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Montag, den 1. März 1897. 24. Jahrgang

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mit Untechattungs-Keilagr „Sterne und Stumen".____________________

--- " Ns»nnnt»rn?ntsvreis ohne Brinaerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Erscheint täglich^Sonn-^ undoFe^ertag^au^gerwmmen^—^^ertel^ahr^lcher 15 Reklamen die Petitzeile s5 Pf.. b°. Wiederholungen entsprechender Rabatt.

schrveifen in die Vergangenheit.

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Aufgabe für uns Alle, mögen wir sein, wer und wo wir wollen. Zu dieser Aufgabe ruft uns das An­denken an Kaiser Wilhelm den Großen und in dieser wollen wir uns um ihn, um sein Andenken schaaren, wie die Spanier um den alten Eid. Diese Aufgabe, die uns allen aufgebürdet wird, die wir Ihm gegen­über verpflichtet sind zu übernehmen, ist der Kampf gegen den Umsturz mit allen Mitteln, die uns zu Gebote stehen. Diejenige Partei, die es wagt, die staatlichen Grundlagen anzugreifen, die gegen die Religion sich erhebt und selbst nicht vor der Person des Allerhöchsten Herrn Halt macht, muß überwunden werden. Ich werde Mich freuen, jedes Mannes Hand in der Meinen zu wisfen, sei er Arbeiter, Fürst oder Herr — wenn Mir nur geholsen wird in diesem Gefechte! Und das Gefecht können wir nur siegreich durchführen, wenn wir uns immerdar des Mannes erinnern, dem wir unser Vaterland, das Deutsche Reich, verdanken, in dessen Nähe durch Gottes Fügung so mancher brave, tüchtige Rathgeber war, der die Ehre hatte, seine Gedanken ausführen zu dürfen, die aber alle Werkzeuge seines erhabenen Wollens waren, erfüllt von dem Geiste dieses erhabenen Kaisers. Dann werden wir richtig wirken und im Kampfe nicht nachlassen, um unser Land von dieser Krankheit zu befreien, die nicht nur unser Volk durchseucht, son­dern auch das Familienleben, vor allen Dingen aber das Heiligste, was wir Deutsche kennen, die Stellung der Frau, zu erschüttern trachtet. So hoffe Ich Meine Märker um Mich zu sehen, wenn sich die Flammen­zeichen enthüllen, und in diesem Sinne rufe Ich: Die Mark, die Märker Hurrah! Hurrah! Hurrah'.!

plötzlich eine zornige Stimme, und ein hochgewachsener Mann trat hinter den Hopfenstangen hervor. Er trug ein Jagdgewehr. Sein bartloses Gesicht war mit einer unnatürlichen Röthe bedeckt, und die stechen­den Augen schleuderten drohende Blitze.

Der Wiesmüller Georg Schirmer und sein Knecht Severin hatten den Herankommenden bei ihrem eifrigen Suchen gar nicht bemerkt.

Nun drehte Ersterer sich um. Auch ihm schoß das Blut ins Gesicht. „Du branchst nicht gleich so aufzufahren, Heinrich," brummte er. „Ein Miß­geschick kann Jedem passiren, und mich trifft keine Schuld. Uebrigens streite ich mit Dir nicht lange. Der Geometer soll eine neue Ausmessung vornehmen, damit Punktum!"

Er warf die Schaufel auf den Rücken und schickte sich zum Fortgehen an, doch der Jäger vertrat ihm den Weg. „Was?" schrie er. „Zuerst bestiehlst Du mich, und nachher willst Du mir noch Grobheiten machen! Warte nur, Du Lump, diesmal kommt der händelsüchtige und hochnäsige Mensch Dir hinem!"

Schirmer war todtenbleich geworden. Die Zähne knirschten, und alle Muskeln an seinem Körper spannten sich an. Krampfhaft umklammerten die Finger den Stiel seiner Schaufel und in der, nächsten Sekunde schwang er sie hoch in der Lust.

Eine Rede des Kaisers.

Am Freitag Abend gab der Oberpräsident Dr. v. Achenbach dem Provinziallandtage der Provinz Brandenburg ein Diner im englischen Hause m der Mohrenstraße. Der Kaiser beehrte dasselbe wie alljährlich mit seinem Besuche. Die Tafel zah te gegen 140 Gedecke. Der Kaiser hatte m der Mitte der Tasel Platz genommen.

Nach dem Braten erhob sich der Staatsminister Oberpräsident Dr. v. Achenbach zu einer Rede, m welcher er darauf hinwies, daß die Brandenburger immer der Fahne der Hohenzollern gefolgt waren. Der Kaiser habe vor 2 Jahren in Italien am Grabe des Hohenstaufen Friedrich II. gestanden, dessen An­schrift lautete: „Hie cinis, ubique farna.“ Das passe auch auf die Vorfahren Sr. Majestät: „Hier ihre Asche, die Welt habe ihren Ruhm." Als würdiger Nachfolger derselben habe sich unser Kaiser die Aus­gabe gestellt, seinem Lande den Frieden zu erhalten. Diese Aufgabe habe er zu erfüllen gewußt bis in die letzten Tage. Die foziale Gesetzgebung habe er bis zu einem gewissen Abschlüsse gebracht, vor allem jedoch sei nun das deutsche Volk unter dem bürger­lichen Gesetzbuch geeinigt worden. Auf deut Gebiete der Kirche wirke Seine Majestät mit feiner hohen Gemahlin gemeinsam. Das wichtigste Gewerbe leide Noch: aber auch hier sehen wir unseren Kaiser tag­täglich von früh bis spät auf die Rettung desselben denken. Kurz und wirksam sei überall der Weg, der durch das Beispiel gezeigt werde. Dem Beispiele des Kaisers müssen die Brandenburger folgen. Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaifer. _ . u

Gleich darauf erhob sich Se. Majestät der Kaiser und hielt solgende Ansprache:

In herrlichem, bilderreichem Schwung hat soeben der Herr Oberprüsident in Ihrem Namen Ihre Hul­digung Mir entgegengebracht, und kann Ich nur von ganzem Herzen und tiefgerührt dafür danken.

Ich komme eben aus der alten Märkischen Haide, wo Ich umrauscht war von den alten Märkischen Kiefern und Eichen, zu ihrem lebendigen Ebenbild, zu den Märkischen Männern, und Ich freue Mich, wieder ein paar Stunden unter Ihnen zubringen zu können, denn der Verkehr mit den Söhnen der Mark ist für Mich stets wie ein neu belebender Trank. Was die Märkischen Eichen und Kiefern Mir vorgerauscht haben, das hat in sinniger Weise soeben der Herr Ober­präsident erwähnt. Mit hohem Rechte haben Sie speziell Meines hochseligen Herrn Großvaters erwahntz Mein lieber Achenbach. Unser heutiges Fest, rote auch die ganze Zeit, stehen sie doch schon unter dem aus­gehenden Frühroth des anbrechenden Morgens, des hundertjährigen Geburtstages dieses hohen Herrn. Da wird der Blick eines Jeden von Ihnen zurück-

Denken wir zurück in der Geschichte: Was ist das alte deutsche Reich gewesen! Wie haben so ost einzelne Theile desselben gestrebt und gearbeitet, zusammenzu­kommen zum einigen Ganzen, um theils für das große Ganze ersprießlich zu wirken, theils um den schütz des gesammten Staates gegen äußere Eingriffe zu ermöglichen. Es ist nicht gegangen: Das alte deutsche Reich wurde verfolgt von außen von feinen Nach­baren, und von innen durch feine Parteiungen. Der Einzige, dem es gelang, gewissermaßen das Land einmal zufammenzufassen, das war der Kaffer Friedrich Barbarossa. Ihm dankt das deutsche Volk noch heute dafür. Seit der Zeit verfiel unser Vaterland und es schien, als ob niemals der Mann kommen sollte, der im Stande wäre, dasselbe wieder zusammenzufügen. Die Vorsehung schuf sich dieses Instrument und suchte sich aus den Herrn, den wir als den ersten großen Kaiser des neuen deutschen Reiches begrüßen konnten. Wir können ihn verfolgen, wie er langsam heranrerste von der schweren Zeit der Prüsung bis zu dem Zeit­punkte, wo er als fertiger Mann, dem Greifenalter nahe, zur Arbeit berufen wurde, sich Jahre lang auf seinen Berus vorbereitend, die großen Gedanken tn seinem Haupte bereits fertig, die es ihm ermöglichen sollten, das Reich wieder erstehen zu lassen. Wir sehen, wie er zuerst sein Heer stellt und aus dmghasten Bauernsöhnen seiner Provinzen sie zusammenrelht zu einer kräftigen, waffenglänzenden Schaar; wir sehen, wie es ihm gelingt, mit dem Heer allmählich eine Vormacht in Deutschland zu werden und Branden­burg-Preußen an die führende Stelle zu fetzen. Und als dies erreicht war, kam der Moment, roojsr das gesammte Vaterland aufrief und auf dem schlacht- felde der Gegner Einigung herbeiführte. Meine Herren, wenn der hohe Herr im Mittelalter gelebt hätte. Er wäre heilig gesprochen, und Pilgerzüge mts allen Ländern wären hinzugezogen, um an feinen Ge­beinen Gebete zu verrichten. Gott fei Dank, das ist auch heute noch so! Seines Grabes Thür steht offen, alltäglich wandern die treuen Unterthanen dahin und führen ihre Kinder hin, Fremde gehen hin, um sich des Anblickes dieses herrlichen Greises und Seiner Standbilder zu erfreuen.

Wir aber, meine Herren, werden besonders stolz sein auf diesen gewaltigen Mann, diesen großen Herrn, da Er ein Sohn der Mark war. Daß Gott sich einen Märker ausgesucht hat, das muß etwas Beson­deres bedeuten, und Ich hoffe, daß es der Mark vor­behalten sein wird, auch fernerhin für des Reiches Wohl zu sorgen. Zusammengeführt wie Eins ist das hohenzollernsche Haus und die Mark, und aus der Mark stammen und in der Mark wurzeln die Faden unserer Krast und unseres Wirkens. So lange der Märkische Bauer noch zu Uns steht und Wir desien gewiß sein können, daß die Mark Unserer Arbeit entgegenkommt und Uns hilft, wird kein Hohenzoller an seiner Aufgabe verzweifeln. Schwer genug ist sie und schwer wird sie ihm gemacht; Ich meine eine

Deutsches Deich.

Berlin, 27. Februar.

* Im Kerrerrhause ist die nächste Plenar­sitzung auf den 20. März anberaumt worden. Auf der Tagesordnung sollen stehen Petitionen, Eisenbahn- rechenschastsberichte und der vom Abgeordnetenhanse herübergekommene Gesetzentwurf betreff, einige jagd­rechtliche Bestimmungen. Sollte sich weiteres Be- rathungsmaterial bis dahin ansammeln, so würde bereits am 19. März eine Plenarsitzung angesetzt werden. .

* Zur Steuerveranlagung wird der ,Koln. Ztg/ aus dem Jndustriebezirke geschrieben: „Einem unserer festangestellten Beamten und Reisenden ist seitens der Veranlagungs-Kommission die von ihm nach bestem Wissen und Gewissen abgegebene Steuer­erklärung mit der Maßnahme beanstandet worden, er möge sich zunächst über folgende Punkte äußern: Die Reisespefen können nur insoweit als steuerfrei gelten, als Sie dieselben thatsächlich zu dem Zwecke, wofür sie Ihnen gewährt werden, verausgaben. Etwaige Ersparniffe sind steuerpflichtig. Zu denfelben gehören in erster Linie die Kosten Ihres persönlichen Unter­halts ans den Geschäftsreisen. Wie berechnen Sie

und grub bald do, bald dort am Rande einer ab- qeernteten Hopfenanlage eine Vertiefung in den Boden. Längere Zeit hatten die Beiden kein Wort gewechselt, sondern mit unverkennbarem Eifer ihre Arbeit be= sorgt. Man sah, daß sie etwas suchten, das sich jedoch, wie es schien, nicht auffinden ließ.

Es war eine Dummheit von Dir, Sevenn," sagte endlich der Aeltere, ein ziemlich korpulenter Mann mit scharf ausgeprägten Zügen und kurz- qeschorenem Haare, und wischte sich den reichlich e i Schweiß von der Stirne. „Es war eine Dummheit, den Grenzstein herauszuackern, und eine noch größere, ihn auf die Seite zu werfen. Nun finden wie den Standpunkt nicht mehr. Das-kann einen schönen Verdruß geben, wenn Doktor Sallust die Geschichte entdeckt. Du weißt doch, daß mit dem hochnäsigen und händelsüchtigen Menschen nicht gut Brod essen ist." ., „ . _

„Run so gar arg wird es nicht fern, Wies­müller," meinte Severin und schaufelte eine mächtige Scholle neben einer seitwärts aufgeschichteten Lage Hopsenstangen hinweg. „Ungefähr weiß ich schon, wo der Stein stand. Ob wir ihn ein Bischen weiter oben oder unten einsetzen, ist einerlei."

„Ich will Euch sagen, was einerlei ist, was es kostet, wenn man einen Markstein verrückt," tönte

Der falsche Graf.

Kriminalroman von Max Benno.

------- (Nachdruck verboten.)

I.

Nach einem letzten freundlichen Strahlengruße sank die Sonne hinter den bewaldeten Höhen hinab. Wie flüssiges Gold verbrämte das Abendroth den Horizont, lieber dem lieblichen Thale lag träumerisch friedlicher Hauch, wie er an schönen Herbsttagen so oft Gemüth und Auge entzückt. Die Wiesen, auf denen man kurz vorher noch größere und kleinere Gruppen weidenden Viehes erblickt hatte, begannen sieh zu leeren. Unter melodischem Schellengeläute und vor dem lustigen Peitschenknall der Hütbuben trotteten die gesättigten Thiere dem ansehnlichen Land­städtchen Rodenbach zu, das in den Jahren um 1870, in welcher Zeit unsere Geschichte spielt, dem Welt­verkehre noch ferner lag als heute.

Auch die auf dem Felde beschäftigten Leute hatten Feierabend gemacht. Pfeifend schritten die Knechte und Bauern hinter den heimwärts ziehenden Ge­spannen einher. Nur auf einer mäßigen Boden- anschwellung, über die sich ein weites, frisch umge­pflügtes Brachfeld hinzog, fah man noch zwei Männer beschäftigt. Jeder hielt eine Schaufel tn der Hand