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Samstaff, den 13. März 1897.

24. Jahrgang

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mit Unterhalttmgs-KrUage „Sterne und Klumen"

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LL Dre Reichsrathswahlen in Oesterreich.

„WirwerdenaüfderganzenLiniesiegen; denn hinter uns steht das ganze Volk," so erklärte noch am Morgen des Wahltages, am 9. März, Dr. Adler in einer Sitzung des sozialdemokratischen Central - Komitee's, und schon seit langer Zeit hatte derselbe stets großprahlerisch behauptet: „Am 9. März wird die rothe Fahne vom Stephansthurme wehen." Und am Abend des Wahltages, als in der großen Stadt die Lichter zu brennen begannen, da beschlich die Maulhelden vom Morgen ein Gefühl der Bangig­keit. Drei Stunden später bot man bereits die Extra­blätter feil, welche verkündeten, daß die Antisemiten alle Mandate der allgemeinen Kurie in Wien und 3 von den 4 niederösterreichischen erobert haben. Das Resultat aus dem 8. Wahlkreise war nämlich noch nicht bekannt, es rangen der Christlichsoziale Wedral mit dem Sozialdemokraten Pernerstorfer im schweren Kampfe. Die Sozialdemokraten hatten also auf der ganzen Linie verloren, das Volk von Niederösterreich hatte ihnen einen Denkzettel gegeben, an den sie noch lange denken werden. Nicht einmal dem Dr. Adler gelang es, durchzukommen, obwohl er in einem der von Arbeitern dichtbevölkertsten Wahlkreise kandidirte. Er unterlag einem bis zum Zeitpunkte der Wahlaus­schreibung wenig bekannten Manne Namens Prochaska. Das gleiche Schicksal traf die beiden „Auchchristen" unter den sozialdemokratischen Führern, Neumann und Schumeier. Der letztere, ein „Pfaffenfresser" ärger als ein Jude, bekämpfte seinen christlich-sozialen Gegen­kandidaten Mittermeper in der niederträchtigsten Weise und verlor doch „sem Mandat", das ihm so sicher schien.

Diese Niederlage der Sozialdemokraten wird für sie noch traurige Folgen haben. Sie find mit dem Fluche der Lächerlichkeit beladen, ihr Nimbus ist da­hin, sie haben jeden Schrecken für die Andersdenken­den verloren; die Judengelder werden nunmehr fpär- licher fließen, weil man ja doch 6 Jahre lang bis zur nächsten Wahl mit den rothen Brüdern nicht zu rechnen hat, und endlich wird die Organisation er­schüttert werden. Die Mai-Demonstrations-Spazier- gänge waren resultatlos, denn die „Führer", welche das allgemeine Wahlrecht angeblich erzwungen hatten, lieferten den bösen Antisemiten damit eine Waffe, ein Billet zum Eintritt in das Parlament! Sie selbst aber müssen vor der Thür des Parlamentes bleiben!

Unbeschreiblich war der Jubel, der in den Agi­tations-Lokalen der Christlich-Sozialen herrschte. Klein­laut schlichen die „Genossen" nach Hause. Der Wahl­tag selbst verlief in voller Ruhe. Es waren wohl allerlei Gerüchte über Zusammenstöße verbreitet, sie bestätigten sich aber nicht. Den ganzen Tag hindurch und auch während der Nacht war ein viel schwächerer Verkehr als an früheren Wahltagen bemerkbar, ob­wohl diesmal 277,000 Wähler in 254 Lokalen (4*/a mal so viel Personen als früher) wählten. Erwäh­nenswerth ist noch der Umstand, daß die Sozialdemo­kraten in ihrer Kandidatelfliste als „Arbeiter" - Ver­treter für die Mandate in Niederösterreich 1 Tischler­gehilfen, 1 Zeitungsverschleißer und 1 Zeitungs-Ad­ministrator, sowie 6 Redakteure aufgestellt hatten.

fr. Das jetzige Domgeläute Fuldas hat in der letzten Zeit schon mehrfach das Interesse unserer Mitbürger in Anspruch genommen. Es fei uns daher gestattet, eine kurze Beschreibung der neun Glocken zu geben, aus denen das Geläute besteht.

Vor allem ist da zu nennen die sog. „Osanna", welche allein im nördlichen Thurme hängt. Ihr unterer Durchmesser beträgt 1,90 Meter, ihr Gewicht ra. 100 Centner. Ihr Grundton ist gis, Obertöne h, dis, gis, unten gis. Die Tonlänge beträgt 3Vi Minuten. Die Glocke wurde 1415 vom Fürstabte Johann von Merlau gestiftet und 1648 durch die berühmten Glockengießer Anton Paris und Jean de la Paix aus Lothringen umgegossen. - Die aus großen lateinischen Buchstaben bestehende Inschrift lautet:

„Salvet Christus, Bonifatius et Benedictas, Simplicias, Faustinus, Processus, Martianus.

Destrue tonitrua, tu fulgura Stella Maria, Cum sancto Sturmi quoties pulsatur Ilosanna.

Quem annis b:s duo millenis quinque triginta De Merlano Primas me primum fecerat Abbas, Me fissam a Gravenegg Baro isthac inoles restaurat,

Quadraginta octo sexcentis millibus annis “ Zahlreiche recht kunstvolle Verzierungen schmücken die Außenseite der Glocke.

Auf dem südlichen Thurme befinden sich 3 Glocken, nämlich:

a) Die „Halbosanna", deren unterer Durch­messer 1,35 Meter und deren Gewicht circa 45—50 Centner beträgt. Ihr Ton schwankt zwischen f und fi<, als Obertöne hat sie as, b. Sie ist ohne Inschrift und die Zeit ihres Gusfes daher unbestimmt.

b) Die sogen. „Mittelglocke", früher auch „Fruchtglocke" genannt. Ihr unterer Durchmesser ist 1,41 Meter groß und sie wiegt 42—45 Centner. Ihr Grundton ist e (dis), unten fis, oben g und a. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist birnen­förmig. Die romanische Inschrift lautet: „Laus Sa- baot Patri Deo et tibi sum Bonifati“. Im Guß unterhalb der Inschrift hat sie reiche Kordelverzierung.

c) Die „Steinglocke" oder „Armesünderglocke", so genannt, weil sie früher während der Hinrichtun­gen auf dem Rabenstein (bei Lehnerz) geläutet wurde, welche unten 1,12 Meter mißt. Ihr Gewicht beträgt 22—25 Centner. Grundton g, Unterton gis, Ober­töne ais, dis, g. Diese Glocke ist von auffallend schlechtem Metall und ihr Ton geradezu blasern. Die gothische Inschrift lautet: „Praeclara maris stella in lucem gencium maria divitus orta anno dmi 1400 — pruno me fecit — me adiuva (?). Den im Volks­munde gebräuchlichen Namen „Steinglocke" mag sie wohl von ihrem an einen irdenen (Stein-)Topf erinnernden Ton erhalten haben.

Die 5 Glocken des Dachreiters fetzen sich folgen­dermaßen zusammen:

1) Die sog. „Sturmglocke", die als solche wohl Jahrhunderte lang gedient hat, ist auch wegen ihres dumpfen, heulenden Tones, der sich von den Tönen der übrigen Glocken der Stadt hervorstechend abhebt, als Sturmglocke sehr geeignet. Die im Volke ge­bräuchliche Ausdracksweise „Es stürmt zur Wandlung" mag wohl in traditionellem Zusammenhänge mit der früheren Bestimmung dieser Glocke, welche jetzt bei der hl. Wandlung geläutet wird, stehen. Ihr unterer Durchmesser ist 1,03 Meter, ihr Gewicht ca. 18 Ctr. Einen bestimmten Grundton besitzt sie nicht, da die Töne gis und a gleichstark vertreten sind, desgleichen die Unteroktave und Unterseptime. Als Oberton ist cis zu bezeichnen. Sie trägt die gothische Inschrift: „Gloria in excelsis Deo“ mit der Jahreszahl 1417.

2) Die „ Ave Maria-Glocke", welche bis vor 2 Jahren zum Angelusläuten diente, wurde im Jahre 1883 von Gebr. Ulrich in Apolda umgegossen. Als unteren Durchmesser hat sie 0,89 Meter und als Gewicht circa 10 Centner; Grundton ist b, unten die Oktave, oben d.

3) Die „Todtenglocke", mißt unten 0,68Meter Durchmesser und wiegt circa 5 Centner, mit dem Grundton d.

4) Die „Predigtglocke". Unterer Durchmesser 0,55 Meter, Gewicht circa 3 Centner, Grundton g.

Diese beiden letzten Glocken wurden zu Anfang dieses Jahrhunderts in Eckweisbach a. d. Rhön gegossen.

Endlich 5) die sogenannte „Meßglocke" mit einem unteren Durchmesser von 0,45 Meter und einem Gewicht von circa 1'/, Centner ; Ton a. Diese Glocke wurde, da sie gesprungen war, im Jahre 1881 dahier umgegossen.

Die sämmtlichen Glocken stehen, wie aus Obigem ersichtlich, bezüglich des Tones untereinander in gar keinem musikalischen Verhältnisse. Das Zusammen­läuten derselben erzeugt die denkbar krassesten Disso­nanzen. (Die angegebenen Töne sind die der Pariser Stimmung am nächsten kommenden.) Die Intervalle sind durchaus undefinirbar.

Der Erhaltung werth sind nur die Osanna und die sogenannte Mittelglocke. Die erstere ist ein Kunst­werk ersten Ranges in Ton, Guß und Material, die andere verdient wegen ihres ehrwürdigen Alters

und ihrer Bedeutung für die Grabkirche des heiligen Bonifatius erhalten zu werden. Aus ihrer Jn- fchrift zu schließen, hat dieselbe, wie schon früher erwähnt, sicherlich schon Jahrhunderte hindurch die z«m Grabe des Heiligen wallenden Pilger begrüßt und muß diesen Zweck auch noch ferner erfüllen. Guß und Material sind gut. Der Ton ist jedoch wegen des starken Hervortretens der Unterseptime als mißlungen zu bezeichnen, weshalb die Glocke in einem harmonischen Geläute keinen Platz finden und nur allein geläutet werden dürfte. Das Umhängen der­selben in den Osannathurm ist aus damit zusammen­hängenden Gründen daher geplant.

Unter allen übrigen Glocken ist keine, die auf Kunstwerth irgend welchen Anspruch machen könnte, da sie sämmtlich in Ton, Guß und Material als durchaus minderwerthig zu betrachten sind.

Uerwischtes.

* Staßfurt, 12. März. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich im Südfelde des benachbarten anhaltischen Salzbergwerkes Leopoldshall. Ganz unerwartet brachen große Kainitmassen nieder und verschütteten acht Bergleute. Bei den sofort vorgenommenen Rettungsarbeiten wurden vier Bergleute als Leichen hervorgeholt, die zum Theil gräßlich zermalmt waren. Von den vier anderen Verschütteten sind zwei schwer und zwei leicht verletzt worden. Einer der Schwer­verletzten ist im Leopoldshaller Krankenhaus verstorben.

* In das städtische Hospital zu Morenz wurde kürzlich der an Wassersucht leidende 64jährige Bäcker Pichianti aus­genommen. Bei feiner Untersuchung stellten die Äerzte fest, daß er das Herz nicht auf der linken, sondern auf der rechten Seite habe. Um ein möglichst genaues Bild seines inneren Körperbaues zu gewinnen, wurde die An­wendung der Röntgen'schen Strahlen beschlossen.

* Schusterjunge: „Frau Meesterin, das is wohl Cy- clopensuppe?" — „Wieso?* — „Sie hat nur e' eenziges Ooge!"

* Anterofstzier (brüllt):„Schulze, Sie sind ein Kameel! Haben Sie gehört?" —Schulze (Rekrut): „Nein, Herr Unter­offizier, ich bin schwerhörig."

Literarisches.

Gedenk-AkStter zu Shren des hochwürdtgen gelkkichen Mathes Dr. Joseph Hrimm, weiland Professor der neutestamentlichen Exegese au der Universität Würz­burg. Ein Lebensbild, zugleich als Beitrag zur theo­logischen Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts. Mit dem Bildniß des Verlebten. Zum ersten Jahres­tag seinesTodesgewidmetvonDr. Hermann Schell, derzeit Rektor der Universität Würzburg, und Dr. Albert Ehrhard, Professor an der Universität Würzburg. Zum Besten desWürzburgerBoni- fatiusvereins. 8’. IV. 132Seiten. Preis 1,20Mk., mit Porto 1,30 Mk.

Der Hmgang des berühmten Würzburger Universitäts­professors Dr. JosephGrimm, eines jener Hochschullehrer, welche zur Zeit des Kulturkampfes die katholischen Theologie­studenten von ganz Deutschland, besonders auch aus der Diözese Fulda, zum Großtheile zu ihren Füßen sahen, hat die Verfasser veranlaßt, obige Gedenk-Blätter zu veröffent­lichen. Die Biographie zeigt uns den Heimgegangenen Exe- geten Grimm in seiner Jugend und theologischen Ausbildung, dann als Professor der Theologie in Regensburg und Würz­burg, als Forscher und Schriftsteller, bei seinen Natur- und Kunststudien, wie auf seinen Reisen, endlich in seinem Charatter als Priester und als Mensch. Mit Liebe und Wärme, mit Begeisterung und doch wieder mit voller Objektivität hat Prosesfor Dr. Ehrhard, Grimms genialer Schüler, den großen Sohn Freisings in scharfen Umriffen gezeichnet. Wird es einen Schüler Grimms geben, der sich diese billigen Gedenk- Blätter nicht kaufte? Möchte darum auch der Würzburger Bonifatiusverein etwas davon profittren, zum Besten dessen der Reingewinn dieser „Gedenk-Blätter" dienen soll!

Gottesdienstordnrmg in Fulda.

Sonntag, den 14. März. Dom. Um 5'/«, 6, 61/. u. 71/, Uhr hl. Messen, 6*/i Uhr heil. Messe und Kommunion der Christenlehr-Jungfrauen in der Marienkapelle, 9 Uhr Amt mit Predigt, 11 Uhr Christenlehre, 12 Uhr hl. Messe, !>/, Uhr Andacht für die Jugend, danach Christenlehre, 4 Uhr Fastenpredigt und Bußandacht, 7 Uhr Andacht in der Marien­kapelle. Montag Abend 78/. Uhr Fastenpredigt u. Bußan­dacht. — Stadtpfarrkirche. 51/. Uhr hl. Messe und Predigt, 6 und 7 Uhr heil. Mesfen, 8 Uhr hl. Messe und Predigt, 91/: Uhr Hochamt und Predigt, 11 u. I1/» Uhr Christenlehre, 3' Uhr Bruderschaft von der Todesangst des Herrn. — Micharlskirchr. (Fest des hl. Joseph). Vollkommener Ablaß. Bon 6 Uhr an Beichtgelegenheit und halbstündlich Kommunion-Austheilung, 7 Uhr hl. Messe Sr. Bischöst. Gnaden, 1/4 9 Uhr Hochamt mit Predigt, 10 Uhr hl. Messe, 2 Uhr Predigt und Andacht mit Prozession. — Pfarrkirche zum hl. Grifte. 8 Uhr Amt mit Predigt, 4 Uhr Andacht mit Segen. — Nonnenkirchr. 2 Uhr Herz Jesu-Bruderschafts- Andacht. —"Frauenberg. 5, 61/« u. 7 Uhr hl. Messen, 8 Uhr Hochamt, 2 Uhr feiert. Vesper. Dienstag den 16. März. 8>/2 Uhr feiert. Amt zu Ehren des hl. Antonius, danach Fastenpredigt und Kreuzwegandacht, 4>/4 Uhr Antonius- Andacht. Freitag den 19. März. (Fest des hl. Joseph.) 8 Uhr feierliches Amt.