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JYi 72 Dienstag, den 30. März 1897 24. Jahrgang

mit AnterchaLtrmgs-KeLLags „Sirene und SLnmrn".

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In Erinnerung bringen wir den geehrten Lesern der

IuLdcrerIeiLung die sofortige Erneuerung des Abonnements

für das 2. Quartal 1897.

* Das vatikanische Budget?)

Das vatikanische Budget bildet für jene, welche von der Kirche das Kunststück verlangen, von der Luft zu leben, sehr oft einen Gegenstand pharisäischen Ärgernisses. Und doch, wie vortheilhaft sticht es ab gegen andere Budgets, von denen wir oft wenig er­freuliche Kunde vernehmen! Es schließt, ein Vorzug vor vielen anderen, ohne Defizit ab. Die Einnahmen werden mit 71 /< Millionen Lire, genau 7 160 000 Lire gleich 5 728000 Mark veranschlagt. Ebenso groß sind auch die Ausgaben. Mit diesen ca. 6 Millionen Mark im Jahre hat der Papst die Regierung der Kirche zu bestreiten, der bekanntlich gegen 250 Mill. Katholiken in mehr als 1000 Diözesen angehören. Die Einnahmen ergeben sich zum großen Theil aus der freiwilligen Selbstbesteuerung der Katholiken, welche durch die Spende des „Peterspfennigs" zeigen, daß sie die Ausgaben würdigen, welche die Regierung der Kirche erfordert. Diese Ausgaben wollen wir im Folgenden noch näher besprechen, um dadurch die öden Schimpfereien auf den Papst, welcher „auf Kosten seiner Gläubigen in Gold und Purpur sich kleidet", in wahrem Lichte erscheinen zu lassen. Die Ausgaben von 7 160 000 Lire des vatikanischen Budgets berechnen sich folgendermaßen:

Es sind ausgesetzt

1. Zur privaten Verfügung des Papstes 500 OOOLire

2. Für die Kardinale 700 000 „

3. Für ar ne Diözesen 460 000 „

4. Präfekten der apostolischen Paläste 1800 000 „

5. Staatssekretariat 1000 000 „

6. Beamtengehälter 1400 000 „

7. Schulen und Almosen 1200 OOP „

Zusammen 7160 00 Lire

Einen Posten vermissen wir in diesem Budget, der in anderen Budgets eine so große Rolle spielt: Militärforderungen. Dagegen finden sich in ihm zwei Posten, welche sonst nirgends sich finden: „Arme Diözesen" und „Almosen".

*) In ausführlicher und trefflicher Weise wird dieses Thema in der Nummer ,Der Peterspfemiig' der frankfurter Broschüren behandelt.

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benr

24] ------ (Nachdruck verboten.)

Morbor kam der Aufforderung nach. Er lachte. „Das ist ja eine ganz interessante Neuigkeit," grinste er, „eine Kapitalgeschichte, durch die uns über die Arbeit sehr leicht gemacht wird. Man vernichtet einfach das Testaments stellt diese Urkunden hier auf Deinen Namen aus, dann bist Du der Sohn! Viktoria, Adolf! Das gibt ein Geschäftchen, wie noch von keinem Schreibkünstler eins gemacht worden ist. Aber das sage ich Dir, halbpart mußt Du machen. Es ist dies nicht mehr als billig, da Du mir nicht nur Deine gegenwärtige Stellung, sondern nachher auch noch Deine Grasenkrone verdankst."

Durch den Knall eines Schusses und sernes Hunde- gedell wurden die Beiden in ihrer Unterhaltung ge­stört. Seeburg warf die Schriften schnell wieder in die Kapsel und schob diese dem Genossen zu. „Nimm die Sachen zu Dir," drängte er, „und beeile Dich. Wir müssen rasch handeln, wenn ein Erfolg erzielt werden soll. In meinem Zimmer erwarte ich Dich."

Morbor verwahrte die Kapsel, erhob sich und ging. Seeburg blieb noch eine Zeit lang. Dann entfernte auch er sich und schlug den Weg nach dem Land­hause ein.

Eine kurze Betrachtung der einzelnen Ausgaben zeigt, wie sparsam der päpstliche Haushalt ist.

Der erste Posten: Zur privaten Verfügung des Papstes 500,000 L. ist entsprechend der Civilliste unserer weltlichen Monarchen. Aber es» begreift diese Summe von 0, Million Lires auch iwch in sich alle weiteren Ausgaben, welche der Papst persönlich macht, z. B. durch Geschenke an Souveräne u. s. w., wie z. B. jährlich „die Rose". Ferner müssen von dieser Summe bestritten werden die Ordensinsignien, welche zwar für gewöhnlich von dem Empfänger einer Ordensauszeichnung selbst beschafft werden müssen, jedoch ausnahmsweise wie z. B. bei Dekorirung hoch­stehender Persönlichkeiten vom Papste selbst übersandt werden. Die halbe Million L. muß sodann dem Papste auch dienen zum Ankauf von Kunstgegenstäil- den — und man weiß, welch große Förderer der Kunst die Päpste, zumal Leo XIlL, find — Ferner zur Spendung von Almosen, welche der Papst stets in so reichem Maße, besonders aber an seinem Namens­feste, an Weihnachten und Ostern, wie auch bei allen größeren Unglücksfüllen spendet. Zieht man all das ui Erwägung und vergleicht man mit dieser „Civilliste" die anderer Herrschaften — z. B. die des deutschen Kaisers, der 31/, Millionen Mark bezieht, mit welcher Summe er hinter anderen Herrschern noch zurücksteht, — so weiß man, was von den Märchen über das Wohlleben des Papstes zu halten ist. Der hl. Vater kann mit dieser Summe von 400 000 Mark nur des­halb solch' reiche Spenden zu Gunsten der Armen, der Künste und Wissenschaften machen, weil er selbst äußerst bedürfnißlos lebt. Dürfen ja doch für seine persönlichen Bedürfnisse im Tage nie mehr als 5 Lire gleich 4 Mark ausgegeben werden.

Der zweite Posten im päpstlichen Haushalt ist mit 700,000 Lire für die Kardinale angesetzt. Von diesem (Selbe können aber nur die in Rom residirenden Kar- dinäle bezahlt werden. Die Kardinäle außerhalb Roms beziehen ihren Bischofs-, beziehungsweise Erzbischofs­gehalt, das Kardinalat selbst tragt ihnen nichts ein. Von der obengenannten Summe treffen auf den ein­zelnen Kardinal 20,000 Lire (16,000 Mark). Daß diese Summe kein hohes Gehalt genannt werden kann, begreift mau sofort, wenn man bedenkt, daß ein Kar­dinal, als im Fürstenrange stehend, zu einer gewissen Hofhaltung verpflichtet ist. Er benöthigt dazu eine entsprechende Wohnung mit einer Hauskapelle und Empfangssälen. Der Kardinal muß sich sodann von seinem Gehalt eine seinem Stande entsprechende Diener­schaft sowie einen eigenen Sekretär halten, er braucht eigenes Gefährt, da es durch das (Zeremoniell ver­boten ist, daß in Rom ein Kardinal zu Fuß gehe. Rechnet man all' diese Auslagen ab, so wird man finden, daß dem Kardinal von seinem Gehalt nur wenig für seine persönlichen Bedürsnisse bleibt, woher es auch kommt, daß die meisten Kardinale bei ihrem Tode wenig oder kaum ein Baarvermögen hinterlassen.

Das Plätzchen war leer. Nur ein zierliches Roth- kehlchen hüpfte zirpend von Zweig zu Zweig und ließ sich schließlich auf dem Tisch nieder. Ein schwaches Geräusch schreckt ,ss auf. Es flog wieder fort.

Das dichte l ■. s..^lz, das sich seitwärts zwischen den Bäumen hinzog, wurde auseinander gebogen, und auf Händen und Füßen kroch der Sekretär Malang hervor. Er stand auf. Der Ausdruck einer boshaften Freude lag auf feinem Gesichte. Er schaute ein paar Sekunden lang nach dem Städtchen hinab, dann drehte er sich um und schritt durch den Wald in entgegengefetzter Richtung davon.

„Endlich, endlich," murmelte er aufgeregt, die Hände reibend, halblaut, „habe ich meine Absicht er­reicht. Die Burschen machten mir die Zeit lange genug, aber meine Beharrlichkeit führte zuletzt doch zum Ziel."

„Ich wußte es ja," so gingen seine Gedanken weiter, „daß irgend eine Schurkerei den Kitt der Verbrüderung bildet, die zwischen diesen Herren besteht. Also Graf Salmi ist tobt? Plötzlich gestorben! An was? Hat am Ende einer von ben zwei Biedermännern dem Sensenmann in's Handwerk gepfa'chl? Schwerlich! Sie sahen nicht danach aus Das verschlägt jedoch nichts. Der Alte ist von ihnen beraubt woroen, und wenn man diese Thatsache in die Wagschale wirst, formt ein tüchtiger Staatsanwalt auch noch eine

Der dritte Titel von 460,000 Lire „für arme Diözesen" ist eigentlich ein steter Vorwurf gegen die italienische Regierung, welche so ungeheure Summen Kirchengut an sich gebracht hat und nicht einmal für die nothwendigen Bedürfnisse der ihrer Einkünfte be­raubten Diözesen sorgt. Auch außeritalienische Diö­zesen erhalten, so weit es das Budget erlaubt, solche Unterstützungen.

Für die Verwaltung und Erhaltung aller im Besitze des heiligen Stuhles gebliebenen Paläste und Gebäude, der Museen, Galerien und Gärten ist die Summe von 1,800,000 Lire ausgeworfen, eine Summe, welche ihre reichen Zinsen nicht nur für dir einheimischen Römer, sondern für Alle trägt, welche das Studium der Künste und Wissenschaften nach Rom führt. Es ist somit dieser Budgetposten eine stete Widerlegung der Vorwürfe gegen die Kirche als einer Verfinsterungs- und Verdummungsanstalt. Eben diese vatikanischen Museen, Galerien, Kapellen und Institute aller Art sind ein steter Beweis dafür, daß die Kirche immer die eifrigste Förderin von Kunst, Wissenschaft und Civilisation gewefen ist. Und während jedem, der die ewige Stabt besucht, das nichtpäpstliche Rom vielerorts als ein Komplex halb- fertiger und halbverfallener Miethskasernen erscheint, ersteht im päpstlichen Rom ein Werk herrlicher als das andere. Es soll da nur erinnert werben an die großartige von Leo Xill. ausgerüstete Sternwarte. Es kann jeden Katholik nur wünschen, daß solche Werke, welche der ganzen Kirche zum Ruhme ge­reichen, geföri'Tt werden.

In Poster11 2r. 5 sind eine Million Lire ent­halten für die Staatssekretariate, d. i. bas auswärtige Amt. Die Kirche hat das größte auswärtige Amt: denn es umfaßt die ganze Erde, da überall Katholiken wohnen. Von dieser Million werden nichr nur die Gehälter der Beamten dieses ^Ministeriums bezahlt, sondern auch die Nuntiaturen (Botschaften, wie eine solche für Deutschland in München ist), ferner die außerordentlichen Gesandtschaften. Ver­gleicht man den Etat dieses auswärtigen Amtes mit dem der staatlichen auswärtigen Aemter (Deutschland 6 Millionen Mark, Oesterreich 8' , Millionen Mark, Frankreich IVI» Millionen Mark), so kann man sich die geringe Ziffer dieses Postens nur dadurch er­klären, daß die Inhaber dieser Posten ein sehr ein­faches Leben führen.

Ter sechste Poften von 10, Millionen Lire ent­hält lediglich die Pensionen für ehemalige Beamte des Kirchenstaates, die sich nach Konfiszirung desselben weigerten, in den italienischen Staatsdienst zu treten. Die Gehälter für aktive Beamte werden ans anderen Posten des Budgets bestritten.

Einer der größten Posten im päpstlichen Haushalt ist der für die Schulen und Almosen. Es ist nämlich wohl zu beachten, daß alle katholischen Schulen in Rom reine Privatschulen sind, da aus den Gemeinde-

schwerere Anklage daraus. Ich will ihnen schon einheizen. Nicht umsonst habe ich mich seit Wochen wie ein Jagdhund geplagt. Ha, ha! Jetzt brauche ich dem filzigen Agenten und dem hochmüthigen Doktor nicht mehk länger den Handlanger zu machen. Jetzt stehe ich auf eigenen Füßen, und ich will mich fo fest hinstellen, daß man vor mir Respekt haben soll. Aber Geduld! Es hat keine Eile. Warten wir ruhig ab, wie die Beiden den Handel einfädeln, und wie er sich macht. Wenn es dann an's Theilen geht, lege auch ich die Hand auf das Spiel!"

Malang hatte das Ende des Waldes erreicht. Er bog nach links ab und schritt der nahen Land­straße zu.

Indessen ging Se-burg in wachsender tngebulb und Spannung unter seinen Arbeitern umher. Tue Zeit, in der Margreth bei dem Grasen einzutreffen pflegte, war bereits vorüber, und immer noch wartete er vergeblich auf die Todesnachricht. Hatte er sich am Ende getäuscht? War es nur ein vorübergehen­der Anfall gewesen und Salmi am Ende wieder aus seiner Betäubung erwacht? Eine gräßliche Angst überkam ihn nun. Sie preßte ihm den kalten Schweiß aus. Dieses entsetzliche Gefühl steigerte sich mit jeder Minute, und doch kam er zu keinem Entschlüsse.

Endlich schlug die Feierabenvstunde und die Ar­beiter gingen nach Hause.