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Montag, den 29 März 1897

Jahrgang

mit Untechuttnrigs-Krilage „Sterne nnd Kinn,en"

Zur Deckung dieses Betrages bat das Reich an eigenen Einnahmen 351675 508 Mk. Somit bleiben an gemeinschaftlichen Ausgaben noch 487689351 Mk. anderweit aufzubringen. Nun kommen aber wieder hinzu 126 012 Mk. als Nachlässe an den Ausgaben für die Reichsgesandtfchaften, die Bayern und Sachsen zugestanden sind, weil sie eigene Gesandtschaften halten. Somit kommen wir zu der endgiltigen Bedarfssumme von 487 815 363 Mk. Und nun kann das Vertheilen dieses Betrages auf die Einzelstaaten losgehen. Das ist aber gar nicht so einfach. Zunächst hat Bayern nach Maßgabe der eigenen und der Reichsbevölkerung zu zahlen 54150 536 Mk. Dann gehen aber weiter ab 119970 Mk. als Nachlaß an den Gesandtschaftskosten und 46 760 Mk. als Antheil Bayerns an dem Erlös für verkaufte Stettiner Festungsgrundstücke. Sonach be­trägt der Matrikularbeitrag Bayerns bloß 53 983 846 Mk. Von dem Gesammtbedars den Matrikularbeitrag Bayerns abgezogen, bleiben für die übrigen Staaten noch aufzubringen 433 686133 Mk. Dazu werden aber nun wieder hinzugerechnet die oben zu Gunsten Bayerns abgesetzten 5 248497 Mk., so daß im Ganzen 438 934 630 Mk. auszubringen sind. Ehe es nun ans weitere Vertheilen geht, werden indeß wieder 8943480 Mk. Einnahmen' der Reichs­kasse, an denen Bayern nun keinen Theil hat, abgezogen, so daß 429 991150 Mark zu beschaffen bleiben.

Damit sind wir endlich so weit, daß wir Würt­temberg seinen Theil zumessen können. Nach seine!' und des übrigen Reichsgebiets (mit Ausnahme von Bayern) Bevölkerung hat es 19 263 372 Mk. Matri- kularbeiträge zu zahlen, d. h. es kommen noch zwei Extra-Pöstchen hinzu und eines geht ab, so daß end- giltig 19 258 064 Mk. auf Württemberg fallen. Diesen Betrag ebenso wie vorhin den bayerischen von dem Gesammtbetrag abgezogen, bleiben für die anderen Staaten noch 410727778 Mk. Es kommen aber

mit dem wöchentlich gratis beigelegten, achtseitigen illustrirten Sonntagsblatte

junge u d brave Herzchen einmal so ■ recht fest an­einander hängen, richten alle Ränke und Schliche nichts aus, und wenn je eine Gefahr drohen fällte, dann trete ich aus meiner Reserve hervor."

Er machte sich Dieses und Jenes im' Hause zu schaffen. Als die Sonne sich zu neigen^ begann, öffnete er einen Schrank und griff nach seinem Rocke.

Er hob den Arm — sank aber plötzlich mit einem schmerzlichen Aufschrei zusammen. Er wälzte sich einige Sekunden lang auf dem Boden und warf die Arme in die Luft. Die Zuckungen wurden immer chwächer, und schließlich lag er bewegungslos da.

Eine unheimliche Stille herrschte in dem kleinen Raume, in den die scheidende Sonne durch die blan­ken Fensterscheiben ihre letzten Strahlen ergoß.

Eine Viertelstunde später schritt der Baumeister Seeburg eilig gegen das Häuschen heran. Er öffnete die Thür und trat ein. Verwundert schaute er sich um, als er den Grafen nicht sah. Da bemerkte er den Daliegenden.

Ein Ruf des Schreckens entfuhr seinem Munde. Er eilte auf Salmi zu, wandte dessen Kopf und chaute in ein bleiches Todtenantlitz. Entsetzt fuhr er zurück. Rathlos und verwirrt starrte er einige Sekunden lang vor sich hin.

50 Pfg. den Monat

1,50 Mk. das ganze Quartal

kostet die

bringen hat. Aber beim glatten Vertheilen sind wir noch immer nicht. Es kommen noch hinzu 1000 Mk. für die Kontrole der Brausteuer und 34800 Mk für das Bundesamt und das Heimathwesen, Summen, die wir oben haben abziehen müssen mit Rücksicht auf die süddeutschen Staaten, anderseits gehen wieder ein paar Tausend Mark ab, die Württemberg und Baden schon in die Matrikularbeiträge gesetzt sind, so dan 351989623 Mk. herauskommen. Aber noch immer wird nicht vertheilt. Es fließen für die Rechnung der norddeutschen Brausteuergemeiuschaft nämlich noch 26 844500 Mk. Brausteuer, Uebergangsabgabe von Bier nebst Aversarien in die Reichskasse.' Somit bleiben nur noch zu beschaffen 325145 123 Mk. und bamit sind wir endlich bei dem Betrage angelangt, den die norddeutschen und mitte'ldeutschen Staaten nach der Zahl der ortsanwesenden Be­völkerung aufzubringen haben. Auch noch eine schöne Rechnung. Dabei hat Sachsen wieder etwas voraus, indem ihm 6082 Mk. an den Gesandtschaftskosten nachgelassen werden, die also die andern mitaufzu- brmgen haben. Hinzuzufügen ist noch, daß in den Matrrkularbeiträgen Bayerns, Württembergs, Badens und Elsaß-Lothringens die Beträge mitenthalten sind, die sie an Stelle der Brausteuer und der Ueberschüsse aus der Post- und Telegraphenverwaltung zur Reichs­kaffe zu liefern haben, und die natürlich ebenfalls be- fonders berechnet werden müssen.

Sieht man sich dies entsetzliche Gewirre an, so sollte man glauben, der abgehärtetste Kalkularbeamte müßte bei der Berechnung der Matrikularbeiträge närrisch werden. Indeß das bischen verzwickte Rechnen ist noch kein Grund, es durch die „Reichssinanzreform" abzuschaffen, wenn man auch wünschen möchte, daß die Manipulation vereinfacht werde.

Etwas für Adam Riese ist die Berechnung der Matrikularbeiträge, wie sie alljährlich von den einzelnen Bundesstaaten zu leisten sind. Staatssekretär Gras v. Posadowsky sagte jüngst bei der ersten Berathung des Schulden­tilgungsgesetzes: „Zur Zeit werden zwischen dem Reich und den Einzelstaaten alljährlich 4- bis 500 Millionen Matrikularbeiträge und Ueberweisungen zwecklos, hin- und hergewälzt. Durch dieses' Ver­fahren sind die Reichsfinanzen in einem Maße un­durchsichtig geworden, daß es nur noch wenigen Auguren vergönnt ist, dieses System an Forder­ungen, Zahlungen und Rückzahlungen, von Ueber­weisungen, Matrikularbeiträgen, Aeguivalenten, Aver­sen und Quoten überhaupt noch zu durchschwimmen." Die Richtigkeit dieser Behauptung wird uns ein Blick in die neueste Berechnung der Matrikularbeiträge für 1897/98 bestätigen. Nur mit Schaudern kann ein Mensch, der nicht geborener Kalkulator ist, das Akten­stück durchlesen. Um einen Begriff von den verzwickten Finanzverhältnissen zu geben, wollen wir einen kurzen Auszug daraus miitheilen.

Die gesammten ordentlichen Ausgaben be­tragen 1260116105 Mk. Davon sind, um die Matrikularbeiträge zu berechnen, gleich 404056 000 Mk. Ueberweisungen abzuziehen, die mit den ent­sprechenden Matrikularumlagen nur einen durchlaufenden Posten bilden. Es bleiben also noch 856 060105 Mk. Darunter sind nun aber wieder Ausgaben, die nicht für Rechnung der Gesammtheit aufzubringen sind. Es nimmt daran zunächst nicht Theil Bayern für sich allein mit 5 248497 Mk. (Das sind Ausgaben für das Reichseisenbahnamt, den Rechnungs­hof usw., womit Bayern nichts zu thun hat). Dann ckommen zweitens 'in Abzug 11410 949 Mark, an denen Bayern und Württemberg nicht betheiligt sind. i- B. die einmaligen Ausgaben der Post- und Tele- «zraphenverwaltung, gewisse Zinsenausgaben usw). Drittens gehen ab 1000 Mk. für Kontrolle der Brau- steuer, an deren Aufbringung Bayern, Württem­berg, Baden und Elsaß-Lothringen nicht theilnehmen, endlich viertens 34 800 Mk., für das Bundesamt, für das Heimathwesen, woran Bayern und Elsaß-Lothringen nicht müzuzahlen haben, ziehen wir diese vier Posten ab, so verbleiben von der obigen Gesammt ausgabe 839364859 Mk.

gab nicht nach, bis sie sich schließlich fügte und den Tisch leeren hals.

Eine halbe Stunde später war Salmi allein. Der heitere Zwischenfall mit Margreth hatte seine Aufregung bis zu einem gewissen Grade verscheucht. Langsam, schritt er den kleinen Raum auf und ab.

Da sah er vom Fenster aus, wie Adolf mit einem der Meister von der Stadt her den Weg nach der Villa einschlug. Ein eigenthümliches Lächeln zuckte um seinen Mund. „Ich weiß nicht recht, wie ich mit d-esem Jungen daran bin," dachte er. „Adolf gefällt mir nur halb. Es kommt mir manchmal vor, als ob fein ganzes Wesen nur eine Maske wäre, hinter der er feinen wahren Charakter verbirgt. Und dieser scheint nicht der beste zu sein. Die Art und Weise hat es gezeigt, wie er die Nachricht von dem Tode seiner braven Mutter ausnahm. Er legte eine grenzenlose Gefühllosigkeit an den Tag. Auch die Freundschaft mit Sallust ist nichts weniger als eine Empfehlung für ihn. Und doch mag ich nicht da­zwischen treten. Vielleicht befördert sie später eine friedliche Auseinandersetzung mit dem ungeberdigen Doktor, die auch meinen Wünschen entspricht. Aber wenn Adolf am Ende . . . Pah, das hat keine Noch. Edgar und Toni sind einig. Wenn aber zwei

Deutsches Reich.

Berlin, 27. März.

* Der Kaiser hörte am Sonnabend Vormittag den Vortrag des Chefs des Generalstabs, Grafen v. Schlieffen und arbeitete darauf längere Zeit mit dem Chef des Militärkabinets v. Hahnke. - Einen kaiserlichen Erlaß veröffentlicht der ,Reichsanz/ m welchem dem deutschen Volke der Dank für die rege Theilnahme au der Centenarfeier ausge­sprochen wird.

* Nach Mittheilungen aus Offizierskreisen soll der Kaiser die Absicht hegen, noch einen Grd en zu stiften. Bekanntlich wird den Unteroffizieren und Gemeinen nach einer 9-, 15- und 21jährigen Dienst­zeit eine eiserne, bezw. silberne, bezw. goldene Dienst- auszeichnnng, die sogenannte „Dienstschnalle" ver­liehen. Diese Dienstauszeichnung soll in Zukunft in Form einer runden Medaille, ähnlich der Erinnerungs­medaille, verliehen werden. Den Unteroffizieren und Gemeinen, die (schon im Besitze der Schnalle sind, soll die neue Medaille ebenfalls durch die Regiments- oder Bezirkskommandos gegen Rückgabe der Schnalle

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

------- (Nachdruck i erboten.)

Nach kurzer Wanderung hatte er fein Häuschen erreicht. Margreth war anwesend. Sie trug das einsache Mittagsmahl aus.

„Heute meint Ihr es ja besonders gut mit mir, Margreth," scherzte Salmi, als er die ungewöhnlich flroPc Portion saftigen Bratens gewahrte, die auf dem Präsentttteller lag.

„Drum muß es eben auch noch auf den Abend entgegnete die Alte in halber Verlegenheit

„ Meine Schwägerin ist nach der Stadt gefahren und kommt wahrscheinlich spät heim; da feilte ich dann bet den Kindern bleiben und kann nicht . . ."

, »Den alten Sonderling bedienen, der fehen mag, ime er selbst zurecht kommt," ergänzte Salmi lachend den Satz. „Hat gar nichts zu sagen, Grethe. Bleibt nur bet Euern Kleinen; denn voraussichtlich bin ich heute Abend gar nicht zu Hause, da ich mich auch wieder einmal unter den Leuten in der Stadt um­sehen will. Setzt Euch, Alte, und helft mir; mein Appetit reicht allein für diesen Reichthum nicht aus!"

Margreth suchte sich zu sträuben, doch der Gras

wieder hinzu die oben zu Gunsten Bayerns und Würt­tembergs von den durch die Gesammtheit zu tragenden Ausgaben abgesetzten 11410 749 Mk., so daß es wieder 422178 727 Mk. werden. Doch halt! jetzt kommen wieder 41282 350 Mk. Einnahmen aus der Post- und Telegraphenverwaltung den Betheiligten zu Gute, so daß es nur noch 380 856 777 Mk. sind. Nunmehr ist Baden an der Reihe. Sein Beitrag berechnet sich nach der Bevölkerung unter Abzug der Bayern und Württemberger auf 14811399 Mk., wozu wieder ein weiteres Extrapöstchen kommt, während ein anderes abgezogen wird, fo daß 14800190 Mk. als fein Matrikularbeitrag bleiben. Nachdem auch dieser Be­trag von der Gesammtfumme abgezogen ist, bleiben für die übrigen Staaten noch anfzubnngen 366044 978 Mark. Kommt der Beitrag E l s a ß - L o l h r i n g e n s, berechnet nach der Bevölkerung mit Abzug der Bayern, Württemberger und Badenser auf 19088199 Mk. Auch diesen Betrag von der Bedarfssumme abgezogen, kommen wir auf 351956 779 Mk., die die Rei'chs- gemeinschaft mit Ausschluß Süddeutschlands aufzu-

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