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Zweites Klatt.

24. Jahrgang

Samstag, den 27. März 1897

JVi 70

,Stoße mich wie einen Hund von Dir," stöhnte er 'ich habe nichts Besseres verdient. Ich bin em Elender, ein meineidiger Schurke, von dem Deine Güte in der schamlosesten Weise mißbraucht worden ist Ueberlaß mich meinem Schicksale, Ferdinand. Ich bin Deiner Freundschaft nicht werth!"

Salmi drängte den Müller an fernen vorigen Platz. Ein schwerer Seufzer rang sich aus seiner Brust. „Sage mir Alles," mahnte er dann, „Alles, hörst Du, ohne Beschönigung und Rückhalt! ^ch will wissen, woran ich mit Dir bin! Zugleich gebe ich Dir die Versicherung, daß Dir trotz Allem abermals ge­holfen werden soll, wenn ich helfen kann!"

Die Brust Schirmer's arbeitete mächtig und ferne Gesichtsmuskeln zuckten wie in heftigem Kampfe. Es kostete ihm augenscheinlich eine ungeheuere Anstren­gung, die Beichte abzulegen, die von rhm verlangt wurde. Endlich ermannte er sich.

Ich habe es nicht thun wollen," begann er. ,,^ch wäre auch lieber zehnmal zu Grunde gegangen, ehe ich Dir meine Schuld bekannt hätte. Aber da Du sie nun doch theilweise kennst, hilft das Schweigen nichts mehr. Schlage mich in's Gesicht, Ferdinand, ich habe meinen Schwur gebrochen und wieder gespielt!

Er hielt inne und schaute in sichtbarer Angst aus den Freund. Dieser verzog keine Miene. Er ent­gegnete auch nichts und zerrte nur ein paar mal haltig an seiner Brille. *

„Ja, ich habe wieder gespielt/ fuhr Schirmer fort und zwar in Wiesbaden, wo ich einen > größern Posten Mehl an einen Geschäftsfreund verkauft hatte. Der Erfolg war fast der gleiche ivie das erste mal, nur daß ich mir, statt zu stehlen, durch Schulden­machen zu weiterem Spielgelde verhalf. Der Geschasts- freund streckte mir, als ich mein eigenes Geld ver­loren hatte, eine nicht unbedeutende Summe vor. Auch diese wurde verspielt. Die Schuld mußte bezahlt wer­den. Ich hätte das Geld am Ende schon zusammen­gebracht und Alles wäre wieder gut geworden, da kam der Dir in der Hauptsache bekannte Zwischenfall, die Strafe für das leichtsinnige Mißachten eines wohl­gemeinten Rathes, für jene unselige Oberflächlichkeit, bie ja auch in Deinem Leben eine traurige Rolle ge­spielt hat. Alles jedoch weißt Du noch nicht. Lisa hatte nach dem Tode unseres Erstgeborenen jenen Streitpunkt nicht mehr berührt. Gleichwohl bestand ein gewisses Etwas zwischen uns, dem ich keinen Namen geben konnte, das aber in meinem Gemüthe eine wachsende Verdüsterung schuf.

„Die Kluft wurde immer größer. Kalt und theil- nahmslos gingen wir neben einander her. Es war

die sofortige Erneueruugdes Abonnements für das 2. Quartal 1897.

Der fatsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

22] ------ (Nachdruck verboten.)

Salmi ließ sich auf einen Stuhl nieder. Er athmete fchwer. Sein Mieuenfpiel drückte einen tiefen Schmerz aus.

Georg, Georg," nahm er endlich das Wort, „was foll das heißen? Was hast Du gethan? So weit ist es mit Dir gekommen, und Du sagst mir kein Wort?!" . z.„

Schirmer entfernte die Hande von seinem ver­störten Gesichte. In grenzenloser Zerknirschung glitt er von seinem Sessel und kauerte sich zu des Grasen

Uerwrschtrs.

* Der geplagte Arzt. Eine Dame, welche ihren Arzt oft unnöthiger Weise belästigt, kommt wieder einmal außer s,,T Kvrechstunde zu ihm: „Lieber Doktor, ich habe schon wieder den Schnupfen, was soll ich nun nehmen?" Doktor: „Nehmm^S^m^rNeeE^fch^"^^r f°a

aus dem Affen nicht ein Mensch jeworden fern - wird ja sogar 'n Soldat aus einem Civilisten!

nicht anders möglich. Was ich in meiner Leidenschaft für einen Uebergriff geistiger Bevormundung gehalten hatte stellte sich mir als etwas ganz Anderes dar. Richt umsonst hatte mein Seelsorger mich so eindring­lich vor der gemischten Ehe gewarnt. Seme Vorhe^ sagungen gingen buchstäblich in Erfüllung. Der Rauch war verflogen und an seine Stelle trat bie peinliche Wirklichkeit mit den Folgen einer^ Verbindung wo die Harmonie der Seelen m den heiligsten Interessen und Empfindungen fehlte. Ich wandte nichts dagegen em, als Lisa sich an ihre einzige hiesige Glaubensgenossin, Lina Bellinq, anschloß, obgleich man dieser Person allerhand nachsagte, das auf ihren Charaktermchtdas vortheilhafteste Licht warf. Als ich aber dann nach der Rückkehr erfuhr, daß Lisa wahrend meiner Ab­wesenheit wiederholt, und zwar bis m die tiefe Rächst hinein, in dem Hause der Bellmg verkehrt habe, kam ich aus Rand und Band. Meine Frau betheuerte zwar ihre Unschuld, und ich glaubte ihr schließlich. Aber ein neuer Stachel blieb doch m der Seele zu­rück, und zwar ein um so schärferer, als, ich bemerkt , wie Lisa von da an ihr Inneres vor mir noch mehr als vorher verschloß. Ich brauche mich nicht naher auszulassen Du weißt selbst, was ich litt, und was es heißtz bei derjenigen' kein Verständniß zu finden, welche uns durch die heiligsten Bande am nächsten gestellt ist. Ich vernachlässigte mein Geschäft erlitt aroße Einbußen, der letzte Termin aber zur Zahlungs­leistung nach Wiesbaden rückte heran."

Was sollte ich thun?" fuhr Schirmer fort, Iollte ich zu Dir gehen und bekennen, daß ich ein Mein- eibiqer war? Das konnte ich nicht. Ich hatte frei­lich anders handeln sollen, das sehe ich Int ern. Aber ich wußte oft selbst nicht mehr, was ich thatz wandte mich in meiner Verlegenheit an ^sidor Schnell.

Er drückte dem Müller innig die Hand und eilte, seine eigene Bewegung verbergend, davon. (F. f.)

unNliK Ehe eine so wirkungsvolle Entschuldigung A»

für Dich, daß sie mir förmlich die Vergebung ab- u.

wingt. Auch ich habe ja meine bitteren Erfahrungen gealtet sich

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aewicht nicht zu verlieren, wenn eine schone Hoffnung um die andere in Nacht und Nebel versinkt. >zch

und - Edgar zulieb! Isidor Schnell und alle an­deren Gläubiger sollen befriedigt werden. Stelle bis morgen ein Verzeichniß Deiner ganzen Schuldigkeit auf Ich komme mittags herüber. Dann wird Alles in Ordnung gebracht!"

Er erhob sich und schritt, ohne dem Müller rote gewöhnlich die Hand zu geben, der Thüre zu. Da vernahm er, wie Schirmer tn em krampfhafte? Weinen und Schluchzen ausbrach.

Einen Augenblick zögerte er. Dann kehrte er wieder um. Auch in seinen Augen standen Thrauen. Er legte dem Müller die Hand auf das Haupt.

Verzeih' mir, Georg," sagte er weich, „wenn ich vorhin heftig und unwirsch verfuhr. Es thut mir leid, aber man kommt eben nicht ohne weiteres ube eine bittere Erfahrung hinweg. Es soll alles ver­geben und vergessen sein! Du bereust Derne ^hor- beit, und das Bischen Mammon ist den Riß durch unsere Freundschaft nicht werth,'."

In Erinnerung bringen wir den geehrten Lesern der

GoitesdienstordnAAg tti Fulda.

Knnnlaa den28.März. Dom. Um 5, 6, 63/« u.7'/-Uhr hl Messen, 9 Uhr Amt mit Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 19 Uhr

Ebristenlehre 3 Uhr Michaelsbruderschaft. — M.UH^ftsKirche. 10 Ubr bl Messe mit Exposition, 2 Uhr Bruderschaftsandacht von den 7 Schmerzen Marias mit Predigt " Pk-rrKirche?um hl. Geiste. 8 Uhr Amt mit Predigt, 4 Uhr Andacht mit Segen. - Jungfrauen-K-dattlüt. 6-/. Uhr und Nachm 2-^ Uhr Eni-i?nkanellei — Frauenberg. 5 und 6fr Uhr hl. -»teilen, 8 Uhr hl. Messe mit Josephsandacht, 9 Uhr Hochamt,,2 Uhr feierliche Vesper. Dienstag, den 30. Marz. 8/2 Uhr feierliches Amt zu Ehren des hl. Antonius, Fastcnpredigt und Krenzweaandacht, 41/* Uhr Antoniusandacht. Freitag, ^err-Jesu-Freitaq.) 5 Uhr Aussetzung des Allerheil, ^zur 12 stündigen Anbetung, 9 Uhr feierliches Amt.

Literarisches.

Große Modenwekl. Alle 14 Tage ein Heft. Verlag von “ " c^obn HenrySchwerin, Berlin W35. Preis 1. Mk.

Die'demnächstme Gestaltung der Witterung ist jetzt eine Quelle der Beunruhigung für die Damen, bez. Wahl ihrer «einer yentgem^u uu oi'»« I Toiletten. Da gibt ^bnn Nichts Besseres a^ em^ ^onn^-

Er half mir aus. Es kamen schlechte Zeiten und ich ment auf die e^egan e^ „ Nummer alle Neuheiten der konnte die Zinsen nicht rechtzeitig bezahlen. Der Agent Facher ig ^iUe bietet/ daß man, der Witterung ge-

aab Kredit so viel ich verlangte, nahm aber auch un- J vornehm und chik gekleidet fern kann, wozu die herrlichen

aebeuere Prozente dafür. Allmählich fing er an, Ken-Genrebilder, die jetzt bedeutend vergrößerten, farben- fchwierig zu werden; und als ich schließlich nichtmehr prächtigen M°denbilder,^der^gr^ die jetzt eingeführte

auf seine Forderungen entging, kündigte er mir das °ogm (z @rQti»fBd)nittcn nach Körpermaaß gegen Ve^

Kapital Da erschien Malang. Er erbot sich, mir - k-r g Selbstkosten die beste Handhabe bieten. Auch Ä. Am * ***. ®umme "

verschaffen, und obgleich auch er . . . , hnrbeiten,Beilaae mit Naturgrößen Vorlagen, dazu mit

„Genug jetzt," fiel ihm Salmi, der immer ge- H ^nmmer eine Hausfrauen-Zeitung mit zahlreichen räuschvoller auf seinem Stuhle hm und her geruckt ^nstrationen rc., und alles das für vur^Mk.vlertchah^^ man iinaeduldia in's Wort, „ich will Nicht weiter £ei 'a{len Buchhandlungen und der Post. Gratls-Probe- bören- den Schluß für den Vers zu machen ist keine nummern sind durch die Buchhandlungen und en g z Kunst' Also lieber von Blutsaugern ließest Du Dich bezmhen^^^^MM^WWW^ssMWSS»« ÄFsw Ä «Sä Selcht mit Luhn’s Ä- iicrnstist Ahn,- ich d?ch !ch°n lange, daß i-g-nd nn ,chli>nm-s

Geheimnis im Hintergrund- hege. Daß Sn mir 1° £ «„? rat?«beim Snte-

wehe thun könntest, Georg, hatte ich nicht geglaubt, Kolonialwaarrn-Händler. — Fordern Sie „echte mhn . Habe ich Dich nicht schon damals, als ich diesen ver­wachsenen Schleicher zum ersten male aus Deinem Hause gehen sah, nach der Ursache Demes Kummers

mit UnterhaUnngs-Heilage „Sterne und Hlmnen". ___

__ __________—------------- " ~ 7 nnh Vestellaeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Badeort oder Sanatorium?

Diätet'scke und hyzienifche Vorschriften gibt heute xeder aesraat2^'Da"hast mich belogen! Doch was ge- I Arzt seinen Patienten, die einen Kurort -afmch^^ Diese Srzt- schehen' ist, ist geschehen. Und überdies ist Deine V^^°W^ndL°Pr^tth°, auf die die Patienten ^aage- ffntselnildianna 1 Dark man sich da wundern, wenn dir wohlgemem-

' I w ' Ahschläge oft nichts fruchten? Ganz anders

Inch ich habe ja meine bitteren ^agrungeu i gestaltet Mi b«

Ich weiß, was dazu gehört, das Gleich- nicht ?n«^S»nbniß k°r bi« «beztlickeu Bockchnst-n.

um »>- uno-r- m .. — -........„ ^-1

will Dir noch einmal helfen, den vergangenen Tage>> | »aller. wirb GabwanMS Zwei»,

und — Edgar zulieb! Isidor Schnell und alle an- । Pt b ■ Schweizerhaus" (G-iammt Wochenvrtts von M. 35 zr<<"..f.i»(»AfytaStAi mt*rhpn bi§ 1 °n) Rechn^g"agen. 'Prospekte nebst belehrender Brofchüre

gratiS durch die Direktion.

Die „Germania", Lebenr-Bersicherur.gs'Aktien-Gesellschaft »u Stettin, hat auch für das Jahr 1896 einen großen Zugang von 42 Millionen Mark neu gckchlosfener Besicherungen zu verreichn«". Das Gejammt • Versicherungskapital ist auf 536 415,736 M. gestiegen. Mik Rücksicht auf den andauernd medrigen Zinsfuß berechnet die Gesellschaft vom 1. ^annar 1894 ab für alle neu geschlcssenen Kapitalvkrsichemngen auf den Todesfall die Prämicnreservemttdev ZmSsaßvon3/. (bisher 31« Die wirkliche Ausgabe für Sterbefälle blieb hinter der Summe der rechnungsmäßigen DeckungSmittel be­deutend zurück. Aus dem Fohresüberichusie erhalte» die M G-wtua-nth-il Versicherten 3,580,424 M., gegen »,358,8S7M. im Vorjahr, - Di- nach Plan « Brrsicherteu erh°lttn d-m. gemäß im Zähre 1897 b,S zu 51° o, ,m Jahre 1898 b^s zu 54 °/o der vollen JahreSpcämie als D, v, " d e. D.e S ch e r beitsfondS in Hübe von 192,403,844 M. ,mo gegen das Vorjahr um 13.627,179 M. gestiegen. Das G es am mt vermögen der Gesellschaft erreichte Ende 1896 die Höhe von 196,660,286 M. gegen 180735,006 M. im Vorsahr.