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Mittwoch, den 10. März 1897.

24. Jahrgang

uldaer

citiing

mit Unterhaltung» Beilage „Sterne und Klnmeu".

Erscheint täglich Sonn- und Feiertage ausgenommen. - Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Wennia Zierate kosien die em,paltige Garmondzeile oder deren Raum In Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt W 3'

diesjährige« Generalversammlnng der Katholiken Deutschlands

schreibt ein hervorragender Gesinnungs- und Partei­genosse vom Mittelrhein, der an den bezüglichen Ver­handlungen theilgenommen hat, dem /Aachener Volksfr.' das Nachstehende:

Ueber die Vorbereitungen zur diesjährigen Katho­likenversammlung kann ich Ihnen Folgendes mittheilen: Es sollte ein Crt gewählt werden, 'mit welchem sich die geplante Canisiuswallfahrt leicht in Ver­bindung bringen ließe. Deshalb wurden der Reihe nach in Aussicht genommen: Freiburg i. B., Konstanz, Augtb.irg, Ulm und Ravensburg. Ueberall ergaben sich gegen die Abhaltung der Generalversammlung daselbst Schwierigkeiten, so daß man zuletzt den Plan, die Versammlung in der herkömmlichen Weise tagen zu lassen, für dieses Jahr fallen ließ. Obwohl die Verhandlungen zur Zeit noch nicht abgeschlossen sind, tvird der heurige Katholikentag nunmehr voraussicht­lich in modifizirter Form stattfindeu. Maßgebend dabei ist die Wallfahrt nach der Gedenkstadt des großen Jesuiten Canisius: Fr e i b u r g in der S ch w e i z, deren Termin durch die Rücksicht auf den dies­jährigen, dort stattfindenden Gelehrtenkongreß und auf die von verschiedenen Seiten her angesagten Pilgerzüge ^bestimmt werden wird. Vorläufig sind die letzten Tage des August und die ersten September- tage ssür die Abhaltung des Katholikentages ins Auge

Um einer Ueberfüllung des nicht großen Städtchens (ca. 12,000 Einwohner) und dem leicht eintretenden Wohnungsmangel vorzubeugen, kann nur eine Zeit gewählt werden, wo Zuzüge aus anderen Gegenden dorthin nicht zu erwarten find. Die Vorbereitungen, weiche in den besten Händen liegen, werden mit Eifer betrieben. Vorbehaltlich der definitiven Fest­stellung des Programms würden sich die Wallfahrer am 3 0. August zu Freiburg im Breisgau zu­sammenfinden und zugleich dort die erste öffentliche Versammlung halten. Am Dienstag, den 31. August, würden dann die Pilger mit einem Extrazug die Fahrt über Basel, Bern und dann nach Freiburg in der Schweiz antreten. Dort wird am Grabe des seligen^ Canisius, der Bayern und andere Länder im 16. Jahrhundert davor bewahrt hat, dem Pro­testantismus zu verfallen, ein Festgottesdienst mit gemeinschaftlicher Kommunion stattfinden. Auch sollen im Verlaufe des l. und 2. September öffentliche, große^ Versammlungen daselbst gehalten werden. Am /Freitag, den 3. Sept., soll die Rückkehr erfolgen.

Der „Canisiusverein" hat sich in Uebereinstim- mung mit dem Kommisfar der Generalversainmlung der deutschen Katholiken, dem Fürsten Karl zu Löwenstein, als vorbereitendes Komitee kon- jtituirt; ein anderes Komitee im badischen und eines im schweizerischen Freiburg nehmen die dortigen Ge­schäfte wahr. Zur Bequemlichkeit der Wallfahrer wird ein Pilgerführer vorbereitet, welcher alles Wissens- werthe enthalten wird.

Hoffen wir nun, daß der Plan der ganzen Ver­anstaltung,^ welche in herrlicher Ehrung Gottes und seines großen Dieners und höchst erfolgreichen Vor­kämpfers, des sel. Canisius, das katholische Deutsch­land und die katholische Schweiz wieder einmal einander näher bringen wird, bei unseren Glaubens­genossen in Deutschland alsbald Anklang und rasche und einträchtige Förderung finden wird.

Uekrr den Namenswechsel der MMe.

Ueber den Namenswechsel, den die Päpste bei ihrer Erhebung auf den Stuhl Petri vornehmen, bringt die ,D. Reichsztg/ folgende Zusammenstellung. Bis zur zwecken Hälfte des 10. Jahrhunderts hat ein solcher Namenswechsel gar nicht stattgefunden. Erst Oktavian, aus dem Geschlechte des Grafen von Tus­culum, der 956 zum Papst erkoren wurde, nannte sich Johann XII., vermuthlich aus Verehrung für seinen Oheim, Johann XL, der von 931—936 regiert hatte. Die 14 folgenden Päpste jedcch behielten wieder

ihre Taufnamen bei, bis im Jahre 1009 ein Römer- Namens Petrus gewählt war, der „ob leverentiam Apoatobci culminU,“ wie der Kardinal Baronius schreibt, sich Sergius nannte. Nach ihm haben nur noch zwei Päpste ihre Taufnamen beibehalten, nämlich Hadrian VI. (1522) und Marcellus 11.(1555). Das Papstverzeichniß enthält im Ganzen 80 verschiedene Namen, von denen die folgenden 45 nur einmal vor­kommen: Petrus, Linus, Cletus, Anaclet, Evaristus, Telesphorus, Hyginus, Anicet, Sother, Eleutherius, Zephyrin, Pontian, Anteros, Fabian, Cornelius, Dionysios, Eutychian, Cajus, Marcellin, Eusebius, Melchiades, Marcus, Symmachus, Hormisdas, Sil- verius, Sabinian, Severin, Vitalian, Domnus, Agathon, Conon, Sisinnius, Constantin, Zacharias, Formosus, Romanus, Christophorus, Landnius und Valentin. Dagegen kehren die Namen Agapet, Damasus, Gelasius, Marcellus, Marinus, Paschalls, Pelagius, Sylvester und Theodor je 2 mal, Calixt, Julius, Lucius und Victor je 3 mal, Anastasius, Eugen, Felix, Honorius und Sergius je 4 mal, Cölestin, Martin, Nicolaus, Paul und Sixtus je 5 mal, Hadrian 6 mal, Alexander und Urban je 8 mal, Bonifaz und Pius je 9 mal, Stephan 10 mal, Jnnocenz und Leo je 13 mal, Benedikt und Clemens je 14 mal, Gregor 16 mal und Johann 23 mal wieder. Die 56 ersten Päpste bis Felix IV., der von 526—530 regierte, werden von der Kirche als Heilige verehrt. Von ihnen starben 32 als Märtyrer. Auch der 59. und der 60. Papst, Agapet und Silverius, sind heilig gesprochen, Letzterer (t 538) als Märtyrer. Der 66. Papst, Gregor der Große(P 604), der 69., Bonifaz IV., der 7O.,Adeodat I. Cf 619), der 76., Martin I., der 77., Eugen I., der 78., Vitalian (j 672), der 81., Agathon, der 82., Leo II., der 83., Benedikt II. und der 86., Sergius I. (t 701), werden als Heilige verehrt. Ebenso im 8. Jahrhundert Gregor II. und III, Zacharias, Stephan II. und Paul I.; im 9. Leo TI., Stephan V., Paschalls I., Leo IV., Nicolaus I. und Hadrian III.; im 11. Jahrhundert Leo X. (Deutscher) und Gregor Vll l.; im 13. Cölestin V.; im 16. Pius V„ der letzte heilig gesprochene Papst. Gegen Ende des 11. Jahr­hunderts begegnen wir den Päpsten Victor III. und Urban II., die als Selige verehrt werden, ebenso wie Eugen III. (f 1153), Gregor X. (P 1276), Benedikt XI. (f 1304) und Urban V. (f 1370). Unter den Päpsten des 17. Jahrhunderts befindet sich Jnnocenz XI., aus der Familie Odescalchi, welcher ehrwürdig erklärt ist.

Uermischtes.

* Der Verban dder katholischen Stndentenvereine Deutschlands knicht farbentragenden» zählt nach dem kürzlich erschienenen Jahrbuche in 28 Vereinen neben etwa 150Ehren- Mitgliedern 3424 alte Herren und 1154 Aktive. Von den Akliven studiren 293 Theologie, 238 Rechtswissenschaft, 293 Medizin, 129 Philologie, 47 Mathematik und Naturwissen­schaft, 154 die verschiedenen technischen Fächer. Im Phili- sterium ist die theologische Fakultät vertreten durch 3 Bischöfe, 517 Domkapitulare, Religionslehrer und Pfarrer, 627Kapläne und 61 Ordensgeistliche; die juristische Fakultät weist 78 Geh. Regierungsräthe, Regierungsräthe, Landräthe, Oberbürger­meister rc., 118 Richter, 4 Staatsanwälte, 14t) Rechtsanwälte und Notare, 85 Assessoren und 186 Referendare auf. Aerzte zählt der Verband 652; Apotheker und Chemiker 75. Der Lehrthätigkeit widmen sich 45 Professoren an Hochschulen, 8 Privatdozenten, 29 Direktoren höherer Lehranstalten und 397 Oberlehrer rc. Die technischen Berufe sind vertreten durch 80 Bauräthe, Bauinspektoren und Regierungs-Baumeister, 31 Regierungs-Bauführer und 90 sonstige Techniker. Weiter zählt der Verband noch 16 Redakteure, 26 Industrielle, 88 Privatbeamte rc. Das Philistertum ist organisirt in 87 Philister- Vereinigungen. Die im Kommissions-Verlage von I. P. Bachem in Köln erscheinende offizielle Zeitschrift des Ver­bandes: Akademische Monatsblätter', hat eine Auflage von 5000 erreicht. Das im Auftrage des Verbandes von Dr. Reifert redigirte und im H erd er 'schen Verlage bereits in 7. Auflage erschienene Deutsche Kommersbuch hat allerseits eine glänzende Beurtheilung gefunden. Der Verband weist in jeder Beziehung einen bedeutenden dauernden Aufschwung auf.

* Für eine weitere Ausschmückung des Mcichstags- hauses sind gegenwärtig hervorragende künstlerische Kreise thätig. Die Südvorhalle, wo sich der Eingang für die Ab­geordneten' befindet, erhält die Standbilder von acht deutschen Kaisern. Meister Wallot hat bei diesem Plan an die alten Figuren der Innsbrucker Hofkirche gedacht. Gewählt find folgende Kaiser: Karl der Große, den Peter Breuer darstellen wird. Sodann von den sächsischen Kaisern Heinrich L, der Vogelsteller und Städteerbnuer, dessen Modell der zur Zeit in Italien verweilende Bildhauer Prof. Brütt schon vollendet hat, ferner Otto der Große, den Maison- München ausführen wird. Von den Herrschern aus dem fränkischen Hause ist Heinrich III. ausersehen, mit dessen zu frühem Tode" (1056) die Hoffnungen auf Deutschlands Macht

und Größe ins Grab sanken. Diese kraftvolle Gestalt hat Prof. Ludwig Manzel in strenger Auffasfung verkörpert; der Künstler arbeitet augenblicklich an dem großen Modell Reben diese reckenhafte Erscheinung, die in der Rechten die Stand irte in der Linken das Schwert hält, wird der Hohenstaufenkaiser Friedrich Barbarossa treten, dessen sagenumwobene Gestalt Prof. Max Baumbach in schlichter Ruhe mit träumerisch sinnenden Zügen dargestellt hat. Bildhauer August Vogel arbeitet an der Figur des ritterlichen Rudolf von Habsburg, die sehr echt zu werden verspricht. Aus der Reihe der Luxemburger ist Karl IV. dem Bildhauer Prof. Rob. Tiez- Dresden zur Ausführung übertragen. Die Standbilder schließen ab mit Marimilian I.; Prof. Widemann hat diesen „letzten Ritter" verkörpert. Der Kaiser hält in den Händen Turmerlanze und Stechhelm; fein Haupt mit dem herab- wallenden Haar schmückt ein Lorberkranz als Siegespreis vom Turnier; um den Panzer legt sich die schwere Ordeus- kette vom goldenen Vließ, das Kettenhemd ist verdeckt von der mit Edelsteinen besetzten Brokatschaube. Die Figuren werden in einer Größe von je 2,40 Metern ausgeführt und nach dem Verfahren der Wachsausschmelzung in 'Bronce ge­gossen; sie werden auf niedrige Sandsteinsockel gestellt. Ihren Platz in der Vorhalle erhalten sie vor den Pilastern unter den Säulen. Bis der Bronceguß vollendet ist, sollen vorläufig die Gipsmodelle aufgestellt werden, lieber die Ausführung der Kaiser Wilhelm-Statue (auf dem Schlußstein der Wandelhalle) ist eine Entscheidung noch nicht getroffen. Wie die ,Korr. für Kunst und Wissenschaft' er­fährt, gedenkt der Kaiser die Entwürse noch zu sehen. Außer Prof. Otto Lessing und Maison sind die Herren Ludwig Manzel, Adolf Brütt und Robert Diez an der engeren Kon­kurrenz betheiligt.

* Ein Lievringsptzokograph von Monarchen ist bei Londoner Mr. Ruffel, der sich rühmen darf, fast alle ge­krönten Häupter Europas vor seinem Objektiv gehabt zu haben und der sich der besonderen Gönnerschaft der Königin Viktoria erfreut. „Tie Königin" — fo erzählt Mr. Ruffel selbst im „Windsor-Magazine" — „ist eine große Freundin unserer Kunst. In ihren Schlössern befindet sich eine ganze Anzahl von photographischen Apparaten, die zu meiner Ver­fügung stehen, sobald ich zu Ihrer Majestät berufen werde." Wir hören auch, daß die Kaiserin von Indien das Muster einer Photographen-Klientin ist. Sie fügt sich willig jeder ihr auferlegten Pose und gewährt gerne das traditionelle „freundliche Gesicht." Sie liebt jedoch die Abwechselung auf den verschiedenen Photographien und so erscheint sie bald in einer Haube, bald im Hut, bald ohne Kopfbedeckung vor dem Apparat. Auch ihre Töchter scheinen ihre Vorliebe geerbt zu haben, mit Ausnahme der Marquise of gerne, die Mr. Ruffel als eine „Photographophobin" bezeichnet. Als der Marquis, ihr Gatte, zum Vizekönig in Kanada ernannt wurde, mußte sie sich für ihre neuen Unterttjanen noth- gebrungen photographiren lassen; feit ihrem Wiedereintritte in das Privatleben hat sie jedoch jede Verbindung mit den Jüngern Dagnerres abgebrochen. Ganz anders der Prinz von Wales. In Koburg-Gotha, anläßlich der Vermählung des jetzigen Zaren, war es der Prinz, der sich, entgegen der scharfen Opposition des an Etikette hängenden kreiherrlichen Hofmarschalls, für die Zulassung des Photographen zu einer garden-parfy einsetzte. Es gelang ihm jedoch nur, so viel zu erreichen, daß der Photograph in einer nahen Wirthschaft warten durfte, bis die „Berufung" kam. Rach langem Harren erfdjien endlich der Bote, und Mr. Ruffel war es nun ver­gönnt, die hohen Fürstlichkeiten einzeln und in Gruppen auf­zunehmen. „Ihr Photographenhunger scheint noch nicht ge­stillt zu sein," bemerkte der englische Thronfolger nach Schluß der Aufnahmen. „Hoheit," erwiderte der Photograph, dessen suchender Blick bent jovialen Prinzen nicht entgangen mar, „ich vermisse leibet noch Se. Majestät Kaiser Wilhelm II." „Da kann Ihnen geholfen werden." Und mit lauter Stimme rief der Prinz in den Garten hinaus: ,-Heda! Kaiser Wil­helm II. wird verlangt. Wo ist er?" Der Kaiser erschien auf der Bildfläche und fügte sich willig den Wünschen des Photographen, der ihm schon seit längerer.Zeit bekannt war. Als der Kaiser später erfuhr, daß der Photograph in Berlin angelangt sei, berief er ihn telegraphisch nach Potsdam, wo er eine Reihe von Aufnahmen — in verschiedenen Uniformen — zu machen hatte. Mr. Ruffel bemerkt, daß der deutsche Kaiser beim Photographiren heroische Stellungen vorzieht, während die anderen Potentaten sich des denkbar simpelsten Bourgeois-Auftretens befleißigen und mit Vorliebe mit — einem Regenschirm vor das Objektiv treten. Auch der König von Rumänien ließ sich in Koburg im schlichten bürgerlichen Aufzug mit Regenschirm photographiren. Am schlechtesten kommt bei Mr. Ruffel der persische Schah weg, der das Photographiren nur mit Widerwillen über sich ergehen läßt, „als würde ihm ein Zahn gezogen." Mr. Ruffel hat auch geschworen, nie mehr einen muselmanischen Potentaten auf­zunehmen._________

Literarisches.

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