Einzelbild herunterladen
 

57 Donnerstag, den 11. März 1897. 24. Jahrgang

HilldanMZkitialg

mit Untechattnngs-Keilnge „Sterne und Klnmen".____

„ ,, . , ... ... „ ,,„s ey„:.rtnn„ ni.anpnnmmen — Vierteliäbrlicber Abonne mentsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

taglrch^Sonw und^age^u^ « Reklamen die PetitzeL 25 Pf„ bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

K Die neuen Marinepläne,

die der Budgetkommission des Reichstags am Freitag in so überraschender Weise vom Staatssekretär Holl­mann enthüllt worden sind, lassen klar erkennen, wo­hin die Reise gehen soll, wie sehr sich nachher auch der Reichskanzler und der Schatzsekretär bemüht haben, jene Pläne als nichts anderes als nur die private Meinung des Herrn Hollmann hinzustellen. Fürst Hohenlohe hat ja auch dessen Pläne nicht an sich ver- worsen, sondern nur das Tempo und Masi ihrer Ausführung von den vorhandenen Geldmitteln ab­hängig gemacht. Das Ziel selbst, den Ausbau der deutschen Flotte zu einer Hochsee-Angriffsmacht, hat Fürst Hohenlohe thatsächlich auch als seine Ansicht anerkannt. Die Kartellparteien, denen sich wohl auch die Antisemiten und die Rickert'sche „freisinnige Ver­einigung" anschließen werden, haben sich im Allgemeinen auf den gleichen Standpunkt wie der Reichskanzler gestellt, und die Kartellpresse geht noch viel feuriger für die Flottenvermehrung in's Zeug und gibt bereits für den Fall, daß die Reichstagsmehrheit größere Kürzungen an den Marineforderungen vornimmt, den Ton an, der in dem Wahlkampfe, der dann vielleicht bald folgen wird, in den Hetzereien gegen die „klerikal- demokratifche" Opposition angestimmt werden soll. Feindschaft gegen die Marine, ja gegen die Anforderungen der nationalen Wehrkraft überhaupt wird ihr in diesem Falle vorgeworfen werden.

Daß auch das Centrum in den letzten Jahren sehr viel für die Marine bewilligt hat, so viel, daß seine Wähler darüber vielfacht recht erstaunt waren, wird verschwiegen, ebenso auch, daß das Centrum auch jetzt keineswegs darauf ausgeht, die Marine zu schwächen und ihren Vertheidigungswerth zu vermindern. Was das Centrum nicht zugibt und nicht zugeben kann, das ist lediglich eine solche Ausgestaltung un­serer Marine, daß sie auch zum Angriffskriege auf hoher See gegen Flotten, wie die französische oder gar wie die englische, und damit zu einer höchst ge­fährlichen W e l t p o l i t i k verwandt werden kann. Das ist aber das Ziel der Flottenschwärmer und auch das Ziel unserer Marinekreise und der maßgebendsten Stelle, des Kaisers.

Eine solche Politik kann das Centrum nicht mit­machen, nicht nur im Interesse der Steuerzahler, son­dern auch gerade um der Wehrfähigkeit unseres Vater­landes selbst willen. Denn es ist klar, daß das fort­währende Anwachsen unserer Reichsschuld, eine noth- wendige Folge der neuen Marinepläne, unsere im Kriegsfälle so unentbehrliche finanzielle Leistungsfähig­keit bedenklich schwächen würde, und daß die steigenden Ausgaben für die Marine — die 328'/- Millionen, welche Herr Hollmann fordert, beziehen sich auch nur auf die nächsten 4 Jahre — auf die Dauer zu einer Vernachläfsigung unserer Landmacht führen müfsen.

Eine große Seemacht und eine große Landmacht kann Deutschland nun einmal nicht gleichzeitig unter-

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno. , 10] ------ (Nachdruck verboten.)

Schirmer blickte ihm schweigend nach, bis die schmächtige Gestalt im Nebel verschwand. Dann wandte er sich plötzlich ab und schlug sich mit der Hand vor den Kopf. „Ein Schurke bin ich," knirschte er. „Ein nichtswürdiger Schurke", so spannen sich seine Ge­danken weiter, „der die Freundschaft eines so edlen Mannes gar nicht verdient. Er ist ohne Falsch und Hintergedanken, lauter Liebe und Güte, weniger für sich als für den Nächsten besorgt — und ich? — Ein elender Heuchler, der die Wohlthaten des groß- müthigen Freundes mit Falschheit und Lüge vergilt. Ich weiß wohl, was er unter dem Glück der Kinder versteht. Edgar und Antonie! Er hat Recht. Durch die Verbindung dieser Beiden würde der unglückselige Zwiespalt vermieden, der uns des Lebens nicht froh werden ließ. Ob ihm aber sein Vorhaben gelingt, das ist eine andere Frage. Ich hoffe und glaube nichts mehr. Die Schlange hat mein Herz zu tief verwundet und frißt heute noch daran. Heinrich war von Jugend auf ein schlechter und boshafter Mensch, und doch ist ihm Alles geglückt. Er sitzt als Herr in dem schönen Heim, das der gute Theodor sich im

halten. Es ist aber doch selbstverständlich, daß wir dann der Landmacht den Vorzug geben müssen, denn diese und nicht die Seemacht wird in einem Ver- theidigungskriege entscheidend sein; Angriffskriege aber können und dürfen wir nicht führen. Das würde der so oft auch vom gegenwärtigen Kaiser feierlich ver­kündeten Absicht, der Hort des europäischen Friedens zu sein, schnurstracks widersprechen. Dazu käme die gewaltige Steigerung der Unzufriedenheit des Volkes, das an seinen Lasten wahrlich genug" zu tragen hat, und die Zeit ist sicherlich so ernst, daß Alles ver­mieden werden muß, was diese Unzufriedenheit ver­mehren und diejenigen Parteien, die sich dem un­sinnigen Anwachsen des Marineetats nicht widersetzen und dabei doch auch sonst von der Regierung nicht entbehrt werden können, zu Gunsten der radikalsten Bestrebungen, namentlich der. Sozialdemokratie bei den Wahlen in verhängnißvollem Maße schwächen müßte.

Aber gegen alle diese Erwägungen einer be­sonnenen und wahrhaft staatserhaltenden Politik scheint man in gewissen Kreisen taub geworden zu sein; kein Wunder, daß die Sozialdemokraten immer zuversichtlicher werden, während alle ehrlichen Freunde von Gesetz und Verfassung, der Ordnung und Sicher­heit des Vaterlandes mit verstärkter Sorge in die Zukunft blicken!

Deutsches Ne!ch.

Berlin, 10. März.

* Das Kaiserpaar begab sich gestern Vormittag anläßlich des Sterbetages Kaiser Wilhelms I. nach dem Mausoleum in Charlottenburg und legte am Grabe des Verewigten einen Kranz nieder. Auch die Kaiserin Friedrich, die Großherzogin von Baden, der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin von Baden, sowie verschiedene Offizierkorps hatten Kränze nieder­gelegt. Um Mittag wurde zum Andenken an Kaiser ZVilhelm I. die große Glocke der Kaiser Wilhelm- Gedächtnißkirche geläutet.

ft Der frühere Kriegsminister v. Aronsart von Schelkendorf hat sich, der,Post' zufolge, bereit erklärt, bei den nächsten Reichstagswahlen ein ihm für den mecklenburgischen Wahlkreis Güstrow vom „Bund der Landwirthe" (!) angeborenes Mandat unter gewissen Voraussetzungen anzunehmen. Eine Ent­scheidung sei indeß noch nicht gefallen.

* Der Iinanzminister hat die Steuerbehörden angewiesen," auf folche Beschwerden gegen die Steuereinschätzungen, deren Erledigung nicht innerhalb etwa 6 Wochen möglich ist, einen kurzen Vorbescheid zu geben, der die Gründe für eine solche Verzögerung angibt.

* Eine fünfte Marinetafet des Kaisers ist zu den im Kuppelraum der Wandelhalle des Reichs­tags aufgestellten vier früheren noch gekommen, die eine Darstellung der russischen Panzerschiffe und Schweiße seines Angesichtes, durch Entbehrungen und Kämpfe erwarb, und die Kinder müsfen es ihm noch danken, wenn er ihnen das Gnadenbrod gibt. Er hat sich wie der böse Feind an meine Fersen gehängt, seine Bosheiten trieben mein armes Weib in den Tod — und diesem Menschen soll ich nachgeben, soll den Fuß küssen, der mir mit übermüthigem Hohngelächter die Tritte versetzt! Nein, das thue ich nicht, und wenn die ganze Welt untergeht."

Er durchmaß mehrmals hastig das Zimmer. Dann überlegte er weiter:

„Malang hat mir einen Weg gezeigt, auf dem ich mich, wenn sich je mein Verdacht gegen Isidor und Sallust bestätigen sollte, von den beiden Schuften frei machen kann. Das Hamburger Haus, dessen Vertreter der Sekretär ist, will mir die ganze Summe, deren ich benöthigt bin, gegen Ratenzahlung in einem Posten vorstrecken! Die Bedingungen sind nicht einmal drückend, aber die Raten freilich sehr hoch. Und dann das Accept jedesmal auf einen Jahreswechsel, der natürlich am Verfalltag eingelöst werden muß! Wenn ich die Rate nicht rechtzeitig zusammenbringe, was dann? Der Wechsel werde in diesem Falle auf die koulanteste Weise verlängert werden, erklärte mir Malang freilich, aber ich traue der Sache nur halb. Der Schreiber ist ein Fuchs, von dem schon manches

Kreuzer enthält, die seit 1893 gebaut oder im Bau begriffen sind.

* Im AögeordnetenHaufe führt auf etwa acht Tage jetzt Vicepräsident Frhr. v. Heereman das Präsidium, weil sich Präsident v. Köller zur Theil- nahme am pommerschen Provinziallandtage nach Stettin begeben hat.

* Der auf Grund neu aufgestellter Normen im Kultusministerium ausgearbeitete Kittnmrf einer Arzneitaxe ist nunmehr veröffentlicht. Die wesent­lichste Neuerung ist, daß die Arbeitspreise zum Theil erhöht, die Arzneimittelpreise entsprechend herabgesetzt und die Preise der Gefäße nach dem Einkaufspreise mit geringem Aufschlag für Bruch berechnet worden sind. Eine wesentliche Herabsetzung der Arzneitaxe hat, wie der Entwurf betont, nach der derzeitigen finanziellen Lage der Apotheken-Besitzer ohne Schädi­gung einer großen Anzahl derselben nicht erfolgen können; eine solche Herabsetzung werde vielleicht später mög'ich werden.

'* Die Ressortminister haben entschieden, daß die Beschäftigung von Gerichtsreferendareu bei den König!. Regierungen'vor ihrer Annahme als Regie­rungsreferendare, auch wenn diese Beschäftigung auf ihren demnächstigen Vorbereitungsdienst nicht ange­rechnet werden soll, nicht gestattet werden soll.

* Dem .Reichsanzeiger' zufolge wird auch durch die für 1896 festgesetzte Dividende der Weichsvank mit 7,50'M. eine Restzahlung von 120 Mk. pro Divi­dendenschein ab 10. März erfolgen.

* Die deutsche überseeische Auswanderung betrug im Jahre 1896 32,152 Personen gegen 37,498 im s^ahre 1895. Davon wurden befördert: über Bremen 12,548, Hamburg 12,324, andere deutsche Häfen (meist Stettin) 399, Antwerpen 5199, Rotter­dam und Amsterdam 1144, über französische Häfen 38. Von der Gefammtzahl der Auswanderer gingen nach den Vereinigten Staaten 27,360, nach Britisch- Nordamerika 634, nach Brasilien 986, nach anderen Theilen von Amerika 1470, nach Afrika 1346, nach Asien 144 und nach Australien 174. Seit dem Jahre 1871 bis einschließlich 1896 sind insgesammt 2,403,110 Personen aus Deutschland ausgewandert, eine ungeheure Zahl. Seit dem Jahre 1879 ist die Zahl des Jahres 1896 die bei weitem niedrigste, die höchste Zahl weist das Jahr 1880 mit 220,902 Auswandern auf.

* Die Gröprmzkich Weining'schen Kerr- schaften werden sich voraussichtlich schon am 20. d. M. auf einige Tage nach Berlin begeben, um der Feier des hundertsten Geburtstages Kaiser Wilhelms I. beizuwohnen.

* Der ,Reichsanz.' schreibt: „Die Zahl der mt Reichsamte des Innern eingehenden Gesuche um Eintrittskarten zur Feier der Enthüllung des Nation al denkm als für den Hochsel. Kaiser Wil­helm den Großen wächst von Tag zu Tag. Heber die zur Verfügung stehenden Plätze ist bereits verfügt, so daß derartige Gesuche um Eintrittskarten eine Berück-

Hühnchen gerupft worden ist. Ich will mir die L>ache überlegen. ' Zu einer bindenden Entscheidung ist es noch immer Zeit." ,

Er begab sich in die Mühle, wo er über anderen Geschäften die peinlichen Eindrücke der letzten Stunden vorläufig vergaß.

Die Warnung, die Edgar von dem Grafen Salmi über fein Verhalten gegenüber Adolf Seeburg ertheilt worden war, wäre nicht nothwendig gewesen. Gleich bei der ersten langem Unterhaltung der jungen Leute trat eine unverkennbare gegenseitige Zurückhaltung zu Tage. , „ ' .

Heber diese Thatsache befand der alte Herr, der als Dritter den unbetheiligten Zeugen gespielt hatte, sich durchaus nicht im Zweifel, obgleich Adolf mit weltmännischer Gewandtheit seine Empfindungen zu beherrfchen verstand. Salmi schien jedoch damit nicht unzufrieden zu fein. Der Ausdruck einer heimlichen Genugthuung lag vielmehr auf seinem Gesichte. Er knüpfte aber an seine Wahrnehmung nicht die geringste Bemerkung und gab sich überhaupt den Anschein, als bekümmere er sich um das Verhältniß der Beiden zu einander gar nicht.

Edgar wußte eigentlich nicht, warum durch das Wesen Adolfs ein fo unangenehmer Eindruck auf ihn