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Donnerstag, den 18. MLrz 1897. 24. Jahrgang

mit Unterhaltimgs-Keilage „Sterne und Klnmen".

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Deutsches

Berlin, 17. März.

* Der ,Reichsanz.' bestätigt, daß der Kaiser zum Andenken an die Hundertjahrfeier eine Gr- innermrgsmedailke für die Armee und die Fest- theilnehmer stiften will und gern alle a l ten Krieg er, die unter Wilhelm I. mitgefochten haben, in erster Linie mit dieser Auszeichnung bedenken möchte, diese Absicht aber aus „Mangel an verfügbaren Mitteln" aufgegeben hat. Es wird dann der „Landesvertretung" nahegelegt, aus eigener Entschließung die nöthigen Gelder für diesen Zweck zu bewilligen.

ft Der Exminister v. Köller „schneidigen" An­denkens soll Oberpräsident von Schleswig- Holstein werden, trotz aller Bitten von dort aus, einen Schleswig-Holsteiner, ganz besonders aber nicht Herr v. Köller ihnen zum Oberpräsidenten zu geben. Seine Ernennung soll unmittelbar bevorstehen.

* Der Seniorenkonveut des Meichstagss war heute nach Schluß der Plenarsitzung zusammengetreten. Wie Präsident Frhr. v. Buol mittheilte, haben sich bis jetzt zur Theilnahme an dem anläßlich der Cen- lenarfeier in der Wandelhalle des Reichstags statt­findenden Festmahl einige sechzig Theilnehmer gemeldet. Das Festessen findet Sonntag, 21. März, 3 Uhr Nachmittags, statt. — Obgleich Donnerstag katho­lischer Feiertag ist, soll doch auch am Mittwoch nächster Woche noch eine Plenarsitzung äb'gehalten werden. Mit der zweiten Lesung des Etats gedenkt man am Sonnabend zum Abschluß zu kommen.

* Die Hsterferierr des Aögeorönetenhauses werden am 9. April beginnen. Die Dauer derselben ist noch nicht offiziell bestimmt. Der Etat wird vor Ende April nicht fertiggestellt sein, da das Herrenhaus kaum bis dahin in den Besitz desselben gelangt sein wird. Die dem Etat des Finanzmini­steriums beiliegende Denkschrift, betreffend die Fort­führung der Besoldungsverbesferung für die mittleren und höheren Beamten, ist nach den Beschlüffen der Budgetkommission in einem sehr eingehenden schrift­lichen Bericht vom Abg. v. Dallwitz (kons.) bearbeitet worden. Die Budgetkommission wird morgen zu­sammentreten, um mit der Feststellung dieses Berichtes zu beginnen. Diese Arbeit wird einige Sitzungen in Anspruch nehmen.

* Der Entwurf einer Städte - Hrdmmg rtrrd Larrdgemeinde-Hrdrmng für die Provinz Kessen- Waffau ist von der 15. Kommission, welche mit der Borberathung beauftragt war, an das Plenum des Abgeordnetenhauses zurückgelangt. Die Kom­mission empfiehlt die Annahme der Vorlage in der von ihr abgeänderten Fassung.

* Tas überaus rührige Charitas-Komitee zu Frei­burg i. Br., welches die nunmehr schon im zweiten Jahrgänge erscheinendevortrffliche Zeitschrift.Chari­tas' herausgibt, hat sich zur Förderung seiner löb- lischen und verdienstlichen Bestrebungen zu einem weitern Schritte entschlossen, nämlich zur Gründung eines „Kharrtas-Meröandes für das Katholische Deutschland". Wir können diesen Plan aus vielen Gründen nur auf's freudigste begrüßen. Zunächst wird durch Gründung eines solchen Verbandes für die Zeitschrift und ihre Bestrebungen ein dauernder Rückhalt geschaffen. Sodann werden die Charitas- Freunde im katholischen Deutschland auf diese Weise gesammelt, die allgemeine Organisation der katho­lischen Charitas eingeleitet und für weitere Aufgaben die geeigneten Kreise gewonnen. Das provisorische Statut des Verbandes ist an der Spitze der März- 'Jlumnier der Zeitschrift „Charitas" bekannt gegeben. Danach kann jeder, welcher jährlich mindestens sechs Mark zahlt, Mitglied des Verbandes werden. Wer ein Mal 150 M. zahlt, wird lebenslängliches Mit­glied. Alle Mitglieder erhalten die Zeitschrift gratis und find zur unentgeltlichen Benutzung der weiteren Veranstaltungen des Verbandes berechtigt, als welche zunächst die Errichtung einer charitativen Auskunsts­stelle sowie die Anlegung einer allgemeinen Charitas-

Bibliothek in Aussicht genommen find. Bereits haben viele Charitas-Freunde als Mitglieder des Verbandes sich angemeldet, darunter zwei Bischöfe, Dr. Friedrich Justus Knecht, Erzbisthums-Verweser in F r e i b u r g, und der Weihbischof Dr. Hermann Joseph Schmitz in Köln, und mehrere lebenslängliche Mitglieder. Möchten diesem Beispiele recht viele Geistliche wie Laien, Private und charitative Korporationen oder Anstalten folgen. Anmeldungen sind zu richten an den Präsidenten des Charitas-Komitee's, Herrn Dr. Werthmann zu Freiburg i. Br., durch den auch Aufrufe, Statut und Meldekarten unentgeltlich zu beziehen find. Sehr wünschenswerth wäre es, wenn sich namentlich in jeder größeren Stadt der eine oder der andere Charitas-Freund zur Werbung von Ber- bandsmitgiedern wie überhaupt zur besonderen För­derung der Interessen und Bestrebungen des Verban­des bereit fände.

* ,Dzieimik Berlinski6 (.Berliner Tageszeitung') betitelt sich das neue, in der Reichshauptstadt erschei­nende katholische polnische Organ. Nach seinem Pro­gramm wird es die politischen, sozialen und ökonomi­schen Interessen der Polen im Allgemeinen, insbeson­dere derjenigen Berlins vertreten. Sein politischer Standpunkt ist der der Polen-Fraktionen in Reichstag und Landtag. Geistiger Leiter des Blattes fit der Landtags-Abgeordnete Prälat Wawrzyniak.

* lieber die Aückcrstattnng von Attersver- stcherungsöeiträgen wird amtlich gemeldet: Seit der Mitte des Jahres 1895 werden denjenigen weib­lichen Versicherten, welche eine Ehe eingehen, sowie den Wittwen und Waisen von verstorbenen Versicherten die Beiträge zur Jnvaliditäts- und Alters­versicherung erstattet. Diese Beiirggsevtattung hat bereits einen beträchtlichen Umfang angenommen und dürfte sich mit der Zeit noch weiter steigern. Im Jahre 1896 sind an rund 77,000 Personen Beitrags­erstattungen im Betrage von 1,9 Millionen Mark gezahlt, wovon auf die Erstattung in Fällen der Ver- heirathung 1,4 Millionen und auf Erstattungen in Todesfällen 0,5 Millionen entfielen. Aus der Ver­sicherungspflicht werden etwa 140,000 weibliche Ver­sicherte jährlich ausscheiden. Wenn diese 140,000 Personen für die Rückzahlung in Frage kämen, fo würde sich, da von Mitte 1895 bis Ende 1896 über­haupt nur an 71,663 weibliche Versicherte Beiträge erstattet sind, die Zahl der letzteren in den nächsten Jahren noch beträchtlich vermehren. Dasselbe ist der Fall mit den Wittwen und Waisen von Versicherten. In der Zeit von Mitte 1895 bis Ende 1896 haben von diesen rund 19,000 Beiträge erstattet erhalten. Die zu erwartende Zahl ist aber auf rund 55,000 für ein Jahr berechnet.

* Der deutsche KandrvirtHschaftsratH hält in einer kürzlichen Eingabe an den Reichstag zum Entwurf eines Handelsgesetzbuches vor allem an der Bestimmung in § 3 des Entwurfs fest, nach welcher das mit einem land- oder forstwirthfchaftlichen Betriebe verbundene Nebengewerbe zur Eintragung in das Handelsregister berechtigt, aber nicht verpflichtet ist. Der Landwirthschaftsrath fordert in der Eingahe weiter, daß die öffentlichen Sparkassen, Kreditanstalten, sowie die ländlichen Genossenschastslagerhäuser für landwirthschaftliche Erzeugnisse nicht nur in den Mo­tiven des Gesetzes, sondern ausdrücklich im Gesetz selbst vom Handelsgewerbe auszunehmen sind Das­selbe 'gilt von dem Verbot der Doppel-Lagerscheine und von der Unzulässigkeit des Handelsgesetzbuches bei Viehmängel. Der Landwirthschaftsrath vermißt weiter im Entwurf eine Regelung der Rechtsverhält- niffe der Grundstücksmakler, und für die bestehenden Rübenzucke:sabriken die Uebergangsbestimmung, daß sie, soweit sie den in Aussicht genommenen Bestimmungen entsprechen, rechtsbeständig sind. Schließlich empfiehlt der Landwirthschaftsrath dem Reichstag noch zur Er­wägung, die kleinen Genoffenfchaften vom Handels­gewerbe auszunehmen und das Selbsteiutrittsrecht des Komnüfsionärs nur dann zu gestalten, wenn der Kommittent sich ausdrücklich damit einverstanden er­klärt.

* München, 17. März. Wie mehrere Blätter berichten, soll für die diesjährige Katholikenver- famrnlung nunmehr Augsburg in Aussicht ge­nommen fein.

Ausland.

* Wien, 17. März. In einer christlich-sozialen Wählerversammlung, in welcher die Reichsraths­kandidatur des derzeitiger Bürgermeisters Str ob ach empfohlen wurde, sagte dieser selbst, daß binnen Kurzem eine Aenderung eintreten dürfte, denn der Zeitpunkt, wo er dem allbeliebten Führer (Dr. Lueger) seinen Platz einräumen werde, rücke näher, tllach dem Berichte der ,N..Fr. Pr.' hätte Strobach gesagt, daß er sehr viel zu thun habe, aber demnächst er­leichtert werde, da er nur so lange Bürgermeister bleibe, bis Dr. Lueger vom Kaiser als Bürger­meister bestätigt werde. Die Wahl Dr. Lueger's zum Bürgermeister stehe nahe bevor. Dr. Lueger selbst sagte, daß die Judenblätter zwischen ihm und Strobach einen Mißton Hervorrufen wollen, was ihnen aber nie gelingen wird.

* Mion, 17. März. In Oesterreich wird der Erfolg der auf christlichem, katholischem Boden stehen­den Parteien bei dem Fortgang der Reichsraths­wahlen immer größer, die Niederlage des Liberalis­mus immer niederschmetternder. Die Sozialdemokraten werden wenig über ein Dutzend Mann stark in das Parlament einziehen: vielfach verdanken sie ihre Wahl auch nur der liberalen Unterstützung. Wir kennen ja das auch!

* London, 19. März. Die Blockade Kretas hat begonnen. Die Mächte haben beschlossen, ihre Ver­treter in Athen nicht abzuberufen. Die Kandidatur des Prinzen Waldemar von Dänemark für den treten« fischen Gouverneurposten ist sollen gelassen. Rußland hat den Erbprinzen von Montenegro zum Gouverneur von Kreta vorgeschlagen.

* Melersönrg, 16. März. Ueber das Unglück auf dem russischen Panzerschiffe vor Kanea wird amtlich gemeldet: Beim Uebungsschießen aus einem zwölfzölligen Thurmgeschütze wurden, wahr­scheinlich in Folge des schlecht zugedrehten Geschütz­verschlusses, durch das herausgeschleuderte Dach des Hinterdeckthurmes der Thurm selbst stark beschädigt und der Gehilfe des älteren Ingenieurs und Mecha­nikers, 14 Matrosen gelobtet, ein Offizier, 14 Ma­trosen schwer und 3 Matrosen leicht verletzt. Von den Schwerverletzten sind ein Offizier und zwei Matrosen gestorben.

ffst Athen, 17. März. Griechenland zeigt sich noch immer nicht bereit, dem Drucke der Groß­mächte, die sich mit Ach und Oh über eine „fried­liche" Blokade Kretas und — nötigenfalls — auch einiger griechischen Häfen geeinigt haben, irgendwie nachzugeben. Oberst Vassos bleibt in Kreta, und griechische Truppen stehen unter dem Befehl des Kron­prinzen und seines Bruders Nikolaus an der türkischen Grenze, so daß man jeden Augenblick die Nachricht von dem Ausbruche des griechisch-türkischen Krieges erwarten kann. Ob es dabei den Großmächten nicht doch etwas schwül zu Muthe wird?!

* Hanea, 17. März. Wie traurig es hier aus­sieht, schildert anschaulich ein Deutscher, der sich seit Jahren aufhält, wie folgt: Wenn man sich mit dem Dampfboot Kanea nähert, so kann man das über diese Stadt hereingebrochene Unglück bereits an der zerstörten und niedergebrannten Umgebung erkennen. Alles erscheint ausgestorben und auch über die Stadt selbst, in der man das lauteste, regste Treiben gewöhnt ist, liegt ein trauriges, unheilver­heißendes Schweigen gebreitet. Im Hasen ist kein einziges Handelsfahrzeug zu bemerken, sämmtliche Magazine" am Quai sind geschlossen und nur fremde Berichterstatter, Matrosen und Türken beleben die Straßen. Geht man tiefer in die Stadt hinein und nähert sich den Verwüstungen, die der am 3. Februar von Türken angestiftete Brand im christlichen Viertel angerichtet hat, fo schreckt man unwillkürlich vor diesem traurigen Beweis von wildem, unbezähmbarem Fana­tismus zurück. Ein ganzes Stadtviertel ist ein Raub der Flammen geworden. Nichts als bis jetzt noch rauchende und glimmende Trümmer sind da zu erblicken, die Straßen durch die zusammengestürzten Häuser vollkommen verschüttet, hier und dort Geldschränke, die dem Feuer widerstanden, aufgebrochen und ihres Inhaltes beraubt. Der Palast des Bischofs, eines der schönsten Gebäude Kaneas, das in europäischem Stil geschmackvoll und weitläufig aufgeführt wurde.