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M 76

Samstag, den 3. April 1897.

24. Jahrgang

mit UnterhaLtrrrrgs-KeUage „Sterne rrrrd Klumen".

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

27] ------ (Nachdruck verboten.)

Severin that sein Möglichstes, aber zur Befriedigung sämmtlicher Gläubiger reichte der Erlös aus den Grundstücken doch nicht. Es mußte noch ein Kapital auf die Mühle ausgenommen werden, was nicht ohne Schwierigkeiten bei einem Rentner in der Kreisstadt gelang, der dem Müller befreundet war. Die Pferde, das gesummte Vieh bis auf zwei Kühe hatten ver­kauft werden müssen; das Gesinde wurde, mit Aus­nahme eines Mahlknechtes, entlassen, und die übrigen Arbeiten nahm, da der Müller vorderhand nichts leisten konnte, Severin auf sich. Das Geschäft war übrigens bedeutend zusammengeschrumpft. Da es in­folge des Cementwerk-Betriebes zuweilen an dem nöthigen Waffer fehlte, hatte ein Theil der Kunden des Wiesmüllers sich verlaufen und anderwärts Be­dienung gesucht.

Dem Müller selbst schien nicht viel an dem Ver­fall seines Hauswesens zu liegen. In dumpfem Hin­brüten verbrachte er die Tage, und nur selten stellte er an Severin eine Frage über den Gang des Ge­schäfts.

So gingen allmählig die schönen Sommertage vorüber, und die rauhere Jahreszeit stellte sich ein. Eine Zeit lang hatte der Müller sich besser gefühlt. Mit dem Umschläge der Witterung kehrte aber wieder das alte Leiden zurück.

Der September ging zu Ende. Schon seit einigen Tagen hatte stürmisches Wetter mit starken Regen­güssen geherrscht. Schirmer empfand es in seinen Gliedern. Schmerzgepeinigt bewegte er sich ruhelos in seinem Armstuhle hin und her.

Um die Mühle heulte der Sturm. Als hätten alle Geister der Lüfte sich zu einem tollen Reigen versammelt, toste und brauste es draußen in den Baumkronen und über die Felder, so daß man nur schwach das Klappern der Mühle und das Aechzen des unter dem schäumenden Wasserprall fast berstenden Rades vernahm. Ab und zu ertönte ein furchtbares Krachen und bekundete, daß einer der Bäume unter der Gewalt des Sturmes geknickt worden und zu­sammengestürzt war. Wolkenbruchartig fiel der Regen auf die Erde herab. Der Sturm jagte die schweren Tropfen klatschend gegen die Fensterscheiben, daß sie erzitterten und das Wasser durch die Ritzen in das Zimmer hineindrang.

„Herrgott, ist das ein Wetter," stöhnte der Müller, der dem grenzenlosen Aufruhr eine Zeit lang schweigend zugehört hatte. „Sind denn Himmel und Erde aus den Fugen gegangen, oder kommt das Ende der Welt?"

Laute, ängstliche Rufe schallten irr diesem Augen­blicke von unten herauf. Gleichzeitig begannen die Sturmglocken von dem Thurme des Städtchens zu warnen, und gleich darauf rannte Severin, bis auf die Haut durchnäßt, in das Zimmer herein.

„Das Wasser hat draußen am See die Dämme

durchbrochen," rief er, „und rast in einem schäumen­den und wüthenden Strome durch das Thal. In wenigen Minuten wird es da sein! Wir müssen uns flüchten, Müller, in das höher gelegene Städtchen hinauf. Das Waffer reißt alles zusammen! Die Mühle ist hin! Wir können sie nicht retten, es hilft alles nichts!"

Schirmer blickte mit weit geöffneten Augen und mit einem Gesichtsausdrucke, als habe er nicht recht begriffen, auf seinen Knecht.

Ein fernes Donnern und Toben drang in diesem Augenblicke deutlich vernehmbar durch den heulenden Sturm.

„Schnell, schnell," drängte Severin, „wir dürfen keine Sekunde verlieren, sonst ist's zu spät! Wir sind verloren, wenn uns das Wasser erreicht. Legt Euch auf meinen Rücken und haltet fest! Ich trage Euch fort!"

Noch immer zögerte der rathlose Müller, doch Severin brauchte schließlich Gewalt.

Nun gehorchte er. Keuchend stürmte der treue Knecht mit seiner schweren Last die Treppe hinab und aus dem Hause. Er schlug den nächsten Weg nach dem höher gelegenen Stadttheile ein.

Schon sah er den Garten und das Haus des Doktors Sallust auftauchen, und die angstvollen Rufe der voll Entsetzen hin und her rennenden Bewohner Rodenbachs trafen fein Ohr, da wälzte sich wie ein wuthschnaubendes Ungethüm das Waffer heran. Der Sturm fegte heulend über die brodelnde Masse und schleuderte den schäumenden Gischt vor sich her.

Severin hörte und sah es. Mit dem Muthe der Verzweiflung strengte er sich an, aus dem Bereiche des Tod und Verderben drohenden Elementes zu kommen; aber mit Entsetzen empfand er, wie unter dem dreifachen Einflüsse der mit jeder Sekunde schwerer werdenden Last, des Sturmes und des Regens feine Glieder den Dienst zu versagen anfingen und er fast zusammenbrach.

Bis zu einem kräftigen Baume noch vermochte er sich zu schleppen, dann verließ ihn die Kraft.

„Ich kann nicht mehr, Müller," keuchte er mit heiserer Stimme, „laßt mich los und schlingt die Arme um den Stamm. Ich halte Euch, bis man uns Hilfe zuschickt. — Hilfe, Hilfe," rief er gleich­zeitig, so laut er konnte, während er sich ebenfalls an den Baumstamm drückte und den ächzenden Brot­herrn mit dem rechten Arme umfing.

In der nächsten Sekunde fahen die Beiden sich von den schmutzigen Schaumwellen der entfesselten Sturmfluth umtobt.

Indessen hatte der Regen ein wenig nachgelassen. Die sturmgepeitschten Wolken zertheilten sich, und von Zeit zu Zeit erhellte das falbe Licht des Mondes das gräßliche Bild. Das ganze Thal glich bis über die ersten Häuser des Städtchens hinauf einem schäumen­den, brodelnden Strome.

Auf einmal mischte sich in,das Rauschen und Zischen ein anderer Laut. Er kam von der Seite herüber, wo man nur noch das obere Stockwerk der Wiesmühle mit dem Dache aus den Fluthen hervor­ragen sah.

„Hab' ich es nicht gesagt," schrie Severin, der die Augen dahin gewandt hatte, „die Mühle halte dem Wasser nicht Stand? Der vordere Giebel ist bereits eingedrückt und zusammengestürzt! Die Wel­len dringen in's Haus!"

Ein furchtbares Krachen und Poltern erschütterte die Luft. »

„Sie fällt, sie fällt," fuhr der Knecht vor Schrecken fast athemlos fort. „Das Wasser hat die Mauern auseinander gerissen und die Trümmer schwimmen mit dem Balkenwerke des abgehobenen Daches davon!"

Ohne ein Zeichen der Theilnahme zu geben, hörte der Müller, wie sein letztes Eigenthum der Vernich­tung anheimfiel. Er hatte die Augen geschlossen und drückte, sich krampfhaft festklammernd, den Kopf gegen den Stamm.

Da schreckte ihn ein abermaliger Ausruf Severin's aus seiner Gefühllosigkeit auf. Dieser bemerkte, wie eine Masse von Balken, Hausgeräthen und Handwerks­zeug auf dem Strome daher schwamm.

„Ha! Auch das Cementwerk am See draußen ist zu Grunde gegangen," keuchte er, „seht nur, Müller, der ganze Strom ist mit Trümmern bedeckt!"

Nun öffnete Schirmer die Augen und richtete sie auf die von dem Knechte bezeichneten Gegenstände. Ein sichtbarer Triumph glühte unter seinen Brauen hervor.

„Die Cement-Fabrik!" wiederholte er. „Auch sie weggeschwemmt, so ist's recht! Das Teufelswerk hat nichts Besseres verdient. Nun frage ich nach meiner Mühle nichts mehr. Auch er ist zu Grunde gerichtet, auch er."

Mittlerweile waren auf den Hilferuf Severin's Leute in die Nähe gekommen, und die gefahrdrohende Lage der beiden wurde bemerkt.

Man hob an einem der benachbarten Häuser ein Scheunenthor aus. Einige beherzte Männer bewaff­neten sich mit Stangen und bestiegen das bereits bis an's Wasser getragene Floß. Sie steuerten muthig in den tollen Strudel hinein.

Das Rettungswerk war jedoch, da man gegen die Strömung ankämpfen mußte, nicht leicht. Immer wieder wurden die unerschrockenen Nothhelfer durch den gewaltigen Wogenprall von dem schon halb er­reichten Ziele abgedrängt.

Endlich schien ihnen ihr Vorhaben gelingen zu wollen. Sie kamen bis auf wenige Fuß an den Baumstamm hinan. Schon hatte Severin das ihm zugeworfene Seil erfaßt und um den Leib des Mül­lers geschlungen; da stieß dieser plötzlich einen gel­lenden Schmerzensruf aus. Seine Arme lösten sich von dem Stamme und er versank.

Einer der Balken des zertrümmerten Cementwerkes war vom Wasser herangetrieben worden und hatte Schirmer einen Stoß auf den Rücken versetzt. Der Müller wäre voraussichtlich verloren gewesen, hätte nicht der Strick gehalten und verhindert, daß ihn die Strömung fortriß.

Mit vereinten Kräften zog ihn die Rettungsmann­schaft, von Severin unterstützt, aus dem Waffer und auf das Floß. Dann schwang sich auch der Letztere hinauf.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

* £»eC6ftfkrottftf. Reisender: „Wie, Sie haben noch zwei Schwestern?" — Wirthstochter: „Freilich, weshalb hieße denn sonst unser Gasthof zu den drei Engeln?"

* In der Gestügekausste klung. Höhere Tochter (in einem Käfig eine schwarze Henne erblickend): „Nicht wahr, Mama, der ist gewiß der Hahn gestorben?"

* Ans der Küche. Zunge Hausfrau (als die Milch überzulaufen droht): „Um's Himmels willen, Leni, die Milch explodirt!"

* Noshakt. Fräulein: „Glauben Sie nicht, Herr Doktor, daß die vielen Bälle für meine Gesundheit schädlich sind?" — Arzt: „Gewiß sind sie das — Sie brauchen etwas mehr Bewegung!"

* DrucKfehker. (Aus den Memoiren des Rentiers Müller.) „Im vorigen Jahre hielt mir meine Frau 866 Gardinenpredigten — es war ein Scheltjahr . . ."

* Gerade recht. Junge Frau (ihrem Gatten entgegen­stürzend): „Sei nicht bös, Arthur, ich habe heute das Essen anbrennen lassen!" — Mann: „Gott sei Dank! Jetzt werden wir doch einmal wieder im Hotel essen!"

* Zweifellos echt. Kunde: „Ist das auch echter Ceylon- thee?" — Kommis: „Gewiß, gewiß, meine Gnädige, der Name Ceylon steht ja auf jedem Päckchen!"

* Falsch verstanden. Herr: „Jean, auf meinem Klei­derschrank liegen . . . " — Diener: „Cigarren, ich weiß schon!" — Herr (erstaunt): „Wie haben Sie die gefunden?" — Diener: „O, ausgezeichnet!"

* Schlau. Der kleine Hans: „Papa, warum sind die Fische eigentlich stumm?" — „Dummer Junge, kannst Du denn sprechen, wenn Du unter Wasser bist?"

Gottesdienstordnung in Fulda.

Sonntag, den 4. April. Dom. Um 5, 6, 6S. u. 71/« Uhr hl. Messen, 6 Uhr hl. Messe und Kommunion der Christen­lehrschüler, 9 Uhr Amt mit Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, l1/» Uhr Andacht und Christenlehre, 4 Uhr Fasten­predigt mit Bußandacht, 7 Uhr Andacht in der Marienkapelle. Montag Abend 7'/« Uhr Fastenpredigt mit Bußandacht. — Stadtpfarrkirchr. 5 Uhr hl. Messe u. Predigt, 6 Uhr hl. Messe, 7 Uhr heil. Messe und Kommunion der christen- lehrpfl. Jünglinge, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, 9*/i Uhr Hochamt und Predigt, 11 und l1/» Uhr Christenlehre, 3 Uhr Rosenkranzbruderschaft. — Micharlslnrche. 10 Uhr hl. Messe. Freitag, den 9. April. 8 Uhr Hochamt zu Ehren der schmerzhaften Mutter Maria. — Pfarrkirche zum hl. Geiste. 8 Uhr Amt mit Predigt, 4 Uhr Andacht mit Segen. — Hodalilüt. */ilO Uhr. — Frauenberg. 5 und 61/» Uhr hl. Messen, 8 Uhr hl. Messe mit Volksgesang, 9 Uhr Hochamt, 2 Uhr Versammlung des lll. Ordens. Dienstag, den 6. April. 81/» Uhr feierliches Amt zu Ehren des hl. Antonius, Fastenpredigt und Kreuzwegandacht, 41,. Uhr Antoniusan­dacht.