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24. Jahrgang

Mittwoch, den 10. März 1897.

illdaerMZcitmig

mit Unterhaltungs-Kettagr „Sterne und Klumen".

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(*) Der neue Flottenplan in der Budgetkommission.

In der Budgetkommission des Reichstags wurde am Montag die Berathung des Marineetats fort­gesetzt. Der Reichskanzler Fürst v. Hohenlohe war bereits vor Beginn der Sitzung erschienen.

Der Referent Dr. Lieber führte aus: Die neu­lichen Mittheilungen des Admiral Hollmann haben mit Recht großes Erstaunen hervorgerufen; nach den Darlegungen der Regierung im vorigen Jahre war man auf Derartiges nicht gefaßt. Völlig neu sei die Forderung der neuesten Denkschrift nach einem schnelleren Tempo. Der Flottengründungsplan vom Jahre 1873 sei vom Reichstage formell niemals ge­nehmigt oder angenommen worden. Dem Flotten­plan von 1873 seien später andere gefolgt, welche keineswegs als Konsequenzen des ersten Planes an­zusehen sind. Die Marineverwaltung habe in ganz merkwürdiger Weise ihren Standpunkt geändert, bald verlange sie neue Kreuzer, bald Torpedos, bald Hoch­seepanzer. Was früher versprochen worden, habe die Regierung nicht gehalten. Früher habe man immer nur die Nothwendigkeit der Küstenvertheidigung betont, jetzt komme man mit ganz anderen Projekten, spreche von einem Hochseekrieg. Man müsse aber doch an die Grenzen der Steuerkrast denken und dürfe das Volk nicht allzusehr belasten.

Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe gab folgende Erklärung ab: Im Anschluß an die Verhandlungen der Budgetkommisfion in ihrer Sitzung vom 5. ds. und mit Bezug auf das vom Herrn Staatsfekretär des Reichsmarineamts den Mitgliedern, der Kommission in jener Sitzung übergebene Schriftstück habe ich zu erklären, daß Letzteres weder eine neue Regierungs­vorlage noch eine Denkschrift zum vorliegenden Etats­entwurf, wie dasjenige über den Flottengründungsplan vom Jahre 1873, darstellen soll; vielmehr trägt jenes Schriftstück einen lediglich informatorischen Charakter. Dasselbe hat zunächst den Zweck, den rechnungsmäßigen Schiffsbestand der kaiserlichen Marine nach dem Flottengründungsplane von 1873 und feine vom Reichstage zugestandenen Ergänzungen nachzuweisen gegenüber dem gegenwärtigen thatsächlichen Schiffs- bestande. Ferner soll damit der Nachweis erbracht werden, welche Mittel für den Zeitabschnitt in An­spruch zu nehmen seien, der zur Vollendung der im vorliegenden Etatentwurf beantragten Schiffsneubauten erforderlich ist. Endlich sind auch noch entsprechende Ratenforderungen für die Schiffsneubauten mitgetheilt, die in Angriff zu nehmen sind, falls unsere Marine durch rechtzeitige und zeitgemäße Ersatzbauten

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

9] ------ (Nachdruck verboten.)

Salmi richtete seine Augen auf Schirmer, als wollte er ihm auf den Grund der Seele hinabschauen. Die erhaltene Antwort befriedigte ihn offenbar nicht. Gleichwohl sprach er seinen Argwohn nicht aus. Er zog den Müller neben sich auf die Bank. „Georg!" sagte er und schaute dem Nachbar mit aufrichtigem Wohlwohlen in das erregte Gesicht. „Georg, es kommt mir feit einiger Zeit vor, als werdest Du von einer geheimen Sorge bedrückt. Ich schrieb Deine schlechte Stimmung bisher dem ungünstigen Erfolge des Prozesses gegen Sallust zu, aber der Grund scheint ein anderer zu sein. Warum bist Du nicht offen und wahr gegen mich? Warum verhehlst Du es, wenn Dich der Schuh irgendwo drückt? Du weißt doch, daß ich Dein wahrer Freund bin, der Dich, es mag fehlen, wo es will, nicht stecken läßt. Ich will ja glauben, daß der bucklige Schreiber nur Lotterieloose bei Dir zu ver­kaufen gesucht hat; aber es heißt, auch der Agent Isidor Schnell verkehre häufig mit Dir. Durch diesen Mann aber wurde, so viel ich weiß, in ein Haus noch selten Segen gebracht."

Schirmer biß sich auf die Lippen. „Der kommt

auf voller technischer Höhe erhalten werden soll. Auch meinerseits halte ich es für eine unabweisbare Auf­gabe des Reiches, nach Maßgabe der in jenem Schrift­stück enthaltenen thatsächlichen Angaben eine den Be- dürfniffen der Landesvertheidigung, den Anforderungen des auswärtigen Dienstes und dem Schutze des deutschen Handels genügende Flotte zu schaffen und zu erhalten. Zur Verwirklichung können jene Forderungen des Reichsmarineamts nur durch die etatsmäßige Zu­stimmung der verbündeten Regierungen und des Reichs­tages gelangen. Wann und in welchem Umfange diese Zustimmung nachgesucht und ertheilt wird, muß sich selbstverständlich nach der gesummten Finanzlage, d. h. einerseits nach den zur Verfügung stehenden Einnahmen, andrerseits nach dem Ausgabenbedarf auch der übrigen Ressorts richten."

Staatssekretär Admiral H o l l m a n n: Die Nieder­schrift, die am Freitag überreicht worden fei, habe lediglich eine Grundlage bilden sollen für seine Aus­führungen. Er habe das beste Gewissen, und habe Niemand hinter das Licht führen wollen. Es handle sich nicht um neue Pläne. Wenn kein Ersatz für Veraltetes und Unbrauchbares bewilligt werde, müßte die Flotte versanden und schließlich ganz von selbst aushören zu existiren. Von uferlosen Flottenplänen könne doch keine Rede sein, da man die Flotte über­haupt erst auf den Standpunkt bringen müsse, auf den sie gehöre. Den Flottenplan von 1873 habe er nur als Norm angenommen. Redner betont wiederum, daß die Marine im Ernstfall ihre Schuldigkeit thun werde, aber der Reichstag dürfe sie auch nicht im Stich lassen. Die fortschreitende Technik lege aller­dings große Opfer auf, das könne die Verwaltung nicht ändern, so unbequem die.fortwährenden Ver­änderungen ihr selbst seien. Wenn es zur Seeschlacht käme, und die würde im nächsten Kriege unvermeid­lich sein, so könne er dafür bürgen, daß unser Per­sonal durchaus bestehen würde. Doch anders stehe es leider zur Zeit mit unserem Material.

Abg. Richter: In Bezug auf die Küstenver­theidigung stehe Admiral Hollmann auf anderem Standpunkt als am Freitag und feine heutigen Aus­führungen stehen in direktem Widerspruch mit der Denkschrift von 1873, auf die er sich wiederholt be­rufen. Die Nothwendigkeit der Panzerschiffe wolle er nicht bestreiten. Aber seit 1890 habe Deutschland 164 Kriegsschiffe gebaut, Oesterreich und Italien nur 100; Rußland sei seit 1889 von uns getrieben. Dabei sei allerdings nur mit der Ostseeflotte zu rechnen. Mit den 328 Millionen bis 1901 sei die Sache nicht abgethan. Die „uferlosen Flottenpläne" würden auf Grund der Denkschrift erst nach dem Jahre 1901 kommen. Es sei unerhört, daß man die neuen Forderungen auf diese Denkschrift von 1873 zu gründen wage. Nach den Erklärungen des Abg. Dr. Lieber sei aktenmäßig festgestellt, daß man im Jahre 1895 nur an den Ersatzbau für „Kaiser Wilhelm" bis 1900 gedacht habe, und die Regierung

eben ungerufen wie alle Leute seines Schlages," brummte er, „und hinauswerfen kann ich ihn nicht. Ueberdies ist er ein geriebener Geschäftsmann, der mir schon zu manchem einträglichen Handel verhalf."

Salmi schaute dem Müller abermals fest in's Gesicht. Er bemerkte dessen finstern Trotz und wußte aus Erfahrung, daß sein wohlwollendes Entgegen­kommen bei dieser Stimmung Schirmer's ein vergeb­liches war. Das Gefühl einer schmerzlichen Ent­täuschung drückte sich in seinem Mienenspiele aus. Wie um die unangenehmen Gedanken wegzuwischen, fuhr er sich über die Stirn.

„Es soll mich freuen," fuhr er dann fort, „wenn sich alles so verhält, wie Du sagst; ich kam auch eigentlich nicht deswegen zu Dir, sondern wollte über etwas anderes sprechen. Es ist nothwendig, daß Edgar nunmehr nach einem bestimmten Beruse greift. Daß er kein Müller wird, versteht sich von selbst. Ich beobachtete seine Neigungen und weiß, wozu er am meisten Fähigkeit und Liebe besitzt. Diese Wahr­nehmung entspricht ganz meinen Wünschen, und ich denke, daß auch Du nichts dagegen einwenden wirst, obgleich mein Vorschlag mit Deiner frühem Absicht, den Jungen unter Umständen vom Militär loszukaufen, in gewaltigem Gegensätze steht. Ich wollte schon da­mals mit meinem jetzigen Plane herausrücken, war

habe damals dieser Auffassung nicht widersprochen. Auch über die 5 neuen Kreuzer, die einen Aufwand von 14 Millionen beanspruchen, habe Admiral Holl­mann kein Wort gesagt. Die Zerfahrenheit in den einzelnen Refforts sei zu groß, er persönlich habe zu ihnen kein Vertrauen. Die Ressorts nehmen die Ver­wahrungen und Proteste des Parlaments ruhig ent­gegen, wenn sie nur das Geld bewilligt bekommen.

Abg. Dr. Hammacher (ntt.): Neben den tech­nischen und finanziellen Erwägungen kommt doch in erster Linie das Interesse der Landesvertheidigung in Betracht. Admiral Hollmann habe, und das sei dankenswerth, mit offenen Karten gespielt, von einer Vertuschung könne nicht mehr die Rede sein. Unsere Flotte müsse entschieden besser ausgestaltet werden. Unser Handel habe sich verdoppelt. Deutschland brauche eine starke Flotte zum Schutze des Handels, zum Schutze der Küsten, zur Geltendmachung seiner Stellung. Die nationalen Gesichtspunkte bleiben maß­gebend für die Stellung der nationalliberalen Partei.

Abg. Graf Holstein (kons.): Ist es festgestellt, daß andere Staaten in ihren maritimen Rüstungen zugenommen haben, so müssen wir ihnen nachfolgen oder vorangehen. Es wäre unwürdig, wenn wir uns nicht freie Passage erzwingen können auch bei See­land in der Ostsee. Im europäischen Konzert wird nach der Macht abgewogen. Der Reichstag muß die Flotte zu einer Großmacht gestalten, wie sie dem deutschen Reiche gebührt.

Abg. Dr. Lieber: Die beiden Vorredner haben ihre Ansichten im Gegensätze zu früheren Erklärungen ihrer Partei wesentlich verschoben. Ueber diese That- sache helfen alle von patriotischer Begeisterung ge­tragenen Worte nicht hinüber. Gerade in der ange­zogenen Denkschrift von 1873 heißt es, daß die deutsche Flotte nicht die Aufgabe hat, gegen die großen euro­päischen Staaten offensiv zu verfahren, sondern sie soll nur dahin unsere Macht tragen, wo wir kleinere In­teressen zu vertreten haben und wir die eigentliche Macht unseres Staates, die Landmacht, nicht anders hinbringen können. Die Offensivkraft in einem großen Kriege kann und muß Deutschland seiner Land- armee überlaffen. Jetzt dagegen heißt es Hochsee­krieg, wenn es sein muß mit Rußland, Frankreich, selbst mit England. Glauben die Herren denn wirk­lich, wir werden diese Staaten in ihrer Flottenent­wickelung einholen? Das würden wir zur See nie erreichen. Es wird uns schon in der Land­macht schwer genug. Uferlos sind die Pläne aller­dings nicht mehr, aber die Ufer lasten sich nur mit starken Ferngläsern erkennen. Die Erklärun­gen des Reichskanzlers sind schätzenswerth, weil er ausgesprochen hat: Die Regierung und der Reichs­tag sind durch die Denkschrift nicht behindert, künftig nach Maßgabe der finanziellen Verhältnisse ihre Ent­schließungen zu fassen. Wir wollen in eilendem Tempo immer neue Schiffe von Typen bewilligen, von denen noch keines die Ernstprobe bestanden hat. Die großen Panzer-

aber noch nicht ganz mit mir einig und behielt ihn vorerst für mich. Der Besuch des Bruders hat meine letzten Bedenken verscheucht. Sollte Edgar je bei der Loosziehung eine hohe Nummer bekommen, dann tritt er freiwillig in ein Regiment ein. Seine Ausbildung paßt ganz für diese Laufbahn. Später wird es ihm auch an wirkungsvoller Unterstützung nicht fehlen, durch die er schnell vorwärts kommt. Vorerst braucht er von all dem noch nichts zu wissen. Er soll selbst Hand anlegen, arbeiten und kämpfen; er soll zeigen, daß es ihm zum Emporkommen weder an der nöthigen Kraft noch am guten Willen gebricht. Dann weiß er es auch um so höher zu schätzen und läßt sich nicht mehr auf Abwege hinreißen, wenn ihm ein unerwartetes Glück bescheert wird. Du kennst meine Pläne und den Grund meiner Handlungsweise, Georg. — Und nun zum Schluffe die schon so oft vorgebrachte Bitte, der Du aber leider noch nie ein Gehör geschenkt hast: Reize den Doktor nicht mehr! Du kennst doch die Verhältnisse und weißt, daß die Kinder unseres un­vergeßlichen Theodor von ihm abhängig sind. Er ist auch nicht mein Freund, er verfolgt vielmehr in feinem blinden Hasse auch mich. Ich kehre mich nicht weiter daran, ich höre und sehe nichts — den Kindern zu lieb. Thue es auch Du! Es ist eine heilige Pflicht. Oder hast Du etwa jene Stunden vergessen, wo Du,