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Dienstag, den lö. März 1897.

24. Jahrgang

mkrWZeltilNft mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klumen".

AM

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen, — Vierteljährlicher Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig, Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf,, Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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Ende März kostenfrei

übermittelt.

X Das Centrum

ist natürlich jetzt, nach Ablehnung besonders der beiden Kreuzer in der Kommission, die Ziel­scheibe der heftigsten Angriffe in der Kartellpresse. Von den Berliner Blättern bekundet in dieser edlen Hetzthätigkeit namentlich die Stumm'sche ,Post' einen wahren Feuereifer. Daß das Centrum keinerlei sach­liche Gründe für seinen ablehnenden Standpunkt habe, ist der ,Post' natürlich eine ausgemachte Sache. Ausgehend von einer angeblichen Aeußerung Dr. Liebers, daß das Centrum nicht durch Sturm, sondern nur durch Sonnenschein sich bewegen lasse, meint die ,Post', das Centrum verlange mehr Sonnenschein, dann werde es in Gebelaune kommen, es vermisse reelle Gegenleistungen in Bezug auf die gesetz­geberischen „Spezialtendenzen" des Centrums, und das Wort „Kein Kanitz, keine Kähne" sei jetzt in der Centrumsfraktion Trumpf. Wenn dies wirklich die Auffaffung im Centrum wäre, so würde das Centrum doch auch für seine thatsächlichen Bewilligungen Gegen­leistungen verlangen, und diese Bewilligungen, die schon in den letzten Jahren sehr groß waren — vor 2 Jahren hat das Centrum sogar sämmtliche Schiffe bewilligt —, sind auch nach den Abstrichen in der Kommission noch weit größer, als jemals zuvor. Sie belaufen sich bei den einmaligen Ausgaben noch immer auf 58 Millionen, während der vorjährige Marine­etat nur 31 Millionen forderte! Hätte die ,PosU eine Ahnung von der Stimmung in der katholischen Wählerschaft, so würde sie wissen, daß diese in der Haltung des Centrums eher zuviel als zu wenig Ent­gegenkommen gegen die Regierung erblickt.

Weiter wird dem Centrum unterstellt, es wolle die Regierung, namentlich die nicht verantwortliche Regierung (soll heißen: den Kaiser) die Uebermacht des Parlaments fühlen kaffen und auch die Kommandogewalt der parlamentarischen Herrschaft unterwerfen: „Friedrich Barbarossa, der den Pantoffel des Papstes küßt!" Eine größere Albernheit, freilich eine sehr wohl berechnete Albernheit, ist uns noch nicht vorgekommen. Die Geldbewilligung ist doch nicht Sache der Krone oder der Kommandogewalt, sondern des Reichstags; und dessen verfassungsmäßige Rechte zu wahren, ist das Centrum allerdings unter allen Umständen fest entschlossen.

Die ganze offiziöse und Kartellpresse behauptet ferner einstimmig, das Centrum habe nur finanzielle Gründe gegen die Bewilligung der Kreuzer in's Feld

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

14] ------ (Nachdruck verboten.)

Der Frühling schien dieses Jahr früher und schöner als seit langer Zeit seine Herrschaft geltend machen zu wollen. Noch befand man sich am Schluffe des Februars; aber die Sonne lachte schon seit einigen Tagen fast sommerlich warm vom wolkenlosen Himmel und lockte an Baum und Strauch die schwellenden Knospen hervor. In den Gärten fing man bereits zu arbeiten an, und selbst die geschäftigen Bienlein schwirrten und summten durch die balsamische Luft. Im Löwen waren die Fenster geöffnet. Das fröhliche Treiben der angehenden Vaterlandsvertheidiger drang bis auf die Straße hinaus.

Da der Zustand des Wiesmüllers sich anscheinend gebessert hatte, waren auch Edgar und Julius auf Schirmers ausdrücklichen Wunsch zu dem Feste ge­kommen. Sie blieben ein paar Stunden, dann aber forderte Letzterer den Freund zum Mitgehen auf. Edgar errieth seine Absicht. Eine unverkennbare Be­fangenheit drückte sich in seinem Mienenspiel aus.

„Sei doch kein Hasenfuß!" schalt Julius. „Heut­zutage muß man keck und selbstbewußt zugreifen, sonst kommt man nicht durch die Welt. Uebrigens brauchst

geführt, und diese finanziellen Gründe seien nicht stich­haltig, weil die Finanzlage des Reiches noch selten so gut gewesen fei, wie jetzt, fo daß die neuen Schiffs­bauten sogar ohne jede Anleihe gedeckt werden könn­ten. Die ,N. A. Z/ gibt sich daher auch noch der Hoffnung hin, der Reichstag werde die finanziellen Bedenken seiner Kommission nicht theilen, zumal unter dem gegenwärtigen Reichskanzler nie von Steuer­erhöhungen die Rede gewesen sei, und sie stellt für den Fall, daß der Reichstag über die Be­willigungen der Kommission erheblich hin­ausgehen würde, in Aussicht, daß dasAbschieds- gesuch des Staatssekretärs Hollmann nicht angenommen würde. Das wird auf den Reichs­tag keinen Eindruck machen. Zweierlei ist aber in der Sache selbst auf diese ganze Beweissührung zu er­widern :

1) Es ist nicht wahr, daß das Centrum nur aus finanziellen Bedenken die Kreuzerbauten zurückgestellt wissen will; vielmehr ist namentlich auch die Gewiß­heit, daß diese ungestüme Schnelligkeit in dem Ausbau unserer Marine auf die Absicht, Weltpolitik zu treiben, hinausläuft, für das Bestreben des Centrums, das Tempo im Schiffsbau zu verlangsamen, maßgebend.

2) Auch die finanziellen Bedenken des Centrums sind sehr wohl begründet. Wenn auch in diesem Jahre die Finanzlage des Reiches eine günstige ist und vielleicht noch die eine ober andere Bewilligung gestatten würde, so hieße es doch absichtlich die Augen verschließen, wenn man nicht auch mit der Folgezeit rechnen wollte. Wer jetzt erste Raten für Schiffe be­willigt, der muß in den folgenden Jahren dann auch die weiteren Raten genehmigen, und ob bann bie Finanzlage noch so günstig ist, das ist doch sehr die Frage, zumal angesichts der sicher genug angekündig- ten weiteren Forderungen der Marine- und besonders auch der Militärverwaltung. Dabei rechnen wir die „in der Luft liegende" Artillerievorlage und die über kurz ober lang unausbleibliche Ausgestaltung ber neuen Rumpfregimenter zu Vollregimentern noch gar nicht einmal mit! Uebrigens find auch nicht alle Kartell- blätter so heuchlerisch, bie finanzielle Tragweite ber Marineforberungen zu leugnen; so sagt bie Münchener ,Allgem. Ztg/ ganz offen: „Wie Jedermann, so weiß auch das Centrum ganz genau, daß auf die Dauer eine solche Verstärkung (der Flotte) nur durchzuführen ist unter Vermehrung ber eigenen Einnahmen bes Reiches," b. h. also ber inbireften Reichs steuern. Unb weil bas Centrum bies nicht will, so kann es auch ber galopp­artigen Verstärkung der Flotte nicht zustimmen.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. März.

ti Der Kaiser hörte am Montag die Vorträge des kommandirendenAdmirals v. Knorr und des Chefs des Marinekabinets Freihr. von Senden- Du Dir gar keine Sorge zu machen. Der Onkel ist nicht zu Hause. Er ging auf die Jagd und kommt schwerlich vor Einbruch der Dunkelheit heim!"

Nun zögerte Edgar nicht mehr.

Arm in Arm gingen die Freunde über den Markt­platz nach dem Salust'schen Hause. Antonie stand am Fenster. Sie rief den Ankommenden einen herz­lichen Gruß zu. Diese verschwanden durch die Thüre, ohne den Baumeister Seeburg gesehen zu haben, der, weiter unten an den Gartenzaun gedrückt, ihr Her­annahen bemerkt hatte und nun mit finsterer Miene den Weg nach den Wiesen einschlug.

Mit geheimer Freude beobachtete Julius die Be­gegnung zwischen Edgar und seiner Schwester. In Beziehung auf Lebenserfahrung war er dem schüchternen Freunde um Jahre voraus. Er wußte recht gut, wie es in den Herzen ber Beiben aussah, unb bie Erkenntniß, baß diese selbst die gegenseitige Neigung kaum zu ahnen schienen, belustigte ihn fast.

Der Doktor hatte; in der That gleich nach dem Mittagessen mit der Flinte und einem Jagdhunde das Haus verlassen, und die jungen Leute sahen sich infolgedessen allein. Julius drängte das Paar nach dem Flügel. Es wurde vierhändig eine Sonate ge­spielt. Dann sang Toni mit ihrer prächtigen Alt-

B i b r a n. (Vielleicht in Angelegenheit der gestrichenen Schiffssorderungen?) — Das Staatsministerium hatte auch am Montag wieder eine Sitzung.

O Der Reichsschatzsekretär macht in Vertretung des Reichskanzlers betreffs der Zlmwanbkung der 4proze«1igen Akeichsaukeihe in eine Lff.prozentige bekannt, daß die Inhaber solcher Schuldverschrei­bungen bezw. Buchgläubiger, die (was eine große Thorheitwäre)denNennwerth baar ausbezahlt haben wollen, dies bis zum 8. April einschließ­lich beantragen müssen. Thun sie dies nicht (was ihnen sehr zu rathen ist, da sie bei Auszahlung des Nennwerthes nur am Kurswerth verlieren würden), so wird ihr Einverständniß mit der Umschreibung ihrer Papiere in Z'/zprozentige angenommen.

Xi Als Kuriosum verdient erwähnt zu werden, daß, wie aus einer Bekanntmachung des Kriegsmini­steriums hervorgeht, von einem Unbekannten (in einem anonymen Schreiben aus Frankfurt a. M. vom 27. Febr. d. I.) der Militärverwaltung 2500 Mark geschenkt worden sind

* Die verbündeten Regierungen legen, wie offiziös versichert wird, nach wie vor den größten Werth darauf, daß die ILesokdungsvorkage noch in dieser Reichstagssession erledigt wird.

ft Die Audgetkommisfion des Iieichstage» hat, wie wir bereits angekündigt, bie geforderte Hafenbefestigung für Kiel, 1. Rate 1 Million Mk. Im Ganzen 5l/a Mill.) und das Trockendock für Kiel, 1. Rate 1 Million Mk. (im Ganzen 81/« Mill.) ohne Widerspruch am Montag bewilligt. Der Sitzung wohnte auch Staatssekretär Hollmann bei, nahm aber nicht das Wort. Am Dienstag ist noch eine Sitzung.

* Der Aerttner Aunuugsausschutz hat eine Resolution einstimmig angenommen, worin gegen die „freiwilligen Zwangs in nun gen" — eine sehr treffende Ironie — der neuen Handwerksvorlage Verwahrung eingelegt unb bie Erwartung ausge­sprochen wirb, daß der Reichstag den von der Hanb- werkerkonferenz im September 1896 ausgesprochenen Wünschen Rechnung tragen werde. Mit Recht er­mahnte übrigens der Vorsitzende Obermeister Beutel die Handwerker, durch ein zahlreiches Erscheinen zu den Versammlungen als bisher, zu betätigen, daß die Mehrheit hinter den Führern des Handwerks stehe.

* Die ,Berl. Pol. Nachr/ behaupten, es liege bie Absicht vor, bie Gerichtsvollzieher mit einer all­gemeinen Anweisung zu verfehen, wonach sie bei Ge­legenheit der Ausführung eines Wechfelprotestauftra- ges eine vom Protestaten etwa angebotene Wechsel- zahlung in Empfang zu nehmenhaben. Sollte sich biefe Nachricht bestätigen, fo müssen sich bie An­sichten maßgebenden Ortes überraschend schnell geändert haben. Denn der Justizminister hat erst in einer all­gemeinen Verfügung vom 2. Nov. v. I. ausgesprochen, daß über die Frage, unter welchen Voraussetzungen der protestirende Gerichtsvollzieher zur Annahme der stimme einige Lieder, und später ging man in den Garten hinab.

An der hübschen Laube rankte das junge Grün schon überall an den zierlichen Pfeilern hinauf, und seitwärts am Heckenzaune entlang verbreiteten die da und dort aus dem niedrigen Grase hervorsprießenden Veilchen einen herrlichen Duft.

Edgar und Toni pflückten je ein Sträußchen unb zogen sich bann in bie Laube zurück. In ihrer eifrigen Unterhaltung bachten sie gar nicht mehr an Julius, ber sich heimlich entfernt unb bie Gesellschaft der Kameraden im Löwen wieder aufgesucht hatte.

Toni band beide Sträußchen in eines zusammen und befestigte es im Knopstoche Edgar's.

Mit glücklichem Lächeln schaute dieser ihrer Be­schäftigung zu.

„Ich danke Dir, Tonchen," sagte er herzlich, „um so mehr, als dies vielleicht für lange Zeit das letzte Sträußchen ist, das Du mir gibst!"

Das Mädchen blickte treuherzig in fein Gesicht. „Warum?" fragte sie. „Du weißt ja noch nicht, ob Du einrücken mußt!"

„Ich werde unter allen Umständen, auch wenn ich mich freifpielen sollte, in's Militär eintreten," erklärte Edgar. „Der Herr Gras besuchte heute Vormittag den Vater. Man rief auch mich, und