mit Unterhaltungs-Krilage „Kterne und Klumen".
24. Jahrgang
ulbaer
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Allocution des Papstes.
Anläßlich seines Geburtsfestes (2. März 1810) und des Jahrestages seiner Krönung (3. März 1878) empfing Leo XIII. am Montag in feierlicher Audienz die Kardinäle und die in Rom anwesenden Bischöfe und Prälaten, nachdem er zuvor die Privat-Glück- wünsche in seinen eigenen Gemächern entgegengenommen hatte. Der feierliche Empfang fand im Thronfaale statt. Zunächst verlas der Kardinal-Dekan Oreglia di Santo Stefano die Glückwunsch-Adresse, welche den Papst sichtlich bewegte. Sobald er aber das Wort ergriff, zeigt seine Stimme Kraft und Frische, und die Hauptstelle seiner Rede begleitete er mit ausdrucksvoller Geste. Auch nachher blieb er noch eine Zeit lang inmitten der hohen Versammlung, um von den einzelnen Theilnehmern Glückwünsche und Bitten entgegenzunehmen und ihre Ansprache herzlich zu erwidern. Die bedeutungsvolle Ansprache des Papstes lautete wie folgt:
Die christliche Einigkeit ist das oberste Ziel der Kirche. Das Werk ist schwer, aber Gott wacht beständig über die Apostel der Wahrheit, um ihre Arbeiten fruchtbringend zu machen. Die Gebete, welche die ganze christliche Welt in diefer Meinung verrichtet, berechtigen zu großer Hoffnung. Die Richtung der Jetztzeit begünstigt die Hoffnungen weit mehr, als daß fie dieselben abschwächen könnte; denn die Einigungsbestrebungen beherrschen die gegenwärtige Generation. Die Fortschritte der Civilisation begünstigen die Gemeinsamkeit der Sitten und Bestrebungen. Unter den Völkern herrscht gegenwärtig ein lebendiges Gefühl der Brüderlichkeit, wie es die früheren Jahrhunderte nicht kannten. Gott wird diese menschlichen Strebungen zur Einigung im Glauben lenken. Diese Bewegung zu fördern, das wär das Ziel Unserer Entscheidung bezüglich der anglikanischen Weihen, die Wir nach langer Prüfung unparteiisch und vollbedacht getroffen haben. Wir beschwören die im Glauben von uns getrennten Söhne des britischen Reiches, diese Entscheidung nicht mit Mißtrauen entgegenzunehmen, sondern überzeugt zu sein, daß einzig die Unbeugsamkeit Unserer Pflicht Uns den der Wahrheit entsprechenden Entschluß diktirt hat. Im Interesse der Einigkeit liegt ferner Unser von Klugheit und Eifer bestimmtes Verhalten gegenüber den Söhnen Frankreichs. Wir hatten zum Ziel, die großen geistigen Interessen über die Politik und ihre Streitigkeiten hinauszuheben. Wir halten darauf, die Zwietracht auszurotten, die nicht blos unfruchtbar ist, sondern auch schädlich für die Sache der Religion und der Kirche. Ein allgemeiner Hinweis wäre da ungenügend und unwirksam gewesen, er bedurfte gelegentlich einer Bekräftigung durch praktische Vorschläge. Wir wiesen auf den gesetzlichen, konstitutionellen Boden hin, aus dem jeder Einzelne zum gemeinsamen, religiösen und moralischen Wohl mit-
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Der falsche Graf.
Kriminalroman von Max Benno.
4] ------- (Nachdruck verboten.)
Schnell hatte sich auf einen Stuhl 'gesetzt. Er schob diesen näher zu dem Müller hinan. „Du bist auch ein eigensinniger Mensch, Georg," tadelte er, „mit dem man kein vernünftiges Wort reden kann. Doch, was geht es mich an? Macht euern Handel meinethalben aus, wie ihr wollt, ich bekümmere mich nicht weiter darum. Deswegen kam ich auch gar nicht zu Dir. Nur so nebenbei gedachte ich Dir einen Wink zu geben, mit dem Du es halten kannst, wie Du magst. Du weißt, daß ich den Hof des Hinterbauern gekauft habe. Es ist eine theure Geschichte und ich verliere am Ende mein Geld. Zudem ist Baarbezahlung bedungen, da der Verkäufer nach Amerika auswandern will. Ich muß Geld haben, Georg, und ich denke, daß Du das selber begreifst. Wie steht es denn mit den viertausend Gulden, deren Zahlung in der nächsten Woche verfällt? Diesmal kann ich nicht länger borgen, denn ich bin selber in Noch."
Das Antlitz des Müllers war bleich geworden. Eine augenscheinliche Bestürzung drückte sich in seinem Mienenspiel aus. „Du sagtest mir aber doch," wandte er ein, „daß es Dir nicht darauf ankomme, einen spätem Termin. "
wirken kann. Der praktische Sinn und gute Wille Vieler hat Uns hierbei geholfen, wäre aber die Einigkeit eine ganz ungeteilte, die Aktion eine vollkommen einige, welche gute Früchte würden sich hieraus für Frankreich und die Kirche ergeben!“
Der Papst sprach schließlich von den unlöslichen Banden des Chriftenthums und der Kunst anläßlich der vollendeten Restaurirung der Borgia-Apparte- ments int Vatikan. Der Vatikan allein sei Beweis sür die wunderbare Verbindung zwischen der wahren Schönheit und der wahren Religion. Schließlich erteilte der Papst, dessen Befinden ein vorzügliches ist, den apostolischen Segen.
Deutsches Deich.
Berlin, 3. März.
Die Budgetkommissto« des Abgeordnetenhauses hat "am Mittwoch das erste Kapitel der Besoldungsvorlage (höhere Verwaltungsbeamten u. dgl.) in einer Weise erledigt, die sich erheblich mehr, als die Beschlüsse erster Lesung, den Vorschlägen der Regierung näherte. Der Hauptstreitpunkt kommt indeß noch: Das Gehaltsverhältniß zwischen Richtern und Regierungsräthen. Auch hier ist man eifrig bemüht, ein Kompromiß zu Stande zu bringen, wonach das Richter-Höchstgehalt auf 6600 (Vorlage 6300), das der Regierungsräthc auf 6900 (Vorlage 7200) Mark bemessen werden soll. Wie steht es aber mit den Unterbeamten? Die Fürsorge für diese dünkt uns denn doch viel wichtiger, als die Gleichstellung der Richter mit den Regierungsräthen, so berechtigt auch diese Forderung zweifellos ist.
* Die Ausrottung der Sozialdemokratie lasten sich nach der jüngsten Bankettrede des Kaisers wieder alle gesinnungstüchtigen Blätter angelegen sein. Der ,Vorwärts' will Wind davon haben, daß am 22. März der Kaiser sich noch schärfer als am letzten Freitag gegen die Sozialdemokratie äußern werde. Dann werden wir abermals dasselbe Echo in der Presse wahrnehmen und eine Unzahl patriotischer Festredner wird das Thema variiren. Uns wäre es freilich sympathischer, die nationalen Feierlichkeiten würden mit Kampfrusen gegen die Sozialdemokratie nicht verquickt, schon weil mit patriotischer Begeisterung die soziale Frage nicht zu lösen ist. Die soziale Frage ist in erster Linie eine wirtschaftliche und religiöse Frage, und nur von diesem Punkte aus ist die Sozialdemokratie wirksam anzugreifen. Hätten wir teilte wirtschaftlichen und sozialen Mißstände, wir hätten nimmermehr eine Sozialdemokratie. Darum bleibt immer das alte Rezept: Sozialreform.
* Die Schulterklappen der aus den vierten Bataillonen"des Gardekorps -zu errichtenden zwei neuen Garderegimenter sollen weiße Farbe haben. Das zukünftige 5. Garde-Jnfanterie-Regiment erhält weiße Gardelitzenund gleichfarbige Knöpfe sowie Helmbeschläge,
„Habe ich das wirklich gesagt?" unterbrach ihn der Agent. „Ich glaube es kaum. Du verstandest mich wahrscheinlich nicht recht. Und selbst wäre es so: ein Wort ist kein Wort. Das Geschriebene gilt."
„Aber ich kann nicht bezahlen!" stieß der Müller, wieder zornig werdend, hervor. „Willst Du mich denn mit Gewalt in Verlegenheit bringen? Bis nächste Woche treibe ich die Summe nicht aus."
Ein hämisches Grinsen zuckte um den Mund des Agenten. „Warum denn nicht?" meinte er mit einem lauernden Blick auf den Müller. „Es sollte Dir nach meinem Dafürhalten nicht so schwer werden; ist doch der reiche Herr Graf Dein Gönner und Freund! Dem kommt es auf etliche tausend Gulden sicher nicht an!"
Schirmer sprang auf. Rasch durchmaß er einigemal die Stube. „Nein, niemals!" rief er dann, „lieber alles andere! An den Grafen wende ich mich nicht."
Auch Isidor erhob sich. Er hatte sofort begriffen, daß sich ein besonderer Grund unter der heftigen Weigerung Schirmer's verbergen müsse, und 'er berührte diesen Vorschlag nicht mehr. „Wie soll^ch aber zu meinem (Selbe kommen?" forschte er. „Ich brauche es, wie ich Dir schon gesagt habe, nothwenbig in bas Geschäft; es ist mein Acker, mein Pflug. „Doch," fügte er, die Augen wieder halb zudrückend, hinzu, „in's Gedränge bringen will ich Dich trotz allem nicht.
während das zukünftige Garde-Grenadier-Regiment Nr. 5 folche in Gelb führen wird. Beide Regimenter tragen brandenburgische Aermelaufschläge, auf welchen sich, wie bei den anderen vier Garde-Grenadierregi- mentern je drei Gardelitzen befinden, welch letztere jedoch nach dem äußeren Ende dreieckig auslaufen, eine Form, wie sie zur Zeit Friedrichs des Großen, z. B. bei dem 18. und 21. Infanterieregiment (nach den im Zeughause aufbewahrten Monturen zu urtheilen) getragen wurde. Eine weitere Abweichung in der Uniformirung der neuen Regimenter besteht darin, daß sie auch auf dem Spiegel des Mantelkragens Gardelitzen erhalten (russisch), eine Neuerung, die Übrigens auch bei allen anderen Regimentern des Gardekorps eingeführt werden soll. Besonders reich werden die Kragen der Offizierswaffenröcke gestickt sein; das ährenartige Flittermuster der Stickerei ähnelt demjenigen, das die Kadetten-Offiziere am Waffenrockkragen tragen. Gegenwärtig ist man in den hiesigen Militär-Schneiderwerkstätten schon stark mit den Umänderungsarbeiten an den Rückender „vierten Bataillone" beschäftigt.
Ausland.
* Madrid. 3. März. Wie aus Manila gemeldet wird, ist in Folge der Verhaftung Miquel Lledos, der sich den Titel eines Generals der Aufständischen beilegte, von der Polizei eine neue 93 er« schwörung entdeckt worden. Lledo beschäftigte sich mit der Bewaffnung der Bevölkerung von No- valiches, um in die Provinz Bulaean einzufallen.
* Athen, 3. März. Die Note, welche der griechischen Regierung durch die Legationssekretäre der Mächte überreicht wurde, hat folgenden Wortlaut: „Auf Befehl meiner Regierung bringe ich zur Kennt- niß Eurer Exzellenz, daß die Großmächte beabsichtigen, die Verhaltungslinie festzustellen, welche bestimmt ist, einer Lage ein Ende zu machen, der vorzubeugen nicht von ihnen abhing, deren Verlängerung aber danach angethan sein würde, den Frieden Europas zu gefährden. Die Mächte haben sich über die beiden folgenden Punkte geeinigt: Erstens, Kreta könnte auf keinen Fall unter den gegenwärtigen Umständen von Griechenland annettirt werden. Zweitens, angesichts der durch die Türkei herbeigeführten Verzögerung in der Anwendung der mit ihr vereinbarten Reformen sind die Mächte entschlossen, unter voller Aufrechterhaltung der Integrität des ottomanifchen Reiches Kreta mit einem vollständig durchgeführten Selbstverwaltungs-System auszustatten, welches bestimmt ist, der Insel eine besondere Regierung unter der hohen Suzeränetät des Sultans zu sichern. Die Verwirklichung dieser Absichten würde nach Ansicht der Mächte nur zu erreichen sein durch die Zurückziehung der griechischen Schisse und Truppen aus Kreta. Die Mächte erwarten
Du mußt aber den Schaden ersetzen, der mir aus dem abermaligen Verlängern der Borgsrist erwächst."
Damit zog er einen Bogen Papier aus der Tasche, und Schirmer, der die Notwendigkeit der angedeuteten Maßregel erkannte, trug Tinte und Feder herbei.
Schnell schrieb einen neuen Vertrag, den Schirmer unterzeichnet. Dann verließ Ersterer mit unverkennbar zufriedener Miene das Haus.
Der Müller stellte sich an's Fenster und schaute dem Davoneilenden mit düsterem Blicke nach.
„Es war eine böse Stunde," dachte er, „in der ich mich in die Gewalt dieses Wucherers gab. Eine schlimme Ahnung durchzuckt mich, so oft ich sein Raubvogelgesicht sehe. Bis jetzt bezweifle ich das Gerücht, daß der hochmütige Doktor Sallust ein stiller Theil- haber an den Geschäften Isidors sei, aber unmöglich ist es doch nicht. Sie verkehren so sehr viel mit einander, und fast kommt es mir so vor, als habe der Doktor heute den Agenten geschickt. Sallust ist ein Mensch ohne Grundsätze und Gewissen. Man darf ihm alles zutrauen. Wenn es so wäre, wenn er . . . ?" Dem Müller schien der Gedanke, welcher in ihm auf« getaucht war, so gräßlich zu sein, daß er vor dem Ausdenken desselben zurückschrak. Unruhig ging er in dem Gemache auf und ab.
„Und jetzt wieder dieser neue Vertrag!" so ging der Gedankengang des Müllers weiter. „Es ist geradezu