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24. Jahrgang

Mittwoch, de« 17. März 1897

iildakrWZtitliiig

mit Untechalt««s»-Keil«,k „Sterne und Klumrn".

Ers»eint täalicki Sonn- und Feiertaae ausgenommen. — BierteMrlicher «d.nne ment «»reis ohne Bringerl.hn und BesteLzeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig, ©ridjetnt ^^8 einspaltige Garmondzeile »der deren Raum 15 Pf., Roklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Tie Rückkehr der Griechen zur katholischen Kirche.

Ein Mitarbeiter der .Köln. Volksztg/ bringt fol­gende Mittheilungen über die durch das Wirken Leo's XIII. angeregte kirchliche Wiedervereinigung der Griechen. Das oströmische Reich benutzte den ihm seiner Zeit zu Gebote stehenden großen Einfluß auch auf kirchlichem Gebiete, und fo finden wir den griechischen Ritus nicht bloß bei den Griechen, sondern auch bei andern Völkern. Nur wurde derselbe manch­mal in die betreffende Sprache übersetzt. Die Trennung von Rom wurde nicht im ganzen Bereich des Ritus zur Wirklichkeit, oder sie war theilweise nur vorüber­gehend.

So kommt es denn, daß Katholiken und Getrennte denselben Ritus beobachten. Die Russen und andere slavijche Völker befolgen ihn in altslavischer Sprache und sind von uns getrennt, während die Ruthenen und andere mit demselben slavisch-griechischen Ritus vielfach Katholiken sind. Die katholischen Melchiten haben den griechischen Ritus mit Arabisch gemischt oder auch ganz Arabisch; sie befinden sich in Syrien, Palästina. Italien besitzt griechisch-katholische Gemeinden, die denselben Ritus haben, wie ihre von der Kirche getrennten Stammesbrüder. Von katho­lischen Gemeinden desselben Ritus in dem heutigen Griechenland ist uns nichts bekannt. In der Türkei gibt es sehr wenig Katholiken, die Griechen sind nach Ritus, Herkunft und Sprache. Auf den griechischen Inseln, wie auch anderwärts in der Türkei, gibt's viele Lateiner, die meistens italienischen Ursprungs sind, jetzt aber griechische Sitten und Sprache an­genommen haben, man nennt sie Levantiner.

Leo XIII., der bekanntlich mit ganz besonderer Sorgfalt und großem Eifer an der Rückkehr der Orientalen zur katholischen Einheit arbeitet, hat vor­züglich die Bekehrung der Griechen im Auge, da von ihnen die Trennung ausgegangen ist und man ein Uebel immer von der Wurzel an ausrotten muß. In Konstantinopel bestand schon längere Zeit im Frankenviertel eine kleine griechisch-katholische Kapelle mit einer Schule. Die Gemeinde ist immer nur klein gewesen und um dieselbe weiter auszudehnen, hätten größere Mittel und ein größeres, gut geschultes Personal vorhanden sein müssen.

An einem abgelegenen Orte der europäischen Türkei, Halbwegs von Gallipoli nach Adrianopel, in Malgara, hat sich aber in letzter Zeit eine größere Bewegung nach der katholischen Kirche hin unter den Griechen gebildet. Dieselbe ist noch beständig im Wachsthum begriffen und wenn zeitig Hilfe kommt, kann die katho- lifche Einheit dort zur Wirklichkeit werden.

Der fatsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.«

15] -----— (Nachdruck verboten.)

Edgar war bei den letzten Worten Sallust's zuerst todtenbleich geworden/ dann aber schoß ihm alles Blut in's Gesicht. Er befand sich in einer grenzen­losen Aufregung. Dennoch beherrschte er sich. Er reichte Toni die Hand.

„Ziehe Dich zurück," bat er ruhig, „und verliere den Muth nicht! Vertraue auf Gott, bleibe fest und Alles wird gut!"

Mit schnellen Schritten eilte das Mädchen davon.

Edgar schaute ihr eine Zeit lang nach. Dann richtete er sich hoch auf und trat einen Schritt näher gegen Sallust hinan. Er schien plötzlich ein ganz Anderer, vom zaghaften Jüngling ein gereifter Mann geworden zu sein.

„Nun will ich das Wort hören," begann er ge­lassen, „das Sie, Herr Doktor, mit dem Laffen zu reden gedenken, der, ich will Sie nur gleich davon in Kenntniß setzen, sich soeben mit seiner Jugend­gespielin verlobt hat, und der sie einst auch heim­führen wird."

Ein Knurren, wie das eines gereizten Hundes, kam bei dieser Eröffnung aus dem Munde des

Um den Grund einer solchen Bewegung erkennen zu können, muß man sich den jetzigen Zustand der Griechen vergegenwärtigen. Der byzantinische Epi­skopat hatte schon vor seiner Trennung von Rom das rechte kirchliche Mark verloren durch seine höfische Unterwürfigkeit unter die Herrscher Konstantinopels, die von Anfang an gern in die Kirche hinein regiert haben. Daß dieses Uebel seit der Kirchentrennung immer größer geworden, ist nicht zum Verwundern, denn der vom Stamm getrennte Zweig muß langsam verdorren. Das Elend ist aber durch den Fall des byzantinischen Thrones noch viel schlimmer geworden und heute dermaßen gestiegen, daß eine Steigerung kaum möglich ist. Die heutigen griechischen Bischöfe haben ihre Studien mehrfach an protestantifchen Hoch­schulen Deutschlands gemacht und dort natürlich manche Jrrthümer eingesogen und zuweilen selbst Schiffbruch am Glauben gelitten, was sie aber gar nicht hindert, ihr Amt auszuüben. Dazu kommt noch die allgemein übliche Simonie. Der Konstantinopeler Patriarch muß der hohen Pforte eine hübsche Summe zahlen, um in seiner Wahl bestätigt zu werden und vom Sultan die Investitur zu erlangen. Man bedenke ebenfalls, daß die immer an Geldverlegenheit leidenden Türken schon dafür zu sorgen wissen, daß der Betreffende nicht zu lange auf dem Patriarchenstuhl sitzt und durch eine neue Wahl der versiegten Staatskasse wiederum neuer Segen zufließt. Der durch seine Erhebung gewöhnlich mit schweren Schulden belastete Patriarch hat darum nichts Eiligeres zu thun, als Bischöfe zu versetzen und wenn nöthig, zu weihen, wofür er jedes Mal ein tüchtiges Sümmchen beansprucht, etwa 500 türkische Pfund. Die Bischöfe folgen natürlich dem Beispiele ihres Patriarchen ufid suchen aus dem Volke so viel herauszupreffen, als eben nur möglich ist, wobei der aus den untersten Klassen sich rekrutirende Pfarrklerus, der in der krassesten Unwissenheit dahinlebt, im größten Elend sich befindet. Rechnet man dazu, daß durch die Türken den griechischen Patriarchen und ihren Stellvertretern, den Bischöfen, alle Gewalt gegeben worden ist über ihre Religions- und Stammesgenossen, die selbst in Civil-Angelegenheiten von ihnen abhängen und darum auch bis auf das Mark ausgesogen werden, so kann man sich ungefähr die Lage der Gläubigen in der griechischen Kirche vorstellen. Man glaube nur gar nicht bei Vorstehendem an Uebertreibung; die in Griechenland freie Presse hat noch ganz andere Dinge zu Tage gefördert.

Wie die meisten im Orient lebenden Christen streben auch die Griechen nach Besserung ihrer Lage in materieller und geistiger Beziehung und man kann sagen, daß selbst in der Türkei sich viele gebildete Griechen be­finden^ auch hat der heutige Grieche keineswegs seine alten Vorzüge gänzlich eingebüßt. Man kann sich daher vorstellen, wie wenig moralischen Einfluß die oben geschilderte Geistlichkeit heute haben muß. Die Aktion des Papstes ist aber auch nicht spurlos vorüber ge­gangen und in Laienkreisen wird schon vielfach die Doktors hervor. Die Stimme versagte ihm für einige Sekunden vor Ingrimm und Zorn. Dann lachte er wieder. Es war ein böses, häßliches Lachen.

„Du willst meine Nichte heirathen?" schrie er endlich. „Du, der Sohn eines nichtswürdigen Schurken, der mir einst die Braut weggestohlen, der mich für mein Leben lang elend gemacht hat — eines Diebes und Betrügers, der vielleicht heute noch hinter Schloß und Riegel sitzen würde, hätte nicht ein gut- müthiger Dummkopf ihm herausgeholfen und seine schlechten Streiche vertuscht!"

Edgar war es, als griffe eine eisige Hand nach seinem Herzen, als er diese Anklage vernahm. Einen Augenblick schwieg er in peinlichster Verwirrung. Dann aber raffte er sich auf. „Das ist eine Lüge", hielt er mit flammenden Augen entgegen, „eine nieder­trächtige Verleumdung, die Ihnen nur der Haß und die Rachsucht eingaben!"

Wieder stieß Sallust sein boshaftes Lachen her­vor. „Eine Lüge, ha, ha, höhnte er, „Wie doch so ein unreifer Junge schnell mit dem Wort fertig ist! Frage ihn doch selbst! Ich bezweifle, ob er den Muth zu Leugnen besitzt. Er ist ein Betrüger, ein Heuchler und ein schlechter Kerl. Dir aber traue ich nicht viel Befferes zu. Du hast soeben bewiesen, daß der Apfel nicht weit vom Stamme fällt. Du wirst mein

Möglichkeit einer Rückkehr erörtert, was gegen früher ein gewaltiger Fortschritt ist.

Kommen wir auf die Unionsbewegung in Mal­gara und Umgegend zurück. Ein seit mehrern Jahren in besagtem Städtchen wirkender, seeleneifriger griechisch- katholifcher Priester, P. Jsaia Pappadopoulo, hat sich fast ausschließlich an den ausgebeuteten Theil der griechischen Heerde, das niedere Volk, gewendet. Un­sägliche Verfolgung und Nöthen hat er auszustehen gehabt. Zweimal wurde dem armen Missionar seine Wohnung über dem Kopfe in Brand gesteckt und er ver­lor seine ganz geringe Habe, ja nach dem Leben hat man ihm offen getrachtet. Er ist aber tapfer auf seinem Posten geblieben. Jetzt scheint seine Beharr­lichkeit gekrönt werden zu sollen. Ganze Dörfer haben sich für die Rückkehr zur römischen Mutterkirche erklärt. Jetzt aber fehlt's leider an Missionaren des griechischen Ritus, auch an den nöthigen Geldmitteln, um die dringend nothwendigen Kirchlein und Schulen zu bauen, Paramente und Bilder zu verschaffen, Lehrer zu besolden usw.

Man sieht daher jetzt die Nothwendigkeit der Maß­regel unseres hl. Vaters ein, der den Assumptionisten in Konstantinopel befohlen hat, griechische Kapellen, Schulen und Seminare zu gründen, um dem über kurz oder lang sich zeigenden Bedürfniß nach griechischen Priestern und Lehrern abhelfen zu können. Die in dem Seminar an der neu geweihten griechisch-katholischen Kirche in Kumkapu aufgenommenen Zöglinge sind alle katholisch, zwar griechischer Abkunft, aber aus dem lateinischen Ritus in den griechischen übergetreten, wie auch mehrere Patres dieser Kongregation; Zndere bereiten sich auf diesen Schritt vor.

Wenn so nach und nach ein seeleneifriger, frommer und wissenschaftlich gebildeter Klerus konstituirt sein wird, sä kann das griechische Volk seinen Bedrückern nicht länger mehr folgen, die ihm statt des Brodes des göttlichen Wortes und segenspendender Pflege den Stein gieriger Habsucht und Hartherzigkeit vor­halten.

Deutsches R^ch.

Berlin, 16. März.

* Der Aaiser wird, wie die,Posfi erfährt, am Sonntag der Gedenkfeier für Wilhelm I. in der Kaiser Wilhelm - Gedächtnißkirche beiwohnen und dann Mittags 12 Uhr vom Potsdamer Bahnhof aus an der Spitze der Fahnen und Standarten jener Re­gimenter, deren Chef Wilhelm I. war, nach dessen ehemaligem Palais Unter den Linden reiten.

Das Entlassungsgesuch des Admirals Aolkma«« ist vom Kaiser ab gelehnt worden, was als ein Zeichen dafür angesehen wird, daß man in den regierenden Kreisen anfängt, die Lage ruhiger aufzufassen. ,

* Der „Verein Hamburger Rheder" hat im In­teresse des Großhandels eine Eingabe an den Reichs- Haüs nicht mehr betreten und meine Nichte in Ruhe lassen, das sage ich Dir — sonst schieße ich Dich nie­der wie einen Hund!" Er wandte sich rasch ab, pfiff seinem Tiras und schritt der Hausthüre zu.

In dem Gemüthe Edgars war eine ungeheure Bitterkeit aufgewallt. Er meinte, sich auf den Dok­tor zu stürzen und ihn zermalmen zu müssen. Doch der Gedanke an Toni hielt ihn von einem übereilten Schritte zurück. ,

In unbeschreiblicher Stimmung verließ er den Garten und schlug, ohne noch einmal in den „Löwen" zu gehen, den Weg nach der Wiesmühle ein.

III.

Edgar war mit der Absicht nach Hause gekommen, dem Vater alles zu erzählen und aus seinem Munde die Bestätigung zu empfangen, daß Sallust nur durch die Leidenschaft zu seiner schweren Anschuldigung be­stimmt worden sei. Er fand den Kranken jedoch m einem solchen Zustande, daß ihm eine weitere Auf­regung nicht räthlich erschien. Er begab sich deß- halb zu dem Grafen und schüttete vor dem bewährten alten Freunde unter freimüthiger Erzählung des ganzen Vorfalls sein gepreßtes Herz aus.

Edgar war nicht wenig überrascht, als Salmi, von der Anklage kaum eine Notiz nehmend, ihn mit