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Freitag, den 12. März 1897.

24. Jahrgang

mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klumen".

Erscheint täglich Sonn- und Feiertage ausgenommen. - Vierteljährlicher Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Efennto Inserate kosten die einwaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender RabE ¥ 9'

Deutsches Kelch.

Berlin, 11. März.

* Das Kaiserpaar wird am 19. März einer Einladung des österreichisch - ungarischen Botschafters v. Szögyeny-Marich zur Tafel entsprechen.

* Die ,Mil. und Pol. Korr/ schreibt zur Fetzten Kode des Kaisers:

Aus der Umgebung des Kaisers verlautet, daß es großes Mißfallen erregt habe, wie über den Trinksvruch Seiner Majestät auf dem Brandenburgischen Provinzialland­tage Versionen hätten verbreitet werden können, die von dem durch das offiziöse Telegraphenbureau verbreiteten Wortlaut wesentlich abwichen. Gegenüber der hier zu Tage getretenen Indiskretion von Mitgliedern einer Tafelrunde, als deren Ehrengast der Kaiser erschienen war, dürfte sich der letztere in Zukunft wahrscheinlich veranlaßt fühlen, einer festlichen Veranstaltung wie dieser ■fein zu bleiben.

* Tie «eire Kandwerirer-Uorkage entspricht völlig dem, was seither darüber bekannt wurde. Der Handwerks-Ausschuß ist beseitigt, und das ist unseres Erachtens ein Vorzug, denn dieser Aus­schuß wäre gänzlich überflüssig gewesen. Zu billigen ist auch, daß den Handelskammern nicht nur be­gutachtende Aufgaben^ sondern auch Zwangsbefugnisse, namentlich in Bezug auf das Lehrlingswesen, über­tragen sind. Die Bestimmungen über die L e h r l i n g s - Prüfungen und die Berechtigung zur Führung des Meistertitels sollen nach dem preußischen Anträge angenommen sein. Die Hauptsache ist aber, daß eine Zwangs-Innung nur da gegründet werden soll, wo die Mehrheit des betreffenden Handwerkes sich dafür entscheidet. Und das ist leider völlig ungenügend. Wir zweifeln nicht, daß der Reichstag, insbesondere das Centrum, den ernsten Versuch machen wird, dieses Zwitterding zwischen Zwangs-Innung und freier Innung zu einer wirklich allgemeinen Organisation des Handwerks umzugestal- te«. Dem Reichstage wird die neue Handwerker-Vor­lage am 15. März zugehen. Gleich nach ihrem Er­scheinen wird der Vorstand des „Innungs-Verbandes deutscher Baugewerksmeister" seine Direktionen aus ganz Deutschland zusammenberufen, um zu der Vor­tage Stellung zu nehmen bezw. dem Reichstage Ab­änderungs-Vorschläge unterbreiten zu können.

* Der KnrrdesratH hat in der heutigen Sitzung den Ausschußanträgen zu dem Entwurf des Gesetzes betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung, sowie zu dem Entwurf des Gesetzes über das Aus­wanderungswesen die Zustimmung ertheilt. Dem Ausschußbericht über die Vorlage betreffend den Aus- lieferungsoertrag zwischen dem deutschen Reich und den Niederlanden und dem Ausschußbericht über die Berechnung der nach dem Reichshaushaltsetat für 1897,98 aufzubringenden Matrikularbeitrsge wurde gleichfalls die Zustimmung ertheilt.

□ Die KudgetKommissiou des Reichstags erledigte am Donnerstag die Etats des Bankwe-

Drr fatsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

------- (Nachdruck verboten.)

Er schloß sich dem Baumeister an, der ben Weg «ach dem Walde einschlug und sich ungefähr zwanzig Schritte vom Saume entfernt auf einem Rasen- bcinkchen niederließ, das um einen roh gezimmerten Tisch herum unter einer mächtigen Eiche neben dichtem Buschwerk angebracht war.- Das hübsche Plätzchen gewahrte einen prächtigen Ausblick zwischen den schlanken Buchen hindurch ins Thal.

„Ja, der leibhaftige Neffe!" fuhr Wilhelm hier fort, nachdem er sich auch gesetzt hatte. „Ich bin bereits auf Kundschaft gezogen und habe so manche recht interessante Sächlein gehört."

„Du zeigtest Dich doch nicht in der Stadt?" fiel ihm Adolf in's Wort.

„Warum nicht?" hielt Wilhelm gleichmüthig ent­gegen. „Es blieb mrr keine andere Wahl, wenn ich mir Aufschluß über das verschaffen wollte, was mir zu wissen nothwendig war. Du brauchst Dir übrigens keine Sorge zu machen. Ich wußte es so einzu­richten, daß mich Niemand beachtete, und wenn ich wieder komme, wird mein äußerer Mensch durch Deine Güte so verwandelt sein, daß mich keine Seele in dem Städtchen erkennt. Die Rodenbacher sind ja

sens und der Zölle und Verbrauchssteuern, sowie zwei Reste aus dem Eisenbahn- und Militär­etat: die Forderung für eine Hauptb ah n Busen- dorf-Dill ingen, die nunmehr genehmigt wurde, und eine 2. Rate von 3,120,000 M. zur Vermehrung der Reserven an Verpflegungsmitteln; auf An­trag Bachem ((Str.) wurden hierfür nur 1,120,000 M. bewilligt. Am Freitag wird die Berathung des Marineetats fortgesetzt.

* Eine_ Statistik iiöer die Ursache« der Anvakidität wird gegenwärtig im Reichsversicher­ungsamt bei den Personen, die in den Genuß der Invalidenrente eingetreten sind, angefertigt. Man hatte gehofft, sie schon im letztvergangenen Jahre zu vollenden. Wegen des Umfangs des vorliegenden Materials hat die Statistik indessen noch nicht zu Ende geführt werden können. Jedoch ist sie soweit gefördert, daß mit den Hauptzusammenstellungen be­gonnen werden konnte.

* Der Reichskanzler hat auf Grund fachver­ständiger Begutachtung die Kinfüstr««g von u«ge- geröten Kauten nnd Ietken aus den von dem Verbot betroffenen Gegenden gestattet, sofern zur Zeit der Abfahrt des Schiffes der Abgangshafen von der Pest noch nicht befallen war, die Waare im Hafenplatz selbst oder in dessen nächster Umgebung für den Schiffstransport hergerichtet und zu Ballen gepreßt worden ist und außerdem die Sendung in völlig luftrockenem Zustande ankommt. Der Nach-' weis, daß diese im Handelsverkehr mit dem Namen „Kipse" bezeichneten Häute und Felle im Abgangs­hafen für den Schiffstransport bearbeitet worden sind, und daß dieser Platz zur Zeit der Absahrt des Schiffes von der Pest noch verschont geblieben mar, ist durch Atteste zu erbringen, welche von dem zuständigen deutschen Konsul ausgestellt oder wenigstens be­glaubigt sein müssen. Nicht einbegriffen in diese Ver­günstigung sind die Sendungen, welche aus den von der Pest befallenen Häfen von Bombay, Kurachee, Hongkong, Kanton, Swatau, Amoy, Makao und der Insel Formosa stammen oder wegen sonstiger Um­stände besonders gefährlich erscheinen, lieber die aus­nahmsweise zu gestattende Zulassung von Herkünften dieser Art hat sich der Reichskanzler die Entscheidung im Einzelfalle vorbehalten.

* Eine Aörfe« I«1erpesta1ion ist, der ,Post' zufolge, im Abgeordnetenhause nicht zu er­warten. Doch wird die Börsenfrage bei dem Etat des Handelsministers zur Sprache kommen.

* Die freisinnige und die süddeutsche Uolks- partei haben im Reichstag einen Gesetzentwurf eingebracht, durch welchen die Offiziere hinsichtlich der Heranziehung zu den Gemeindeabgaben den Reichs­beamten gleichgestellt werden. Bisher genossen sie einen Vorzug vor diesen.

* Der Äbg. Ar. Lieöcr, welcher durch lieber« arbeitung erkrankt war, ist bereits soweit wiederher- geradezu verliebt in Dich. Man spricht allenthalben mit wahrer Begeisterung von Dir, und daß Du von dem halbverrückten Grafen seiner Zeit zum Erben einaesetzt werdest, ist unter den Leuten da unten eine so ausgemachte Sache, daß ich fast selber daran zu glauben anfing. Und siehe, das Alles habe eigentlich ich zu Stande gebracht. Hätten Dir nicht die glänzenden Zeugnisse zur Verfügung gestanden, dann hätte der Alte schwerlich so hohe Gnade geübt."

Adolf schaute eine Zeit lang stumm vor sich hin. „Das wäre Alles recht," nahm er endlich das Wort. „Ich habe mir selbst anfänglich ähnliche Hoffnungen gemacht. Seit vierundzwanzig Stunden aber weiß ich, daß der Graf mich nur an der Nase herum­führt. Ich darf ihm das neue Heim bauen und be­komme ohne Zweifel fpüter auch ein paar Thaler von ihm, aber vom Erben ist gar keine Rede — Graf Salmi hat einen Sohn!"

„Einen Sohn?"

„Ja, einen rechtmäßigen Sohn und Erben, für den bereits ein Testament gemacht ist. Ich will Dir volles Vertrauen schenken, Wilhelm," fuhr Adolf fort und rückte näher zu dem Freunde hin. „Wir Beide kennen einander und wissen, daß Keiner von uns dem Andern viel anhaben kann. Du kannst Dir denken, daß mir die genaue Auskundschaftung der Verhältnisse des Grafen als die wichtigste Aufgabe

gestellt, daß er der Sitzung der Budgetkommiffion beiwohnen konnte. Diese nimmt daher am Freitag die Berathung des Marineetats wieder auf.

* Die politische Lage wird nach der,Natio- nalliberalen Korrespondenz' in Rücksicht auf die Be­rathung des Marine-Etats als außerordentlich kritisch angesehen. Es besteht an maßgebender Stelle die Ueberzeugung, daß die Forderungen des Etats das gebotene Maß dessen darstellen, was im Interesse der, Erhaltung der Flotte gefordert werden müsse. Auf Seiten des Centrums, dessen Entscheid den Aus­schlag zu g 6 n hat, habe sich bisher noch keine Nei­gung bekundet, das geforderte Schlachtschiff oder die beiden Kreuzer anzunehmen.

* Krinnerurrgsmedaiiren wird der Kaiser dem Vernehmen nach gelegentlich der Jahrhundertfeier an sämmtliche Soldaten der Armee verteilen lassen.

* Im Februar sind 10,044,000 Doppelkronen ausgeprägt worden. Bis Ende Februar betrug die Gesammtausprägung an Goldmünzen 2,542,030,940 Mark Doppelkronen, 557,523,760 Mark Kronen, 27,967,925 halbe Kronen; davon sind wieder einge­zogen 1,671,100 Mark Doppelkronen, 3,781,180 Mark Kronen, 12,155 Mark halbe Kronen, bleiben 3,122,060,190 Mark Goldmünzen.

* Die Vereinigung der Städte Mache« nnd Kurtscheid ist von der Kommission des Abgeord­netenhauses mit 8 gegen 6 Stimmen genehmigt worden.

* Vom 16.-20. August ds. Js. wird zu Frei­burg in der Schweiz der IV. rnlernationake wissenschastNche Kathokikenkongretz ftattfinden. Die den Kongreß vorbereitenden umfangreichen Arbeiten, die seit mehr als zwei Jahren von einer ans Gelehrten der katholischen Schweiz gebildeten Organisations- Kommission geleitet werden, waren fast durchweg von Erfolg begleitet; in den meisten Staaten Europas, sowie in Amerika und in dem Orient konnten Komitts größeren oder kleineren Umfanges errichtet werden, denen die Aufgabe gestellt war, für die Gewinnung von wissenfchaftlichen Mitarbeitern und Mitgliedern Sorge zu tragen und überhaupt die gebildeten katho­lischen Kreise für diese Kongresse zu interesstren. Dank diesen Bemühungen können dem IV. Kongresse über 200 Abhandlungen von Gelehrten der verschiedensten Nationen vorgelegt werden, und es steht zu erwarten, daß eine große Anzahl hervorragender Männer der Wissenschaft, welche die katholische Kirche zu den ihrigen zählst sich zu fruchtbringendem Ideenaustausch in Freiburg zusammenfinden. Eine möglichst starke Betheiligung aller Katholiken, welche für das wissen­schaftliche Leben Interesse haben, bleibt wünschenswerth, da die bedeutenden Kosten, welche durch die Vor­bereitungsarbeiten und die Drucklegung der Abhand­lungen verursacht werden, aus den Beiträgen der Mitglieder gedeckt werden müssen.

erschien. Zu diesem Zwecke beobachtete ich ihn von der ersten Minute an. Ich wußte bald, wo er seine Schlüssel zu dem Sekretär und zu anderen Behält­nissen verwahrt, zu welchen Zeiten er auszugehen pflegt und wann er sich im Hause aufhält. Durch Wachsabdruck habe ich mir einen Schlüssel zu dem Hause verschafft. Gleichwohl wollte sich längere Zeit keine Gelegenheit zeigen, unbemerkt hineinzukommen. Gestern Morgen nun sah ich, wie die alte Margreth das Häuschen verließ und der Graf sich zu einer Beerdigung in das Städtchen begab. Jetzt ober nie, dachte ich; und wirklich gelang diesmal mein Plan. Ich kam ungesehen in's Haus. Ich befand mich bald im Besitze des nöthigen Schlüssels und schloß den Sekretär auf. Er ist mit allem möglichen Plun­der gefüllt, der für mich keinen Werth hat. Ich zog die verfchiedenen Fächer auf. Eine bedeutende Summe Geldes kam zum Vorschein, doch auch sie lerührte ich nicht. Wieder öffnete ich ein Fach. Da ah ich eine fein gearbeitete silberne Kapsel vor mir. Ich nahm sie heraus. Sie war verschlossen. Ich uchte nach dem Schlüssel, fand ihn jedoch nicht. Ich ühr mit der Hand über die getriebenen Flächen, drückte da und dort, als plötzlich der Deckel auf­prang. Im Innern lag ein mit fünf Siegeln ver- ehenes Kouvert von starkem Papier, auf dessen oberer Seite ich las: „Testament und 'Beglaubigung^«