April 1897

24. Jahrgang

mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klnmen".

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

X Die Aufhebung des Jesnitengefetzes ist heute abermals vom Reichstage beschlossen worden jvergl. Parlamentsbericht. D. Red.). Der Bundes­rath hat zwei Jahre hingehen lassen, ohne zu dem früheren gleichen Beschlüsse Stellung zu nehmen.^ Im vorigen Sommer hat der Reichskanzler aus die Inter­pellation des Centrums erklärt, es sei beabsichtigt zu prüfen, ob noch die eine oder die andere Congre- gation von dem Jesuitengesetze auszunehmen sei. Ueber das Ergebniß dieser Prüfung hat man aber nie etwas gehört. Vielleicht hat man im Bundesrathe es nicht für nöthig befunden, auf den Reichstagsbeschluß zu reagiren, weil er nicht von richtigen „Reichsfreunden", sondern in der Hauptsache vom Centrum, Freisinnigen, Sozialdemokraten, Welfen, Polen u. s. w. gefaßt sei. Diesmal ist ihm diese Ausrede abgeschnitten, denn der Reichstag legte ihm jetzt zwei Gesetzesbeschlüsse mit einem SQale „zur Auswahl" vor. Glaubt er diesen Beschluß auf Abschaffung des ganzen Gesetzes unbe­achtet lassen zu dürfen, wegen der „minderwerthigen" Mehrheit, die ihn gefaßt hat, so ist auch der Beschluß da, den § 2 abzuschaffen, der die Ausweisung aus­ländischer und die Ausenthaltsbeschränkung deutscher Jesuiten geschafft, und diesen Beschluß haben „unan­tastbare" Reichsboten, wie das Gros der Konservativen und ein Theil der Nationalliberalen mit zu Stande bringen helfen. Sogar Herr v. Bennigsen hat sich im vorigen Jahre dafür ausgesprochen, wenn er auch heute fehlte.

Das Centrum kann selbstverständlich mit der Halb­heit nicht zufrieden sein; es verlangt die Abschaffung des ganzen ungerechten Gesetzes und es hat die Ge- nugthuung, daß auch heute wieder die Mehrheit des Reichstages dafür eintrat. Wenn es nach Annahme des Ganzen dann doch auch wieder für den Theil eintrat, so geschah das, weil es hofft, daß sich der Bundesrath wenigstens nicht an einem Reichstags- beschlusse stillschweigend vorbeidrücken wird, den eine so große und auserlesene Mehrheit gefaßt hat. Er muß Stellung nehmen, aber genügen kann die Auf­hebung des § 2 nicht. Nur als Abschlagszahlung würden wir sie betrachten können. Wenn die Konser­vativen, Nationalliberalen, die für die Aufhebung des § 2 gestimmt haben, dies in der Absicht oder doch mit dem Hintergedanken thaten, andurch den § 1 um so sicherer zu retten, so sind wir der Ansicht, daß auch der § 1 schließlich verschwinden muß.

Bon der alten Kulturkämpferei, die einst das Je- fuitengesetz mit Hurrah schuf, ist nicht viel mehr übrig. Nur eine einzige „Säule" stützte heute noch das Gesetz, und das war Frhr. v. Stumm. Aber auch er zog es vor, keine Gründe anzuqeben, sondern sich auf frühere Erklärungen seiner Partei zu berufen. Man schämt sich der Wiederholung der alten hohlen Phrasen. Die Nationalliberalen ließen sich durch Herrn von Marquardsen vertreten, der zwar die alten Laden­hüter wieder hervorzukramen wagte, aber schließlich doch die Zustimmung eines großen Thestes seiner Freunde zur Aufhebung des § 2 kund thun mußte. Welch' eine Verirrung muß das Gesetz gewesen sein, wenn es sogar von dieser Seite zur Hälfte preisge­geben wird. Herr v. Marquardsen citirte zur Unter­stützung des tulturkämpserischen Theiles seiner Rede auch die Angriffe der ,Civilta Cattolica" auf den Dreibund, ja sogar den Centenar-Erlaß des Bischofs von Regensburg. Dafür wurde er zunächst von Herrn v. Vollmar abgefertigt; dann aber von Dr. Lieber, der die Erklärung des deutschen Provinzials des Je­suitenordens gegen die .Civilta Cattolica" in den stim­men aus Maria-Laach" verlas und betonte, daß das Centrum und die deutschen Katholiken entschieden am Dreibunde festhalten und Angriffe auf ihn durchaus verurtheilen.

Bei dem Freisinn ging wieder einmal alles durch­einander; nicht allein, daß die männliche und weib­liche Linie nicht mit einander übereinftimmten, in jeder dieser Linien gab es auch wieder Zwiespalt. Herr Richter stimmte gegen den Antrag Hompesch, während ein Theil seiner Parteigenossen dafür stinimte;

gesprochen haben weder die eine noch die andere. Von der freisinnigen Vereinigung stimmte der Abg. Dr. Barth für den Centrums-Antrag, während das Gros seiner Partei nur für den Antrag auf Aufhebung des tz 2 zu haben war. Die Konservativen zeichneten sich aber ganz besonders durch Meinungsverschiedenheit aus. Ein Theil stimmte für den Centrums-Antrag, ein Theil für den Antrag Limburg-Stirum- Rickert, ein Theil gegen alles.

Das Centrum hat allen Grund, mit dem heutigen Tage zufrieden zu sein. Der Bundesrath muß jetzt Stellung nehmen und wir glauben nicht, daß er noch so kulturkämpferisch sein wird, sogar den § 2 des Jesuitengesetzes aufrecht zu erhalten, den selbst Herr v. Bennigsen als hart und gehässig bezeichnet hat. Hoffentlich macht er aber gleich reinen Tisch und schafft das ganze Gesetz ab. Es ist ja doch im Prinzip längst preisgegeben. Und will er etwa auch in Zu­kunft edle Frauen, wie die Nonnen vom hl. Herzen, unter dem Gesetze leiden lassen? Das würde der Fall sein, wenn bloß § 2 aufgehoben würde.

Deutsches Deich.

Berlin, 2. April.

* Das Staatsminikcrium hielt heute unter dem Vorsitze des Fürsten Hohenlohe eine Sitzung ab.

Der Machtragsetat für 1897 98, welcher, wie wir gestern gemeldet haben, dem Reichstage zu­gegangen ist, beläuft sich auf 45,655,538 M. Davon entfallen 96,796 M. auf fortdauenide Ausgaben, 1,186,000 M. auf einmalige Ausgaben des ordent­lichen Etats und 44,372,742 M. auf einmalige Aus­gaben des außerordentlichen Etats. Bei den dauernden Ausgaben fallen in Folge der Konvertirung 1,125,000 Mark für Verzinsung der Reichsschuld fort, denen aber in Folge der Besoldungsverbesserungen und der geplanten Erhöhung der Bezüge für die Hinter­bliebenen Mehrausgaben des allgemeinen Pensions­fonds und des Reichsinvalidenfonds um 1,221,796 M. gegenüberstehen, sodaß sich eine dauernde Mehr­ausgabe von 96,796 M. ergibt. Von den einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats entsallen 140,000 Mark auf den Etat des Auswärtigen Amts für Er­weiterungsbauten der Gesandtschaft in Peking, 1,000,000 M. auf den Etat des Reichsamts des Innern zum Grunderwerb, sowie zu den Vorarbeiten für die Herstellung eines Präsidialgebäudes für den Reichstag und 45,000 M. auf den Etat der Marine­verwaltung zur Herstellung von Anschlußgleisen auf dem Gelände des Forts Bousmard bei Neufahr­wasser. Die einmaligen Mehrausgaben des außer­ordentlichen Etats betreffen die Verwaltung des Reichsheeres und bezwecken die Schaffung einer Reserve an Artilleriematerial. Das jetzige Material der Feldartillerie ist seit 1874 in Gebrauch und hat sich bei dem Gebrauch von Schwarzpulver vorzüglich bewährt. Seit Einführung des rauchschwachen Pulvers ist indessen der Verbrauch des Materials erheblich gestiegen, sodaß ein erhöhter Ersatz nothwendig wird.

* Nach einer Verabredung in der heutigen Sitzung des Senioren-Konveutes soll der Reichstag in der nächsten Woche das Handelsgesetzbuch noch vollständig erledigen. Man hofft, damit in 3 Tagen fertig zu werden, so daß der Reichstag am Mittwoch die Osterferien antreten kann.

* Aus der gestrigen Sitzung der Kommission für das Auswanderungsgesetz ist noch eine interessante Einzelheit nachzutragen. Seitens der Kommissions­mitglieder aus dem Centrum wurde eine Erklärung erbeten und erlangt darüber, daß der St. Ilaphaeks- Dereiu nicht als Beförderer der Auswanderung be­trachtet werde. Eine derartige Erklärung ist zwar schon in den Motiven enthalten. Der Direktor des Reichsamts erklärte aber auch ausdrücklich, daß die Staatsregierung in dem Wirken des St. Raphaels-Vereins den besten Mithelfer für die Ziele des Gesetzes ansehe und ihn durchaus nicht als Beförderer der Auswanderung betrachte. Die früher seitens der Regierung gehegten Anschauungen seien als irrig längst überwunden. Gewiß eine ehrende Anerkennung und Aufmunterung für die verdienten Leiter des St. Raphaels-Vereins. In frühem Jahren konnte es geschehen, daß gegen die .Kölnische Volks­zeitung" ein Strafverfahren wegen Begünstigung der

Auswanderung eingeleitet wurde, weil sie die bekannten Annoncen des St. Raphaels-Vereins veröffentlichte!

* Landshut, 2. April. Die Abhaltung des diesjährigen Katholikentags in Landshut ist so gut wie gesichert. Die gesammte katholische Presse und besonders die Niederbayerns begrüßt diese Wahl auf das Freudigste. Landshut ist die Kreishauptstadt Niederbayerns und liegt am Schienenwege München- Regensburg, also auch an der direkten Route nach Berlin. München ist von Landshut aus in einer Stunde und 22 Minuten (Schnellzug) und in 2 Stunden 16 Minuten mit Postzug zu erreichen. Dabei sind die besonders für den Sommerfahrplan vorgesehenen Züge gut gelegen. Nach Regensburg fährt man von Landshut aus IV« Stunde mit dem Schnellzug, 2 Stunden mit dem Postzug. Das sehr anmuthig gelegene Landshut, das von der alten Herzogsburg Trausnitz hoch überragt wird, zählt 20 553 Einwohner. Die Burg Trausnitz wird von dem Veteranen der katholischen Presse, Archivar Jörg, bewohnt. König Ludwig II. hat ein eReihe von Ge­mächern seiner Zeit einrichten lassen, Itjat dieselben aber unseres Wissens nie bewohnt. Die sehr rege Stadt hat Infanterie- und Kavalleriegarnison. Ihr Ursprung geht auf die Erbauung der Transnitz 1180 zurück. Der Besucher wird beim Eintritte in die sogen. Altstadt von dem schönen mittelalterlichen Städtebilde überrascht. Von 1800—1825 war Lands­hut Sitz der Universität. Unter den 11 Kirchen ist die hervorragendste die St. Martinskirche. Der Bau begann 1392 und ist der Thum ob seiner Höhe von 141 Metern berühmt. Außerdem sind zu erwähnen die Stadtpsarrkirche St. Jodok, das Lorettokirchlein, die hl. Geist(Spital)kirche, die Sebastianuskirche, die Pfarrkirche St. Nikola, die alte Jesuitenkirche u. s. w. An Gelegenheit zum Lesen der hl. Messe ist kein Mangel; Landshut hat 3 katholische Pfarreien, ein Franziskaner-, ein Ursulinerinnen- und ein Cister- cienserinnenkloster. An guter und bequemer Unter­kunft, sowie <n ordentlicher Speise und vorzüglichem Trank ist nichts weniger als Mangel. Die gut redigirte .Landshuter Zeitung" vertritt dortselbst die Interessen der Katholiken und erfreut sich eines sehr erheblichen Abonnentenstandes. Raum für die Neben­versammlungen ist genügend vorhanden. Es wird sich nur um den Bau einer H a l l e für die Hauptversamm­lungen handeln, und dieser ist schon in Aussicht ge­nommen. Wir können zur Wahl des Ortes nur gratnliren und sind fest überzeugt, daß alle Gäste, die sich nach der Haupstadt Niederbayerns begeben, schöne Erinnerungen mit nach Hause tragen werden.

Ausland.

* Wien, 2. April. Das Gesammt-Ministerium Badeni hat sein Entlassungsgesuch eingereicht.

* Atom, 2. April Der Papst hat beschlossen, in dem nach Ostern abzuhaltenden Konsistorium die Erzbischöfe von Lyon, Rennes, Rouen und Compastella zu Kardinälen zu ernennen.

* London, 2. April. Die englische Regierung hat eine Gebirgsbatterie, bestehend aus sechs Geschützen, die von Maulthieren getragen werden, mit fünf Offizieren und 180 Mann für den Dienst auf Kreta beordert.

* Madrid, 2. April. Nach einer Depesche aus Manila hat General Jaramillo die Aufständischen bei Bundakan geschlagen, wobei 149 Aufständische und 1 spanischer Soldat fielen. — Gerüchtweise verlautet in der Deputirtenkammer, Marimo Gomez sei geneigt, über den Friedensschluß auf Cuba zu ver­handeln, unter der Bedingung, daß die gefangenen Führer begnadigt werden. — In Antequera (Provinz Malaga) kam es wegen der Steuer zu R u h e st ö r u n g e n. Die Ruhe wurde wiederhergestellt.

* Athen, 2. April. Die Blokade der grie­chischen Häfen ist nun von den Mächten endlich beschlossen und für alsbald in Aussicht genommen. Man hat sich also schließlich zu dem gleich Anfangs von dem am wenigsten in der Kretafrage interessirteu Deutschland gemachten Vorschlag entschlossen. Ob die Blokade nun auch alsbald in Angriff genommen wird, ist eine andere Frage. Es ist zweifelhaft, ob das nun in der Theorie erzielte Einvernehmen der Mächte auch sofort in die Praxis umgesetzt wird. —