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Freitag, den 5. März 1897.
24. Jahrgang
iildaerMZeituiig
mit Unterhaltimgs-KrUage „Sterne und Klnmen".
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X Europas Sorgen.
Nicht besser, sondern desto schlechter sieht es mit dem Weltsrieden aus, je länger sich die Großmächte um ihn bemühen. Auch durch die neuesten gleichlautenden Noten der Mächte an Griechenland und die Türkei scheinen die Aktien des Friedens eher gefallen als gestiegen zu sein. Griechenland macht "bisher gar keine Miene, sich die Aufforderung, Kreta zu räumen, zu Herzen zu nehmen. Die Stimmungsberichte aus Athen lauten allesammt sehr wenig tröstlich für das europäische „Konzert"; in Athen scheint man zu weiterem Widerstande entschlossen zu sein, und selbst Blätter, welche als Sprachrohre der Regierung bekannt sind, sprechen die Erwartung aus, daß diese der Stimme der Nation folge, welche stürmisch die Annexion Kretas fordert. Was die Regierung zunächst beabsichtigt, ist heute noch unklar. Nicht unwahrscheinlich klingt aber die Angabe, daß die griechische Regierung zunächst eine Verlängerung der Ueberlegungsfrist von 6 Tagen, die ihr gegeben ist, zu erreichen suchen werde, um Zeit zu weiteren Rüstungen gegen die Türkei zu gewinnen und dieser dann nach Ablauf der verlängerten Frist den Krieg zu erklären. Auch wird behauptet, daß, um eine etwaige Blokade Athens unwirksam zu machen, die Verlegung der Regierung und des Hofes nach Larissa in Thessalien geplant sei, das auch der Stützpunkt der griechischen Operationen gegen die Türkei sein würde.
Die Türkei scheint ihrerseits nicht weniger kriegerisch als Griechenland gestimmt zu sein. Sind auch die Zahlen, die aus türkischer Quelle über die Streitkräfte an der griechischen Grenze verbreitet werden, vermuthlich stark übertrieben, so ist doch die That- sache unbestreitbar, daß die Türkei mit fieberhaftem Eifer sich zum Kriege rüstet. Besonders bedenklich ist die Bewaffnung der fanatischen und grausamen muha- medanischen Ärnauten und Baschibozuks, die kaum im Zaume gehalten werden können, sobald man sie einmal losgelassen hat. Diese wilden Horden kehren sich an keine militärische Disziplin, noch an die Gebote des Völkerrechts. Sie fassen den Krieg theils als Räuberei im Großen — im Kleinen betreibt ja fast jeder von ihnen das Räuberhandwerk —, theils als einen Religionskrieg gegen die Christen auf- Es ist daher nicht zu verwundern, wenn jetzt schon Ueber- fälle dieser Banden nicht nur auf Griechen, fondern auch auf Serben und Bulgaren gemeldet werden. In jenen Gebieten wohnen ja alle diese Stämme neben- und durcheinander, und darin liegt allerdings eine große Gefahr für den Frieden auf der Balkanhalbinsel.
Serbien und Bulgarien werden ja gewiß nicht ruhig zusehen können, wenn es ihren Stammesgenossen in der Türkei an's Leben geht. Es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß König Alexander und Fürst Ferdinand nicht umsonst gerade jetzt wieder
Der falsche Graf.
Kriminalroman von Max Begno.
5] ------- (Nachdruck verboten.)
Der plötzliche Stoß hatte den Fuhrmann von dem Bock über den Abhang in den Graben geschleudert, und auch der unmittelbar am Rande stehende Wagen gerieth durch das Ungestüm des erschreckten Thieres in die größte Gefahr. Ehe jedoch der drohende Ahsturz erfolgte, fiel Edgar dem rasenden Pferde in die Zügel und riß es mit kräftigem Arme auf die Straße zurück.
Der Schlag wurde geöffnet und ein Herr in Uniform sprang heraus. Mit einem raschen Blick erkannte dieser die bedrohliche Lage, in die er durch die Unvorsichtigkeit des Kutschers gebracht worden war.
„Das ist ja eine ganz fatale Bescherung!" sagte er, zu Edgar tretend, der das eine Pferd indessen zur Ruhe gebracht hatte, während das gestürzte immer noch in seiner hilflosen Lage sich befand. „Wo ist denn der Kutscher? Er wird doch nicht. . . ?"
In diesem Augenblicke tauchte der Kopf des Vermißten über dem Abhange hervor, und gleich nachher erschien seine ganze Gestalt. Er rieb sich die Arme und Knie, und sein Mienenspiel bekundete, daß er sich nicht in der besten Verfassung befand. Doch schien er ohne bedeutende Verletzung davongekommen zu sein.
in Sofia die Köpfe zusammengesteckt haben. Ein Berichterstatter der ,PosL in Belgrad, der sich bisher noch immer als sehr gut unterrichtet bewährt hat, dürfte wohl Recht behalten mit der Versicherung: „Trotz der offiziellen Ableugnung, daß der Zusammenkunft des serbischen Königs mit dem Bulgarenfürsten in Sofia Bedeutung beizumeffen sei, scheint das Gegen- theil der Fall zu sein und verlautet in gutunterrichteten Kreisen, daß es zu einem Schutz- und Trutzbündnisse beider Staaten kommen würde." Uebrigens sind auch beide schon auf einen Krieg vollkommen gerüstet, desgleichen Montenegro.
"Sehr verdächtig wird immer mehr die Haltung Rußlands. Sie sieht sehr zweideutig aus — oder sollten in den russischen Hof- und Regierungkreisen sich verschiedene, gegnerische Strömungen geltend machen? In dieser Beziehung verdient eine Meldung des ebenfalls sehr zuverlässigen Konstantinopeler Berichterstatters der ,PosU Beachtung: „Wie ich hier feststellen konnte, besteht noch immer ein lebhafter Depeschenwechsel zwischen der griechischen Königsfamilie und der Zarin-Wittwe."
Es ist müßig, heute Vermuthungen aufzustellen, wie sich morgen die Dinge im Orient entwickeln mögen. Soviel ist aber sicher: Durch die Einmischung der Großmächte zu Gunsten der Türkei ist die Lage nur noch verwickelter und schwieriger geworden. Deutschland kann jetzt nur noch eine Politik verfolgen: die der äußersten Zurückhaltung!
Deutsches Deich*
Berlin, 4. März.
* Der Kaiser hat sich nach Wilhelmshaven zur Vereidigung der am 1. Februar eingestellten Rekruten der Marine begeben.
— Die MudgetKommissto« des Avgeordneten- kanses hat am Mittwoch doch noch die Frage des Gehaltsverhältnisses derRichter und Regrerungs- räthe entschieden. Ein freisinniger Kompromißvorschlag, den auch Herr v. Miquel als „nicht annehmbar" bezeichnete, fand Annahme (mit 15 gegen 13 Stimmen); danach soll das Höchstgehalt der Amts- und Landrichter 6600 Mk., das der Re- gierungsräthe 7200 Mk. betragen. Im Uebrigen blieb es meistentheils bei der Regierungsvorlage. Jedenfalls sind aber alle Beschlüsfe mit so knapper Mehrheit gefaßt, daß sich daraus ein sicherer Rückschluß auf die bevorstehenden Plenarbeschlüsse nicht ziehen läßt.
* Die General - Wersammknng der Katholiken Deutschlands soll in diesem Jahre in veränderter Form in Freiburg in der Schweiz abgehalten werden. Dort wird in diesem Jahre der 300jährige Todestag des seligen Petrus Canisius festlich begangen. Es ist beabsichtigt, von Deutschland aus eine große Wallfahrt zum Grabe dieses zweiten Apostels Deutschlands zu veranstalten. Als Sammel-
Jndessen waren auch einige Landleute, die auf den benachbarten Wiesen gearbeitet und den Unfall bemerkt hatten, zu Hilfe geeilt. Das gestürzte Pferd wurde wieder auf die Beine gebracht und die abgebrochene Deichsel nothdürftig zusammengeflickt.
Es hätte der Weiterfahrt kein Hinderniß im Wege gestanden, wenn nicht der Kutscher erklärt hätte, daß er sich wegen seiner verstauchten Hand nicht mehr zu fahren getraue. Rasch entschlossen bot Edgar sich an.
Der Offizier dankte ihm verbindlich. „Der Kutscher soll seine Hand verbinden und sich in den Wagen setzen," ordnete er dann weiter an, „während ich den kurzen Weg nach der Stadt vollends zu Fuß machen will. Stellen Sie im Löwen ein, junger Freund, und erwarten Sie mich! Ich komme bald nach."
Edgar schwang sich auf den Bock und griff nach den Zügeln. Der Kutscher aber entsprach dem Gebote seines Passagiers, und im Schritt bewegte das Fuhrwerk sich fort, so daß der Offizier fast gleichzeitig mit dem Wagen vor dem Gasthause ankam. Er lud Edgar zum Mitgehen ein. Im Zimmer, wo er eine Flasche Wein bestellt hatte, dankte er dem jungen Manne noch einmal für den geleisteten Dienst. Er trank ihm zu und erkundigte sich über seine Verhältnisse. Ohne Zögern entsprach Edgar dem Wunsche.
„Soldat wollen Sie werden!" rief der freundliche
punkt der deuffchen Katholiken ist Freiburg im Breisgau vorgesehen. Wir können uns mit dieser veränderten Form, die Heerschau der Katholiken abzuhalten, wohl befreunden; doch zweifeln wir nicht, daß viele Katholiken der feither beliebten Art ihrer Veranstaltung den Vorzug geben.
* „Was hat die deutsche Aröeiterverficherung im ersten Jahrzehnt ihrer Wirksamkeit für die Arbeiter geleistet?" Unter dieser Aufschrift hat der Vorsitzende der Jnvaliditäts- und Altersverstcherungs- Anstalt Berlin, Dr. jur. Richard Freund, drei trotz ihrer Knappheit äußerst lehrreiche Tabellen zu- fammengestellt, um insbefondere den Arbeitern ein anschauliches Bild von den Leistungen der Arbeiterversicherung für die Versicherten zu liefern. Nach den vorliegenden Angaben sind aufgewendet worden: von der Krankenversicherung 757 Millionen Mark, von der Unfallversicherung 193 und von der Jnvaliditäts- und Altersversicherung 100 Millionen Mark. Mithin sind in dem ersten Jahrzehnt seit Einführung des ersten Arbeiterversicherungs - Gesetzes durch die Arbeiterversicherung den Arbeitern über eine Milliarde Mark zugewendet worden. Diese Summe ist mit 475 Millionen von den Arbeitgebern und mit 538 Millionen von den Arbeitern selbst aufgebracht worden. — Die berufsmäßigen sozialistischen Aufhetzer, welche ihren vertrauensseligen Gläubigen das Blau vom Himmel herunter versprechen, sollten, wie die ,B. 91. 91/ treffend bemerken, ihrem Publikum gelegentlich die von Dr. Freund mitgetheilten imponirenden Zifferreihen vorführen. Das zu thun werden sich dieselben aber wohlweislich hüten, denn die „Enterbten" könnten sonst auf den frevlen Gedanken gerathen, daß die „kapitalistischen Aussauger" für die Wohlfahrt der Arbeiter bisher mehr zuwege gebracht haben, als die Schwätzer in der Toga der Volkstribunen.
* Kamöurg, 3. März. In einer gestern in Ottensen abgehaltenen öffentlichen Versammlung wurde die Frage erörtert: „Wie sind die Schulden vom Hafenarbeiterausstand zu decken?" Bei dieser Gelegenheit wurden folgende Angaben gemacht: Es seien 257 000 Mk. Schulden zu bezahlen. Alle diejenigen Personen, die mit dem Ausstand einverstanden gewesen seien, müßten zur Deckung beitragen. Einige Darlehen seien schon in diesem Monat zurückzubezahlen. Es seien in Hamburg und Umgegend 800000 Mk., im übrigen Deutschland 600 000 Mk. Unterstützungen für die Ausständigen aufgebracht worden. Es wurde die Ausgabe von Marken im Betrage von 30 Pf., 50 Pf. und 1 Mk. zur Deckung der Schulden be- schloffen.
Ausland.
* Athen, 4. März. Amtlich wird versichert, der Rücktritt des Kriegsministers sei durch Schwierigkeiten auf dem Gebiete der Heeresverwaltung herbeigeführt worden und habe mit der Politik nichts Herr mit einem wohlgefälligen Blicke auf die schlanke Gestalt des jungen Mannes, als dieser unter Anderem auch der bevorstehenden Militärpflichtigkeit Erwähnung gethan hatte. „Das ist ja recht schön! Dann finde ich ohne Zweifel Gelegenheit zu einer tatsächlichen Anerkennung Ihrer heutigen Dienstleistung, durch die ich vor einem vielleicht schweren Schaden bewahrt worden bin." Er holte eine zierliche Brieftasche hervor und gab Edgar eine Karte. „Nehmen Sie dies," sagte er, „und wenn Sie beim Regiment später in irgend einer Weise einen Wunsch hegen, dann kommen Sie ohne Bedenken zu mir. Vorerst werde ich Ihnen allerdings nicht viel nützen können, da ich eine größere Reise antrete; im Winter aber rücke ich bestimmt wieder ein."
Edgar nahm die Karte zu sich. Er blieb noch eine Weile und kehrte dann unmittelbar in die Mühle zurück.
Unterwegs betrachtete er die Karte des Offiziers. Der Ausdruck einer Überraschung erschien auf feinem Gesicht. „Graf Alexander von Salmi", las er, „Oberst und Kommandeur des dritten Ulanenregiments". Sollte der fremde Herr, mit dem ihn der Zufall auf eine so eigenthümliche Weife zufamrnengeführt hatte, am Ende einer der Verwandten seines alten Freundes und Lehrmeisters fein?