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24. Jahrgang

Samstag, den 20, März 1897

citiin

* Kanea, 19. März. Der russische Panzer „Syssöi Weliki" wird sich nach Toulon begeben, um die Verwundeten in Pflege zu bringen und ix Reparatur zu gehen. — In der Umgegend von Rethymo fand gestern Vormittag ein lebhafter Kampf zwischen Griechen und Türken statt. In Kandia gab es in der Nacht ein Gefecht, bei dem 6 Personen getödtet unfrt25 verwundet wurden. — Die Mannschaften des griechischen Seglers, der durch den österreichischen Kreuzer „Sebenico" in den Grund gebohrt wurde, retteten sich durch Schwimmen.

-------------------------- 7 «k..,,«,,ts»reis ohne Brinaerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig, täglid), oft« «b?te££L 15 Pf, R»kl-men die Petitzeile 25 Pf, bei «iederh-lunzen entsprechender Rabatt.

mit Untechattuns»-Kritase „Sterne und Klmnen"

Deutsches Krrch.

Berlin, 19. März.

* Der Kaiser empfing heute Vormittag die hier zur Jubelfeier eingetroffenen Deputationen russischer Regimenter und unternahm darauf mit der Kaiserin eine gemeinsame Spazierfahrt nach dem Schlosse Bele- vue. Vormittags nahm der Kaiser den Vortrag des Kriegsministers, General-Lieutnants von Goßler ent­gegen.

* Zu den einflußreichsten Personen tm Deutschen Reich gehört seit Jahren derjenige Beamte, der die Deituugsausschnitte für den Kaiser zusammen­zustellen hat. Es war schon bekannt, daß mitunter Artikel nur geschrieben und veröffentlicht wurden, da­mit sie als „Preßstimmen" an den Kaiser gelangen. Ein beglaubigter Fall dieser Art liegt jetzt, wie dre ,Voss. Ztg.' hervorhebt, in den Erinnerungen des Vizeadmirals Bätsch an den früheren Admiralitätschef v. Stosch vor. Stosch war für seine Person kirchlich und religiös, aber trat trotzdem im Jahre 1894 dem Entwurf der Synodalordnung entgegen und bekämpfte ihn auch noch, als Abgeordnetenhaus und Herrenhaus ihm zugestimmt hatten. Er schrieb einen Artikel, den er durch den Direktor der Seewarte an den ,Hamb. Korresp/ bringen ließ. Das Blatt hat auch den Auf­satz am 7. Mai 1894 veröffentlicht, selbstverständlich ohne den Einsender zu verrathen. In seinem Schreiben an den Mittelsmann sagte Herr v. Stosch: „. • • • Die Genehmigung des Kaisers steht noch aus. Ich habe nun alle Kräfte, die mir bereit waren, ange­spannt, um an allerhöchster Stelle gehört zu werden. Es ist aber sehr schwer, dort Einfluß zu gewinnen. Da habe ich gedacht, daß, wenn die ,Hamburger Zeitung' den anliegenden Artikel brächte, man an­nehmen darf, derselbe kommt unter die Zeitungsaus­schnitte, die dem Kaiser regelmäßig vorgelegt wer­den . . ." Der Artikel erschien im ,Hamb. Korr.Z ob er unter die Zeitungsausschnitte gekommen ist, die der Kaiser erhielt, ist nicht bekannt geworden.

* Herr x>. Kölker soll nach einer Meldung des ,Hamb. Korr/ aus Berlin zum Oberpräsidenten von Schleswig-Holstein bereits ernannt worden sein. Anderweitige Bestätigung der Nachricht liegt noch nicht vor.

* Dem ASgeorduetenhause sind heute Vormit­tag der Gesetzentwurf, betreffend die Diäten und Reisekosten der Staatsbeamten, sowie der Gesetz­entwurf, betreffend das CHaritä-Krankenhaus und die Verlegung des Botanischen Gartens, zugegangen.

* Die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands wird in diesem Jahre n i ch t i n A u g s -

Ausland.

* Wien, 19. März. Die Liberalen haben allein bei den Wahlen am 17. d. M. 16 Mandate ver­loren, eins verlieren sie wahrscheinlich noch in der Stichwahl. Sie haben Mandate verloren in Böhmen, Mähren und Kärnthen, sowie bei den Stichwahlen in Stadt Linz und Stadt Salzburg.

* Madrid, 19. März. Anläßlich der gestrigen Einweihung des republikanischen Klubs kam es zu Ruhestörungen, wobei mehrere Personen ver­wundet und niehrere Verhaftungen vorgenommen wurden. ,

* Athen, 19. März. In der Kammer therlte der Minister des Aeußern mit, daß die von den Admiralen verkündete Blokade Kreta's am Sonn­tag früh 8 Uhr beginne. Kein griechisches Schiff dürfe an der Küste Kreta's landen; Schiffe unter einer anderen Flagge bedürfen der Erlaubniß der Admirale.

* Kopenhagen, 18. März. Prinz Karl, der Schwiegersohn des Prinzen von Wales, und Prinz Waldemar wohnten heute einigen wissenschaftlichen Experimenten mit Pikrin-Säure bei. Durch irgend einen Zufall explodirte plötzlich der mit Pikrin- Säure gefüllte Kolben, wodurch der Experimentator und beide Prinzen etwas im Gesicht verbrannt wurden; alle sind jedoch außer Gefahr.

fehlen, und Heinrich redete ihm zu. Zugleich ließ dieser eine Andeutung fallen, bei der Dein Vater zwar Anfangs erschrack, durch die er aber nachher doch zu einem verzweifelten Schritte bestimmt worden ist. Er kämpfte lange gegen die Versuchung, erlag aber zuletzt doch. In der festen Hoffnung, durch seinen Gewinn wieder Ersatz leisten zu können, entnahm er dem einkassirten Gelde eine größere Summe und eilte an die Spielbank zurück. Auch diese Summe verlor er. Damit war jede Ueberlegung dahin. Er griff, um das Glück auf seine Seite zu zwingen, wieder und wieder in die Kasse, und ehe der Tag sich neigte, hatte er das «ganze bedeutende Eigenthum seines Brot­herrn verspielt.

„Du kannst Dir denken, was Dein Vater empfand, als der entsetzliche Rausch endlich verflogen war und er seine Lage erkannte. Er gestand mir, daß nur der Gedanke an seine unschuldige Frau ihn von der Ab­sicht zurückgehalten habe, selbst Hand an sich zu legen. Zu den quälenden Gewissensbissen kam noch die niederschmetternde Ueberzeugung, daß er von Heinrich und „dem Freunde" absichlich in das Verderben ge­lockt worden war. Der Erstere konnte bei den Ver­zweiflungsausbrüchen und Selbstanklagen Georgs seinen Triumph nicht verbergen. Er hatte an dem glücklichen Nebenbuhler seine Sache gekühlt. Gerade diese Er-

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bürg stattfinden. Den gegentheiligen Meldungen setzt heute die ,Augsburger Postzeitung' ein Dementi ent­gegen.

* Eine Wachtragsforderung für Zlnteröe- amtenöesokdungen wird offiziös in Aussicht gestellt. Nach dem Hamburger Korrespondenten wird es nicht als ausgeschlossen betrachtet, daß in einem Nachtrag zum Reichshaushalts-Voranschlag noch eine Reche von Wünschen zur Berücksichtigung gelangen werden, die aus den Kreisen der Unterbeamten als besonders dringend bezeichnet worden sind.

* In der Reichstagskommission für das Auswanderungsgesetz führt Abg. v. Cuny (natL) den Vorsitz; sein Stellvertreter ist Abg. v. Kehler (Ctr.). Weiter gehören der Kommission vom Centrum an Prinz Arenberg, Graf Galen, Dr. Lieber, Dr. Linaens, Nadbyl, Wallenborn.

"* Eine von Soziakdemokraten einvernfene Werfammkung von Kandlungsgehikfen fand am Donnerstag voriger Woche in Leipzig statt. Aus einem Bericht der ,Leipz. Ztg.' geht hervor, daß die bedeutende Mehrzahl der jungen Kaufleute Leipzigs mit der Sozialdemokratie nichts zu thun haben will. Bei der Bureauwahl blieben die Gegner der Sozialdemokraten Sieger, und die Versammlung wurde mit einem Hoch auf den Kaiser und König eröffnet Schließlich wurde in einer Resolution der Sozial­demokratie die Fähigkeit abgesprochen, die Lage der Handlungsgehilfen zu verbessern.

Aus dem Reichstage.

•O 195. Sitzung vom 19. März.

Im Reichstage ist die Marinedebatte am Freitag noch nicht, wie vielfach gewünscht worden war, zu Ende ge­gangen und noch keine Entscheidung gefallen.

Zunächst suchte der Schatzsekretär Grak ^osadowsky unsere Finanzen als so glänzend hinzustellen, daß man ruhig darauf los bewilligen dürfte.

Dann wandte sich Abg. v. Kollmar (Soz.), dem sich später im Wesentlichen auch Abg. Aichter (fr. Vp.) anschloß, scharf gegen die Marinepläne und bemängelte das Hervor­treten des Kaisers in diesen Dingen als Anzeichen eines per­sönlichen Regiments.

Für die volle Bewilligung ritten außer dem Abg. v. Dennigsen (natl.), der dabei aber doch die Marinefrage als ungeeignet zur Wahlparole erklärte, nicht weniger als drei .konservative" Redner in die Schranken, darunter Herr v. Okiitz Namens der bündlerischer Minderheit feiner Freunde, der in vorigem Jahre noch sich ablehnend ver- halten^hat^>en ,gtanbpun(t des Centrums stellte sich Frhr. v. Kodenberg (Welse).

Auch Fürst Aohenkohe und Frhr. v. Marschall griffen nochmals in die Debatte ent, ersterer um zu erklären, daß er die Hollmann'schen Pläne vorher gekannt und gebilligt habe, letzterer, um einigen Ausführungen Richters und VollmarS entgegenzutreten. . .

Der Sitzung wohnten auch Contreadmtral Kein- rtch mit dem Chef des Marinekabinets Admiral v. Henden- MiSran in der Hofloge bei.

Am Samstag beginnt die Weiterberathung schon um 11 Uhr, jedenfalls weil man frühzeitig fertig werden und dann — soweit man nicht in Berlin an der Hundertjahrfeier theilnimmt, in die Heimath abdampfen will.

Aus dem ßandtage.

Avgeordnetenhans. — 54. Sitzung vom 19. März.

Das Abgeordnetenhaus hat am Freitag den An­trag Dirchow auf Vorlegung eines Ko mptabilitäts- Gesetzes, thunlichst noch m dieser Session, einstimmig an­genommen, nachdem Finanzminister v. Miquel dieses Gesetz vielleicht schon für die jetzige Session, jedenfalls aber noch vor den Neuwahlen, in Aussicht gestellt hatte, und alsdann den Bergwerks-Etat ohne Debatte von politischem Interesse crlßbiut.

Dazwischen spielte sich eine sehr seltsame Scene ab. Herr v. Eynern erbittet von dem Präsidenten v.Köllcr die Er­laubniß, demR ei chstagsabgeordnetenÄüHer-Fulda (Centr.), der eine Aeußerung jenes Herrn mit Recht als Blödsinn bezeichnet hatte, persönlich antworten zu dürfen.

Herr v. Kölker konnte dies natürlich nicht gestatten, ge­stattete sich aber selbst eine indirekte Kritik der Amts­führung desReichstags-Präsidenten, indem er er­klärte, daß er einen solchen Ausdruck, wie er int Reichstage gefallen, gegen ein Mitglied eines andern Parlamentes nicht geduldet haben würde! Diese Kritik muß als durchaus kenntniß überführte Deinen Vater auf den richtigen Weg. Er vertraute sich mir an, und ich half ihm, wie es sich übrigens ja ganz von selbst verstand, aus der Noch. Ich ließ ihn jedoch bei seiner Ehre und unserer Freundschaft geloben, nie wieder zu spielen. Er that es, und ich habe das Vertrauen zu ihm, daß er seinen Schwur hielt.

„Heinrich barst fast vor Ingrimm, als er mein Einspringen für Georg erfuhr. Er ließ auf einmal die Maske fallen und verrieth sogar den Fehltritt Deines Vaters an den Gutsbesitzer; doch dieser war einsichtsvoll und nahm, da er sich ja um keinen Heller gebracht wußte, von der boshaften Angabe keine N^tiz. Auch in anderer Weise begann sich von da an der Haß Sallust's gegen Georg zu äußern. Bei der Verheirathung Georg's und Lisa's war aus­gemacht worden, daß die zu erwartenden Kinder katholisch getauft und erzogen werden müssen. Die Braut hatte sich damals ohne Widerrede diesem Ver­langen gefügt. Als sie sich aber Mutter fühlte, schien sie jene Einwilligung zu bereuen, und immer dringender forderte sie von Georg die Abänderung des Ehevertrages zu Gunsten ihrer Religion. Dein Vater hielt die Sache anfangs nur für eine vorüber­gehende Laune. Als aber die Szenen immer unge= müthlicher und stürmischer wurden, da sprach auch

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

18] ------ (Nachdruck verboten.)

Graf Salmi fuhr fort:

„Von diesem Augenblicke an fühlte sich Dein Vater, wie er mir später erzählte, von der Spielwuth ge­fangen. Im Wachen und Träumen sah er die Gold- Haufen und Banknotenbündel vor sich. Er stellte sich vor, ein wie schönes Los er seiner Lisa bereiten könnte, wenn das Glück ihn begünstigte, und er stand am andern Morgen mit dem Vorsätze auf, wieder zu fpielen. Es hätte der Aufmunterung durch Heinrich und den Freund gar nicht bedurft. Unter den ersten Spielern fand er sich am grünen Tische ein. Eine Zeit lang wechselte das Glück. Er gewann und ver­lor. Dann aber schien es ihm den Rücken kehren zu wollen: in wenigen Minuten war nicht nur das Ge­wonnene, sondern auch sein eigenes Geld fort. Noth- gebrungen hörte er auf und verließ in ungeheurer Aufregung den Saal.

„Draußen warteten der Freund und Heinrich auf ihn." Er nannte ihnen fein Mißgeschick. Ersterer rieth ihm, sich- durch den scheinbaren Wechsel nicht unnöthig schrecken zu laffen. Er müsse gewinnen, wenn er fein System befolge. Es könne gar nicht