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24. Jahrgang

Freitag, den 19. März 1897

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und soviel man davon hört, jedenfalls besser be­gründet zu sein scheint, als die Kreuzerforderungen. Die Hoffnung derer, daß das Centrum „umfallen" werde, wird sich nicht erfüllen, soviel ist sicher. Da­mit ist der Ausgang dieses Kampfes schon gewiß, wenn auch die Entscheidung erst am Freitag, bei der Weiterberathung, oder gar am Samstag allen wird.

kümmerten. Aber diese Gleichgiltigkeit hat sich später bitter gerächt. Ich muß hier gleich bemerken, daß damals das Wesen der Deutschkatholiken im Elsaß viel Staub aufwarf und zahlreiche Anhänger fand. Auch Heinrich schloß sich der neuen Lehre anscheinend als überzeugungsvoller Jünger an. Später kam es freilich an den Tag, daß er damit nur selbstsüchtige Zwecke verfolgt hatte. Auch er hatte im Stillen ein Auge auf Lisa geworfen und hatte sich, ohne daß wir etwas davon gewußt hatten, sogar mit der Mutter schon in's Einvernehmen gesetzt. Von dieser war er entschieden begünstigt worden, weil er von uns allen nicht nur das bedeutendste Vermögen und wegen seiner hervorragenden Geschäststhätigkeil die beste Anwart­schaft auf eine glänzende Laufbahn besaß, sondern auch, und zwar hauptsächlich in Folge der feindlichen Stellung, die er den „Päpstlern" gegenüber eingenom­men hatte. Die Waldenserin fühlte sich mit ihm seelisch und geistig verwandt und bearbeitete die Tochter mit allen Mitteln, um sie zur Erfüllung der Wünsche Heinrichs zu bestimmen. Das Herz läßt sich aber be­kanntlich nicht zwingen. Lisa blieb ihrem Erwählten treu und Heinrich wurde aus einem leidlichen Kame­raden Georg's sein erbittertster Feind, obgleich ihm, was Dir nunmehr klar geworden sein wird, die Braut nicht gestohlen worden ist, wie der Haß aus ihm

V Unsere Finanzlage.

Die Budgetkommission des Reichstags hat den Marine-Etat erledigt ohne erhebliche Debatten und ohne weitere Abstriche. Was die laufenden Aus­gaben der Marineverwaltung angeht, so muß man anerkennen, daß sie im allgemeinen eben so knapp aufgestellt zu werden pflegen, wie die laufenden Aus­gaben im Heeresetat, daher denn bei beiden auch eiten Abstriche möglich sind. Trotzdem steigen beide Etats ganz regelmäßig, ohne daß diese Steigerung zu hindern ist. Die einfache Entwickelung der Ver- hältnisfe macht sie unausweichlich. Das Ordinarium der laufenden Ausgaben im Marineetat ist in den letzten zehn Jahren um 36 Millionen Mark gesti'gen, im Durchschnitt also um 31/» Millionen Mark jähr­lich. Dagegen ist nun einmal nichts zu machen. Um o mehr aber hat der Reichstag Veranlassung, höchst vorsichtig zu sein, wenn nun auch noch bei den ein­maligen Ausgaben solche Ueberraschungen und un­erwartete Steigerungen kommen wie in diesem Jahre. Diese nothwendige und naturgegebene Rücksicht auf die Finanzlage, welche vor allem das Centrum in den Vordergrund fchiebt, wird jetzt in einer ganzen Reihe von Blättern verfpottet weil — unsere Finanz­lage „geradezu glänzend" sei!

Unsere Finanzlage glänzend! Es rst wirklich un­glaublich! In welcher Verlegenheit müssen die Marinephantasten sein, wenn sie zu solchen Mitteln greifen muffen, um die Bewilligung aller Marine­forderungen begründen zu können! Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie! Vor vier Jahren war die Finanzlage entsetzlich; grau in grau malte sie Herr Miquel, und nach ihm alle seine gelehrigen Schüler, am meisten die ,Rational-Zeitung' und die ,Post'. Ueberall Desizit, nirgends eine Rettung, das Reichsschiff drohte zu versinken! Ohne 100 Mil- l ionen neuer 'Steuern jährlich war es ganz unmöglich, die Finanzen des Reiches in Ordnung zu bringen. Alle ©teuerarten der Welt bis zur Qintt- ungssteuer hinab wurden durchprobirt, um die 100 Millionen neuer Steuern jährlich zusammen zu bringen. Doch von dem ganzen Steuerbouquet be­willigte der Reichstag nur die Börsensteuer, die 20 bis 25 Millionen Mark jährlich ausbringt; dazu wurde gespart und alles möglichst „pfleglich" be­handelt, wie Herr Miquel in Preußen sagt, und nun — ist auf einmal die Finanzlage so „glänzend", daß sie die ausschweifendsten Flottenpläne aushält, und

daß es wirklich nur thurmhohe Bosheit ist, wenn die Budgetkommission an dem Marineetat 121/* Millionen Mark gestrichen hat.

Wenn die Herrschaften doch nun auch die Güte haben wollten, zu sagen, woher denn auf einmal diese „geradezu glänzende" Finanzlage kommt! War te da, so könnte sie doch ganz allein von der vor- lchtigen und „pflegsamen" Finanzpolitik des Cen- rums kommen! Allerdings hat das Centrum nie daran gedacht, mit so saurem Schweiß zu sparen, um hinterher alle Marineforderungen bewilligen zu können. Aber wie gefugt, wenn wirklich die Finanz­lage seit den 100 Millionen-Stenerforderungen in vier Jahren so glänzend geworden wäre, so könnte nur das Centrum mit seiner Sparsamkeit daran chuld sein, und-dann sollte man doch dieserhalb das Centrum Hochpreisen. Man muß aber in der That der Wirklichkeit Zwang anthun und dabei unentwegt auf sinanzielle Denkunfähigkeit und politische Nn- mündigkeit feines Publikums rechnen können, wenn man nun auf einmal von gestern auf heute die Finanzlage des Reiches glänzend finden will.

So machen es aber jetzt die ,Nationalzeitung', die,Berliner Neuesten Nachrichten' und die ,Post'; etztere am verwegensten. Sie schreibt: „Die angeb­liche schlechte Finanzlage ist in Wirklichkeit nichts als ein bloßer Vorwand. Die Finanzlage int Reich ist vergleichsweise geradezu glänzend, so daß selbst der größte Theil der Nachtragsforderung für Heereszwecke aus laufenden Einnahmen ohne Inan­spruchnahme des Reichskredits bestritten werden kann, was bei Ausgaben dieser Art, so lange das Reich besteht, noch niemals der Fall war." Wenn man so etwas liest, greift man sich unwillkürlich an den Kopf, um zu sehen, ob er noch auf seinem Platz ist. Das ist eine Mißhandlung der Thatsachen, wie man sie sich toller gar nicht denken kann. Was die „Nachtragsforderung für Heereszwecke" anlangt, die nach der Darstellung jenes Rechenkünstlers fall „aus laufenden Einnahmen" bestritten werden können — es handelt sich um rund 40 Millionen Mark für Er­gänzung der Reservebestände des Heeres, die noch bevorstehen — so wird sie bis zum letzten Pfennig ans der Anleihe bestritten wer­den müssen, wenn sie kommt/. Es ist der reine Schwindel, zu behaupten, sie könne aus laufenden Einnahmen bestritten werden. Ja noch mehr: wenn der Reichstag die beantragten Besoldungs-Aufbesser­ungen in Höhe von 10 Millionen Mark in diesem Jahre bewilligen wollte, so müßte selbst diese Aus­gabe, die doch eine dauernde und jährlich wieder­kehrende wäre, zum weitaus größten Theile — ans der Anleihe bestritten werden, ein wahrer Hohn auf den von Herrn Miquel fo oft wiederholten und so schlecht befolgten Satz, daß es das allerverderblichste sei, laufende Ausgaben auf schwankende Einnahmen zu bafiren. Freilich, wenn man Anleihen nicht für „schwankende" Einnahmen, sondern für eine regel- fprach^ Auch mit mir entzweite er sich, weil ich mich auf D eines Vaters Seite gestellt hatte und zu diesem später in noch nähere, nicht zur Sache gehörige Be­ziehungen trat. .

„Die Verlobung Georg's und Lffa's wurde bet unserer Pflegerin gefeiert, gerade 14 Tage, nachdem diese ihrem Erstgeborenen das Leben geschenkt hatte, den Du in meinem Baumeister Adolf Seeburg kennen gelernt hast. Nach längerem Widerstreben hatte Lisa's Mutter, nachdem sie die Festigkeit der Tochter gesehen, zu der Verbindung mit Georg „Ja und Amen" ge­sagt. Heinrich war bei dem Feste anwesend. Er suchte zu verbergen, was in seinem Innern vorging. Es gelang ihm jedoch nicht. Wenigstens haben mich schon damals die glühenden Hassesblicke erschreckt, nut denen Georg von ihm verfolgt worden ist.

„Ein Jahr ging vorüber. Es änderte sich im Allgemeinen nicht viel. Da starb die Mutter Lisa's plötzlich, und die beiden Mächen waren allein. Um für den nötigen Schutz zu sorgen, machte ich Georg den Vorschlag, die Brant heimzuführen, und er wider­sprach nicht. Da auch sein Vater die erbetene Be­willigung gab, wurde das Paar in aller Stille ge­traut. Dein Vater hatte indessen eine Unterverwalter­stelle bekommen, auf welcher er auch ferner verblieb. Auch Theodor, ich und Heinrich waren bis zu einem

X Der erste Tag der Marinedebatte.

Im Reichstage hat am Donnerstag die Berathung des Marineetats begonnen. Hans und Tribünen waren gut besucht, letztere aber keineswegs überfüllt, wie es bei manchen Militärdebatten der Fall ist; be­sonders stark war die Diplomatenloge besetzt. Na­türlich sah man auch manche Marineoffiziere, aber doch nicht fo viele, wie zu erwarten gewesen wäre, unter den Zuhörern. Nach dem längeren, insbeson­dere die finanzielle Tragweite der Marineforderungen eingehend beweisenden Referate des Abg. Dr. Lieber sprachen gleich drei Regierungsvertreter hintereinander gegen die Kommissionsabstriche: der Reichskanzler Fürst Hohenlohe, der Staatssekretär des Auswärtigen Fuhr. v. Marschall und der Marinesekretär Holl- manu. Wer aber etwas Sensationelles, wie eine Drohung mit Reichstagsauflösung oder dgl. erwartet hat, ist sehr enttäuscht worden. Man befleißigte sich am Bundesrathstische zwar hochtönender Phrasen vom Schutze unserer überseeischen Interessen usw., vermied aber sichtlich jede Herausforderung der Reichstags­mehrheit.

Von Bedeutung war nur das offene Bekenn t- niß des Frhrn. v. Marschall zur Welt­politik. Wir haben Weltinteressen und müssen darum auch Weltpolitik treiben, wozu aber unsere Flotte jetzt zu schwach ist, bewilligen Sie also die beiden Kreuzer — das war der wesentliche Inhalt seiner Rede. Ein Versuch mit dem „Schutz der kath. Missionare in China" das Centrum freundlicher zu stimmen, hatte nur einen Heiterkeitserfolg. Frhr. v. Marschall wird bald sehen, daß er mit seiner Proklarnirung einer Weltpolitik zwar nach oben hin einen guten Eindruck gemacht haben mag, aber die Stimmung der Reichstagsmehrheit für die Flotten­pläne gewiß nicht verbessert hat. Allerdings trat Herr v. Kardorfs (Rp.) dann mit dem bei ihm gewohnten Feuereifer für unverkürzte Bewilligung aller Marinepläne ein, und auch die Antisemiten wollen nach der Erklärung ihres Sprechers Werner nur einen Kreuzer streichen, aber Abg. Wiilkcr- Iukda erklärte im Verlaufe feiner ausgezeichneten, streng sachlichen Beweisführung: Das Cent rum bleibt bei dem, was schon bei der ersten Lesung des Etats Abg. Fritzen gesagt hat; es gehört nicht zu denen, die erst ins Land hinaus rufen: „Wir werden tapfer streichen", um bann doch Alles zu bewilligen, sondern das Centrum wird wie in der Kommission nur das bewilligen, was zum Ersatz alter oder verloren gegangener Schiffe er­forderlich ist.

Wie sehr auch auf die Finanzen Rücksicht zu nehmen ist, zeigte die Mittheilung des Abg. Muller- Fulda, daß in den nächsten Tagen dem Reichstag noch ein Nachtragsetat zugehen wird, der 44 Millionen für die sehr zusammengeschmolzenen Reservestände der Armeeverwaltung fordert

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

17] ------ (Nachdruck verboten.)

Graf Salmi fuhr fort:

„Unsere Pflegerin verheirathete sich bald darauf und ließ sich mit ihrem. Manne in einem benachbarten Dorfe nieder, wo das Paar in einer gepachteten Wirthschaft fein anständiges Auskommen fand. Als Anerkennung für die geleisteten Dienste verkehrten wir Praktikanten fast ausschließlich nur dort und zogen auch unsere Bekannten dahin. Neben der Wirthschast befand sich ein Konditorladen, wo man ein gutes Gläschen bekam. Diese Gelegenheit wurde von den jungen Leuten sehr häufig benutzt, weniger des Ge­tränkes, als der beiden schönen Schwestern willen, die man jederzeit hinter dem Ladentische fand. Dein Vater und ich waren dort tägliche Gäste, und ich ent­deckte bald, daß sich zwischen Georg und der altern Schwester Lisa ein Herzensgeheimniß entspann. Ich. sand dieses Verhäliniß ganz in der Ordnung, ja ich freute mich sogar darüber, obgleich mir die wenig freundschaftlichen Gefühle bekannt waren, welche die Mutter des Mädchens, eine eifrige Waldenserin, gegen uns Katholiken empfand. Wir waren junge Leute, die sich um ihre religiösen Pflichten nicht genügend

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mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Ülnmen". __________