M 62 Mittwoch, den 17. März 1897. 24. Jahrgang
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Fulda, im März 1896.
Redaktion und Verlag der »Fuldaer Zeitung'.
12385300 Mark Abstriche
hat die Budgetkommission des Reichstages an den einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats der Marineverwaltung vorgenommen. Gefordert waren 66 545 594 Mk.; bewilligt sind also nur 54160 294 M. Für neue Schiffe, ohne die Armirung, fordert der Etat 47 068 000 Mk., darunter 763 000 Mk. erste Raten. An den zweiten und folgenden Raten für bereits früher bewilligte Schiffe wurden 4 Mal je 1 Million gestrichen, während 35 395 000 Mk. bewilligt wurden. Erste Raten wurden gefordert für ein Panzerschiff „Ersatz König Wilhelm", 2 Kreuzer 2. Klasse, 1 Aviso, 2' Kanonenboote, 1 Torpedodivisionsboot, 8 Torpedoboote. Davon wurden nur bewilligt das Panzerschiff und die beiden Kanonenboote; alle übrigen Schiffe blieben als „Marine- Leichen" auf dem Kampfplatze. Statt 7 673 OOO Mk. wurden nur 2x/s Millionen bewilligt. Die drei bewilligten Schiffe sollten im Ganzen 16120 000 Mk. ohne die Armirung kosten; die gestrichenen sollen zusammen 23348 000 Mk. kosten. Zu prüfen bleiben noch die einmaligen Ausgaben des außerordentlichen Etats und die dauernden Ausgaben. Gar so viel wird hier wohl nicht mehr zu streichen sein, doch dürften sich die Abstriche immer noch um Einiges erhöhen.
Die ehemaligen Kartellparteien, welche bei der ersten Lesung des Etats alle drei haben ankündigen lassen, daß ihnen der Marine-Etat zu hoch sei und sie zu streichen bemüht sein würden, haben gegen sämmtliche Abstriche gestimmt. Wir müssen es dahin gestellt sein lassen, ob sie durch die „Denkschrift"
und die Reden des Staatssekretärs Hollmann und durch das Diner bei Miquel eines „Besseren" belehrt worden waren, oder ob sie im Bewußtsein einer sicheren Minderheit das „Odium" allein dem Centrum überlassen zu können glaubten. Nein, das Centrum wird das „Odium" ohne große Betrübniß zu tragen wissen. Daß man im Volke weit über die Kreise der Centrumswähler hinaus von den kostspieligen Marineplänen nichts hören mag, weiß man auch bei den Kartellparteien. Den Ruf nach Neuwahlen werden diese wegen der Streichungen nicht erheben. Die Centrumswähler haben mit Bestimmtheit die angekündigten Abstriche erwartet. Nach dieser Seite hin kann also das Centrum ganz ruhig sein; es wird nicht Tadel, sondern Beifall ernten.
Andererseits glaubt das Centrum aber auch dem Vaterlande gegenüber seine Pflicht nicht vernachlässigt, sondern das zur Vertheidigung unbedingt Nöthige bewilligt zu haben. Gegen das Vorjahr hat es an einmaligen Ausgaben für die Marine 25417 194 Mark mehr bewilligt, denn damals waren es nur 28 743100 Mark, jetzt sind es 54160294 Mark. Für neue Schiffe wurden im vorigen zJahre bewilligt (ohne die Armirung) 19 233 000 Mark; diesmal 37895 000 Mark. Angesichts solcher Summen kann man doch nicht davon reden, daß das Centrum gegenüber der Marineverwaltung allzu karg sei. Es hat mehr bewilligt, als jemals vorher bewilligt, ja auch nur gefordert worden ist. Die Abstriche an zweiten und dritten Raten fallen dabei kaum besonders in's Gewicht; denn was diesmal nicht bewilligt wird, muß später doch bewilligt werden. Von wesentlicher Bedeutung sind die Ablehnungen bei den erstmaligen Forderungen. Daß das Centrum aber auch da nicht blindwüthig darauf losstreicht, hat es durch die Bewilligung eines Panzerschiffes und zweier Kanonenboote bewiesen. Ohne Zweifel hat die Marineverwaltung mit dem bewilligten Gelde soviel erhalten, als sie im nächsten Jahre überhaupt zu verbauen vermag. Mehr als verbraucht werden kann, zu bewilligen hat doch gar keinen Zweck. Zwar versichert Staatssekretär Hollmann, unsere Werften vermöchten alles zu bauen, was gefordert werde. Aber es sind ja noch jetzt von den früheren Bewilligungen über 14 Millionen nicht verbraucht. Da ist doch kaum zu glauben, daß im nächsten Jahre alles Geforderte verbraucht werden könne.
Aus der Haltung des Centrums hat die Marineverwaltung ersehen können, daß es sich durch „Denk- s chriften" und schneidiges Auftreten nichteinschüchtern läßt und sich auf die schönen Zukunftspläne nicht binden lafsen will. Zwar ist das letztere auch von den Konservativen und den Nationalliberalen versichert worden; dabei bewilligen sie aber trotz gegen« theiliger Reden bei der ersten Etatsberathung schon flott darauf los, so daß man annehmen darf, sie würden für die nächsten vier Jahre, die geforderten 328 Millionen bewilligen, wenn sie es in der Hand hätten. Das Centrum wird dies nicht thun. Damit wollen wir indeß nicht sagen, daß es jede Erweiterung der Flotte von der Hand weisen wird. Für einen allm äligen, der Ausdehnung unserer überseeischen Interessen entsprechenden Ausbau hat es sich schon im vorigen Jahre erklärt. Daß der auswärtige Dienst mit der Zeit mehr Kreuzer erfordern wird, läßt sich wohl nicht abstreiten. Wenn das Centrum daher jetzt die beiden neuen Kreuzer strich, so soll damit natürlich nicht gesagt sein, daß es sie nicht etwa im nächsten Jahre bewilligen würde, wenn dann nicht sonstige überschwengliche Forderungen es unmöglich machen.
Der neue Etat ist trotz der Streichungen noch bedeutend höher als der vorjährige. Etwas anders ist aber der wilde Galopp, den Herr Hollmann in seiner „Denkschrift" anschlägt. Damit würden wir uns in gewaltige Schulden und neue Steuern kürzen und unfern Werften etwas zumuthen, was sie nicht leisten können. Also immer bedächtig. Die Be- chlüsse der Kommission werden vom Plenum ohne Zweifel bestätigt werden. Ob Staatssekretär Hollmann das „überlebt", steht dahin; heute ist man vielfach zu Zweifeln geneigt. Jedenfalls hat er aber gethau, was in feinen Kräften stand. Ob freilich die „Denk- chrift" taktisch klug war, stehe dahin, doch verdient sie jedenfalls wegen der Aufrichtigkeit Anerkennung.
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Ueber die Ergebnisse der Unfall-, sowie der Jnvaliditäts- u. Altersversicherung wird folgendes amtlich bekannt gemacht: ZnmZwecke der Durchführung der Unfallversicherung bestanden im Jahre 1896 insgesammt 112 Berufsgenossenschaften, darunter 64 gewerbliche mit 435 137 Betrieben und 5409 218 versicherten Personen und 48 land- und forstwirthschaftliche mit 4813572 Betrieben und 12 289 415 versicherten Personen. Dazu kommen noch 145 Reichs- und Staats- und 255 Provinzial- und Kommunalausführungsbehörden mit zusammen 690835 versicherten Personen, so daß am Schluffe des Jahres 1895 über 18 Millionen Personen gegen Unfall versichert waren. Hinzu treten noch die bei den 13 Versicherungsanstalten der Baugewerks-Berufs- genoffenfchaften und der Tiefbau-Berufsgenossenschaft versicherten Personen. In der Gesammtzahl, die auch alle versicherten landwirthschaftlichen Unternehmer, sowie die landwirthschaftlich im Nebenberuf beschäftigten Personen umfaßt, dürften eine bis anderthalb Millionen solcher Personen doppelt erscheinen, die gleichzeitig in gewerblichen und landwirthschaftlichen Betrieben beschäftigt und versichert sind. Die Zahl der angemeldeten Unfälle betrug nach der vorläufigen Ermittelung 350428, die der entschädigten Unfälle 86 520. Die verausgabten Entschädigungen (Renten) betrugen 57 347 673 Mark gegen 50125 782 Mark im Jahre 1895. Entschädi- , gungen (Renten re.) wurden im Jahre 1896 gezahlt oder angewiesen an 329 380 Verletzte, 32 707 Witwen Getödteter, 60190 Kinder Getödteter, 2173 Aszendenten Getödteter; daneben erhielten ferner 9 050 Ehefrauen, 19 248 Kinder und 205 Aszendenten als Angehörige von Verletzten, welche in Krankenhäusern untergebracht waren, die gesetzlichen Unterstützungen, so daß im Berichtsjahre zusammen 452953 Personen der Unfallversicherung theilhaftig geworden sind. — Ueber die Jnvaliditäts- und Altersversicherung ist folgendes zu berichten: Vom 1. Januar 1891 bis Ende 1896 wurden im Ganzen 516 820 Renten, und zwar 221115 Invaliden- und 295 705 Altersrenten, anerkannt. Davon entfallen auf die 31 Versicherungsanstalten 206016 Invaliden- und 290140 Altersrenten, auf die 9 Kasseneinrichtungen 15 099 Invaliden- und 5 565 Altersrenten. Im Jahre 1896 bezogen 22 0 800 Personen Altersrente und 179500 Personen Invalidenrente, also 400 300 Personen überhaupt Rente. Da sich unter diesen etwa 800 Personen befinden, deren Altersrente im Laufe des Jahres in Invalidenrente umgewandelt wurde, und diefe Personen deshalb vorstehend doppelt gezählt sind, so stellt sich die wirkliche Zahl der Rentenempfänger des Jahres 1896 auf 399 500 Personen, an welche insgesammt 48,4 Millionen Mk., und zwar an Altersrenten 27,4 Millionen Mk., an Invalidenrenten 21 Millionen Mk. gezahlt sind. Den von den Versicherungsanstalten seit dem 1. Januar 1891 festgesetzten Renten entspricht überschläglich ein Deckungskapital von 252,7 Mill. Mk., und mit Einschluß der an den Reservefonds abzuführenden Beträge in Höhe von 50,0 Mill. Mk. ein Kapital von 303,2 Millionen. Die Einnahme aus Beiträgen belief sich für die Versicherungsanstalten nach Abzug der gesummten Verwaltungskosten im Jahre 1891 auf 85,2 Mill. Mk., 1892 84 Mill. Mk., 1893 85,2 Mill. Mk., 1894 87,8 Mill. Mk., 1895 89,8 Mill. Mk., 1896 95,4 Millionen Mark.__
L. Ein Wort an die Hausfrau.
Von einer Hausfrau.
Ein wichtiger Theil der Thätigkeit im Hanse ist die Ausübung der Kochkunst; sie erfordert neben vielen anderen Tugenden, derer nicht einzeln alle Erwähnung gethan werden soll und kann, Ordnung und Sparsamkeit!
Bei der Zubereitung der Speisen möge die Hausfrau nie vergessen, daß schmackhaft hergerichtete und pünktlich fertig gestellte Mahlzeiten unter richtiger Berücksichtigung der Haushaltskasse viel zum häuslichen Frieden beitragen und ein nicht zu unterschätzendes „Bindemittel" innerhalb der Familie sind. Eine richtige Haushaltsführung seitens der Frau sichert eine feste, geordnete Häuslichkeit dem Manne, den Kindern den liebsten Aufenthalt.