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69 Freitag, den 26 März 1897 24. Jahrgang

mit Urrterhalturrgs-Kettage „St^ne und KLrrmen".

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Die vollständigen Ziehungsliste» der preußische» Klaffrnlotterie werde» jedesmal am folgende» Tage i» unserer Zeitung veröffentlicht.

Deutsches Deich.

Berlin, 25. März.

* Nicht „Wilhelm der Große", sondern „Wilhelm der Siegreiche", so möchte Fürst Bis­marck Kaiser Wilhelm 1. genannt wissen. Die ,Hamb. gtadjr.' schreiben in ihrem Festartikel: „Niemals ist Kaiser Wilhelm der Siegreiche geschlagen worden; das hat er selbst vor seinem großen Ahnherrn Fried­rich dem Großen voraus. Trotzdem würde er, wenn er noch lebte, in seiner Bescheidenheit und Selbst- erkenntniß entschieden dagegen Einspruch erheben, wenn man ihm mit dem gleichen geschichtlichen Prädikate, wie seinen großen Ahnherrn, belegen wollte." In demselben Artikel wird auch hervorgehoben, was alle Anstrengungen des Fürsten genutzt hätten, wenn sein Streben an einem königlichen „Nein" gescheitert wäre, wenn sein Herr zur Selbstüberwindung unfähig oder der Furcht unterworfen gewesen wäre, den eigenen Ruhm von dem des Fürsten Bismarck verdunkelt zu sehen."

* Eine allgemeine Amnestie, die vielfach aus Anlaß der Hundertjahrfeier erwartet wurde, ist bis jetzt wenigstens noch nicht gekommen. Im Vertrauen auf die Amnestie ist in verschiedenen Prozessen auf die Einlegung der gesetzlich zu Gebote stehenden Rechts­mittel verzichtet worden in der Hoffnung, daß ein Erlaß der Strafe eintreten würde. Das Ausbleiben der Amnestie hat vielfach bitter enttäuscht. Einzel- begnadigungen haben, wie wir bereits berichteten, aus Anlaß der Hundertjahrfeier mehrfach stattge­funden. e

* Anläßlich des Todes der Großherzogin Sophie von Sachsen Weimar-Eisenach hat gestern der königliche Kof die Trauer auf vierzehn Tage an­gelegt.

* In seiner heutigen Sitzung hat der Anndes- raltz die Gesetzentwürfe wegen Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für 1897/98 und wegen Aufnahme einer Anleihe für

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

'21] ------- (Nachdruck verboten.)

Der Doktor wäre wahrscheinlich nicht ft) schnell auf die Vorschläge Wilhelms eingegangen, hätte dabei nicht ein Faktor mitgespielt, der mit feinem Hasse gegen den Wiesmüller Schirmer im Zusammenhänge stand. Durch die Anlegung des Cementwerkes wurde die Wasserkraft dem letztem zum Theil entzogen und der Werth der Mühle um ein Bedeutendes herunterge- drückt. Dieser Voraussicht gegenüber kamen bei dem rachsüchtigen Manne alle Bedenken und Schwierigkeiten nicht in Betracht. Ueberdies hatte er ja früher schon mit einem ähnlichen Untemehmen die günstigsten Er- fahmngen gemacht.

Daß es mit dem Flüssigmachen der Gelder Mor- bor's nicht recht vorangehen wollte, hinderte ihn nicht an dem raschen Einleiten der Vorbereitungen, da ja die Sache selbst ein genügendes Unterpfand bot. Ueberdies hatte er von den Papieren des Gesellschaf­ters Einsicht genommen und daraus ersehen, daß dieser wirklich ein bedeutendes, leider aber laut der von allen möglichen Behörden beglaubigten Schuld­urkunden fest angelegtes Vermögen besaß.

Sallust empfand eine wilde Schadenfreude, als er

Zwecke der Verwaltung des Reichsheeres den betreffen­den Ausschüssen überwiesen, und seine Zustimmung ertheilt dem Ausschußberichte über die Beschlüsse des Landes ausschusses für Elsaß- Lothringen zu dem Gesetzentwurf betreffend die Erhöhung der Abgaben behufs Deckung der Ausgaben der Handels­kammern, ferner dem Außschußberichte über den Gesetzentwurf für Elfaß-Lothringen, betreffend die Verzinsung der Gelder der Sparkassen und Hilfs­genossenschaften, sowie über die Beschlüsse des Landes- ausschusses zu dem Gesetzentwurf wegen Feststellung des Landeshaushalts - Etats von Elsaß Lothringen für 1897 98.

r4^ Gentrmu und Sozialdemokratie. Gegen­über dem Vorwurf, daß das Centrum durch feine ablehnende Haltung hinsichtlich der zu weit gehenden Anforderungen für Schiffe sich auf eine Stufe mit der „glaubenslosen und staatsgefährdenden Sozial- demokratie" gestellt habe, möchten wir auf Folgendes Hinweisen: Im März 1894 stimmte ein großer Theil der Nationalliberalen mit den Sozialdemo­kraten gegen einen Theil der Schiffsneubauten, das Gleiche wiederholte sich im März 1895 seitens eines Theiles der Konservativen in Verbindung mit den Sozialdemokraten. Obwohl die damaligen Forderungen weit dringlicher waren, denn sie wurden inzwischen mit Hilfe des Centrums bewilligt und unsere Marine also entsprechend verstärkt, so daß heute die mit Hilfe des Centrums bewilligten Schiffe theils vor­handen, theils im Bau begriffen find, hat doch weder im Jahre 1894 noch 1895 Jemand vom Centrum den Nationalliberalen oder Konservativen daraus einen Vorwurf gemacht, daß sie damals mit den „glaubens­losen und staatsgefährdeiiden" Sozialdemokraten stimm­ten. Diese zum Theil hochadeligen Herren scheinen sich auch in der Abstimmung mit den Sozialdemokraten ganz wohl gefühlt zu haben, denn sie haben inzwischen wiederholt sich mit denselben an der Abstimmung gegen Regierungsvorlagen zusammengefunden, z. B. erst kürzlich bei der Konversion der 4"/o Reichsanleihen.

* Auf eine Anordnung des Bundesraths hin werden nunmehr Maaren deutscher Kerkunft die, ins Auslandgeschickt, von dort zurückkomm en, und deren Abstammung aus dem deutschen Zollgebiet nicht zweifelhaft erscheint, von den Zollämtern stets die ermäßigten Zollsätze oder Zollbefreiung des Vertragstarifs beim Wiedereingang in Anwendung gebracht werden, ’fofern die betreffenden Sendungen nicht in ihrer Eigenschaft als Retourwaare Zollfreiheit genießen.

* Die überseeische Auswanderung aus dem Deutschen Reiche umfaßte im Februar d. I, so­weit sie über deutsche Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam ging, 1227 Personen gegen 1879 im Februar 1896. Außer den deutschen Auswanderern wurden über deutsche Häfen noch 3293 Angehörige fremder Staaten befördert, davon 1944 über Bremen, 1228 über Hamburg und 71 über Stettin.

erfuhr, in wie furchtbare Aufregung der Müller bei der Nachricht von dem geplanten Unternehmen versetzt worden sei.

Man hatte ihm in der That nicht falsch berichtet. Schirmer war über diese neue Herausforderung des Doktors in maßlose Wuth gerathen. Diese steigerte sich noch dadurch, daß ihm sein immer noch bedenk­licher Zustand die Möglichkeit eines energischen Han­delns benahm. Er wandte sich an verschiedene Advo­katen und ließ gegen die Schädigung seiner Wasser­kraft Einspruch erheben, erzielte jedoch keinen Erfolg.

Sallust hatte das Cementlager selbst und die um­liegenden Güter gekauft und mit dem Bau des Werkes begonnen, ohne daß man dagegen irgendwie Einspruch erhob. Schirmer mußte sich fügen, wenn er dadurch auch einen noch gar nicht zu berechnenden Schaden erlitt.

Die Arbeit schritt um so rascher voran, als das Baupersonal der nunmehr nahezu fertigen Villa des Grafen Salmi dem Doktor theilweise zur Verfügung sich gestellt hatte.

Die prächtige Schöpfung des alten Herrn befand sich bereits unter Dach und schaute vom Waldrande herunter majestätisch in's Tbal. Nur am Einbau fehlte noch Manches, doch auch dieser ging unter den vielen geschäftigen Händen rasch seiner Vollendung ent­gegen. Die Einwohner von Rodenbach bildeten sich

Ausland.

* Wien, 24. März. Bei den nunmehr vollendeten 18 Reichsraths-Wahlen wurden gewählt: vom stei­rischen Großgrundbesitz vier Deutsch-Liberale, vom Tiroler Großgrundbesitz zwei Deutsch-Liberale und zwei Italienisch-Liberale, von der Wiener Handels­kammer zwei Deutsch-Fortschrittliche, bei den Stich­wahlen in den Städten Böhmens ein Mitglied der deutschen Volkspartei, ein Jungczeche und zwei Deutsch- Fortschrittliche, in der Stichwahl in Bregenz ein Deutsch-Fortschrittlicher; in Trautenau unterlag Hall- wich gegen Wolf, ein Anhänger Schönerers, m t 19 Stimmen; in Lemberg sind zwei Stichwahlen er­forderlich. Das Ergebniß einer Wahl der Höchst- Besteuerten in Dalmatien steht noch aus.

* Loudon, 24. März. Zwischen den Eng­ländern und Buren in Südafrika verschärft sich der Gegensatz immer mehr. Die Holländer in der Kapkolonie, die bisher sich von Rhodes führen ließen, haben sich jetzt auf ihrem Afrika-Kongreß für den Zusammenschluß aller Holländer zum Schutze gegen die llebermacht Englands ausgesprochen, und die beiden freien Burenrepubliken, Transvaal und der Oranje-Freistaat, haben auch bereits ein Schutz- und Trntz-Bündniß abgeschloffen, das dabei auch eine Verschmelzung beider Staaten insofern vorbereitet, als es den Bürgern beider Staaten gegenseitig das Bürgerrecht in jedem derselben ver­leiht. Das ist eine nicht mißzuverstehende Antwort auf die Kriegsdrohungen Englands und die Posse des Londoner Parlamentsausschusses für „Unter­suchung" des Jameson'schen Einbruchs!

* Slorüholm, 24. März. Der Reichstag nahm heute mit 197 gegen 174 Stimmen die Erhöhung des Zolles für Häute und Felle aus 40 Oere pro Kilo­gramm an und beschloß ferner die jetzigen Zölle auf Schweinefleisch beizubehalten. Ferner nahm der Reichs­tag die Erhöhung des Zolles auf Schuhwaaren von 1 auf 2 Kronen pro Kilo an und beschloß endlich noch, die Zollfreiheit für Kartoffeln beizubehalten.

* Konstantinopel, 24. März. Bei dem Gemetzel von Tokat am 19. d. Mts. wurden über 100 Ar­menier getödtet; während acht Stunden wurde die Stadt geplündert. Diese Thatsachen riefen in den hiesigen diplomatischen Kreisen den peinlichsten Ein­druck hervor, die Botschafter verlangten in einem energischen Kollektivschritt die Verhaftung und Be­strafung der Schuldigen. Eine Unterfuchungskommifsion, welche aus Hakl Bey und dem katholischen Armenier Chanes Effendi besteht, soll sich nach Tokat begeben.

* Athen, 24. März. Hier herrscht Beun­ruhigung über den Verbleib des Dampfers „Hera", welcher vorigen Freitag mit Proviant nach Kreta ab­gegangen und seither nirgends erschienen ist; an Bord des Schiffes befindet sich auch der Vizepräsident der griechischen Kammer. — Der russische Ge­sandte Onou hat der Königin von Griechenland ein

auf die Cement-Fabrik und auf das schöne Grafenhaus nicht wenig ein.

Da wurden mit einem Schlage alle persönlichen Interessen von der Bildfläche verdrängt. „Krieg, Krieg gegen Frankreich," lautete das Losungswort landauf und landab. Es fand seinen Weg auch nach Roden­bach und sachte wie überall eine stürmische Begeiste­rung an, die freilich anfangs nicht ohne Beimischung von heimlicher Furcht blieb.

Mit unglaublicher Schnelligkeit ging Alles vor sich. Die Reserven wurden einberufen und zogen schaaren- roeife den Garnisonstädten zu. Auch Julius Sallust hatte die Ordre zum Einrücken bei feinem Regiment bekommen. Er theilte dies dem Onkel und der Schwester in einem Briese mit. Zu einem Besuche in der Hei- math reichte die Zeit nicht aus.

Edgar war bereits an den Rhein marschirt. Er hatte davon kurz vorher nach Rodenbach Nachricht gegeben mit dem Versprechen, von Zeit zu Zeit etwas von sich hören zu lassen, wenn nicht eine Kugel für ihn bestimmt fei.

Durch diese Schlußbemerkung war auf den Wies­müller, der immer noch unter dem Einflüsse seiner grenzenlosen Verstimmung gegen die Cernentsabrik und Alles, was mit dieser zusammenhing, litt, kaum ein Eindruck gemacht worden. Um so nachhaltiger