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Samstaq, den 6. März 1897.

24. JahrgMg

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mit Unterchaltungs-KeLLage „Sterne und KLumen"

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® Unsere Zeit — unsere ^fTtdjf.*)

(Auch eine Fastenbeträchtung.)

In Fiebern ringt der Menschheit Genius, Und Niemand weiß, wie bald er wird gesunden. Der Leib ist krank von sinnlichem Genuß, Dem Geiste ist des Glaubens Kraft entschwunden. Lebt noch ein Arzt für solche schweren Leiden, Der Krankheit Gift aus Mark und Blut zu scheiden? In Lastern floh die Menschheit ihren Gott Und schloß die Augen vor des Jenseits Fragen; Da sprach zu ihr der Hölle List und Spott: „Wie magst du dich mit Hirngespinnsten plagen? Wer sah ein Jenseits? hat davon berichtet? Was du nicht sieh'st, glaub' uns, es ist erdichtet?" Daß keine Hölle mehr den Sünder schreckt, Mein Himmel mehr das Unglück hilft ertragen — Weh' euch, die ihr das grause Wort erweckt. Um nicht in eurer Lust jäh zu verzagen!

Schnell trugen es zum Volke die Verderbten, Und zündend schlug es unter die Enterbten Die ihr enterbt in eurer Habsucht Gier, Die ihr beraubt des Tags, den Gott geboten. Sie rufen jetzt: „Den Himmel gebt uns hier, Den euer, unser Wissen raubt den Todten! Gleich sind die Menschen, das habt ihr gelehret: So gebt uns dann, was ihr für euch begehret!" Ihr habt's gewollt! Nun sproßt die schlimme Saat, Die jubelnd ihr den Bösen saht verstreuen. Jetzt jammert ihr und rufet nach dem Staat, Jndeß die Welt ausholt, sich zu erneuen. Die selbst ihr brächet, eitel sind die Schranken, Hinüber fliegen stürmend die Gedanken!

Und gibt es wirklich keine Rettung mehr? Und wirklich keinen Arzt für diese Leiden? Besinne Welt, dich: Droben hoch und hehr Hat über dich ein Gott noch zu entscheiden! Ihr wolltet nicht die Hand des Starken sehen — Ihr müßt es jetzt, wollt ihr nicht untergehen!

Richt Wunder braucht's, der Rettung Werk zu bau'n. Nichts Neues muß der Herr die Erde lehren: Es heißt nach oben nur und rückwärts schau'n Und Gottes Wort und Willen wieder ehren! Was Christus seinen Jüngern einst verkündet, Hs ist der Fels, auf dem man Reiche gründet.

ko hat Er selber Gottes Reich erbaut, Daß keiner Hölle Wuth es je vernichtet;

<o auch in dunkle Zeiten sicher schaut Der Staat, der auf dem Felsen wird errichtet; O lenkt, ihr Großen, doch in solche Bahnen! O laßt euch von der Noth der Zeiten mahnen!

Und laßt uns selbst erneuern unfern Geist Und ihn befreien von dem Gift der Zeiten! Wohin uns Glaube, Lieb' und Hoffnung weist, Für jene Welt laßt unser Herz bereiten! Dann schallt auch wieder der verderbten Erde Vom Himmel her ein mächtig neues: Werde!

Ernst H. Kley.

*) Zugleich eine Antwort auf das neueste Kampfgeschrei gegen den Umsturz.

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

6] ------ (Nachdruck verboten.)

Noch ein Händedruck, ein herzliches Lebewohl — und der Oberst schlug den Weg nach Roden­bach ein.

Er hielt sich nicht lange in dem Gasthofe auf. Nach einem einfachen Imbisse drängte er zur Ab- fahrt.

Da die Verstauchung der Hand des Kutschers sich noch nicht in der Weise gebessert hatte, daß man ihm die Pferde anvertrauen konnte, nahm er zur Rück­fahrt nach der Kreisstadt den Knecht des Löwen- wirths mit. Ehe es Abend wurde, hatte er das Städtchen schon wieder im Rücken, wo man sich über den Zweck seines kurzen Besuchs bei dem Grafen vergeblich die Köpfe zerbrach. Es blieb den Roden­bachern hierzu nicht viel Zeit, da sich ihr Interesse einer neuen Erscheinung innerhalb der Mauern des Städtchens zuwandte, die abermals mit dem Häuschen am Waldrande im Zusammenhänge stand.

Am Morgen des folgenden Tages kehrte ein junger und eleganter Herr beim Löwenwirth ein. Er trug Kleider nach dem neuesten Schnitt, Glaceehand- schuhe, und auf der Nase schaukelte sich ein gold-

Aus dem Fastenhirtenbrief des Bischofs Dr. Haffner von Mainz,

der, wie schon kurz berichtet, über die Vereine in der katholischen Kirche handelt, lassen wir nachstehend den Schluß folgen, der uns allgemeiner Beachtung werth erscheint.

„......Von nicht minder hoher Wichtigkeit

ist die Gründung der sog. Bauern-Vereine, die in der Regel mit sog. Raiffeisen'schen Darlehenskassen verbunden sind. Ich freue mich, daß diese Vereine in unserer Diözese eine ansehnliche Verbreitung ge­funden haben und empfehle dieselben aus's beste. Eine Stärkung der Landwirthe durch treues Zusammen­stehen ist um so wichtiger, je schwieriger in der Gegen­wart die wirthschaftlichen Verhältnisse sich darstellen. Insbesondere ist es von hoher Wichtigkeit, die kleinen Bauern zu schützen und ihnen ihr Eigenthum gegen Wucherer zu erhalten.

Es geschieht in der Gegenwart, namentlich in den Städten, vieles für das Wohl der Arbeiterbevöl­kerung. Eine große Zahl weltlicher Vereine ist entstanden, um die kleinen Kinder der Arbeiter zu bewahren, die erwachsenen in dem Haushaltungs­geschäfte zu unterrichten, die dienenden zu überwachen. Fürsorge für's Volkswohl nennen sich diese Bestre­bungen. Wie gut es auch gemeint sein mag: sie haben keinen Erfolg und Bestand ohne Weihe der Religion. Wie reich auch die weltlichen Anstalten ausgestattet sein mögen, ganz anders wirken Anstalten, in welchen den kleinen Herzen die Liebe Jesu einge­pflanzt wird, ganz anders Haushaltungsschulen, Dienst­botenvereine u. dergl., in welchen die Zöglinge und Mitglieder zugleich zu religiösem Leben angeregt werden. Dieses geschieht Gott sei Dank an vielen Orten von unseren katholischen Anstalten (Kleinkinder- Anstalten,Haushaltungsschulen,Dienstbotenvereinenre.).

Die Hauptaufgabe aber ist, daß die Männer in Vereinen sich sammeln, durch welche sie in ihrer christlichen Gesinnung bewahrt, über' ihre Standes- intereffen belehrt werden und auch praktische Hilfe finden.

Vieles ist auf diesem Gebiet in unserer Diözese durch eifrige Geistliche und opferwillige Laien geschehen. Aber ungleich mehr ist zu thun übrig. Ich empfehle aufs innigste die Theilnahme an katholischen Männer- Vereinen, welche den Verführungen der bekannten Agitatoren entgegentreten und überdies ihren Mit­gliedern durch wohlthätige Einrichtungen (Sparkassen, Kassen für Miethe, Krankheiten, Sterbfälle, Stellen- und Arbeits-Vermittlung) Hilfe leisten.

Die Hauptquelle der Volksvergiftung ist die liberale politische Gewalt-Herrschast, welche die Ehe entheiligt, die Schule entchristlicht und den Frieden des christlichen Lebens stört. Es müssen darum die sozialen Vereine nothwendig zu den politischen Fragen Stellung nehmen. Alle katholischen Männer müssen an, den Wahlen sich betheiligen und diese in entsprechender

gefaßter Zwicker. Die Gesichtszüge des junges Mannes zeichneten sich durch ziemliche Regelmäßigkeit aus; in seinem ganzen Wesen aber und namentlich in dem unruhigen Blick sowie in den grauen Augen lag etwas, das keine rechte Erwärmung für ihn auf- ko mmen ließ.

Dieser Eindruck schien auf den einzigen Einheimi­schen, der bei der Ankunft des Fremden sich im Gast­zimmer befand, nicht hervorgerufen worden zu sein. Der Einheimische, ein kleines verwachsenes Männchen mit einem ungeheuren Höcker, dessen großer Kopf zu den übrigen Gliedmaßen im schreiendsten Gegensätze stand, stellte sich als Sekretär Malang von Roden­bach vor, setzte sich zu dem Fremden und entwickelte eine so reiche Unterhaltungsgabe, daß das Mienen­spiel des Letztern ein entschiedenes Wohlgefallen an dem aufmerksamen Gesellschafter kund that.

Auch der Fremde rückte allmählig mit der Sprache heraus. Er fragte nach diesem und jenem, haupt­sächlich aber nach dem Grafen Salmi, und setzte schließlich den Kleinen in nicht geringes Erstaunen durch die Mittheilung, daß er ein Verwandter des alten Herrn und von diesem zu längerem Aufenthalte nach Rodenbach bestellt worden sei.

Die scharfen Augen des Sekretärs blitzten bei dieser Eröffnung in eigentümlichen Glanze unter den

Weise vorbereiten. Ich empfehle insbesondere die Theilnahme an dem Centrumsverein und an dem Volksverein für das katholische Deutschland, welcher sich die Unterstützung des Centrums angelegen fein läßt.

Wenn die Katholiken in Deutschland als Minder­heit ihr Recht und ihre Freiheit sich bewahren wollen, so kann dieses nur durch ausgiebige Benützung der Rechte gescheyen, welche die Verfassung allen Staats­bürgern zuweist. Was die herrschenden Parteien mit dem sogenannten Kulturkampf erstrebten, ist nichts Geringeres als die Vernichtung der katholischen Religion. Dieser Kulturkampf ist gemäßigt, aber nicht beendigt. Dagegen gilt es, auf der Wache zu stehen und bei jeder Gelegenheit das Recht und die Freiheit der Kirche zu wahren. Man sage nicht, die politischen Angelegenheiten hätten nichts mit der Religion zu thun. Die Religion ist der Grundkern aller Fragen; Religion und Jrreligion sind die tiefsten Gegensätze, welche, allen politischen Angelegenheiten zu Grunde liegend, sich gegenüberstehen. Mögen alle katho­lischen Männer ihre bürgerlichen und poli­tischen Rechte benützen, um den religions­feindlichen Parteien entgegenzutreten und der Kirche ihre Rechte und ihre Freiheit, und eben da^nit dem christlichen Volke Ge­rechtigkeit und Frieden zu geben.

Der Zweck der türkischen Rüstungen.

Die türkischen Rüstungen werden ununterbrochen fortgesetzt. Wenn auch die den Konstantinopeler Journalen zugehenden amtlichen Rüstungsbulletins zweifellos mit Absicht stark übertrieben sind, so bleibt immer noch genug übrig, um von einem ungeheuren Kraftaufwand der Türken sprechen zu können. Je beruhigter die Lage draußen sich gestaltet, desto intensiver wird in der Türkei mobilisirt und es scheint fast, daß, nachdem man sich der Sorge um Kreta erledigt haben wird, dieses Massenaufgebot der türkischen Armee in den europäischen Provinzen noch andere weiterliegende Zwecke verfolgt als die etwaige Züchtigung Griechenlands. Dazu hätte die Mobili- sirung des zweiten Korps (Adrianopel) und dritten Korps (Monastir) mehr als genügt und es wäre nicht die Heranziehung der in Asien stehenden Truppen nothwendig gewesen, wie es in solchen Umfange nicht einmal im Kriege gegen Rußland geschehen ist. Von den wenigen Kennern der türkischen Palastpolitik wird daher jetzt die Ansicht vertreten, daß die Ereignisse auf Kreta, bei denen man im Voraus von einer Inter­vention Griechenlands überzeugt war, mit genauer Berechnung schon wochenlang vorher von der ver­trauten Umgebung des Sultans vorbereitet wurden, um dann gewissermaßen im Schatten dieser Ereig­nisse und einer europäischen Intervention gegen Griechenland die schon längst beschlossenen Rüstungen durchzuführen. Zu diesem Zwecke allein fachte man, buschigen Brauen hervor. Eine Frage schwebte ihm auf den Lippen, doch er sprach sie nicht aus. Da­gegen begann er nunmehr von dem Besuche des Obersten bei dem Grafen zu erzählen, und aus seinen Anspielungen ging deutlich hervor, daß für ihn ein innerer Zusammenhang zwischen dem Erscheinen des Offiziers und dem Eintreffen des neuen Vetters be­stand. Er schien damit auch in der That das Richtige getroffen zu haben; denn der junge Mann widersprach nicht.

Rach einer Weile brach der Sekretär auf. Er ver­abschiedete sich aufs verbindlichste von Herrn Adolf Seeburg, unter welchem Namen sich der Fremde ihm vorgestellt hatte, und erklärte sich auch für die Folge mit dem Bemerken, daß er wie kein Anderer in die Verhältnisse der Gegend eingeweiht fei, zu jeder ge­wünschten Auskunftsertheilung mit Vergnügen bereit.

Die Wirth in, welche dem Gespräche zugehört hatte, trat nach der Entfernung des Sekretärs an den Tisch. „Glauben Sie dem buckligen Schreiber nur nicht Alles, was er sagt," warnte sie, „und trauen Sie ihm nicht! Er ist ein gefährlicher Patron, der sich an jeden Fremden macht und schon mehr als einen über den Löffel barbirt hat."

Seeburg lachte. „Um mich brauchen Sie keine Sorge zu haben, gute Frau," erklärte er, „ich kenne