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SamsLaa, den 18. März 1897.

24. Jahrgan«

Lrickrist täalich Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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i+j Aus der Budget - Kommission des Reichstages.

Die Kommission trat am Freitag in die Berathung der einzelnen Forderungen im Extraordinarium des Marine-Etats ein. Anstandslos genehmigt wurden die 4. Rate von 4,6 Mill. Mk. zum Bau des Panzerschiffes I. Klasse „Kaiser Friedrich IG.", ferner die dritten und Schlußraten für die Kreuzer II. Klasse „K“, „L und „Ersatz Freya", eine Nach­trags-Forderung von 2 Millionen zur Erneuerung von Maschinen und Kesseln zweier Schiffe der Sachsen­klasse, sowie zur Grundreparatur und zum Umbau des Schiffskörpers, weiter die 2. Rate von 1,1 Mill. Mk. für den Kreuzer 4. Kl. „G“ und die Schluß­raten für Torpedoboote.

Zum Bau des Kreuzers I. Klasse „ Ersatz Leip­zig" werden als 3. Rate 4 Mill. Mk. gefordert (Ge- fammtkosten 131 /a Mill.). Der Referent Dr. Lieber war gegen eine so große Beschleunigung des Baues und beantragte daher, diese Forderung um 1 Million zu kürzen. Die Abgeordneten ».Leipziger (kons.) und Jebsen (natl.) traten für volle Bewilligung ein, desgleichen Staatssekretär Hollmann, der dafür das mögliche Steigen der Materialpreise geltend machte -und bemerkte, vor 2—3 Jahren hätte man noch be­deutend billiger bauen können.

Abg. Müller-Fulda (Centr.) entgegnete, vor 2 Jahren seien sämmtliche Forderungen der Regierung bewilligt worden, der Reichstag könne doch nicht mehr bewilligen, als gefordert würde!

Abg. Graf Arnim (Rp.): Der Kreuzer „Ersatz Leipzig" sei ein neuer Typ, seine recht baldige Her­stellung deshalb zu wünschen.

Abg. Richter (frs. Vp.): Gerade bei einem -neuen, noch nicht feststehenden Typ müsse man um so Dorsichtiger sein und darum langsamer bauen.

Der Antrag Lieber wurde dann angenommen, also nur 3 Millionen bewilligt.

Ebenso wurden von den zweiten Raten für das Panzerschiff l.Kl. „ Ersatz Friedrich der Große" und die Kreuzer 2. Kl. „M." und „N* je eine Million auf Antrag des Abg. Dr. Lieber (Centr.) gestrichen.

Es folgte dann die erste Neuforderung: Zum Bau des Panzerschiffes 1. Klasse „Ersatz König Wilhelm" erste Rate 1 Million (Gesammtkosten 14,120,000 Mk.) Referent Dr. Lieber bemerkte, der Reichstag bewillige gewisse Typen. Die Regie­rung müsse ein Panzerschiff 1. Klasse bauen, wenn dies vom Reichstag bewilligt ist. Der Text sei bin­dend für die Regierung und Niemand habe staats-

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

12] ------ (Nachdruck verboten.)

Seeburg schaute auf die Uhr. Es war noch nicht spät. Die Landleute kehrten zum Theil erst von den Feldern nach Hause zurück. Von den Mägden wurde die Straße gekehrt und am Marktbrunnen hatte sich eine Schaar von Wasserträgerinnen gesammelt, in deren Mitte man eifrig die Ereignisse der Woche be­sprach.

Adolf ging an ihnen vorüber und schritt durch «ine schmale Seitenstraße dem Wiesenthale zu. Er beeilte sich nicht. Als das schöne Haus des Doktors Sallust vor ihm auftauchte und er an den Garten­zaun kam, blieb er sogar dann und wann stehen und spähte durch seinen Kneifer, als wolle er das Wetter prüfen, an den Himmel hinauf. Dies hinderte ihn jedoch nicht, wiederholt verstohlene Blicke seitwärts zu werfen, wo sich, die Topfblumen begießend, Antonie am offenen Fenster befand.

Auch das Mädchen bemerkte den Beobachter. Ihr plötzliches Erröthen verrieth es. Sie schien sich jedoch durch die ihr widerfahrene Aufmerksamkeit nicht be­sonders geschmeichelt zu fühlen. Rasch trat sie weg und »erschwand.

rechtlich das Recht, in der Klassifizirung selbstständig vorzugehen. Das Flottenkommando könne die Panzer wohl als Kreuzer 1. Klaffe verwenden, aber staats­rechtlich blieben sie Panzer 1. Klasse bis Ersatz für sie geschafft sei. Es ginge, das müsse er zugeben, bei alten Schiffen wie bei alten Häusern: bei Repara­turen käme man nie mit dem Voranschlag aus. Er beantrage die Bewilligung der Forderung, ohne sich im klebrigen auf die Denkschrift festzulegen, und weise ausdrücklich weitereFolgerungen ab. Auch für die Bauzeit und die einzelnen Bau­raten wolle er sich nicht binden. Korreferent v. Leip­ziger trat gleichfalls für die Bewilligung ein und wollte gleichfalls der Denkschrift keine bindende Kraft beimessen. Abg. Richter war für Ablehnung. Nach der Generaldebatte habe er die Ablehnung gerade dieses Panzers erwartet. Staats­sekretär Hollmann betont, daß die Klassifizirung der Schiffe Sache des Kommandos sei. Dagegen sei bisher noch niemals von irgend einer Seite Ein­spruch erhoben worden. Ende der sechziger Jahre sei die Klassifikation eine ganz andere gewesen. — Bei der Abstimmung wurde der Panzer mit großer Mehrheit bewilligt. Dagegen stimmten nur die Vertreter der frei). Volkspartei und die Sozial; demokraten. Die Berathung wird am Samstag fort­gesetzt____________________________________________________

D erlisch es U^ch*

Berlin, 12. März.

* Karrt einer offizielle» Mi11Herl««g des ständige« Kommissars der deutsche« KattzoliKenverfammlnngs« des Jürste« Karl zu Köwensteirr wird die diesjährige Heneralverfammlnng der KatHolisten Deutschlands den Wünsche« einiger hochwürdigster deutscher Kirchen- färste» entsprechend nicht anstatlen und wird auch mit der Wallfahrt zum Grade des hl. Petrus Hanistus nicht verstünde», aster den Grt und der Zeit «ach wo­möglich so gelegt werden, daß die Mitglieder, wenn ste nicht anderweitig behindert stud, an der Wallfahrt theiknehmrn oder gleichzeitig mit derselben in Ireiburg in der Schweiz eintreffen könne«.

* Wegen des Geburtstages des ^riuzregeute« vou Kayeru fand am Freitag bei dem Kaiser und der Kaiserin eine Frühstückstafel statt.

* Der König hat das preußische Schuköen- tikguugsgesetz nunmehr vollzogen. Das Gesetz schreibt eine regelmäßige obligatorische Schulden­tilgung vou 3i5 v. H. der jeweiligen Staatsschuld und die Verwendung aller rechnungsmäßigen Ueber- schüffe zu dem gleichen Zweck vor. Von jetzt an müssen also in den Etat Preußens alljährlich min­destens 40 Millionen Mark zur Schuldentilgung ein­gestellt werden.

* Am Mittwoch Abend wurde in der Unter­richtskommission des Abgeordnetenhauses die Disstdeuteufrage, und zwar speziell die Petitionen

Seeburg schlenderte noch eine Strecke weit abwärts, dann kehrte er um und begab sich nach der Löwen- wirthschaft.

Bereits wartete der bucklige Schreiber im Neben­zimmer am Stammtischchen auf ihn. Sie waren die einzigen Gäste. Adolf bestellte eine Flasche Wein, die er bezahlte; er schenkte ein, man trank, und bald war die Unterhaltung im Flusse. Malang erzählte, daß er vorhin einen Metzgergang gemacht habe. Er könne nicht allzu lang bleiben, da er auf eine spätere Stunde bestellt worden sei. Seeburg hörte dem mundfertigen Manne anscheinend mit großer Theil- nahme zu, fein Mienenspiel bekundete jedoch, daß er den eigenen Gedanken nachhing.

„Ei, Herr Sekretär!" unterbrach er diesen auf einmal, wie einem unwillkürlichen Einfall folgend, „sagen Sie mir doch, wie es sich mit dem Doktor­titel des Herrn Sallust verhält? Der Mann ist doch weder Arzt noch Rechtsanwalt und sieht überhaupt wie ein Gelehrter nicht aus."

Malang lachte: „Sie haben Recht," sagte er. „Ich bin auch fest überzeugt davon, daß er kein Diplom vorzeigen kann. So viel ich weiß, hat er vor Jahren mit noch ein paar Anderen im Böh­mischen ein Cementlager ausgebeutet und dabei gute Geschäfte gemacht. Vielleicht erwarb er sich um die

betr. die Aufhebung der Verfügung des frühere" Kultusministers Grafen Zedlitz, berathen. Nach biefev haben die Dissidenten den Religions-Unterricht ber Volksschule zu besuchen, wofern nicht der Nachweis erbracht ist, daß diese Kinder anderweit einen hin­reichenden Religions-Unterricht erhalten. Der Be­richterstatter beantragte, die Petitionen der Staats­regierung als Material zu überweisen. Von anderer Seite wurde Ueberweisung zur Berücksichtigung bean­tragt. Von Seiten der Regierung wurde hervor­gehoben, daß viele Rechtsentscheidungen vorlägen, nach denen sich die Regierung richten müsse. Eine Ueber­weisung zur Berücksichtigung würde dem rechtlichen Standpunkte der Regierung in unausführbarer Weise vorgreifen. Der Antrag des Berichterstatters wurde mit 9 gegen 8 Stimmen angenommen.

* Der Vorstand des Armuugsvervaudes deutscher ZSarigerverksmeiker wird für die zweite Hälfte dieses Monats seine Verbandsmitglieder nach Berlin berufen, um zu der neuen Handwerks­vorlage Stellung zu nehmen.

* Für die MettaussteSung in Naris im Jahre 1900 sind bei dem hierzu bestellten Reichskommiffar jetzt schon so viele Meldungen wegen Anstellung, Be­schäftigung 2C. aus allen Theilen des Reichs eingegangen, unterstützt von besten Empfehlungen, mit dem Hinweis auf Sprachkenntniß u. f. ro„ daß deren Berücksichtigung kaum zum kleinen Theil möglich erscheint.

* Innerhalb der nächsten Zeit wird im ganzen deutschen Heere ein allgemeines, großes Avance­ment stattfinden. Am 1. April 1897 werden aus den 519 deutschen Ganz- und 173 Halbbataillonen der Infanterie 624 Vollbataillone insgesammt formirt, und die Folge davon ist, daß 21 Generalmajore als Brigadekommandeurs, 50 Obersten, ebensoviele Oberst­lieutenants neu zu ernennen sind. Und demgemäß rücken alle niederen Offiziere, bis zum Lieutenant hinab, um etwa 110 Stellen vor, die bayerischen Beförderungen hier nicht mitgerechnet.

ff Zur Aahrhnndertseier für HSikhekm I. sind als Vertreter der fremden Höfe bisher ange- meldet: Der Kronprinz von Rumänien, der Graf von Flandern, der Kronprinz von Schweden, der Herzog von Connaught, ein besonderer Botschafter der hollän­dischen Königin, der Erzherzog Friedrich von Oesterreich; ferner werden aus Italien und Rußland Prinzen erwartet. Von den deutschen Fürsten wird die große Mehr­heit hier erwartet, obenan der Prinzregent von Bayern, die Könige von Württemberg und Sachsen, die Groß- Herzöge von Baden und von Sachsen-Weimar, wogegen der Großherzog von Oldenburg und die Herzöge von Sachsen-Meiningen und Koburg-Gotha fehlen dürsten. Auch Fürst Bismarck wird mit hohem Alter und erschütterter Gesundheit jedenfalls fein Ausbleiben bei der Feier entschuldigen.

* Wie die ,Sch les. Ztg/ berichtet, äußerte sich jüngst Fürst Bismarck über die Bezeichnung „Kaiser Wilhelm der Große" folgendermaßen: „Der Große?

Wissenschaft besondere Verdienste ober doch durch seine Thaler Freunde und Gönner — kurzum, er kam als Doktor Heinrich Sallust hierher, wo kein Mensch ihm seinen hochklingenden Titel streitig macht."

„Der Herr Doktor scheint in dem Städtchen eine hervorragende Rolle zu spielen?" meinte Seeburg.

Malang zuckte die Achseln. „Gewiß," entgegnete er, „doch kann man nicht behaupten, daß er eine besonders beliebte Persönlichkeit fei. Man sagt ihm Verschiedenes nach. Er scheint in der Thai, wenigstens früher, nicht der beste Bruder gewesen zu fein, und heute noch wispert man sich mancherlei Sachen in's Ohr. Doch was geht das die Leute an! Wir find allzumal Sünder, und im Allgemeinen ist Sallust kein unrechter Mann."

„Das Mädchen, das ihm die Haushaltung führt, ist seine Nichte?"

Der Schreiber kniff die Augen zusammen. „Aha," rief er, „haben Sie das Tonchen auch schon bemerkt? Ein hübscher Käfer, nicht wahr? Leider so arm wie eine Kirchenmaus, da ihr Vater bei seinem plötzlichen Tode nichts als Schulden hinterließ und der reiche Onkel als erster Gläubiger die ganze Erbschaft an- trat."

Die Wirthin trat ein und rief den Schreiber hinaus.