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Montag, den 22 März 1897
24. Jahrgang
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Die ,Fuldaer Zeitung^ behandelt die neuesten Tagesfragen in allgemein verständlicher Weise. Die politischen Nachrichten sind kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt gewidmet, und auf ein spannendes, sittlich reines Feuilleton besonders Gewicht gelegt. Zahlreiche zuverlässige Mitarbeiter in Berlin sowie in der Provinz setzen uns in den Stand, über alle wichtigen Er- eignisse bedeutend früher zu berichten, als die anderen Blätter.
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Redaktion nnd Verlag der ,Fuldaer Zeitung'.
Zum Marine-Etat.
Für die Gesammtlage bezeichnend ist folgende Liste. Im Marine-Etat für 1897/98 waren an einmaligen ordentlichen Ausgaben gefordert . . 66,545,594 M. Die Kartellparteien bewilligten. . . 65,698,294 „ „ Antisemiten „ ... 56,433,294 „
Das Centrum bewilligte 54,160,294 „ Die Freisinnige Vereinigung bewilligte 54,160,294 „ „ „ Volkspartei und
Südeutsche Volkspartei bewilligten 52,340,294 „ „ Sozial-Demokraten „ 51,020,294 „
Eine Mehrheit der Budget-Kommission ergab sich, je nachdem das Centrum zustimmte oder ablehnte. Demgemäß wurden gestrichen 12,385,300 M. und bewilligt 54,160,294 M. Im Plenum des Reichstags wird voraussichtlich das Ergebniß ganz das gleiche sein.
Im Etat für 1896/97 waren für Schiffsbauten ohne Armirung bewilligt 19,233,000 M. mit Armirung 26,418,000 „
Im Etat für 1897/98 hat bisher die Budget- Kommission bewilligt für Schiffsbauten ohne Armirung ............. 37,895,000 M.
mit Armirung 48,838,000 „ Mithin sind von der Budget-Kommission für 1897/98 gegen 1896 97 mehr bewilligt an Schiffsbauten ohne Armirung 22,662,000 M. mit „ 21,420,000 „
Neu bewilligt hat die Budget-Kommission an ersten Raten für neue Schiffe (ein Panzerschiff und zwei Kanonenboote) 2,500,000 M.; die Schiffe werden fertig kosten ohne Armirung 16,120,000 M.; die gestrichenen Schiffe (zwei Kreuzer, ein Aviso, ein Torpedo-Divisionsboot, acht Torpedoboote) erforderten an ersten Raten zusammen 5,173,000 M.; diese Schiffe würden fertig gekostet haben ohne Armirung 23,348,000 M.
Man kann diese Zahlen nicht oft genug wiederholen; denn die Flotten-Aufregung wird jetzt so systematisch betrieben, daß nur noch das Chinin der nüchternen Zahlen die Fiebertemperatur gewisser Kreise einigermaßen niederhalten kann.
Im Reichstag wurden unausgesetzt Versuche gemacht, noch eine Mehrbewilligung vom Centrum herauszuschlagen. Nach den außerordentlich sorgfältigen Vorberathungen in der Kommission war aber gar keine Aussicht mehr, im Plenum des Reichstags das Centrum von den Beschlüssen der Kommission zurückzubringen. Auch wurde versucht, eine Einigung dahin zu erzielen, daß das Panzerschiff gestrichen, dagegen aber die beiden jetzt gestrichenen Kreuzer bewilligt werden sollten. Auch an eine solche Veränderung war gar kein Gedanke mehr. In der Kommission war das Panzerschiff das weitaus nothwendigste und deshalb wurde es bewilligt. Wer behauptet, die beiden Kreuzer feien wichtiger, setzt sich mit der Kommission in Widerspruch, was gegenüber der Arbeit der Kommission, welche in diesem Jahre durch das Referat und die zahlreichen Vorarbeiten des Abg. Dr. Lieber so gründlich war wie noch nie, ganz unverantwortlich wäre.
Deutsches gkidj.
Berlin, 20. März.
* Das königliche Schloß in Berlin ist in diesen Tagen gewissermaßen ein großes „fürstliches Hotel"; alle Theile des mächtigen Bauwerks sind, so weit es irgend angängig war, in Anspruch genommen ; noch niemals hat das Schloß so viele Gäste ausgenommen, wie bei dieser Kaiser-Wilhelm-Feier. Die kaiserliche Schatulle erspart dadurch, wie der Direktor eines der größten Hotels versicherte, ganz erhebliche Summen. Sonst pflegten unsere vornehmen Hotels einen beträchtlichen Theil der anwesenden Fürstlichkeiten aufzunehmen und die recht bedeutenden Kosten für diesen Aufenthalt der Gäste wurden aus der kaiserlichen Schatulle bestritten.
* Kriseugerüchle gehen massenhaft durch die Blätter, aber wie tumultuarisch auch gewisse Zeitungen dem Reichstag mit Auflösung, Konflikt u. s. w. drohen, die Vertreter der Regierung haben in allen ihren Reden auch nicht die leiseste Andeutung nach dieser Richtung hin gemacht. Es wird schwerlich irgend eine der vorgedachten Folgen eintreten, nachdem der Reichstag die Kommissionsbeschlüsse bestätigt hat. Nach dem ,Hannov. Könner' soll die Regierung entschlossen sein, in dem geplanten Bau neuer Kriegsschiffe auch im Widerspruch mit den Beschlüssen des Reichstags keine Verlangsamung eintreten zu lassen. Das wäre allerdings Konflikt und Verfassungsbruch. Aber wir glauben nicht daran. Deutschland ist ein Bundesstaat, und bevor die Reichsverfassung gebrochen wird, muß der Bundesrath mitsprechen, dieser aber wird sich, meinen wir, hüten, eine solche Maßregel, die am Bestände des Reiches rütteln und die bundesstaatlichen Rechte einengen würde, unter irgendwelcher Form gutzuheißen.
. ft Wieder ein Zeichen der Stnalsgreichpokitik gewisser Kreise ist ein Artikel der Stumm'schen , Post', worin die Beseitigung oder doch Durchbrechung und Verkürzung der Immunität der Parlamentsberichte gefordert wird. Solche Reichstagsreden also, die nach Ansicht der Staatsanwälte „aufrührerisch" wirken können, „staatsgefährlich" oder „umstürzlerisch" sind, sollen nicht mehr, wie es die Verfassung fordert, vor gerichtlicher Verfolgung auch bei der Weiterverbreitung geschützt sein. Jedes Wort der Kritik wäre hier Verschwendung.
* Die NeitHseirrnaHrrren, die vom 1. April 1896 bis 28. Februar 1897 zur Anschreibung gelangt sind, belaufen sich auf insgesammt rund 1125 Millionen, davon aus den Zöllen und Verbrauchs
steuern 7331/a Millionen, den Postüberschüffen 273 Millionen. Das ist gegen denselben Zeitraum des Vorjahrs ein Mehr von rund 72 Millionen. Die Jsteinnahme bei den Zöllen und Verbrauchssteuern betrug 673 Millionen (+ 67 Millionen).
Ausland.
* Madrid, 20. März. Meldungen aus Manila zufolge sind daselbst 25 Eingeborene, welche im Gefängnisse saßen, ausgebrochen und haben die Gefangenenaufseher getödtet. In der Stadt entstand eine Panik. Soldaten verfolgten die Entkommenen und tödteten sechs von ihnen.
* Konstantinopel, 20. März. Der Sultan hat den Marschall Edhem Pascha nach Konstantinopel berufen, um denfelben mit eingehenden Befehlen zu versehen. — Der ,Agence Havas' zufolge legen die Türken an der macedonischen Küste Torpedos, um die Ausschiffung griechischer Truppen zu verhindern.
* Karte«, 20. März. Die griechische Flotte hat gestern Vormittag ihre Ankerplätze vor Kanea verlassen, um sich nach Cerigo zu begeben. — In Re- thymo hat vorgestern ein ernstes Gefecht stattgefunden, in welchem beide Seiten Verluste erlitten. — Infolge der Aufforderung des Admirals Canevaro begaben sich vier Führer der Aufständischen an Bord des italienischen Flaggschiffes. Der Admiral hielt eine Ansprache an dieselben, worin er mit ihnen die Verkündigung der Autonomie besprach. Die Insurgenten weigerten sich jedoch, eine andere Lösung als die Einverleibung in Griechenland anzunehmen.
* Kairo, 20. März. Durch die von Riaz Pascha und anderen hervorragenden Egypter veranstalteten Sammlungen für die türkische Kriegskaffe sind 15,000 Pfund aufgebracht worden; der Khedive hat 2500 Pfund beigesteuert.
Airs dem Reichstage.
196. Sitzung vom 20. März.
Der Reichstag hat am Samstag das Extraordinarium des Marine-Etats in voMändrgerUevereinstimmung mit bett Kommikkous-Weschrüflen erledigt.
Nachdem noch Abg. Darth (frf. Vg.) sich für seine Person gegen die beiden Kreuzer erklärt, Frhr. v. Stumm (Rp.) gegen die sparsame Mehrheit gedonnert und Dr. Aachem (Centr.) die letzte Hoffnung derer zerstört hatte, welche noch immer es für möglich hielten, daß das Centrum etwa im Austausch gegen die Jesuiten doch noch den einen oder gar beide Kreuzer bewilligen werde, wurde flott hinter einander abgestimmt.
Zunächst wurde das neue Panzerschiff 1. Klaffe gemäß dem Kommissions-Antrage in namentlicher Abstimmung mit 245 gegen 90 Stimmen (der äußersten Linken, Polen, Elsässer, Bauernbündler, zweier Antisemiten, einiger Rickerianer und des Dänen) bewilligt, alsdann aber, gleichfalls in namentlicher Abstimmung, der Kreuzer 0 mit 204 gegen 143 Stimmen (der Rechten, Nationalliberalen, der meisten Antisemiten und Rickerianer) abgelehnt, desgleichen in einfacher Abstimmung der Kreuzer P, der neue Aviso und die Torpedo-Division. Auch die Kürzungen an den Folgeraten wurden mit der gleichen Mehrheit aufrecht erhalten.
Am nächsten Mittwoch folgt das Ordinarium des Marine-Etats und andere Etatsreste.
Aus hm Landtage.
Abgeordnetenhaus. — 55. Sitzung vom 20. März.
Das Abgeordnetenhaus erledigte am Samstag ohne größere Debatte, deren Hauptinhalt Klagen über Beanstandung von Steuererklärungen bildeten, die Etats der indirekten und direkten Steuern.
In der nächsten Sitzung, am Mittwoch, stehen die Nachtragsforderung von 15 Millionen Mark für den Dort- mund-Ems-Kanal, die Beamtendiälen-Vorlage und die 2. Lesung des Ri cht e r g e s etz e s auf der Tagesordnung.
xy Herrenhaus. — 13. Sitzung vom 20. März.
Das ^Herrenhaus hat nach längerer Pause am Samstag eine kurze Sitzung abgehalten, in welcher nur Kleinigkeiten erledigt und Graf v. Hutten-Czapski an Stelle des verstorbenen Herrn v. Pfu el zum Mitgliede der Staatsschulden- Kommisston gewählt wurde.
Nächste Sitzung unbestimmt, frühestens am 29. April (zur Etatsberathung).
Aus Kirche und Schule.
-Hr Iuköa, 21. März. Wie wir hören, soll vom 1. April an Herr Kaplan Nitzge in Neuhof nach Müß und Herr Neopresbyter Ewald nach Neuhof, sowie Herr Neupriester Gockel nach Hilders versetzt werden. Der dortige Kaplan ist zur Hilfe dös erkrankten Herrn Pfarrers Kaufholz in Großkrotzenburg berufen worden.